Lebensdaten
erwähnt 938, gestorben 967
Sterbeort
Säben
Beruf/Funktion
Erzbischof von Salzburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137326416 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Herolt
  • Herold von Salzburg
  • Herold
  • mehr

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Zitierweise

Herold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137326416.html [24.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Albrih Gf. in Kärnten (?).

  • Leben

    Nach dem Tode seines Vorgängers Egilolf ( 22.8.938) wurde wohl schon im September des gleichen Jahres mit der Ernennung H.s zum Erzbischof von Salzburg durch Otto I. die Bischofsinvestitur vom bayerischen Herzog wieder an den König genommen. Sollte sich die vermutete Verwandtschaft H.s mit den Luitpoldingern erweisen lassen, so könnte in dieser Ernennung eine Rücksichtnahme auf das alte bayerische Herzogsgeschlecht zu finden sein. Als Erzkanzler für Bayern hat H. vom Juni 945 durch mehr als 8 Jahre bis 953 alle bayerischen Diplome des Königs in seinem Namen rekognosziert. In den Auseinandersetzungen der Jahre 953-55, ausgelöst durch einen dynastischen Interessenkonflikt (Ottos Sohn Liudolf von Schwaben sowie sein Schwiegersohn Konrad von Lothringen erhoben sich gegen den vorherrschenden Einfluß Heinrichs von Bayern und der Königin Adelheid), scheint H. anfangs noch geschickt taktiert zu haben: Zwei Schenkungen Ottos I. vom 29.11. und 10.12.953 an ihn bestätigen das. Als sich der Konflikt ausweitete durch den Abfall der bayerischen Luitpoldinger und durch das Wiederaufleben der Ungarneinfälle, hat H. anscheinend entschiedener Stellung genommen. Jedenfalls wurde er in die Niederlage der Luitpoldinger sowie Liudolfs und Konrads hineingezogen, und als er nach einem Kampf bei Mühldorf am 1.5.955 in die Hände des bayerischen Herzogs Heinrich I. fiel, ließ ihn dieser blenden, angeblich wegen H.s Konspiration mit den Ungarn. H. verlor damit auch sein Erzbistum und wurde nach Säben verbannt, hat aber nicht auf sein Bistum verzichtet, sondern weiter bischöfliche Handlungen vorgenommen.

  • Literatur

    ADB XII;
    H. Widmann, Gesch. Salzburgs I, 1907;
    S. Riezler, Gesch. Baierns I 1, 21927;
    E. Tomek, KG Österreichs I, 1935;
    K. Reindel, Die bayer. Luitpoldinger, Slg. u. Erll. d. Qu., 1953;
    R. Holtzmann, Gesch. d. sächs. Kaiserzeit, 31955;
    J. Wodka, Kirche in Österreich, 1959;
    M. Mitterauer, Karoling. Markgrafen im Südosten, Fränk. Reichsaristokratie u. bayer. Stammesadel im österr. Raum, in: AÖG 123, 1963.

  • Autor/in

    Ludwig Hilz
  • Empfohlene Zitierweise

    Hilz, Ludwig, "Herold" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 675 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137326416.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Herold, Erzbischof von Salzburg, folgte im Anfange der Regierung Otto's des Großen auf den am 22. August 939 verstorbenen Egilolf. Von dem Könige mit reichen Schenkungen für seine Kirche bedacht, bekleidete er gleich seinen Vorgängern das Amt des Erzkanzlers für Baiern. An der großen Augsburger Synode im August 952 nahm er mit den übrigen baierischen Bischöfen Theil und hielt auch nach dem Abfalle Baierns von der Sache des Königs in den Wirren des durch Liudolf und Konrad erregten Bürgerkrieges zuerst an Otto fest, der ihm sogar noch zu Ende des J. 953 eine den Aufständischen entzogene Besitzung in Kärnten zum Geschenke machte. Gleich daraus aber ließ er sich ebenfalls von der nationalen Bewegung fortreißen, durch welche die Baiern unter der Führung des Pfalzgrafen Arnolf, den ihnen aufgedrungenen Herzog Heinrich, des Königs Bruder, zu verdrängen suchten. Als im J. 954 die Ungarn ins Land brachen und von Liudolf gegen seine Widersacher in Franken und Lothringen abgelenkt wurden, trat auch H. mit ihnen in Verbindung und soll ihnen aus den Schätzen seiner Kirche gespendet haben. Wie es sich auch mit dieser Beschuldigung Verhalten mag, als H. zu Anfang des J. 955 mit einigen baierischen Grafen sich gegen H. erhoben hatte, ließ ihn dieser, wahrscheinlich am 1. März, zu Mühldorf am Inn ergreifen und durch die grausame Strafe der Blendung ohne jede gerichtliche Entscheidung unschädlich machen. Während seine Verbündeten eine blutige Niederlage erlitten, wurde er selbst nach dem auf steiler und rauher Höhe gelegenen Bischofssitze Seben in Tirol verbannt und das Gut seiner Kirche den Lehnsleuten des Herzogs überliefert. Heinrich überlebte diese Gewaltthat, die er auch auf dem Todtenbette nicht bereute, nur um acht Monate, dem Könige fiel die Aufgabe zu, die verworrenen Verhältnisse der Salzburger Kirche wieder zu ordnen. Auf einer Synode zu Ingelheim im April 956 wurde die über H. verhängte Absetzung bestätigt und Friedrich, der Abkömmling einer vornehmen baierschen Familie, an seine Stelle gesetzt. Obgleich jener angeblich zu der Wahl eines Nachfolgers seine Zustimmung gegeben haben soll, so erkannte er dieselbe dennoch nicht an, sondern fuhr fort als Erzbischof Messe zu lesen, indem er dabei die Insignien seiner Würde anlegte. Für Otto war es deshalb von großem Werthe, daß Papst Johann XII. nach der Kaiserkrönung am 7. Febr. 962 die Wahl Friedrichs zum Salzburger Metropoliten ausdrücklich genehmigte und H. unter Androhung des Bannes, noch ferner Messe zu halten verbot, woran schon seine Blindheit ihn hätte hindern sollen. Dieser klammerte sich jedoch so hartnäckig an die nur durch einen Gewaltact ihm entrissene Würde, daß Johann XIII. nebst der von ihm berufenen Synode von Ravenna am 25. April 967 auf den Wunsch des Kaisers wegen seiner fortdauernden Widersetzlichkeit noch einmal den Bannfluch über ihn aussprach. H. starb, vielleicht noch in demselben Jahre oder wenig später am 31. August: ein Beispiel der Abhängigkeit, in welcher trotz Pseudoisidor die Kirche des 10. Jahrhunderts noch von dem deutschen Königthume stand, ohne an dem päpstlichen Stuhle einen Rückhalt zu finden.

    • Literatur

      Köpke und Dümmler, Kaiser Otto der Große, Leipzig 1876. Büdinger, Oesterreichische Geschichte, I. Leipzig 1858.

  • Autor/in

    Dümmler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Dümmler, Ernst, "Herold" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 202 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137326416.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA