Lebensdaten
1656 bis 1735
Geburtsort
Niese bei Blomberg (Grafschaft Lippe)
Sterbeort
Wolfenbüttel
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119548518 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Korb, Hermann

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Zitierweise

Korb, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119548518.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., aus Talle b. Lemgo, Schloßsoldat in Detmold, seit 1649 Gastwirt in N.;
    M N. N.;
    1) Schöningen 1689 Helene Maria Schultze, hzgl. Kammerbediente, 2) Wolfenbüttel 1722 Maria Sophia ( 1765), hzgl. Kammerjungfer, T d. Amtmanns Joh. Schultze in Stolp/Pommern;
    1 S aus 1), 1 S aus 2).

  • Leben

    Zunächst erlernte K. das Schreinerhandwerk. Vor 1688/89 weilte er zweimal in Italien, wobei ungeklärt ist, ob Herzog Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel, der sicher frühzeitig K.s baukünstlerische Begabung erkannt hatte, ihn dorthin sandte oder ob er in dessen Begleitung reiste. Unter dem Landbaumeister Johann Balthasar Lauterbach war K. danach als Bauvogt tätig (offizielle Bestallung erst am 17.8.1694). Erst nach Lauterbachs Tod 1694 konnte er sich als Architekt selbständig im Herzogtum betätigen. Somit scheiden alle Werke aus, die ihm vor 1694 zugeschrieben wurden. K. hat daher keine Entwürfe für das von Steinbergsche Schloß zu Brüggen an der Leine (1693 begonnen), für das Lustschloß zu Salzdahlum (1689–94, abgebrochen seit 1811) und zum ersten Bau der Wolfenbütteler Trinitatiskirche (1693–1700) geliefert. Diese Werke entstanden nach Ideen Lauterbachs. K. oblag nur deren Ausführung, wobei er an beiden Schlössern eigene Änderungen bei der Fassadengestaltung durchsetzen konnte, da Lauterbach in seinen letzten Lebensjahren durch Krankheit kaum noch tätig war. Die „Große Galerie“ und die 1701 vollendete „Orangerie“ in Salzdahlum sind K.s erste selbständige Architekturschöpfungen.

    1704 wurde er zum Landbaumeister ernannt, und am 12.6. desselben Jahres übertrug man ihm noch das Baudirektorium der Stadt Braunschweig. Ein reiches Tätigkeitsfeld eröffnete sich nun K. bis zu seiner Pensionierung 1734. Seine Begabung lag in der Fähigkeit vorbereitender Bauplanung, wobei er überwiegend das niedersächsische Fachwerk für Sakral- und Profanbauten vorsah. Einheitlich geformte hölzerne Ausbauteile ermöglichten eine Art Präfabrikation und kurze Bauzeiten. K. bevorzugte schlicht gegliederte, geometrische Baukörper; den Fassaden gab er stockwerksweise klassische Säulen- oder Pilasterordnungen in manieristischer Formensprache. Selbst wo er zuweilen mit Stein gebaut hat, verleugnen die Profilierungen nicht seine Herkunft aus dem Schreinerhandwerk. Besonderes Augenmerk ließ er der inneren Gestaltung, vor allem den Treppenanlagen zukommen. Seine Wolfenbütteler Schloßfassaden (seit 1714) und die Fronten des Ehrenhofes der als Dreiflügelbau geplanten, jedoch zunächst unfertig gebliebenen Braunschweiger Residenz, des „Grauen Hofes“ (1717-35, zerstört 1830), sind typisch für K.s Stilauffassung und -kanon. Die Bibliotheca Augusta zu Wolfenbüttel (1705–13, abgebrochen 1887) mit ihrer querovalen Rotunde innerhalb des rechteckigen Baukörpers und dem einer Längsseite vorgesetzten Treppenhaus hat K. nach Anweisungen von Leibniz errichtet, der hier 1690-1710 Oberbibliothekar war. Nach außen trat der Zentralbau mit durchfenstertem Obergeschoß und mächtigem Himmelsglobus als Bekrönung des kuppeligen Rotundendaches hervor. K. hatte hier den Typus der Villa Rotonda zu Vicenza von Palladio mit dem seiner Predigtkirchen vereint, die von den Theorien des 1694/95-1702 an der Wolfenbütteler Ritterakademie lehrenden Professors Leonhard Christoph Sturm beeinflußt sind und für die Entwicklung des evangelischen Sakralbaus einen Meilenstein darstellen. Bei der Immanuelskirche zu Hehlen bei Holzminden (1697–99) hatte K. auf ein gestrecktes Achteck zurückgegriffen, dem er an den Schmalseiten zwei turmartige Annexbauten für die Treppen zu beiden Emporengeschossen hinzufügte. Beim Neubau der Trinitatiskirche zu Wolfenbüttel (begonnen 1716) erscheint dieselbe Grundform bei einem Hallenraum mit entsprechender Säulenstellung, zwischen der zwei Emporengeschosse eingespannt sind. Die übergiebelte Westfassade mit korinthischen Kolossalpilastern zwischen den vom Vorgängerbau überkommenen Flankentürmen nimmt formal den Mittelrisalit am Corps de Logis des Salzdahlumer Schlosses auf. Sogar der durch die 1710 erfolgte Konversion|von Herzog Anton Ulrich ermöglichte Bau der katholischen Sankt Nicolaikirche zu Braunschweig (1711–12, zerstört 1944) verleugnet nicht den protestantischen Charakter. – Mit K. erlebte die unter Herzog Anton Ulrich eingeleitete Barockarchitektur im Herzogtum Braunschweig nach Lauterbachs Schöpfungen ihren zweiten Höhepunkt und fand dann unter den Herzögen August Wilhelm (1714–31) und Ludwig Rudolf (1731–35) ihren Ausklang.

  • Werke

    Weitere W u. a. Wolfenbüttel, Waisenhaus, 1698-1704 (stilist. Zuschreibung);
    Sambleben (Braunschweig), Schloß, 1701;
    Blankenburg (Harz), Schloßausbau, seit 1705;
    Braunschweig, Dompropstei (Palais Bevern), 1707-09 (abgebrochen);
    Blankenburg (Harz), Schloßkirche, 1715;
    Walkenried, ehemal. Jagdschloß, 1725-27 (mit Bauschreiber Rammelsberg).

  • Literatur

    ADB 16;
    U. V. Alvensleben, Die Braunschweig. Schlösser d. Barockzeit u. ihr Baumeister H. K., 1937;
    A. Fink, Die Baumeister v. Schloß Salzdahlum, in: Zs. f. Kunstwiss. 4, 1950, S. 183-96;
    H. Lasch, Architekten-Bibliogr., 1962, Nr. 1666-68;
    F. Thöne, Wolfenbüttel, 1963, S. 114, 128-33, 138-41, 148, 235 f. u. ö.;
    H. Reuther, Das Gebäude d. Hzg. August-Bibl. zu Wolfenbüttel u. ihr Oberbibliothekar G. W. Leibniz, in: W. Totok u. C. Haase, Leibniz, 1966, S. 349-60;
    Ausstellungskat. „Barock in Dtld. -
    Residenzen“, bearb. v. E. Berckenhagen, Berlin 1966, Nr. 201, 203, 206;
    G. Gerkens, Das fürstl. Lustschloß Salzdahlum u. s. Erbauer Hzg. Anton Ulrich v. Braunschweig-Wolfenbüttel, 1974, S. 65-67 u. ö.;
    ThB;
    Wasmuths Lex. d. Baukunst III, 1931, S. 416.

  • Autor/in

    Hans Reuther
  • Empfohlene Zitierweise

    Reuther, Hans, "Korb, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 580 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119548518.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Korb: Hermann K., wurde zu Niese, einem kleinen Dorfe des Fürstenthums Schaumburg-Lippe im J. 1656 geboren. Aus niedriger Stellung mußte er sich durch eigene Kraft empor arbeiten. Er soll ursprünglich Tischlergeselle gewesen sein, dann als Bedienter den Herzog Ulrich auf seinen Reisen begleitet haben. Für seine Ausbildung als Baumeister war besonders ein Aufenthalt in Italien von Wichtigkeit. Während der gemeinsamen Regierung der Herzöge Rudolf August und Anton Ulrich (Bd. I S. 487) wirkte er im Fürstenthum Braunschweig-Wolfenbüttel längere Zeit als Bauvogt. 1704 ernannte ihn Anton Ulrich zum Landbaumeister. Für diesen Fürsten hat er eine Reihe bedeutender Bauten ausgeführt, so 1688—1697 nach dem Vorbilde des Schlosses Marly an der Seine den Bau des einst hochgefeierten Schlosses zu Salzdahlum, des braunschweigischen Versailles, dessen stolzer Herrlichkeit die westfälische Regierung (1811) einen jähen vollständigen Untergang bereitete. Ferner baute er die Wolfenbüttler Bibliothek (1706—10), leitete er den Umbau des Schlosses zu Wolfenbüttel (1715—17); daneben führte er zahlreiche Privatbauten, namentlich in der Stadt Braunschweig und auf adlichen Rittersitzen aus. Wegen Altersschwäche trat K. 1734 in den Ruhestand, er starb am 23. Debr. 1735. Ihn überlebte, außer seiner zweiten Gemahlin, geb. Schultz, sein einziger Sohn, der Hofgerichtsassessor Aug. Wilh. von Korb, welcher 1757 verstorben. Ob erst diesem oder bereits seinem Vater der Adel verliehen wurde, ist noch nicht aufgeklärt. — K. war ein Baumeister von großartigen Entwürfen, der trotz seiner höchst mangelhaften Vorbildung — konnte er doch selbst nicht einmal zeichnen, sondern mußte seine allgemeinen Angaben von seinen Gehülfen in Riffe bringen lassen — auch für unsere Zeit bewundernswerthe Bauten zu Stande brachte. Leider wurden dieselben meistens im Geschmacke der Zeit, die mehr auf äußeren Glanz als innere Festigkeit sah, der Schnelligkeit und Billigkeit halber aus Fachwerk aufgeführt. Der Lebensdauer gerade seiner bedeutendsten Schöpfungen ist dadurch ein kurzes Ziel gesteckt worden.

    • Literatur

      Ribbentrop, Beschreibung der Stadt Braunschweig I, 273 ff. — Brandes, Das ehemalige fürstliche Lustschloß Salzdahlum S. 6 ff.

  • Autor/in

    Zimmermann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Zimmermann, "Korb, Hermann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 701 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119548518.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA