Lebensdaten
1817 bis 1896
Geburtsort
Stein bei Nürnberg
Sterbeort
Stein bei Nürnberg
Beruf/Funktion
Bleistiftfabrikant
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121661032 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Faber, Lothar (bis 1863)
  • Faber, Lothar von (1863-1881)
  • Faber, Lothar Freiherr von
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Zitierweise

Faber, Lothar Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121661032.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gg. Leonh. (1788–1839), S des Anton Wilh. (1758–1819), beide Bleistiftfabrikanten (S des Kaspar, 1730-84, 1758 in Stein zugewandert, Schreiner u. seit 1761 Bleistiftmacher);
    M Sophie (1790–1845), T des Joh. Conrad Kupfer, Bierbrauer, Gastwirt u. Ratsherr in Cadolzburg;
    B Johann (1819–1901), Bleistiftfabrikant, 1840-76 Teilhaber b. A. W. F., gründete 1878 eigene Fa.Joh. F.“, Eberhard (1822–79), 1849-61 Genvertreter v. A. W. F., dann Bleistiftfabrikant in New York;
    Eibach 1847 Ottilie (1831–1903, kath.), T des Appellationsgerichtsrats Joh. Frdr. Richter in Ansbach;
    S Wilh. (1851–93, Bertha [Cousine, Tochter des Eberhard]);
    E Ottilie (1877–1944, 1898 Alex. Gf. zu Castell-Rüdenhausen, seit 1898 Gf. v. F.-Castell, 1866–1928).

  • Leben

    Nach Besuch der Lateinschule in Nürnberg und kaufmännischer Lehre im dortigen Handlungs- und Bankhaus J. K. Knopf wurde F. vom Vater 1836 zu weiterer Ausbildung nach Paris und London geschickt. F. kehrte nach 3jährigem Aufenthalt in Frankreich über England ½ Jahr nach dem plötzlichen Ableben des Vaters 1839 heim, um den vom Urgroßvater gegründeten Betrieb zur Herstellung von Bleistiften zu übernehmen, der mit dem Namen des Großvaters „A. W. Faber“ firmierte. Die Erzeugung von Bleyweißstefften ist in Bayern aktenmäßig 1662 erstmals in Nürnberg als eine den Schreinern vorbehaltene Tätigkeit erwähnt und wurde erst später ein eigener Handwerkszweig. Bisher wurde die Produktion zum Vertrieb an Nürnberger Handelsherrn abgeliefert. Die Abhängigkeit von ihnen, deren kurzsichtige Ramschpolitik die Preise niederhielt, war drückend. Sie förderten das Auslandsprodukt, indem sie verlangten, daß die besten Stiftsorten als „englische“ bezeichnet wurden. Tatkräftig packte F., der auch die französischen und englischen Methoden der ihm von Hause aus geläufigen Bleistiftfabrikation kennengelernt hatte, die Änderung der widrigen Verhältnisse an. Sofort versagte er sich dem bisherigen Brauch der Lieferung namenloser Stifte, versah sie als erster mit dem Firmennamen „A. W. Faber“ und schuf so den Markenbleistift. Weiter ging er in Längen und Stärken der Stifte wie in Abstufung der Minenhärten eigene Wege, auf denen ihm später die ganze Welt folgte. Außerdem führte er die von ihm erdachte Form des 6eckigen Stiftes ein. Techniker und Kaufmann in einer Person, konnte er in kurzer Zeit ein umfangreiches Sortiment, sorgsam in bester Qualität hergestellt, anbieten, und zwar nun im eigenen Vertrieb. Mit Erfolg bereiste er selbst In- und Ausland, um seine Erzeugnisse bei größten und kleinsten Händlern abzusetzen. Die Belegschaft von kaum 20 Arbeitern 1839 stieg bald auf 500; dabei wurden Dampfkraft und maschinelle Einrichtungen, soweit damals möglich, herangezogen. Schon 1849 gründete F., die Chancen des Marktes im aufstrebenden Amerika klar erkennend, in New York ein eigenes Haus; die Leitung vertraute er seinem jüngsten Bruder Eberhard an. Paris, London, Wien folgten. Auch nach Rußland, Indien, dem Orient erstreckte sich der Absatz. Im Inland wurden in den 70er Jahren Zweighäuser in Berlin und Hamburg errichtet. Die unbestrittene Weltmarktstellung hat F. mit der Verwendung des sibirischen Graphits, des edelsten, feinsten, den die Welt damals kannte, des „schwarzen Goldes“, erworben. Der Geologe Alibert fand es 1856 im Batuogolgebirge bei Irkutsk, und F. finanzierte die Erschließung. Mit dem von der russischen Regierung genehmigten Erwerb dieses Graphitbergwerks konnte F. allen Wünschen und Bedürfnissen gerecht werden, bei dauernder Verbesserung der Fabrikationsmethoden wurden seine Erzeugnisse unübertroffen. – 1861 gründete F. ein Zweigwerk in Geroldsgrün (Oberfranken) zur Herstellung von Schiefertafeln, Griffeln und Zeichenbedarfswaren in Holz, nicht zuletzt um neue Existenzmöglichkeiten in dem abgelegenen Frankenwaldgebiet zu schaffen. Der sozialen Frage von Anfang an aufgeschlossen, errichtete er schon 1844 eine Fabrikkrankenkasse, später eine Fabriksparkasse mit Sonderzinsen, Fortbildungsschule, Konsumverein, Werksbibliothek und gewährte Darlehen für Arbeiterwohnungen. – Seit der Pariser Zeit Verfechter unbedingter Gewerbefreiheit, sorgte F. in Bayern für freisinnigstes Gewerbegesetz (später vom Reich übernommen). – 1867 legte er in der Reichsratskammer die Notwendigkeit der Errichtung eines Gewerbemuseums für Bayern mit Sitz in Nürnberg dar, zeichnete dafür 50000 Gulden und wurde nach im April 1869 erfolgter Gründung Ehrenvorsitzender (heute: Bayerische Landesgewerbeanstalt – Bayerisches Gewerbemuseum). – 1871 betrieb F. die Gründung einer den gewachsenen Industriebedürfnissen genügenden Aktienbank auch in Nürnberg, der „Vereinsbank in Nürnberg“, und übernahm den Aufsichtsratsvorsitz des als Hypothekenbank heute noch bestehenden Instituts (ursprünglich Kredit- und Hypothekenbank). – F. mußte sich seinem Werk durch 57 Jahre bis zu seinem Tode widmen. Das Unternehmen fiel nach dem frühen Tod aller männlichen Nachkommen an seine älteste Enkelin Ottilie. Seitdem heißt die Firma „A. W. Faber-Castell“. – Ehrenbürger von Nürnberg (1861), Reichsrat der Krone Bayern (1865).

  • Literatur

    ADB VI; Th. Bitterauf, in: Ll. aus Franken I, 1919, S. 90-94 (L);
    Die Bayer. Landesgewerbeanstalt 1869-1919, 1919, S. 77;
    A. Kuhlo, Gesch. d. bayer. Industrie, 1926;
    A. W. Faber-Castell, 1936 (Werkschr.);
    Der Castell-Brief 16, 1953 (P);
    Wunder, in: BJ I, S. 423-28. – Zu B Joh.: Th. Bitterauf, in: Ll. aus Franken I, 1919, S. 88-90 (L);
    zu B Eberh.: Dict. of American Biogr. V, New York 1946, S. 241 f. (L).

  • Portraits

    Büste v. Ph. Kittler (Nürnberg, Bayer. Landesgewerbeanstalt);
    v. J. G. Röchner (Nürnberg, Bayer. Vereinsbank).

  • Autor/in

    Bernhard Hoffmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hoffmann, Bernhard, "Faber, Lothar Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 722 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121661032.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA