Lebensdaten
um 1490 bis 1542
Geburtsort
Campen (Provinz Overijssel)
Sterbeort
Utrecht
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Astronom
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11879213X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pigghius, Albert
  • Pighius, Albert
  • Pighius, Albertus
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Aus dem Register von NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Pigge, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11879213X.html [22.09.2019].

CC0

  • Leben

    P. immatrikulierte sich 1507 an der Univ. Löwen, wo er 1509 den Grad eines Magister artium erwarb und danach mit dem Theologiestudium begann. 1518-22 setzte er seine Studien vermutlich in naturwissenschaftlichen Fächern in Paris fort. Wann er die Priesterweihe empfing, ist nicht bekannt. Seit 1522 war P. in Rom bei Papst Hadrian VI. und wurde 1525 unter dessen Nachfolger Clemens VII. (seit 1523) päpstl. Geheimkämmerer. Nach 1531 in den Niederlanden nachweisbar, wurde P. 1535 Propst an St. Johannes in Utrecht. An den Religionsgesprächen in Worms und Regensburg 1540/41 nahm er teil, war aber nicht aktiver Disputant.

    P.s Erstlingswerk, eine Studie über die Astrologie, erschien 1518 in Paris. Es folgten Schriften zur Kalenderreform, zur Geographie und – im Kontext von Unionsbemühungen – zur Ostkirche. 1538 begann mit der Verteidigung der Konzilsankündigung Pauls III. in „Adversus furiosissimum libellum Henrici Angliae regis et senatus eius“ (hs. in Bibl. Vaticana, Ottob. lat. 1735; ed. in: Concilium Tridentinum 12, S. 774-810) und der gedruckten „Apologia indicti … Concilii“ P.s bedeutendste literarische Phase: die kontroverstheol. Auseinandersetzung mit dem Protestantismus. Im Zusammenhang mit dem Regensburger Religionsgespräch verfaßte P. die „Controversiarum …, quibus nunc exagitatur Christi fides et religio diligens et luculenta explicatio“ (1541/42). Mit der „Ratio componendorum dissidiorum et sarciendae in religione concordiae“ (1542) legte er, die Religionsgespräche ablehnend, Anregungen zur Überwindung der Glaubensspaltung und Rückkehr zur kath. Kirche vor. Da Martin Bucer (1491–1551) diesen Positionen publizistisch widersprach, schrieb P. als Entgegnung die „Apologia … adversus Martini Buceri calumnias“ (1543). P.s Arbeit „De libero hominis arbitrio et divina gratia“ (1542) wandte sich gegen Johannes Calvin (1509–64), der mit der „Defensio … adversus calumnias Alberti Pighii“ 1543 replizierte (CR 6, S. 225-404). In seinem Hauptwerk „Hierarchiae ecclesiasticae assertio“ (1538 u. ö.) vertrat P. eine exzessive Lehre von der Gewalt und Unfehlbarkeit des Papstes, der niemals Häretiker werden könne, und wertete demgegenüber die Konzilien ab. Bei der im reformatorischen Disput zentralen Doktrin von der Rechtfertigung des Menschen vor Gott plädierte er für die umstrittene Theorie von der doppelten Gerechtigkeit, worüber auch das Konzil von Trient diskutierte. Seine Werke zu diesem Thema kamen 1624 in Lissabon auf den Index der verbotenen Bücher. Als Kontroverstheologe von Rang gewann P. Einfluß vor allem auf die Ekklesiologie, die Erbsünden- und Rechtfertigungslehre.

  • Werke

    W-Verz.: H.Jedin, Studien üb. d. Schriftst.tätigkeit A. P.s, 1931, S. 7-47;
    VD 16, Bd. 16, S. 98-100. – Briefe bei W. Friedensburg, Btrr. z. Briefwechsel d. kath. Gelehrten Dtld.s im Ref.za., in: Zs. f. KGesch. 23, 1902, S. 110-55.

  • Literatur

    ADB 26;
    R. G. Melles, A. P. en zijn strijd met Calvijn over het liberum arbitrium, 1973;
    R. Bäumer, in: E. Iserloh (Hg.), Kath. Theologen d. Ref.zeit I, 1984 (21994), S. 98-106;
    L. F. Schulze, Calvin's Reply to P., A micro and macro view, in: W. H. Neuser (Hg.), Calvinus ecclesiae Genevensis custos, 1984, S. 171-85;
    H. Rimbach, Gnade u. Erkenntnis in Calvins Prädestinationslehre, Calvin im Vgl. mit P., Beza u. Melanchthon, 1996, S. 123-51;
    BBKL;
    TRE;
    Contemporaries of Erasmus III;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    LThK3;
    RGG2.

  • Autor/in

    Heribert Smolinsky
  • Empfohlene Zitierweise

    Smolinsky, Heribert, "Pigge, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 437 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11879213X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pighius: Albertus P., katholischer Theolog und bedeutender Astronom, um 1490 aus einer der regierenden Familien zu Kampen geboren, erhielt seine wissenschaftliche Erziehung an der Löwener Universität und studirte Theologie unter Adrian Florisz. Nachdem er dort das Baccalaureat und zu Köln das Doctorat in der Theologie erworben hatte, folgte er seinem Lehrer nach Spanien und, als dieser 1522 zum Papst ernannt war, nach Rom. Von diesem, wie auch von seinen Nachfolgern Clemens VII. und Paul III. wegen seiner vielseitigen Gelehrsamkeit hochgeachtet, ward er mehrfach in politischen und kirchlichen Geschäften nach Worms und Regensburg gesandt. Schon hatte er einen|bedeutenden Antheil gehabt an der Verbesserung des Kalenders und an der richtigen Berechnung des Osterfestes, als Leo X. diese Angelegenheit bei der Löwener Universität in Anregung gebracht hatte. Darauf beziehen sich auch seine Schriften: „Astrologiae defensio adversus prognosticatorum vulgus, qui annuas praedictiones edunt et se astrologos mentiuntur“, Paris 1518, und „De aequinoctiarum solstitiorumque inventione et de ratione Paschalis celebrationis deque restitutione ecclesiastici Calendarii“, Paris 1520, sowie die „Apologia adversus novam Marci Beneventani astronomiam, quae positionem Alphousinam et recentiorum omnium de motu octavi orbis depravavit“, Paris 1522 und eine „Defensio apologiae adversus novam Marci Beneventani astronomiam“. Papst Paul III. ließ sich von ihm in der Mathematik unterweisen und verlieh ihm als Anerkennung dafür 1535 die Propstei von St. Johann zu Utrecht nebst einer bedeutenden Geldsumme. Dennoch gerieth er, infolge eines langwierigen und kostspieligen Processes mit dem Utrechter Magistrat, wobei es sich um die herrschaftlichen Rechte seiner Propstei handelte, in finanzielle Bedrängniß. Nicht nur als Mathematiker und Astronom, sondern auch als Vertheidiger des katholischen Glaubens und besonders der kirchlichen Hierarchie, hatte er große Verdienste. Seine Hauptarbeit auf diesem Gebiete ist die „Hierarchiae ecclesiasticae assertio“, welche zu Köln 1538, 1544, 1558 und 1572 in einem Folioband erschien und vom englischen Theologen John Leland in seiner „Amphilarchia in Alb. Pighium“ widerlegt worden ist. Auch auf katholischer Seite fand er keinen ungetheilten Beifall. Der Cardinal Bona versagte ihm zwar nicht das Lob großer Gelehrsamkeit, empfiehlt aber doch einen behutsamen Gebrauch seiner Schriften, indem P. die Kirchenlehre nicht durchaus rein darstelle und in der Lehre der Erbsünde, Prädestination und Rechtfertigung dem Protestantismus zuneige; weshalb denn auch einige seiner Schriften auf den Index gestellt sind. — Neben oben genannten Schriften erschien noch von seiner Hand: „Controversiarum praecipuarum in Conciliis Ratisbonensibus tractatarum explicatio“. Köln 1542, Paris 1542, 1549 und 1586. Weiter: „De libero hominis arbitrio et divina gratia libri X adversus Lutherum, Calvinum et alios“, Köln 1542, „Ratio componendorum dissidiorum et sarciendae in religione concordiae“, Köln 1542, und „Apologia adversus Martini Buceri calumnias“, Mainz 1543, Paris 1543, 1586. Seine letzten Jahre verlebte er zu Utrecht, wo er am 26. December 1542 starb und in der St. Johanniskirche bestattet ist.

    • Literatur

      Burmann, Traj. erud. p. 260 sqq. — Paquot, Mém. litér. I. p. 102 sv. — Bosscha, Overyss. Volksalman. 1840, bl. 112 vv., Oudh. v. Deventer II. bl. 30 vv., 49, und Glafius, Godgel. Nederl.

  • Autor/in

    van Slee.
  • Empfohlene Zitierweise

    Slee, Jacob Cornelis van, "Pigge, Albert" in: Allgemeine Deutsche Biographie 26 (1888), S. 125-126 unter Pighius [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11879213X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA