Lebensdaten
1922 bis 1992
Geburtsort
Klingnau (Kanton Aargau)
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
katholisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 119037475 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Räber, Kuno
  • Raeber, Kuno
  • Räber, Kuno
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Zitierweise

Raeber, Kuno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119037475.html [22.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Meinrad (1887–1968), aus Herisau, Arzt, Schriftst., S d. Martin Zehnder (1860–1929), aus Einsiedeln, Postkondukteur, u. d. Franziska Kälin (1862–1939);
    M Josefine gesch. Zehnder (1891–1955), T d. Josef Räber (1860–1934), Buchdrucker, Verleger in Luzern, u. d. Anna Schryber (1858–1924);
    Basel 1950 ( 1959) Mareile (* 1925), T d. Felix Georgi (1890–1965), aus Zürich, Prof. d. Neurol. in B., Ehrenmitgl. d. Franz. Neurolog. Ges. u. d. Ak. d. Wiss. in New York (s. Fischer; BHdE II), u. d. Mildred Arbenz;
    2 T.

  • Leben

    R. studierte in Basel Geschichte und Philosophie. Unter dem Einfluß seines Mentors, des Theologen Hans Urs v. Balthasar (1905–88), trat er 1945 ins Jesuitenkloster Balzers ein, das er jedoch nach wenigen Wochen wieder verließ. Nach dem Bruch mit der Kirche schloß R. 1950 das Studium bei Werner Kaegi (1901–79) mit der Promotion zum Dr. phil. ab (Stud. z. Gesch.bibel Sebastian Francks, 1952). 1951 leitete er die Schweizer Schule in Rom, 1952-55 war er Assistent am Leibniz-Kolleg in Tübingen, danach bis 1957 bei Bruno Snell (1896–1986) als stellvertretender Prorektor am Europa-Kolleg in Hamburg. Der Erfolg seines Lyrikbands „Die verwandelten Schiffe“ (1957) führte zu einer erneuten Lebenswende: R. verließ Beruf und Familie und lebte seit 1958 – abgesehen von einem Jahr als „poet in residence“ am Oberlin-College (Ohio, USA, 1967/68) und häufigen Aufenthalten in Rom – als freiberuflicher Dichter bis kurz vor seinem Tod in München.

    R.s Lyrik blendet Figuren aus Antike und Christentum simultan in den Gegenwartsalltag, Naturthemen zeigen komplexe Muster von Wort- und Klangvariationen. Ziel ist eine „Musik der Worte“, die Entsprechungen zwischen scheinbar disparaten Erscheinungen aufdeckt (FLUSSUFER, 1963; Reduktionen, 1981).

    Während R.s Umsetzung dieses Ziels in lyrischer Form Anerkennung fand, stieß sein Prosawerk auf Vorbehalte. Statt der vielfach erwarteten Analyse gesellschaftlicher Aktualität präsentierte R. Lebensformen von Gegenwart und Vergangenheit als Metamorphosen konstanter menschlicher Wünsche. Gegen den Strom der Zeit errichten Menschen in R.s Werken aus Steinen, Kunstwerken und Ritualen Bilder von Schönheit und erfülltem Sinn: die Stadt als kosmische Ordnung, den Palast als gute Herrschaft, Kugel und Kuppel als Vollkommenheit, Reliquiar und Mumie als Aufhebung der Endlichkeit. Deren Beschwörung sah R. als Aufgabe seines Schreibens, um wie bei einem Palimpsest kulturelle Vergangenheit unter Erscheinungen der Gegenwart sichtbar zu machen. Die Figur des Autors zeigt keine dem Schreibakt vorgängige Identität, sondern zerfällt in viele Masken, bei denen die Person des röm. Märtyrers Laurentius im Spätwerk zunehmend wichtiger wird (Bocksweg, 1989; Sacco di Roma, 1989; Bilder Bilder, 1994). Der synkretistische Rückgriff auf Vergil und Ovid, auf Bibel und Legenda aurea stand einer breiteren Anerkennung der Romane und Theaterstücke im Weg.|

  • Auszeichnungen

    Ehrengabe d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (1969); Tukanpreis d. Stadt München (1973); Luzerner Lit.preis (1979); Luzerner Kunstpreis (1991).

  • Werke

    Lyrik: Gesicht im Mittag, 1950;
    gedichte, 1960;
    Abgewandt/Zugewandt, 1985. – Prosa: Die Lügner sind ehrlich, 1960;
    Galabria, Reiseskizzen, 1961;
    Mißverständnisse, 33 Kap., 1968;
    Alexius unter d. Treppe oder Geständnisse vor e. Katze, 1973;
    Das Ei, 1981. – Theaterstück: Vor Anker, 1992. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Schweizer. Lit.archiv, Bern.

  • Literatur

    R. A. Klein (Hg.), Der Dichter K. R., Deutungen u. Begegnungen, 1992 (Bibliogr.);
    B. Eichmann-Leutenegger, in: NZZ v. 29.1.1992 (P);
    B. v. Matt, ebd. 15.5.1992;
    A. v. Schirnding, in: SZ v. 30.1.1992;
    Ch. Wyrwa, ebd. 5.7.1997 (P);
    dies., Maskenwechsel, K. R.s Spätwerk, in: Lit. in Bayern 55, 1999, S. 9-13;
    Lex. d. dt.sprachigen Gegenwartslit. seit 1945, 1997;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    Schweizer Lex.;
    KLL, Suppl., 1998;
    Munzinger;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971–98, 1999.

  • Autor/in

    Christiane Wyrwa
  • Empfohlene Zitierweise

    Wyrwa, Christiane, "Raeber, Kuno" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 104 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119037475.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA