Lebensdaten
1801 bis 1877
Geburtsort
Grafenau (Oberbayern)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; evangelischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119261332 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reichlin-Meldegg, Karl Alexander Freiherr von

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Reichlin-Meldegg, Karl Alexander Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119261332.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alexander (1771–1812), Hofger.rat;
    M Maria Augusta Sidonia Leuthin (1779–1826);
    1832 Barbara Molitor (1805–74);
    1 S Kuno (1836–94), PD d. Philos. an d. Univ. Heidelberg.

  • Leben

    Im Sinne aufgeklärt-humanitärer Frömmigkeit erzogen, studierte R. seit 1819 Theologie an der Univ. Freiburg, wurde 1822 zum kath. Priester geweiht und 1823 auf Grund der Dissertation „Die Theologie des Magiers Manes und ihr Ursprung“ (gedr. 1825) zum Dr. theol. promoviert. Bis 1828 wirkte R. in Freiburg (Br.) als Gymnasiallehrer, stark beeinflußt vom Reformer Heinrich Schreiber (1793–1872). 1825 wurde er zum Dozenten für Kirchengeschichte an der Freiburger Theol. Fakultät ernannt, 1828 zum Extraordinarius, 1830 zum Ordinarius. In seinen „Vorschläge[n] zur Verbesserung in unserer dt. kath. Kirche“ vertrat er einen bürgerlich-liberalen Rationalismus, der großes Mißfallen unter traditionalistischen und ultramontanen Katholiken erregte, in der bad. Kultusbürokratie und im akademischen Establishment jedoch Rückhalt fand. Seit 1830 las R. über Kirchengeschichte anhand seiner kurz zuvor anonym publizierten „Geschichte des Christentums von seinem Ursprung bis zur neuesten Zeit“ (1830/31), in der er den synkretistischen Charakter des Christentums betonte, die Göttlichkeit Jesu zu Gunsten seiner allein menschlichen Natur bestritt und nur Taufe und Abendmahl als Sakramente anerkannte. Der Freiburger Ebf. Bernhard Boll (1756–1836) forderte R. auf, das Buch zurückzuziehen und die Bekenntnisse seiner Priesterweihe zu wiederholen. Dies lehnte R. ab, folgte aber dem Wunsch des Ministeriums, seine Vorlesungen auszusetzen und wechselte 1832 als Ordinarius in die Phil. Fakultät über, um v. a. Historische Hilfswissenschaften zu lehren. Das „Sendschreiben an den Herrn Erzbischof von Freiburg, Bernhard Boll, in Beziehung auf das bei der [… ] Priesterweihe zu beschwörende Glaubensbekenntnis“ (1832) führte zum Bruch mit der kath. Kirche. Im selben Jahr trat R. zum Protestantismus über. Das Kultusministerium forderte ihn auf, nach Heidelberg überzusiedeln, wo R. seit dem 2.4.1832 Vorlesungen über phil. Themen und über Sprachen hielt. 1839 wurde er zum etatmäßigen ao., 1840 zum o. Professor für Philosophie ernannt (Dekan 1843, 1851, 1863/64). Als Philosoph betätigte sich R. primär im Sinne der Popularisierung phil. Entwürfe sowie als Übersetzer. Auch publizierte er viel zur Heidelberger Universitätsgeschichte.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Freiburg 1832); Rr.kreuz I. Kl. d. Ordens v. Zähringer Löwen (1873).

  • Werke

    Weitere W Die mosaische Gesch. vom brennenden Dornbusch im Urtexte mit e. neuen dt. Übers., e. fortlaufenden Kommentar, d. versch. Erklärungsarten u. e. eigenen Erklärungsversuche d. Vf., 1831;
    Psychol. d. Menschen mit Einschluß d. Somatol. u. d. Lehre v. d. Geisteskrankheiten, 2 Bde., 1837 f.;
    Die Autolatrie oder Selbstanbetung, Ein Geheimnis d. Jung-Hegel'schen Philos., 1843;
    Die dt. Volksbücher v. Johann Faust, d. Schwarzkünstler u. Christoph Wagner d. Famulus, 3 Bde., 1848;
    Heinrich Eberhard Gottlob Paulus u. seine Zeit, 2 Bde., 1853;
    Friedrich Kortüm (1788–1858), 1858;
    Gesch. d. Univ. Heidelberg, nach hs. Qu. nebst wichtigen Urkk., v. Johann Friedrich Hautz, nach dessen Tode hg., 2 Bde., 1862 f.;
    System d. Logik nebst Einl. in d. Philos., 2 Bde., 1870;
    Das Leben e. ehem. röm.-kath. Priesters, Eine Jubelschr., 1874 (Autobiogr).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Univ.archiv Heidelberg, Gen.landesarchiv Karlsruhe.

  • Literatur

    ADB 27;
    H. Reichlin v. Meldegg, Gesch. d. Fam. R. v. M., 1881;
    E. Säger, Die Vertretung d. KGesch. in Freiburg, 1952;
    Ziegenfuß;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    LThK;
    BBKL.

  • Portraits

    Kurpfälz. Mus. Heidelberg.

  • Autor/in

    Friedrich Wilhelm Graf
  • Empfohlene Zitierweise

    Graf, Friedrich Wilhelm, "Reichlin-Meldegg, Karl Alexander Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 318 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119261332.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Reichlin-Meldegg: Karl Alexander Freiherr v. R.-M., Professor der Philosophie an der Universität Heidelberg, geboren zu Grafenau in Baiern am 22. Februar 1801, zu Heidelberg am 16. Februar 1877. Sohn eines aus altschwäbischem Adelsgeschlecht stammenden Auditors in dem Regiment des Fürsten zu Fürstenberg, der nach Anfall der fürstenbergischen Lande an Baden sich als Anwalt in Meersburg am Bodensee niederließ und von da als großherzoglich badischer Amtsassessor nach Ueberlingen, später als Justizrath nach Freiburg übersiedelte, erhielt R. seine gelehrte Vorbildung am Gymnasium zu Freiburg und bezog 16jährig die dortige Universität, wo er sich dem Studium der katholischen Theologie widmete. Nachdem er den Grad eines Doctors der Theologie erworben und die Priesterweihe erhalten hatte, habilitirte sich R. in Freiburg im J. 1822 als Privatdocent in der theologischen Facultät, in welcher er bald die Würde eines außerordentlichen und ordentlichen Professors erreichte. Seine Vorlesungen, die sich durch eine sehr freisinnige Haltung bemerkbar machten, erstreckten sich außer der Theologie auch auf Materien der Philosophie und Geschichte. Conflicte mit der erzbischöflichen Curie veranlaßten zuerst seine Versetzung in die philosophische Facultät, später seine Entfernung vom akademischen Lehramt unter Verleihung eines Sustentationsgehaltes. Nachdem er den Bruch mit der katholischen Kirche vollständig vollzogen hatte und zum protestantischen Bekenntnisse übergetreten war, siedelte er nach Heidelberg über, wo er 1832 als Docent in die philosophische Facultät eintrat, nachdem ihm noch vorher die philosophische Facultät der Universität Freiburg das Diplom eines Ehrendoctors ertheilt hatte. 1839 wurde er zum außerordentlichen, 1840 zum ordentlichen Professor der Philosophie ernannt. In dieser Stellung wirkte er eine lange Reihe von Jahren hindurch. Neben Collegien über Philosophie, Logik, Metaphysik u. s. f. hielt er regelmäßig eine von den Studirenden besonders gern gehörte Vorlesung über Goethe's Faust. Hochbejahrt gab R., nachdem er im J. 1878 sein 50jähriges Doctorjubiläum gefeiert hatte, unter dem Titel „Das Leben eines ehemaligen römisch-katholischen Priesters“ (Heidelberg 1874) seine Selbstbiographie heraus, die kein unwichtiger Beitrag zur Zeitgeschichte, insbesondere zur Kenntniß der, liberalen Strömungen innerhalb der katholischen Kirche und der Stellung der Staatsgewalt zu denselben ist. Das Verdienst seiner wissenschaftlichen Thätigkeit liegt nicht in einer Erweiterung und Vermehrung der philosophischen Erkenntniß, was er leistete war namentlich eine für den Zweck akademischer Thätigkeit gewiß erwünschte Popularisirung der philosophischen Lehrmeinungen und ihrer historischen Entwicklung.

    • Literatur

      Schriften: „Die Theologie des Magus Manes und ihr Ursprung.“ Frankfurt 1825; „Theologische Abhandlungen.“ Graz 1829; „Geschichte des Christenthums von seinem Ursprung bis auf die neueste Zeit.“ Freiburg 1831; „Das Leben Heinrich Schmids, Doctor und außerord. Prof. zu Heidelberg, im Umrisse dargestellt.“ Heidelberg 1836; „Psychologie der Menschen mit Einschluß der Somatologie und der Lehre von den Geisteskrankheiten“. 2 Bde. Heidelberg|1837—38; „Die Autolatrie oder Selbstanbetung, ein Geheimniß der Jung-Hegel'schen Philosophie. Ein humoristischer Versuch. Offenes Sendschreiben an L. Feuerbach.“ Pforzheim 1843; „H. E. G. Paulus und seine Zeit.“ 2 Bde. Stuttgart 1853; „Friedrich Kortüm.“ Leipzig 1858; „System der Logik nebst Einleitung in die Philosophie.“ 2 Bde., Wien 1870; „Das Leben eines ehemaligen römisch-katholischen Priesters. Eine Jubelschrift.“ Heidelberg 1874; (Gemeinsam mit Fr. Kortüm) „Geschichte Europas im Uebergange vom Mittelalter zur Neuzeit.“ 2 Bde. Leipzig 1861. Außerdem gab er nach des Verfassers Tod die Geschichte der Universität Heidelberg von Hautz heraus.

  • Autor/in

    v. Weech.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weech, Friedrich von, "Reichlin-Meldegg, Karl Alexander Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 681-682 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119261332.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA