Lebensdaten
1856 bis 1943
Geburtsort
Nürnberg
Sterbeort
Neubiberg bei München
Beruf/Funktion
Iranist ; Indologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118841408 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Geiger, Wilhelm Ludwig
  • Geiger, Wilhelm
  • Geiger, Wilhelm Ludwig

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Zitierweise

Geiger, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118841408.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johs. Leonhard (1820–94), Pfarrer in Nürnberg, S d. Gottlieb Eberh., Bader u. Chirurg in Nürnberg, aus württ. Handwerker- u. Bauernfam., u. d. Anna Ursula Obermüller;
    M Emma (1832–1918), T d. Adolf Paur (1802–71), Notar u. Advokat in Augsburg, 1848 Vertreter v. Augsburg in d. Frankfurter Nat.verslg., dann Mitgl. d. bayer. Abgeordnetenkammer, u. d. Johanna Kümmich;
    1) Nürnberg 1881 Marie (1858–1910), T d. Jac. Felix Plochmann (1821–96), Großkaufm. in Hamburg u. Nürnberg, u. d. Albertine Maria Eisenbach, 2) Roschwitz 1917 Magdalene Grobe (1877–1960);
    2 S, 3 T aus 1), u. a. Hans (s. 1), Rudolf (s. Gen. 1), Emma (⚭ Wilh. Caspari, 1876–1947, Prof. d. ev. Theol. in Breslau u. Kiel, s. RGG2).

  • Leben

    Nach dem Studium der klassischen und orientalischen Philologie in Erlangen (bei F. von Spiegel, Promotion 1876), Bonn und Berlin und seiner Habilitation in Erlangen (1878) wurde G. 1880 am Gymnasium in Neustadt aus dem Hause und 1884 am Max-Gymnasium in München als Lehrer tätig. Nach seiner Umhabilitation nach München (1886) wurde er 1891 als ordentlicher Professor nach Erlangen und 1920 als Nachfolger seines Freundes E. Kuhn nach München berufen (1924 emeritiert). G. widmete sich bis um 1900 vorwiegend der Iranistik. Von ihm stammen die Grundlagen unserer Anschauungen über Heimat und Entstehung des Avesta (Vaterland und Zeitalter des Avesta, 1884; The Age of the Avesta and Zoroaster, 1886) und die maßgebliche Darstellung der altiranischen Kulturgeschichte (Ostiranische Kultur im Altertum, 1882; englische Übersetzung, 2 Bände, London 1885/87). Neben historischen und geographischen Fragen erforschte er als erster Herkunft und Grammatik iranischer Sprachen (Afghanisch, Balutschisch und andere) und gab 1895-1904 zusammen mit E. Kuhn den „Grundriß der Iranischen|Philologie und Altertumskunde“ heraus. Danach wandte sich G. der Indologie zu und unternahm 1895/96, 1925/26 und 1931/32 Forschungsreisen nach Ceylon. Seine Arbeiten über das Pāli (Pāli, 1916; englische Übersetzung, Calcutta 21956) und das Singhalesische (Etymologie des Singhalesischen, 1898; Litteratur und Sprache der Singhalesen, 1900; Grammar of the Sinhalese Language, Colombo 1938 und so weiter) sind Standardwerke geworden. 1931 übertrug man ihm die Leitung des im Auftrage der Regierung Ceylons begonnenen „Dictionary of the Sinhalese Language“. Der Erforschung der Geschichte Ceylons dienten seine Ausgabe und Übersetzung der wichtigsten Chronik der Insel, „Mahāvamsa“ (und „Cūlavamsa“, 6 Bände, London 1909-30), und quellenkritische Studien dazu. Besonderes Anliegen war ihm die Kulturgeschichte (Culture of Ceylon in Mediaeval Times, herausgegeben von H. Bechert, 1960). Als Iranist und Indologe mit breiten allgemein-indogermanistischen Kenntnissen war G. der umfassendste Gelehrte seiner Generation in Deutschland. Seine Werke haben auch in Indien große Beachtung gefunden und entscheidend zur Begründung des Ansehens der deutschen Orientalistik beigetragen. Die Treffsicherheit seines Urteils und die Weite seines Blickes stellen ihn zu den Gelehrten, deren Werke nicht veralten.|

  • Auszeichnungen

    Wirkl. Geh. Rat, Ehrenmitglied d. American Oriental Society, d. Société Asiatique, d. Royal Asiatic Society of Great Britain and Ireland u. a. gel. Gesellschaften; 1935 Gedenkmedaille zur buddhist. 2500-J.-Feier v. Kaiser v. Japan; 1905/06 Mitgl. d. Bayer. Abgeordnetenkammer (nat.liberal).

  • Werke

    Weitere W u. a. Aogemadaêcâ (Habil. schr.), 1878;
    Hdb. d. Awestasprache, 1879;
    Alexanders Feldzüge in Sogdiana, 1884;
    Die Russen in Turkestan, 1885;
    Die Pamirgebirge, 1887;
    Das Yātkāri-Zarīrān u. s. Verhältnis z. Sāh nāme, 1890;
    Die Sprache d. Roḍiyās auf Ceylon, 1897 (engl. Übers. in: Ceylon Antiquary 5, 1920);
    Ceylon, 1898;
    Dīpavaṃsa u. Mahāvaṃsa u. d. geschichtl. Überlieferung in Ceylon, 1905 (engl. Übers., Colombo 1908);
    Die archäol. u. lit. Funde in Chines. Turkestan (Rektoratsrede), 1912;
    Maldivian Linguistic Studies, Colombo 1919;
    Pāli Dhamma, 1920 (mit Magd. Geiger);
    Saṃyutta-Nikāya, ins Deutsche übertragen, I, 1930, II, 1925;
    Etymological Glossary of the Sinhalese Language, Colombo 1941;
    Stud. z. Gesch. u. Sprache Ceylons, 1941;
    Btrr. z. singhales. Sprachgesch., 1942. - Nachgelassene umfangreiche Wörterbuchslgg. z. Pālisprache werden seit 1960 im Critical Pāli Dictionary d. Dän. Ak. mitverarbeitet. - Hrsg. u. a.: Zs. f. Buddhismus 3-8, 1921-28;
    Zs. f. Indol. u. Iranistik 1-10, 1922-36. - Verz. v. K. G. Zistl, in: Yoga 1, 1931, S. 107-19.

  • Literatur

    Studia Indo-Iranica, Ehrengabe f. W. G., 1931 (P);
    W. Wüst, in: Yoga 1, 1931, S. 15-21;
    ders., in SB d. Phil.-hist. Abt. d. Bayer. Ak. d. Wiss. zu München, Jg. 1943, H. 11, S. 17-24;
    ders., H. H. Schaeder u. H. v. Glasenapp, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 98, 1944, S. 169-88 (P;
    engl. Übers. in: Univ. of Ceylon Review 8, Colombo 1950, S. 16-25);
    H. Lüders, in: FF 17, 1941, S. 251;
    H. Hoffmann, in: Geist u. Gestalt I, 1959, S. 103-12 (P in III);
    W. Kuenzel, The Great Indologist, in: The Times of Ceylon, Colombo 10.10.1960, S. 6 f.;
    H. Bechert, W. G., in: A Critical Pāli Dictionary II, 2, Kopenhagen 1962;
    Enciclopedia Universal Ilustrada Europeo-Americana, Barcelona 1905–33, 25, S. 1156, u. Apéndice V, S. 787.

  • Portraits

    Büste v. E. Penzoldt (im Bes. d. Fam. Hans Geiger).

  • Autor/in

    Heinz Bechert
  • Empfohlene Zitierweise

    Bechert, Heinz, "Geiger, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 142 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118841408.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA