Lebensdaten
erwähnt 1191, gestorben nach 1221
Beruf/Funktion
Herzog von Spoleto ; Graf von Acerra
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136192645 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Diopuld
  • Diepold
  • Diopuld
  • mehr

Zitierweise

Diepold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136192645.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus dem schwäbischen Ministerialengeschlechts v. Schweinspeunt, das im Dienst der Grafen v. Lechsgemünd stand;
    B Otto Siegfried;
    S Konrad; Schwiegersöhne Wilh. Gf. v. Caserta, Jakob Gf. v. San Severino, der D. 1218 gefangen nahm.

  • Leben

    D. begegnet zuerst 1191 im Dienst Heinrichs VI. als Kastellan der Grenzburg Rocca d'Arce, von wo aus er in den folgenden Jahren große Teile Campaniens beherrschte. 1197 erhob ihn der Kaiser zum Grafen von Acerra. In den Wirren während der Regentschaft Innocenz' III. im Königreich Sizilien (1198–1208) behauptete sich D. in Süditalien, vor allem in der Terra di Lavoro, und kämpfte mit wechselndem Erfolg gegen die Parteigänger des Papstes. Im Januar 1209 erscheint D. als Kapitän und Großjustitiar Friedrichs II. in Süditalien. Als Otto IV. nach Italien kam, trat er auf dessen Seite, wurde im Februar 1210 zum Herzog von Spoleto erhoben und soll den Welfen zum Einmarsch in das Königreich Sizilien im November 1210 bewogen haben. Nach dem Rückzug des Kaisers hielt sich D. noch mehrere Jahre im Herzogtum Spoleto und der Mark Ancona. Anfang 1217 kehrte er ins Königreich Sizilien zurück, wurde aber im folgenden Jahr auf Befehl Friedrichs II. gefangengenommen, der die lokalen Machthaber im Grenzgebiet zwischen dem Königreich und dem Kirchenstaat endgültig beseitigen wollte. 1221 gegen Auslieferung verschiedener noch von seinen Anhängern besetzter Burgen freigelassen, soll er in den Deutschen Orden eingetreten sein.

  • Literatur

    ADB V (unter Diopuld): Th. Toeche, Kaiser Heinrich VI., = Jbb. d. dt. Gesch., 1867;
    E. Winkelmann, Philipp v. Schwaben u. Otto IV. v. Braunschweig, 2 Bde., = Jbb. d. dt. Gesch., 1873 und 1878;
    F. Baethgen, Die Regentschaft Papst Innocenz III. im Kgr. Sizilien, = Heidelberger Abhh. z. mittleren u. neueren Gesch. 44, 1914. Zur Herkunft D.s: E. Winkelmann, in: F z. dt. Gesch. 16, 1876, S. 159-63;
    S. Riezler, ebd., S. 373 f.

  • Autor/in

    Hans Martin Schaller
  • Empfohlene Zitierweise

    Schaller, Hans Martin, "Diepold" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 653 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136192645.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Diopuld, Graf v. Acerra 1197, Herzog von Spoleto 1210, gest. nach 1221. Von Geburt nicht ein Markgraf oder Ritter von Vohburg, wie man ihn gewöhnlich aber irrig bezeichnet, sondern ein Angehöriger des Dienstmannengeschlechts von Schweinspeunt (östlich von Lechsgemünd), ist er, wir wissen nicht um welche Zeit und aus welcher Veranlassung, in den Dienst Kaiser Heinrichs VI. gekommen, dem er bei der Eroberung des normännischen Reiches wichtige Dienste leistete. Er wurde von Kaiser Heinrich 1191 zum Castellan der festen Grenzburg Rocca d'Arce ernannt und hielt von dort Jahre lang die Nachbarschaft bis nach Salerno hin in Furcht und Schrecken, bis des Kaisers zweiter Zug im J. 1194 das Königreich vollends den Deutschen unterwarf. Aus diesen Jahren des Kampfes hat der zeitgenössische Dichter Petrus de Ebulo von ihm manche charakteristische Züge mitgetheilt, welche ihn als einen Mann erweisen, der Furcht nicht kennt, seinem Schwerte unbedingt vertraut, des Bewußtseins voll ist, im kaiserlichen Dienste zu stehen und voll Verachtung auf das vor ihm bebende Land herabsieht, welches nur weibische Männer zu erzeugen vermöge. Der Dichter vergleicht ihn seinem Wappenthiere, dem Eber. Im J. 1197 wurde er vom Kaiser, nachdem wol sein bisheriger Herr, der Graf von Lechsgemünd, ihn aus der Dienstmannschaft entlassen hatte, zum Grafen von Acerra erhoben und er wußte sich als solcher auch in den stürmischen Zeiten, welche dem Tode Heinrichs folgten, sowol gegen dessen deutsch-feindliche Wittwe, als auch gegen Innocenz IV., den Vormund des jungen Friedrich II., und endlich gegen diesen selbst zu behaupten, indem er sich offenbar von dem Gedanken leiten ließ, daß das Königreich nicht für die staufische Dynastie, sondern für Deutschland und den jeweiligen Kaiser erobert worden sei. Sobald es daher in der Person des Welfen Otto IV. wieder einen Kaiser gab und als dessen Verhältniß zum Papste und zum Könige Friedrich sich feindlich anließ, war D. an seiner Seite und hat ihn dazu angetrieben, die Eroberung Siciliens zu versuchen. Otto aber erhob den unverwüstlichen Gegner des Papstes im Februar 1210 zum Herzog von Spoleto und ließ sich durch ihn (Nov. 1210) den Weg ins Königreich bahnen. Als jedoch Otto, um dem vom Papste angefachten Aufstande in Deutschland zu begegnen, die fast schon vollendete Eroberung des Südens preisgeben und aus Italien abziehen mußte, da brach Diopulds Macht für immer zusammen. Er hat sich zwar noch einige Jahre in einzelnen Städten Spoleto'd und der Mark Ancona nothdürftig gegen die Päpstlichen gehalten; als er aber 1216 von dort ins Königreich zurückkehrte und seinen alten Anhang zum Kampfe gegen Friedrich II. sammelte, gehorchte sein eigener Schwiegersohn der Graf v. S. Severino dem Befehle des abwesenden Königs und nahm ihn im J. 1218 gefangen. Erst nach Friedrichs Kaiserkrönung und auf Bitte der Friedrich begleitenden Deutschen erlangte er die Freiheit. Er fühlte jedoch wol selbst, daß seine Rolle ausgespielt und für ihn in dem strammen Staatswesen des Staufers kein Platz sei, und so hat die Nachricht einiges für sich, daß er in den deutschen Orden eingetreten sei. Als Ordensbruder soll er noch lange gelebt haben. Seine mit ihm nach Unteritalien eingewanderten Brüder Otto und Siegfried und sein Sohn Konrad verschwinden seitdem gleichfalls aus der Geschichte; Töchter Diopulds waren mit den Grafen Wilhelm von Caserta und Jakob von S. Severino verheirathet.

    • Literatur

      Ueber seine Herkunft s. Forsch. zur deutsch. Geschichte, Bd. XVI, 171 und 373, über seine italienischen Erlebnisse: Toeche, Heinrich VI.; Abel, Otto IV. und Friedrich II., und des Unterzeichneten Philipp von Schwaben und Otto IV., besonders Bd. II.

  • Autor/in

    Winkelmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkelmann, Eduard, "Diepold" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 248-249 unter Diopuld [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136192645.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA