Lebensdaten
1173 oder 1174 bis 1227
Sterbeort
Braunschweig
Beruf/Funktion
Pfalzgraf bei Rhein ; Herzog von Sachsen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 121774694 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Heinrich der Lange
  • Heinrich der Lange von Braunschweig
  • Heinrich von Braunschweig
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Zitierweise

Heinrich V., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121774694.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Welfen;
    V Heinrich d. Löwe ( 1195), Hzg. v. Sachsen (s. NDB VIII);
    M Mathilde v. England ( 1189);
    B Kaiser Otto IV. ( 1218);
    Schw Richza ( Kg. Waldemar II. v. Dänemark, 1241);
    - 1) Burg Stahleck 1193/94 Agnes ( 1204, s. L), T d. Konrad v. Staufen ( 1195), Pfalzgf. bei Rhein, u. d. Irmgard v. Henneberg, 2) 1209 Agnes (1192/93-1266), Gründerin d. Zisterzienserinnenklosters Wienhausen b. Celle, T d. Konrad v. Landsberg ( 1210), Mgf. d. Nd.lausitz, u. d. Elisabeth v. Polen;
    K aus 1), Heinrich d. J. (um 1195–1214), Pfalzgraf bei Rhein, Irmgard ( 1260, Mgf. Hermann V. v. Baden, 1243), Agnes ( 1267, Otto II., 1253, Pfalzgf. b. Rhein, Hzg. v. Bayern);
    N Hzg. Otto v. Braunschweig-Lüneburg ( 1252).

  • Leben

    1182 und 1189 hatte H. den Vater ins Exil nach der Normandie und England begleitet. Noch vor ihm kam er im Herbst 1189 nach Deutschland zurück und verdiente sich bei den Kämpfen in Sachsen seine Sporen als Kriegsmann. Für den Fuldaer Frieden von 1190 mußte Heinrich der Löwe H. und dessen Bruder Lothar ( 1190) König Heinrich VI. als Geiseln stellen. H. hatte den Staufer zur Kaiserkrönung in Rom und auf dem Feldzug gegen Tankred von Lecce zu begleiten. Bei der Belagerung Neapels ging er jedoch zu Tankred über und kehrte über Rom, wo er für die Sache der Welfen bei Papst Cölestin III. tätig wurde, und Marseille nach Deutschland zurück, die falsche Nachricht vom Tode des Kaisers verbreitend, als dessen Nachfolger ihn zumal der Vater zu empfehlen suchte. Daraus wurde nichts. Dafür heiratete H. plötzlich und trotz Verlobung im Kindesalter überraschend auf Burg Stahleck Agnes von Staufen. Diese heimlich geschlossene Ehe, die William von Newburgh, Arnold von Lübeck und andere zeitgenössische Chronisten als romantisches Liebesabenteuer ebenso faszinierte wie den poetischen Historismus des deutschen 19. Jahrhunderts, scheint Agnes' Mutter Irmgard auf eigene Faust in die Wege geleitet zu haben, offenbar vor allem, um die Verheiratung ihrer Tochter mit König Philipp II. Augustus von Frankreich zu verhindern. Im Vertrag von Tilleda führte sie nicht nur zu neuer Versöhnung zwischen Welfen und Staufern, sondern für H. selbst nach dem Tod seines Schwiegervaters, des Pfalzgrafen Konrad, zum Erwerb der rheinischen Pfalzgrafschaft. Freilich hat er hier bloß eine mehr oder minder episodenhafte Übergangsrolle gespielt, dadurch, daß er 1197/98 auf die pfalzgräfliche Vogtei über Trier verzichtete und die Grafschaft auf dem Maienfeld an die Grafen von Sponheim verpfändete, auch im Sinne der seit langem im Gang befindlichen allmählichen Nord-Süd-Verlagerung des pfalzgräflichen Territoriums. – Als Haupt der Welfenfamilie nach Heinrichs des Löwen Tod in die Auseinandersetzungen um das staufisch-welfische Doppelkönigtum seit 1198 hineingezogen, vermochte H. sich am Rhein, angesichts der hier kaum zu erschütternden Übermacht der Staufer und seiner eigenen ständigen Beanspruchung in Sachsen, immer nur vorübergehend zu behaupten. 1212/13 muß er zugunsten seines Sohnes Heinrich des Jüngeren auf die Pfalzgrafschaft verzichtet haben, und als dieser 1214 starb, kam sie mit der Hand seiner Tochter Agnes an Otto den Erlauchten und dessen Vater Herzog Ludwig I. von Bayern. Trotzdem führte H. den rheinischen Pfalzgrafentitel weiter. Rücksichten auf die Pfalz hatten bis dahin mit dazu beigetragen, den zu diplomatischen Verhandlungen, wie sie ihn nach Frankreich, England und Dänemark führten, zum Taktieren und zum Kompromiß neigenden und am Geld interessierten Mann zu einem eher unsicheren Partner seines Bruders, Kaiser Ottos IV., zu machen. Ihn hatte man als den Jüngeren bei der Wahl eines welfischen Königs wohl nur deshalb vorgezogen, weil H. als Kreuzfahrer 1198 nicht zur Stelle gewesen war. 1204 ging H. zu Philipp von Schwaben über, und nach Ottos Tod benützte er die ihm von diesem übergebenen Reichsinsignien, um sich mit Friedrich II. zu arrangieren. Während dessen Abwesenheit vom Reich in den folgenden Jahren übte er zwischen Weser und Elbe, wie 1209/12 während Ottos IV. Italienzug schon einmal am Rhein und in Schwaben, eine Art pfalzgräfliches Reichsvikariat aus, das zwar keine herzogliche Stellung beinhaltete, obwohl H. seit des Löwen Tod auch immer wieder als Herzog von Sachsen auftritt, aber doch eine Beeinträchtigung des sächsischen Herzogtums der Askanier bedeutete. Die vom Vater überkommene welfische Position in Sachsen, die er durch alle Fährnisse hindurch, über die Erbteilung von 1202 und den Tod der Brüder hinaus unter immer neuen Kämpfen nicht nur zu erhalten, sondern teilweise wieder auszubauen wußte, hinterließ er, unter Ausschluß seiner Töchter, dem Neffen und letzten männlichen Welfensproß Otto von Braunschweig – in einem äußerst kritischen Augenblick: Drei Monate nach H.s Tod wurde sein Schwager und Ottos Onkel mütterlicherseits, König Waldemar II. von Dänemark, von einer großen Koalition seiner Gegner bei Bornhöved besiegt, Otto selbst gefangengenommen!

  • Literatur

    zu Heinrich (I.), (II.) u. (V.) u. Hermann (III.), Pfalzgrafen b. Rhein: ADB XI f.;
    G. W. Leibniz u. Ch. L. Scheidt, Origines Guelficae … III, Hannover 1752;
    L. Häusser, Gesch. d. rhein. Pfalz … I, 1845;
    Vita Annonis archiepiscopi Coloniensis, ed. R. Köpke, in: XI, S. 475, 479 f.;
    J. v. Ficker u. P. Puntschart, Vom Reichsfürstenstande … I u. II, 1861–1923, Neudr. 1961; (anonym)
    , |Hist.-krit. Erörterungen z. Gesch. d. Pfalzgfsch. am Nd.rhein …, in: Ann. d. hist. Ver. f. d. Nd.rhein 15, 1864;
    A. Busson, Conrad v. Staufen, Pfalzgf. b. Rhein (1156–95), ebd. 19, 1868, S. 1-36;
    P. I. Herwegen, Die lothring. Pfalzgrafen u. d. nd.-rhein. Benediktinerklöster, ebd. 89, 1910, S. 46-61;
    Jbb. d. Dt. Gesch., Heinrich III., Heinrich IV., Heinrich V., Heinrich VI., Philipp v. Schwaben u. Otto IV., Friedrich II.;
    M. Schmitz, Die Gesch. d. lothring. Pfalzgrafen, Diss. Bonn 1878;
    L. v. Heinemann, H. v. B., Pfalzgf. b. Rhein, Ein Btr. z. Gesch. d. stauf. Za., 1882;
    H. Witte-Hagenau, Gen. Unterss. z. Reichsgesch. unter d. sal. Kaisern I/II, in: MIÖG, Erg.bd. 5, 1896-1903;
    G. Frhr. Schenk zu Schweinsberg, Die Fam.zugehörigkeit d. Gf. Wilh. v. Gleiberg, = Alt-Gießen III, in: Archiv f. hess. Gesch. u. Altertumskde. NF 5, 1907, S. 224-29;
    A. Cartellieri, Philipp II. August, Kg. v. Frankreich, Bd. 3 f., 1910/22;
    M. Buchner, Der Pfalzgf. b. Rhein, der Hzg. v. Brabant u. d. Doppelwahl d. J. 1198, in: Festgabe … H. Grauert, ed. M. Jansen, 1910, S. 343-53 (danach hätte H. (V.) 1198, v. Kreuzzug bereits zurück, z. Wahl Ottos beigetragen);
    W. Kienast, Die dt. Fürsten im Dienste d. Westmächte b. z. Tode Philipps d. Schönen v. Frankreich I, Utrecht 1924, S. 132, Anm. 2, S. 158, 165, II, 1931, S. 49 f., Anm. 2;
    E. Kimpen, Ezzonen u. Hezeliniden in d. rhein. Pfalzgfsch., in: MIÖG, Erg.bd. 12, 1932, S. 1-91;
    ders., Der letzte Ezzone, in: Eifel-Kal. f. d. J. 1952, 1951, S. 61-66 (üb. Hermann II.);
    ders., Zur Herkunft H.s v. Laach, ebd. f. d. J. 1953, 1952, S. 89-94;
    ders., Die ezzon. Verwandtschaft d. rhein. Pfalzgrafen, in: Coburg mitten im Reich, 1956, S. 184-216;
    P. P. Volk, Der Stifter v. Maria Laach (Pfalzgf. H. II.) a. d. Hause Luxemburg-Salm, in: Revue Bénédictine 36, Maredsous 1924, S. 255-67;
    H. Renn, Die Luxemburger in d. lothring. Pfalzgfsch., in: Rhein. Vj.bll. 11, 1941, S. 102-18;
    R. Gerstner, Die Gesch. d. lothring. u. rhein. Pfalzgfsch. v. ihren Anfängen b. z. Ausbildung d. Kurterritoriums Pfalz, in: Rhein. Archiv 40, 1941, S. 32-40, 44-52, 73-84, 110-15 (L);
    P. Fuchs, Palatinatus Illustratus, Die hist. Forschung an d. kurpfälz. Ak. d. Wiss., 1963;
    Zedler. - Zu Agnes v. Staufen: E. Raupach u. G. L. P. Spontini, Agnes v. Hohenstaufen, Gr. hist.-romant. Oper in 3 Aufzügen, 1827/29, bearb. v. K. A. L. Frhr. v. Lichtenstein, 1837;
    F. A. v. Heyden, Das Wort d. Frau, Eine Festgabe, 1843, 241900, vgl. A. Gabriel, F. v. Heyden mit bes. Berücksichtigung d. Hohenstaufendichtungen, 1901, S. 66-90;
    F. Dahn, Die Staatskunst d. Fraun, Ein Lustspiel, 1877.

  • Autor/in

    Peter Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Fuchs, Peter, "Heinrich V." in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 381-383 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121774694.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Heinrich von Braunschweig, Rheinpfalzgraf, geb. frühestens Anfang 1174, gest. am 28. April 1227. Als Heinrich der Löwe nach dem Gebote Barbarossa's 1182 und nochmals 1189 Deutschland verlassen mußte und zu seinem Schwiegervater Heinrich II. nach England ging, nahm er beide Male den ältesten gleichnamigen Sohn dorthin mit. Bekanntlich kehrten sie aber schon im Herbste 1189 eigenmächtig nach Sachsen zurück und wir finden den Sohn bald hernach als Vertheidiger Braunschweigs gegen den staufischen Heinrich VI., der diesen Hauptplatz der Welfen nicht zu erobern vermochte. Beim Frieden von 1190 wurde H. mit seinem Bruder Lothar — der am 15. Octbr. 1190 zu Augsburg starb — als Geisel gegeben; er mußte 1191 Heinrich VI. auf dem Feldzuge gegen Tancred folgen und nahm so Theil an der unglücklichen Belagerung von Neapel. Die das kaiserliche Heer vor Neapel hinraffende Seuche und das schwere Erkranken des Kaisers selbst erweckten aber in dem jungen Welfen den Glauben, daß jetzt der Augenblick gekommen sei, um sein Geschlecht wieder zu erheben und vielleicht selbst die Krone zu erringen. Er ging zu den Feinden über und kehrte dann über Marseille nach Deutschland zurück, wo er den Tod Heinrichs VI. verkündete und sich selbst für die künftige Königswahl empfahl. Der Plan mißlang, weil der Kaiser weder gestorben noch in seiner deutschen Stellung wesentlich erschüttert war; der Welse wurde zu Pfingsten 1192 geächtet, und man begreift, daß der Kaiser sich alle Mühe gab, ihn zu vernichten, und daß er namentlich auch die Gefangenschaft Richards von England nach dieser Seite auszubeuten gedachte. Wie mußte er erzürnen, als seine Cousine Agnes, die Tochter und Allodialerbin des staufischen Rheinpfalzgrafen Konrad, sich 1193 heimlich ohne Wissen des Vaters auf Stahleck diesem gefährlichen Nebenbuhler vermählte! Indessen die Fürsten sahen in dem, was sich nicht mehr ändern ließ, ein ganz geeignetes Mittel, den Hader der beiden Häuser zu tilgen; auf ihre Vermittlung hin stellte H. sich im Januar 1194 dem Kaiser, der ihn nicht blos begnadigte, sondern auch nach dem Tode des Pfalzgrafen Konrad (8. Novbr. 1195) wirklich mit der Pfalz belehnte. Und da inzwischen auch Heinrich der Löwe zur Ruhe gegangen war und das ganze Allodium des welfischen Hauses mit all den Lehen, welche es von den Bisthümern Bremen, Verden, Minden, Magdeburg, Halberstadt, Hildesheim und den Abteien Verden, Quedlinburg, Gandersheim und Korvei hatte, nun bis zur Mündigkeit der jüngeren Brüder ungetheilt in Heinrichs Hand lag, so nahm dieser jetzt eine Stellung ein, welche von der einstigen seines Vaters nicht allzusehr abstand, andererseits aber auch dem Kaiser zu Gute kam, da H. sich jetzt ihm unbedingt anschloß. Er nahm an dem zweiten sicilischen Feldzuge Theil, welcher mit der Eroberung Palermo's endigte; er half im Herbste 1196 den Kaisersohn Friedrich II. zum Könige wählen, nahm selbst für den großen Kreuzzug, welchen Heinrich VI. 1197 ins Werk setzte, das Kreuz, und wird ohne Zweifel gleich den andern deutschen Fürsten, welche mit ihm nach Syrien gekommen waren, aufs Neue Friedrich II. geschworen haben, als zu Anfang 1198 die Nachricht vom Tode Heinrichs VI. dort eintraf. In der Heimath aber gab dieser Todesfall den Anlaß, daß von den Gegnern der Staufer die Uebertragung der Krone auf ein anderes Haus betrieben wurde. Nachdem man anfangs auf Anregung des englischen Königs seinen ältesten Neffen, eben den Rheinpfalzgrafen, ins Auge gefaßt hatte, wurde schließlich, weil dieser nicht so schnell zur Stelle sein konnte, dessen jüngerer Bruder Otto von Poitou zum Könige erkoren, während die staufische Partei Philipp von Schwaben an die Spitze stellte. H. nahm in dem daraus entspringenden Bürgerkriege natürlich die Seite des Bruders und er hat sich namentlich die Vertheidigung der sächsischen Hausbesitzungen angelegen sein lassen, über deren Theilung er am 1. Mai 1202 mit seinen Brüdern Otto IV. und Wilhelm von Lüneburg einen Vertrag schloß. Von der Rheinpfalz dagegen vermochte er wol nur die tiefer am Rheine gelegenen Theile zu behaupten und dies im Zusammenhange damit, daß Otto IV. ihm jede Entschädigung für seine Mühen und Verluste verweigerte, endlich überhaupt der entschiedene Niedergang des welfischen Königthums, waren die Gründe, durch welche H. 1204 zum Frieden mit Philipp von Schwaben bestimmt wurde, der ihm die Pfalz zurückgab. Erst der Tod Philipps 1208 führte H. wieder mit seinem Bruder zusammen, für dessen allseitige Anerkennung im Reiche und Unterstützung durch den Oheim Johann von England er sich nun redlich bemühte und dem er auch dann treu blieb, als mit dem Erscheinen Friedrichs II. in Deutschland der große Abfall von Otto IV. begann und dieser im Herbste 1212 wieder an den Niederrhein zurückweichen mußte. H., der sich fortan wieder vorzugsweise der Vertheidigung der welfischen Interessen in Sachsen widmete, scheint damals, um die Pfalz zu retten, zu Gunsten seines einzigen in England erzogenen Sohnes abgedankt und diesem den Anschluß an den Staufer gestattet zu haben. Dieser Sohn, welcher mit Mathilde, der Tochter des Herzogs Heinrich von Brabant verheirathet war, starb indessen schon im Frühlinge 1214 und zwar ohne Kinder zu hinterlassen, so daß Friedrich II. frei über die Pfalz verfügen konnte, die er darauf an Otto, den Sohn des Herzogs Ludwig von Baiern, vergab. Auch die dortigen Allodien und Kirchenlehen gingen ganz oder zum größten Theile auf die Wittelsbacher über, da Agnes, die Schwester Heinrichs II. mit jenem Otto verlobt wurde; wie ihre ältere Schwester Irmgard, welche nachher als Gemahlin Hermanns V. von Baden erscheint, abgefunden worden ist, wissen wir nicht. Wie aber der ältere Heinrich sich oft Herzog von Sachsen genannt hat, obwol seinem Vater das Herzogthum abgesprochen war, so führte er auch nach seiner Entsagung von der Pfalz und nach dem Uebergange derselben auf die Wittelsbacher den Titel des Pfalzgrafen weiter, obwol er mit der Pfalz nie wieder zu thun hatte. Ohne irgend ein Reichslehen, war er fortan nur noch ein Edelherr. Er überlebte seinen Bruder Wilhelm von Lüneburg, der mit Hinterlassung eines unmündigen Sohnes am 12. Decbr. 1213 gestorben war, und ebenso den Kaiser Otto IV., welcher ihn am 18. Mai 1218 zum Vollstrecker seines Testamentes einsetzte und ihn dabei verpflichtete, die Reichsinsignien innerhalb einer gewissen Frist und ohne alle Entschädigung dem von den Fürsten anerkannten Reichsoberhaupte auszuliefern. Das hat H. nun nicht gethan, indem er durch Vorenthaltung der Insignien Friedrich II. wol zu irgend welchem Ersatz seiner beträchtlichen Verluste nöthigen wollte. Er erreichte jedoch, da auch der Papst ihn bedrohte, nur so viel, daß Friedrich sich im Juli 1219 zu Goslar zur Zahlung von 10 000 Mark verstand und ihn zum Reichsvicar bestellte, unter welchem Titel H. weiterhin über die sächsischen Bisthümer eine Art Schutzhoheit übte und über den Landfrieden in seinem Bereiche zu wachen hatte. Damals setzte er sich auch mit den Erzbischöfen von Magdeburg und Bremen auseinander, mit welchen aus Anlaß der Kirchlehen mancherlei Streit gewesen war. Seit längerer Zeit an den Füßen krank, hielt er sich übrigens nun von jeder hervorragenden Thätigkeit fern und auch die Veränderung der Dinge jenseits der Elbe nach der Gefangennahme des Königs Waldemar von Dänemark, seines|nahen Verwandten, vollzog sich ohne seine Betheiligung. Er starb am 28. April 1227. Nachdem seine erste Gemahlin Agnes von der Pfalz am 7. Mai 1204 gestorben war, hatte er später Agnes von Landsberg geheirathet; diese zweite Ehe war jedoch kinderlos geblieben, so daß über seine Hinterlassenschaft sich allein die beiden Töchter aus der ersten Ehe, Agnes die Gemahlin des Pfalzgrafen Otto und Irmgard von Baden, welcher Friedrich II. ihre Ansprüche abkaufte, mit ihrem Vetter Otto von Lüneburg auseinanderzusetzen hatten.

    • Literatur

      Vgl. Origines Guelficae; Hausier, Gesch. d. Pfalz und die Litteratur über Heinrich VI., Philipp von Schwaben, Otto IV. und Friedrich II.

  • Autor/in

    Winkelmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkelmann, Eduard, "Heinrich V." in: Allgemeine Deutsche Biographie 11 (1880), S. 559-561 unter Heinrich von Braunschweig [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121774694.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA