Lebensdaten
1552 bis 1634
Beruf/Funktion
Meistersinger ; Schumacher
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 13156014X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hager, Jörg
  • Hager, Geörg
  • Hager, Jörg

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Zitierweise

Hager, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd13156014X.html [26.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (1512–71), lernte bei Hans Sachs d. Schuhmachen u. Meistersingen, S d. Schuhmachers Georg in N. u. d. Kunigund Salczer; M Elisabeth ( 1583), T d. Schuhmachers Dechelmayer in N.; Ur-Gvv Seicz, aus Oberreichenbach b. Zwickau, Schuhmacher in N.; - 1) Nürnberg 5.4.1580 Catherina ( 1597), T d. Goldschmieds Münch, 2) 1598 Margareta (1568–1613), T d. Lienhard Herzog u. d. Barbara N. N., 3) 1614 Anna ( 1615), T d. Baders Thomas Gebel in Kronach, 4) 1616 Künegund, T d. Kammachers Herold in N.; 17 K, u. a. aus 1) Hans (1581–1657), Schuhmacher u. Meistersinger, aus 2) Philipp (1599–1662), Nachf. d. V als Merker u. Leiter d. Singschule, Josua (1602–66), Meistersinger, dann Pastor in N.-Wöhrd, Christoff (1606–80), Schuhmacher u. Meistersinger; E (S d. Phil.) Johannes (* 1627), Schuhmacher u. Meistersinger.

  • Leben

    Ohne Schulbildung aufgewachsen, ist H. vor allem durch das Vorbild des Hans Sachs geprägt worden. In dessen Haus ging er von klein auf aus und ein und empfing durch ihn|den Antrieb zum Meistersang. 1569 trat er der Singschule bei. Seine Wanderjahre (ab 1575) führten ihn durch viele Städte, wo er jeweils gewissenhaft an Singschulen teilnahm und zu führenden Meistersingern (Kriegsauer in Steyr, Puschmann und Herold in Breslau) in Beziehung trat. Unter Opfern an Zeit, Geld und Mühe sammelte er unermüdlich Meisterlieder. In der Nürnberger Singschule spielte er nach seiner Heimkehr eine an Bedeutung stetig wachsende Rolle. Zwischen 1590 und 1600 entstanden 16 seiner insgesamt 17 Meistertöne. Dieses Jahrzehnt war seine produktivste Zeit. Doch war er textschöpferisch noch bis 1612 bemerkenswert fruchtbar. Auch an den Theaterspielunternehmungen der Nürnberger Meistersinger war er führend beteiligt und auch selber dramatisch tätig. Durch Darstellung aktueller Themen lokalen Charakters erregte er Aufsehen. 1608 wurde er zum Merker und 1619 zum Leiter der Singschule bestellt, welches Amt er bis zu seinem Tode ausübte. Im Singschulstreit von 1624 setzte er sich gegen die rebellierende Gruppe der Jüngeren erfolgreich durch; es blieb beim althergebrachten Brauch. 1616 hatte er zusammen mit Hans Glöckler eine ausführliche neue Schulordnung zusammengestellt. In den Zeiten des schon spürbaren Niedergangs hat er die Sache der Meister tatkräftig hochgehalten. Seine Wirkung zeigt sich nicht zuletzt darin, daß die von ihm geschaffenen Meistertöne auch an den anderen Singschulen des Reiches vielfach gebraucht wurden. Von seinen 17 Kindern aus vier Ehen haben ihn nur vier überlebt.

    H.s Bedeutung für den Meistersang beruht auf seinem zweifelsfreien Glauben, daß die Singekunst ein christliches Werk zur Ehre Gottes und zur Besserung der Menschen ist und daher als höchster Wert zu gelten hat. Infolgedessen muß sie so gepflegt werden, wie sie die alten Meister ausgeübt haben. Ändernde Neuerungen sind abzulehnen, da sie das bewährte Alte nur schwächen könnten. Dieser epigonischen Haltung entspricht, daß neben dem Dichten das systematische Sammeln und Sichten des überlieferten Liederbestandes zu einer Hauptaufgabe wird. Entscheidend ist, daß H. zugleich die Vitalität besaß, sein sittlich fundiertes, konservatives Kunstideal auch im Kampf gegen Widersacher zu behaupten und es als verpflichtendes Erbe an Kinder und Kindeskinder weiterzureichen. Bemerkenswert ist die Vielfalt seiner eigenen Produktion. Außer biblischen Stoffen hat er historische Gegenstände (Alexander der Große, Heinrich IV., Maximilian, Luther, Hus, Bauernkrieg, Türkenkrieg etc.), Heiligenlegenden, Fabeln, Schulkünste, aber auch anekdotische und schwankhafte Themata (Trinklieder, Badlieder, Buhllieder, Lügenlieder, Hochzeitlieder, Klagelieder etc.) dargestellt. Eine Vorliebe für Liederzyklen fällt auf: Huszyklus (9 Lieder), Josephzyklus (13), Josuazyklus (13), Türkenkriegszyklus (31). Die eigenen Töne, in denen er dichtete, weisen beträchtliche Längenunterschiede auf und dokumentieren so die auf formale Originalität gerichtete artistische Tendenz. Ein Meistersinger soll eben in Strophenformen jeglicher Art sein Können beweisen.

  • Werke

    W Hss.: Dresden M 100 u. M 6, Weimar Q 571, Wien 13 512 (vol. II, S. 227). - Von d. insges. 937 Meisterliedern u. 42 Gelegenheitsgedichten H.s hat Bell 620 u. 39 im Druck zugänglich gemacht. Seine Komödien. Tragödien sowie d. Versdichtung üb. Friedrich Barbarossa müssen als verloren gelten. Ebenso sind 8 seiner 13 Meisterliederslgg. verloren. Seine 17 Meistertöne sind dagegen einschließlich d. Melodien erhalten u. mitget. in: C. H. Bell, G. H., a Meistersinger of Nürnberg 1552-1634, 4 Bde., Berkeley u. Los Angeles 1947 (P).

  • Literatur

    ADB X; J. Ch. Gottsched, Catalogus Bibliothecae Gottschedii, Leipzig 1767, S. 87, Nr. 1952; J. Bolte, Sechs Meisterlieder G. H.s, in: Alemannia 22, 1894, S. 159; Hans-Sachs-Forschungen, Festschr. hrsg. v. A. H. Stiefel, 1894; K. Drescher, Nürnberger Meistersinger-Protokolle, 1897; C. H. Bell, G. H.s Meisterliederslgg., in: Germanic Review 17, New York 1942, S. 25; ders., G. H., s. W; B. Nagel, Meistersang, 1961; Goedeke I, S. 228.

  • Portraits

    Jugendbild, Einblattdruck (Nürnberg, Stadtarchiv), Abb. b. Bell, s. W, S. 21; Altersbild, Einblattdruck (Weimar, Landesbibl.), Abb. ebd., S. IV.

  • Autor

    Bert Nagel
  • Empfohlene Zitierweise

    Nagel, Bert, "Hager, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 488-489 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd13156014X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hager: Georg H., Dichter, geboren vermuthlich zu Nürnberg und vor 1560, um 1645. Seine Geburt in das J. 1566 zu setzen, wie ein Porträt "aetatis suae 82" veranlaßt hat, welches sich in einem Drucke von 1648 befindet, ist darum unstatthaft, weil seine eigenhändige Bemerkung in der Dresdener Handschrift M 100 zeigt, daß er schon 1580 seine Wanderschaft beendet hatte, weil er ferner nach einem Actenstücke aus dem J. 1624 zu dieser Zeit gar schon 55 Jahr "gesungen" haben soll und weil drittens auch die Angabe, daß er bei Hans Sachs, "da er als ein Knab zu seinem Verstand kam", "täglich und viel" verkehrte, als ob er sein "angenommener Knabe" gewesen wäre, mit Nothwendigkeit zu der Annahme führt, daß er, als Sachs starb (1576), mehr als 10 Jahr alt gewesen sei. Er erlernte die Kunst des Meistergesangs von seinem Vater und, da dieser, vermuthlich derjenige Georg H., dessen Bildniß "aetatis suae 69" in einem Gemälde der Nürnberger Meistersinger aus dem J. 1581 erhalten ist, neben seinem Handwerke, dem Schuhmachen, bei Hans Sachs auch "das Singen" gelernt hatte, konnte er sich rühmen, die Kunst des Meistergesangs mittelbar von keinem Geringeren als Hans Sachs überkommen zu haben. Neben dem Schuhmacherhandwerk, das auch er ausübte, trieb er diese Kunst ohne bemerkenswerthes Talent, aber mit rührendem Fleiß und Eifer sein Leben lang. Er erfand 17 Töne, deren Melodien in einem Dresdener Manuscript aufgezeichnet sind, dichtete außer vielen Meisterliedern auch Spruchgedichte und Komödien und füllte eine stattliche Reihe von Handschriften mit einer Sammlung eigener und fremder dichterischer Arbeiten an. Sehr mangelhaft sind die Nachrichten zur Geschichte seines Lebens. 1587 kömmt sein Name zum ersten Male in einem handschriftlichen Nürnberger Singschulbuche vor, welches mit dem J. 1583 beginnt. Aus dem J. 1624 sind Schriftstücke erhalten, welche sich auf einen unter den Nürnberger Meistersingern entstandenen Streit beziehen, bei welchem er für die "alte fünfzigjährige Meistersingergesellschaft" eintrat. 1629 soll er durch eine übernommene Bürgschaft in Noth gerathen sein. Verheirathet war er drei Mal; eine seiner Frauen starb um Weihnachten 1597, seinem dritten Weibe, Anna, dichtete er 1614, als sie noch seine "Bulschaft" war, ein "Bullied". Die Kunst des Meistergesangs, in der er selbst, wie erwähnt, von seinem Vater unterwiesen worden war, vererbte er weiter auf einige seiner Söhne. Manuscripte von seiner Hand befinden sich in Dresden, Weimar und Wien. Gottsched besaß|eine Handschrift: "Gr. Hager's Kriegsordnung, aus Kriegs-Büechern zusammen getragen, und aufs engest in reimen verfasset", 1600, sauber geschrieben mit sauber gemalten Figuren, 4°. Auch "Ein kläglich Lied wie es zu Nürnberg an St. Barthol. Tag des 1602. Jahrs ergangen ist", hat handschriftlich existirt. Gedruckt ist außer dem, was Vulpius veröffentlicht hat, ein "Klag-Lied" auf M. Johann Kauffmanns Tod ( 1596), (in Will's historischdiplomat. Magazin Bd. I, Nürnb. 1781, S. 356—59) und ein "Klag und Trauer-Lied" (anfangend: "Zun Römern am fünfften man list"), welches mir in einer Ausgabe von 1648 vorliegt.

    • Literatur

      Dresdener Hdss. M 100 und M 6. Weimarer Hds. Q 571. Wiener Hds. 13512 (Tabulae codd. Vindobon. vol. II. S. 227). Eygentliche Contrafactur Georg Hager's, Schuhmachers vnd Teutschen Meister-Singers in Nürmberg (zwei Ausgaben, deren eine von ihm als achtzigjährigem, deren andere als von einem zweiundachtzigjährigem handelt). Catalogus bibliothec. Gottsched. 1767, S. 87, Nr. 1952. Will, Biblioth. Norica Pars III. IV. 1774, S. 169. Will und Nopitsch, Nürnberg. Gelehrten-Lexikon Thl. VI, 1805. S. 14. (Vulpius) Curiositäten, Bd. II. 1812, S. 286—288. Ztschr. für deutsche Kulturgesch., Jahrg. 4, Nbg. 1859, S. 382. Schnorr von Carolsfeld, Z. Gesch. d. d. Meistergesangs, Berlin 1872, S. 9. 13. 33. Archiv f. Litteraturgesch., Bd. III, S. 52 f. Goedeke, Grundriß I. S. 228. Götting. gel. Anzeigen 1872, Bd. II, S. 1153. Schröer in Germanist. Studien, hrsgegeb. von Bartsch, Bd. II, S. 225. Rob. Koenig, Deutsche Literaturgesch. 1878, S. 195.

  • Autor

    Schnorr von Carolsfeld.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schnorr von Carolsfeld, Franz, "Hager, Georg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 352-353 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd13156014X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA