Lebensdaten
1912 bis 1996
Geburtsort
Leschnitz (Oberschlesien)
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Bischof von Dresden-Meißen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119320045 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schaffran, Gerhard

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Zitierweise

Schaffran, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119320045.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1885–1918), aus Technikerfam. in Hirschberg (Niederschlesien), Hauptlehrer in L.;
    M Elfriede Porada (1885–1958), aus Lehrerfam.;
    1 Schw Hertha (* 1911), Kontoristin;
    2 B Herbert (* 1914), Gärtner, Karl-Heinz (* 1916), Dipl.-Ing.

  • Leben

    S. besuchte Schulen in Leschnitz und Günthersdorf sowie 1922-25 die Staatl. Bildungsanstalt Berlin-Lichterfelde, eine ehemalige Kadettenanstalt, die ihn prägte. Nach Übersiedlung der Familie nach Görlitz legte er dort 1932 das Abitur ab und begann im selben Jahr das Studium der Theologie in Breslau. 1937 zum Priester geweiht, erhielt er eine Anstellung als Alumnatssenior in Breslau, 1938 als Kaplan in der Breslauer Arbeiterpfarrei St. Nikolaus. Seit 1940 nahm er als Sanitätssoldat und Wehrmachtsgeistlicher am Weltkrieg teil. 1945 ging er freiwillig in Kriegsgefangenschaft und leistete bis 1949 in Rußland Deportierten seelsorglichen Beistand. Seiner Freilassung nach Pattscheid (Leverkusen) folgte 1950 die Berufung zum Kaplan der Pfarrei Maria Königin in Cottbus. Freundschaftliche Kontakte zu Alfred Bengsch (1921–79) und Hugo Aufderbeck (1909–81) entwickelten sich in dieser Zeit. In dem von ihm initiierten Katechetenseminar in Görlitz wurde S. 1952 Rektor; 1959 folgte die Berufung zum Dozenten für Homiletik am Priesterseminar Neuzelle. Im Jan. 1963 zum Weihbischof des Kapitelvikars Ferdinand Piontek (1878–1963) geweiht, wurde er im Nov. desselben Jahres dessen Nachfolger. Als Teilnehmer des 2. Vatikanums (seit d. 2. Session) trug S. wesentlich zum Entstehen des „Dt.-poln. Briefwechsels“ 1965 bei; sein Engagement für Katholiken in den osteurop. Staaten und seine Haltung zur „Vatikan. Ostpolitik“ entsprachen seiner Überzeugung von der Notwendigkeit einer Aussöhnung.

    1970 wurde S. unter Beibehaltung seiner bisherigen Aufgaben in Görlitz (bis 1972) zum Bischof von Meißen ernannt. Die Kontroversen um die Meißner Synode konnte er einigermaßen kompensieren, indem er sich dafür einsetzte, daß die Beschlüsse der Diözesansynode in die Pastoralsynode der DDR (1973–75) einflossen. Nach langen Verhandlungen mit staatlichen Stellen gelang ihm|1980 die Translation des Bischofssitzes, des Domkapitels und des Bfl. Ordinariats von Bautzen nach Dresden, die Umbenennung des Bistums sowie die Erhebung der Dresdner Hofkirche zur Kathedrale. Seit Mai 1980 war S. Vorsitzender der Berliner Bischofskonferenz (BBK). Entgegen den bisherigen Gepflogenheiten machte er 1981 einen Antrittsbesuch beim Staatsratsvorsitzenden Erich Honecker (1912–94). Kritik der BBK an dieser Begegnung und S.s Veto gegen einen Friedenshirtenbrief scheinen seinen Rücktritt als Vorsitzender 1982 motiviert zu haben. Zudem schufen Verhandlungen mit dem SED-Bezirksleiter von Dresden, Hans Modrow (* 1928) Irritationen. Ein letzter Höhepunkt seiner Amtszeit war das Katholikentreffen 1987 in Dresden (em. 1987). Einige seiner kirchenpolitischen Aktivitäten sind bis heute umstritten, doch hoffte S., durch Flexibilität und Gesprächsbereitschaft mit staatlichen Institutionen einen größeren Spielraum für kirchliche Interessen zu erreichen.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. röm. Sekretariats f. d. Einheit d. Christen (seit 1976).

  • Werke

    Licht in d. Alltag, Losungsworte f. jeden Tag d. Kirchenj. 51965;
    Ich weiß, wem ich glaube, Kath. Glaubenslehre f. Oberschüler, 21960;
    Das hl. Evangelium nach Lukas, 1965.

  • Literatur

    U. Haese, SED-Kontakte d. kath. Kirche im Bm. Dresden-Meißen, in: Kirchl. Zeitgesch. 8, 1995, S. 510-31;
    M. Seewald, Solo Dios basta, G. S., Wegbegleitur in schweren Zeiten 1912-1962, 1996;
    B. Huhn, Solo Dios basta, Gott allein genügt, Bf. G. S. (1912-1996) z. Gedenken, in: Anz. f. d. Seelsorge 8, 1998, S. 387 f.;
    B. Schäfer, Staat u. kath. Kirche in d. DDR, 21998;
    J. Pilvousek, Kirche u. Diaspora, Die kath. Kirche in d. DDR u. d. Zweite Vatikan. Konzil, in: H. Wolf u. C. Arnold (Hg.), Die dt.sprach. Länder u. d. II. Vatikanum, 2000, S. 149-67;
    ders., in: J. Aretz u. a. (Hg.), Zeitgesch. in Lb. 11, 2004;
    ders., in: Gatz V (P);
    ders., in: LThK;
    H. J. Brandt u. P. Häger (Hg.), Biogr. Lex. d. Kath. Militärseelsorge Dtld.s 1848 bis 1945, 2002;
    Breslau Lex.;
    Wer war wer in d. DDR;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Munzinger; |

  • Quellen

    Qu: Archiv d. Bm. Görlitz; Ordinariatsarchiv d. Bm. Dresden-Meißen, Bautzen; Regionalarchiv Ordinarien Ost, Erfurt; BA, Abt. Potsdam; BUSt.

  • Autor/in

    Josef Pilvousek
  • Empfohlene Zitierweise

    Pilvousek, Josef, "Schaffran, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 540-541 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119320045.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA