Lebensdaten
1874 bis 1945
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Betriebswirtschaftler
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 139681477 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leitner, Friedrich

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Zitierweise

Leitner, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139681477.html [16.12.2018].

CC0

  • Leben

    L. besuchte die Handelsakademie in Wien, absolvierte 1893-95 eine kaufmännische Praxis im Bank- und Speditionsgeschäft und war 1895-98 Assistent und Supplent an der Handelsakademie. Nach Ablegung der Lehramtsprüfungen für Handelsschulen unterrichtete er 1898-1903 am Realgymnasium und an der damit verbundenen Höheren Handelsschule in Mainz und war nebenamtlich Direktor der Kaufmännischen Fortbildungsschulen der dortigen Handelskammer. 1903-06 war er Oberlehrer an der städtischen Handelslehranstalt Frankfurt am Main und Assistent an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften. 1906 wurde L. als Dozent der Handelswissenschaften an die neugegründete Handelshochschule (seit 1936 Wirtschaftshochschule) Berlin berufen, wurde dort 1908 Professor der Handelswissenschaften, 1922 der Privatwirtschaftslehre, 1923 der Betriebswirtschaftslehre. Seit 1921 hielt er auch Vorlesungen an der TH Berlin und wurde dort 1925 Honorarprofessor. Nach der Übernahme der Handelshochschule durch den preuß. Staat (1927) erhielt L. eine o. Professur für Betriebswirtschaftslehre. 1918-20 und 1930/31 war er Rektor der Hochschule.

    L. war einer der Pioniere der Betriebswirtschaftslehre. Zahlreiche, mehrfach aufgelegte Werke bezeugen seine Wirkung in Forschung und Lehre. Besonders hervorzuheben sind sein Beitrag zur Systematik der industriellen Kostenrechnung und die von L. erreichte enge Verknüpfung zwischen Buchhaltung und Bilanzierung einerseits und dem betrieblichen Geschehen andererseits. Damit wurde die Voraussetzung dafür geschaffen, Aussagen über die Gebarung der Unternehmungen aus der Buchhaltung und vor allem durch die „Bilanzkritik“ zu gewinnen. L. vertrat eine empirisch-realistische Betriebswirtschaftslehre (Schönpflug), eine – nach eigenen Formulierungen – „Lehre vom zweckmäßigen Handeln“, der es vor allem um die Lösung „praktischer Aufgaben“ ging. Dieser Einstellung entsprach eine Abneigung gegen „rein abstrakte Theorie“. Für L. war die „Privatwirtschaftslehre der Unternehmung“ vor allem eine „Rentabilitätslehre“ und eine „Verwaltungslehre unter dem Gesichtspunkt der Rationalisierung der Wirtschaftsführung“. Trotz der ausgesprochen einzelwirtschaftlichen Ausrichtung seines Faches hat L. den Zusammenhang mit der Volkswirtschaftslehre durchaus gesehen. Beide Disziplinen waren ihm „Teile einer allgemeinen Wirtschaftslehre“ und beschäftigten sich mit den gleichen Forschungsobjekten.

    Auch organisatorisch und hochschulpolitisch erwarb sich L. große Verdienste um die zunehmende Anerkennung seines Faches und der Handelshochschulen. In der Zeit seines ersten Rektorats wurden das Seminar für Kontrollbeamte (Bücherrevisoren, Treuhänder, Steuerbeamte), das Genossenschaftsseminar und die Seminare für Versicherungswesen und für Steuerwesen errichtet. Auch die Verleihung des Promotionsrechts an die|Handelshochschule Berlin (1926) ging auf eine Initiative L.s zurück.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. pol. h. c. (Tübingen 1923).

  • Werke

    u. a. Das Bankgeschäft u. seine Technik, 1903, u. d. T. Bankbetrieb u. Bankgeschäfte, 61923, 71925;
    Die Selbstkostenberechnung industrieller Betriebe, 1905, 91930;
    Die doppelte kaufmänn. Buchhaltung, 1909, 71923;
    Bilanztechnik u. Bilanzkritik, 1911, 91932;
    Die Kontrolle in kaufmänn. Unternehmungen, 1917, 51939;
    Privatwirtsch.lehre d. Unternehmung, 1919, u. d. T. Wirtsch.lehre d. Unternehmung, 51926;
    Finanzierung d. Unternehmungen, 1927;
    Wirtsch.lehre d. Industriebetriebes, 1944.

  • Literatur

    F. Schönpflug, Das Methodenproblem in d. Einzelwirtsch.lehre, 1933, S. 283-321 (u. d. T. Betriebswirtsch.lehre. Methoden u. Hauptströmungen 21954);
    E. Kosiol, Wegbereiter d. Betriebswirtsch.lehre, Würdigung d. Forschungsleistungen v. L. u. Nicklisch, in: Festschr. z. 50. Gründungstag d. Handels-Hochschule Berlin, 1956, S. 134-37;
    F. Edel, F. L., ebd. S. 157 f.;
    Hdwb. d. Soz.wiss. VI, 1959, S. 575 f.;
    Hdwb. d. Betriebswirtsch., 31960, Sp. 3794 f.;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Karl Vodrazka
  • Empfohlene Zitierweise

    Vodrazka, Karl, "Leitner, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 170 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139681477.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA