Lebensdaten
1534 bis 1576
Geburtsort
Groningen
Sterbeort
Brienne (Champagne)
Beruf/Funktion
Anatom ; Stadtarzt in Nürnberg
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 128678232 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koijter, Volcher
  • Coeiter, Volcher
  • Koiter, Volcher
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Zitierweise

Coiter, Volcher, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128678232.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus Groninger Patrizierfamilie (Koijter);
    V Jurist;
    Helena, vielleicht aus Amberg.

  • Leben

    C. war Schüler des Regnerus Predinius an der Sankt Martinsschule zu Groningen. Mit einem Stipendium seiner Vaterstadt studierte er seit 1555 bei Rondelet in Montpellier, bei Fallopio in Padua und bei Aldrovandi (1559–62, dort Promotion) in Bologna . Nach einem kürzeren Studienaufenthalt bei Eustachi in Rom kehrte C. 1563 nach Bologna zurück, um dort (und vermutlich auch in Perugia) Chirurgie und Anatomie zu lehren. In Bologna arbeitete er bei Aldrovandi experimentell auf dem Gebiet der Embryologie (1564), seine Ergebnisse veröffentlichte er erst 1572 in Nürnberg. In Bologna erschienen dagegen seine beiden Studentenlehrbücher. Durch die Inquisition aus Italien vertrieben, nahm C. 1566 eine Stellung als Regierungsarzt und Leibarzt am oberpfälzischen Hof in Amberg an, wo er zugleich als Professor am Pädagogium lehrte. 1569 verpflichtete ihn der Rat der Stadt Nürnberg als Stadtarzt. Hier wirkte er bis 1575 und hier veröffentlichte er auch seine Hauptwerke. C. starb 1576 als Lagerarzt beim Feldzug Johann Casimirs von der Pfalz, in dessen Dienste er getreten war, „um Gelegenheit zu Sektionen zu haben“. - C. gehört zu den bedeutendsten Anatomen des 16. Jahrhunderts. Seine embryologischen Studien sind bahnbrechend gewesen. Er war der erste seit Aristoteles, der systematische Experimente zur Entwicklungsgeschichte des Hühnchens anstellte. Dabei entdeckte er die Keimscheibe und den Primitivstreifen. Seine Kenntnisse wurden erst durch Malpighi (1672) übertroffen. Auch seine Beschreibung des Zentralnervensystems (Entdeckung der Spinalganglien und andere mehr) ist die beste des 16. Jahrhunderts. Über Auge und Ohr schrieb er die ersten selbständigen Abhandlungen. Seine Monographien über das Skelett des Embryo und des Säuglings sind mit selbstgezeichneten Abbildungen geschmückt. Die Zoologie verdankt C. die ersten Skelettbeschreibungen und -abbildungen zahlreicher Tiere. Auch die vergleichende Anatomie als Wissenschaft beginnt mit ihm.

  • Werke

    Tabulae externarum partium humani corporis, Bologna 1564;
    De ossibus et cartilaginibus humani corporis tabulae, ebd. 1566;
    Externarum et internarum principalium humani corporis tabulae, Nürnberg 1572;
    Anatomicae exercitationes observationesque variae, ebd. 1573;
    Lectiones Gabrielis Fallopii, ebd. 1575;
    Diversorum animalium sceletorum explicationes, ebd. 1575;
    s. a. V. C., in: Opuscula selecta Neerlandicorum de Arte Medica XVIII, Amsterdam 1955.

  • Literatur

    R. Herrlinger, V. C., 1952 (alle frühere L).

  • Portraits

    Ölgem. (Stadtbibl. Nürnberg);
    davon mehrere kleinere Kopien (Weimar, Amsterdam, Indianapolis);
    Kupf. v. J. F. Leonart, 1669.

  • Autor/in

    Robert Herrlinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Herrlinger, Robert, "Coiter, Volcher" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 317 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128678232.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Coiter: Volcher C. (Coeiter, Koiter, Koyter), war 1535 in Gröningen geboren, ging nach Italien, wo er Falloppia's, dann Eustachio's und Ulysses Aldrovandi's Unterricht genoß, dann nach Frankreich, wo er in Montpellier Rondelet's Schüler und nachher auch als französischer Feldarzt thätig war, und wurde endlich Stadtarzt in Nürnberg, wo er 1600 starb. Er ist für die Geschichte der Anatomie und Zootomie wichtig, indem er, durch Aldrovandi angeregt, die Entwicklung des Hühnchens sowie des Skeletts des menschlichen Fötus und Kindes untersuchte und durch Eustachio's Beispiel zur vergleichenden Betrachtung andrer Thiere, besonders deren Skelette, veranlaßt wurde. Seine Schilderungen sind indeß noch keine eigentlichen Vergleichungen, sondern einfache Beschreibungen mit Hervorhebung der Verschiedenheiten, nicht mit einer bewußten Aufsuchung des Gemeinsamen. Seine erste Schrift erschien 1566 in Bologna: „De ossibus et cartilaginibus corporis humani tabulae“, ohne Abbildungen. Unter dem Titel: „Externarum et internarum principalium humani corporis partium tabulae“, Nürnberg 1572, und wieder mit neuem Titel 1573, erschien eine Sammlung einzelner Abhandlungen. Darunter finden sich zootomische Notizen, ferner eine Abbildung des Affenskeletts, Embryonalskelette und Schädel und die Entwicklungsgeschichte des Hühnchens. Endlich gab er noch „G. Fallopii Lectiones de partibus similaribus corporis humani“, Nürnberg 1575, heraus, denen er vier Tafeln Skelette von Säugethieren, Vögeln, Schildkröte und Frosch anhängte. Die Erklärungen sind von C., sowie sämmtliche Figuren mit Ausnahme des monströsen Huhns, pullus gallinaceus.

  • Autor/in

    Carus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Carus, Victor, "Coiter, Volcher" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 397 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128678232.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA