Lebensdaten
1578 bis 1610
Geburtsort
Frankfurt am Main
Sterbeort
Rom
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118810936 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Elzheimer, Adam
  • Ehlsheimer, Adam (eigene Schreibweise)
  • Elsheimer, Adam
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Zitierweise

Elsheimer, Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810936.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adam, Schneidermeister aus Wörrstadt b. Elsheim (Rheinhessen), seit 1577 Bürger in Frankfurt;
    M Martha, T des Faßbindermeisters Gerh. Reuß in Frankfurt;
    22.12.1606 Carla Antonia de Stuarda.

  • Leben

    In der Lehrzeit war E. Schüler des eklektizistischen Frankfurter Malers Philipp Uffenbach, zugleich unter dem nachhaltigen Einfluß der aus den Niederlanden nach Frankfurt und Frankenthal emigrierten Landschaftsmaler, der Valckenborch und des Gillis von Coninxloo. Auf der Wanderschaft war E. 1598 in München, dann in Venedig, wo er zu dem deutschen Maler Johann Rottenhammer gefunden haben muß, vor allem aber von der venezianischen Malerei, von Bellini, Giorgione, Veronese, Tintoretto tief beeindruckt wurde. 1600 in Rom, ist E. hier bis zum Tode verblieben, hat es durch Kunst und feines Wesen zu großem Ansehen gebracht und auf italienische und niederländische Maler (Saraceni, Gentileschi, Tassi, Jan und Jacob Pynas, Lastmann, Breenbergh) bedeutend eingewirkt. Der in Rom hochgeschätzte Maler Paul Bril, der gelehrte Arzt Johannes Faber wurden seine Freunde. Rubens, jahrelang gleichzeitig in Rom, hat ihn geliebt und bewundert. E. war Mitglied der römischen Lukas-Akademie. Er hat nicht viel geschaffen und es offenbar nicht zu wirtschaftlichem Erfolg gebracht. Durch die Schuld eines Freundes, wahrscheinlich des Hendrick Goudt, der E. gesammelt, nachgeahmt und im Stich reproduziert hat, ins Schuldgefängnis gebracht, ist E. bald nach der Befreiung, an Leib und Seele gebrochen, unter großer Anteilnahme gestorben. – In Rom hat E. vollends zur Einheit und Klarheit der räumlichen Disposition, zu Kraft und Fülle der plastischen Form, zu Unmittelbarkeit und Objektivität gegenüber der Natur, zur Sammlung und Intensivierung der Lichtführung gefunden, welche ihn zu einem Begründer der barocken Malerei haben werden lassen. Er ist darin Caravaggio zu vergleichen. Bescheidenheit und Reinheit der künstlerischen Sprache, Wirklichkeitssinn, liebevolles sorgsames Eingehen auf den Gegenstand, Innigkeit und Poesie tragen seine Kunst. Sie gilt vorwiegend religiösen und mythologischen Themen. Besondere Auswirkung hat seine in ganz neuem Sinne unmittelbare Landschaftsdarstellung gehabt, bis zu Rembrandt und Claude Lorrain. Die Bilder sind auf Kupfer äußerst fein gemalt, klein im Format; nur die „Sintflut“ im Städel ist signiert. Aber ihre innere Größe ist schon zu E.s Lebzeiten erkannt worden. E. war ein hochbegabter, großzügiger und nerviger Zeichner; er hat ein paar Blätter radiert. Die Bilder sind früh kopiert, imitiert und in Nachstichen verbreitet worden. Das Werk, insbesondere das des Zeichners ist noch nicht ganz geklärt.

  • Werke

    u. a. Predigt d. Johannes (München, Pinakothek); Das Opfer in Lystra (Frankfurt, Städel), Sintflut (ebd.);
    Taufe Christi (London, Nat.gal.);
    Laurentiusmarter (ebd.);
    Kreuzesallegorie (Frankfurt, Städel);
    Brand Trojas (München, Pinakothek);
    Verspottung d. Ceres (Madrid, Prado);
    Philemon u. Baucis (Dresden);
    Myrrha (Frankfurt, Städel);
    Apollo u. Battus (Florenz, Uffizien);
    Flucht nach Ägypten (München, Pinakothek); genaue Chronologie nicht möglich; die Entwicklung geht z. Einfachheit u. Klarheit, Verzicht auf Buntheit.

  • Literatur

    W. Bode, A. E., d. röm. Maler dt. Nation, in: Jb. d. Kgl. Preuß. Kunstslgg. 1/2, 1880/81, wiederabgedr. in: Stud. z. Gesch. d. Holländ. Malerei, 1898; W. Drost, A. E., er u. s. Kreis, 1931;
    H. Weizsäcker, A. E., der Maler v. Frankfurt T. I, 1936, T. II a. d. Nachlaß hrsg. v. H. Möhle, 1952 (L, Qu.);
    E. Holzinger, E.s Realismus, in: Münchner Jb. d. bildenden Künste, 3. F., II, 1950;
    W. Drost, A. E. als Zeichner, 1957; W. Hausenstein, in: Gr. Deutsche V, 1957, S. 100-08 (P).

  • Portraits

    (vielleicht v. Saraceni gemalt) war in die Slg. d. Porträts hervorragender Mitgl. d. röm. Lukas-Ak. aufgenommen worden, heute Palazzo Pitti;
    v. unbek. Künstler, Florenz Uffizien, Abb. b. Hausenstein, s. L.

  • Autor/in

    Ernst Holzinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Holzinger, Ernst, "Elsheimer, Adam" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 465-466 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810936.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Elsheimer: Adam E. (Elzheimer), Maler, geb. zu Frankfurt a./M. im Jahr 1574, 1620 zu Rom, genannt Adam von Frankfurt. E. war der Sohn eines Schneiders, kam in die Lehre bei Philipp Uffenbach und ging dann früh nach Italien, wo er in Rom sich niederließ und mit einigen niederländischen Malern, besonders Pieter Lastman und Jan Pinas, in enger Beziehung stand. Vorzugsweise wendete er sich der Landschaftsmalerei zu, staffirte diese Bilder mit Scenen aus der Bibel oder Mythologie und arbeitete am liebsten in kleinem Maßstabe. Mit der älteren Schule, aus der er hervorwuchs, hing er noch durch die zarte Vollendung bis in das Einzelne zusammen, aber er betrat zugleich die Bahn einer modernen Entwicklung in der malerischen Haltung, der richtigen Wahl des Augenpunkts, der Zartheit der Lichtwirkung und des Helldunkels. In dieser Hinsicht kann er als der Vorläufer der großen holländischen Maler, namentlich des Rembrandt gelten, welcher der Schüler seines Freundes Lastman war. Sein Skizzenbuch, im Städel'schen Institut zu Frankfurt, zeigt einen Meister von seltenem Geist der Auffassung und erinnert an Rembrandt selbst. Zu seinen schönsten Bildern gehören die trinkende Ceres von dem Knaben verspottet (Galerien in Madrid und Berlin), das Martyrium des heiligen Laurentius (München, Pinakothek), Pyramus und Thisbe (Karlsruhe), Paulus und Barnabas zu Lystra (Frankfurt, Städel'sches Institut). Einige Blätter hat er selbst radirt; mehrere Compositionen des Meisters hat Graf Heinrich von Goudt gestochen, der zu ihm in freundschaftlichem Verhältniß stand, so die schönen Landschaften mit der Flucht nach Aegypten und mit dem jungen Tobias, sowie die Verspottung der Ceres. Er hatte mit äußeren Sorgen zu kämpfen, denen auch sein Freund Goudt ihn nicht entreißen konnte, kam in das Schuldgefängniß und verfiel in eine Schwermuth, die frühzeitig seine Kraft verzehrte. Seine Wittwe und seine Kinder traf Sandrart noch 1632 in Rom. Auch sein jüngerer Bruder Johann war Maler.

    • Literatur

      Sandrart, Teutsche Akademie; Passavant im Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst; F. Gwinner, Kunst und Künstler in Frankfurt a. M., 1862.

  • Autor/in

    Woltmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Woltmann, Alfred, "Elsheimer, Adam" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 66 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118810936.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA