Lebensdaten
1499 bis 1558
Geburtsort
Fulda
Sterbeort
Leipzig
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
katholisch,lutherisch
Normdaten
GND: 118783297 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Menig, Jodocus (eigentlich)
  • Menig, Jost (eigentlich)
  • Meni, Justus
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Zitierweise

Menius, Justus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118783297.html [17.08.2017].

CC0

Menius, Justus (eigentlich Jodocus Menig)

lutherischer Theologe, * 13.12.1499 Fulda, 11.8.1558 Leipzig.

  • Genealogie

    V N. N. Menig; M Elisabeth Ranis aus Gotha; Verwandter Konrad Mutian ( 1526), Humanist (s. ADB 23); – 1) Mühlberg b. Gotha 1523 Elsa N. N., 2) Gotha 1547 Margarita, Wwe d. Sup. Friedrich Myconius (1491–1546) in Gotha (s. ADB 23; LThK), T d. Barthel Jäck in Gotha; 3 S, 1 T aus 1), u. a. Eusebius (* 1527), Prof. d. Philos. in Wittenberg, seit 1550 Prof. d. Math. in Greifswald (s. Jöcher-Adelung, Anna Sabinus, E d. Philipp Melanchthon, 1497–1560, Reformator, s. NDB 16), Elisabeth ( Sebastian Boetius, 1515–73, Theol., s. NDB II); Stief-T Barbara ( Cyriacus Lindemann, 1516–68, Rektor d. Gymnasiums in Gotha, s. ADB 19).

  • Leben

    M. besuchte die Fuldaer Klosterschule, wurde Ostern 1514 in Erfurt immatrikuliert, erhielt 1515 den Grad eines Baccalaureus, 1516 den eines Magisters; im „Mutianischen Bund“ fand er Freunde. 1519 studierte er weiter in Wittenberg, in Melanchthons Haus traf er seinen Griechischlehrer Joachim Camerarius wieder. 1523 war er in Mühlberg Vicarius des Pfarrers und Gothaer Stiftsherrn Johann Bock (Boccacius). 1525 wollte er in Erfurt eine Schule einrichten, wurde aber Pfarrer an St. Thomas und setzte sich mit dem Franziskaner D. Kling heftig auseinander. Im August 1528 wohnte er mit seiner Familie im Gothaer Augustinerkloster und gab Privatunterricht. Bei der ersten kursächs. Visitation wirkte er 1528/29 mit Melanchthon und Myconius in Weimar, Gotha und Eisenach mit. Dort wurde er 1529 Pfarrer und Superintendent. Auch 1533/34 gehörte er zu den Visitatoren. 1529 nahm er am Marburger Religionsgespräch teil, 1536 an der Wittenberger Konkordie und 1540 an den Religionsgesprächen in Hagenau und Worms. 1537 unterschrieb an seiner Stelle sein Freund Myconius die Schmalkaldischen Artikel. 1539 war er unter den Predigern, welche die Reformation im albertinischen Hzgt. Sachsen einführten, 1541-44 tat er dies in und um Mühlhausen. Vor dem Kf. Johann Friedrich ließ er 1539 in Eisenach das von ihm übersetzte Drama „Pammachius“ des Thomas Naogeorgus aufführen. Im Grenzgebiet zwischen Hessen und Thüringen bekämpfte er die Wiedertäufer mit zwei Schriften, zu denen Luther Vorworte beigab: „Der Widdertaufer lere und geheimnis“ (1530) und „Vom Geist der Widerteuffer“ (1544). Mehrfach verhörte er den Bauern Fritz Erbe aus dem Dorf Herda bei Eisenach, weil Landgf. Philipp von Hessen sich einer Hinrichtung widersetzte, welche der Reichstag von 1529 und ein Gutachten Melanchthons 1531 für Anstifter forderten. M.s Schrift „Von den Blutsfreunden aus der Widertauff“ zeigt, daß 1551 noch solche Gruppierungen vorhanden waren. 1546 übernahm M. auch die Superintendentur Gotha, zog aber 1552 von Eisenach fort, als sich der aus Naumburg und Zeitz vertriebene Bischof Nikolaus v. Amsdorf dort niederließ. 1547 und 1548 widerstand er mutig dem Augsburger und Leipziger Interim. Sein Versuch, den Osiandrischen Streit 1553 in Königsberg zu schlichten, mißlang. 1554/55 stand M. auf der Seite von Georg Major, was zum Zerwürfnis mit Amsdorf führte. 1556 war auch Flacius unter seinen Gegnern. Da verließ er Gotha und wurde Pfarrer an der Leipziger Thomaskirche durch Empfehlung von Melanchthon und Camerarius. Bis zu seinem Tode 1558 wechselte er mit Flacius Kampfschriften. Melanchthon gab 1559 M.s Predigten zu Texten aus dem Römerbrief mit einem Nachruf heraus.

  • Werke

    Weitere W u. a. Kommentar üb. d. Apostelgesch., 1527; Erynnerung was denen, so sich ynn Ehestand begeben, zu bedenken sey, 1528; Oeconomia christiana, das ist: Von Christl. Haushaltung, mit e. schönen Vorrede D. Martini Lutheri, 1529; Lutheri Commentarius in epistolam ad Galatas, ins Deutsche übersetzt, 1536; Lpr. f. d. Gothaer Sup. Myconius, 1546; Lpr. f. d. geborenen Kf. Johann Friedrich, 1554; nicht gedr. wurde d. Schr. „Das einem Christen nicht geziemet, auf einmahl mehr dan ein einiges eheweib zu haben“, 1542 (gegen d. Doppelehe d. Landgf. Philipp v. Hessen). – Briefe: W. Friedensburg, Aus d. Briefwechsel d. J. M., I, II, III, in: Archiv f. Ref.gesch. 1925, S. 192-202, 1927, S. 118-41, 1929, S. 121-32; O. Clemen, Aus d. Brücknerschen Slg. v. Briefen aus d. Ref.zeit, ebd. 1930, S. 255-80; P. Scherffig, Briefe d. Friedrich Myconius an J. M., in: Btrr. z. Thür. KG IV, H. 2, 1938, S. 177-254; Luthers Briefe an M., Weimarer Lutherausg., Verz. Bd. 15.

  • Literatur

    ADB 21; G. L. Schmidt, J. M., d. Reformator Thüringens, 1867; R. Herrmann, Thür. KG II, 1947; ders., Series Pastorum Isenacensium 1523–63, in: In disciplina domini, 1963, S. 61-67; M. Bauer, J. M. – vom Humanisten z. Mitreformator Thüringens, in: Luthers Freunde u. Schüler in Thüringen I, „Des Herren Name steht uns bei“, 1961, S. 67-75 (P); F. Jäger, Fritz Erbe u. d. Täuferbewegung im Amt Hausbreitenbach, in: Eisenach-Information, 1984, H. 8, S. 6-12 u. H. 9, S. 9-12; PRE XII; RCG3; TRE 22; BBKL.

  • Portraits

    Gem. (Mühlhausen, Blasiuskirche, Kop. im Landeskirchenamt Eisenach).

  • Autor

    Herbert von Hintzenstern
  • Empfohlene Zitierweise

    Hintzenstern, Herbert von, "Menius, Justus" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 79 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118783297.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Menius, Justus (Jost Menig)

  • Leben

    Menius: Justus M. (Jost Menig), lutherischer Theolog des Reformationszeitalters, geb. am 13. Decbr. 1499 zu Fulda, am 11. Aug. 1558 zu Leipzig. — Von ehrlichen, aber unbemittelten Eltern geboren, erhielt er seinen ersten Unterricht, wie man vermuthet, auf der Klosterschule zu Fulda, begab sich 1514 auf die Universität Erfurt, wo er sich dem von Konrad Mutian und Eoban Hessus geleitete Humanistenbund anschloß; auch mit Crotus Rubianus und J. Camerarius war er näher befreundet. Nachdem er 1515 Baccal.,|1516 Magister geworden, ging er 1519 nach Wittenberg, wo er Luther und Melanchthon hörte und durch sie von dem trostlosen Skepticismus, dem er bisher gehuldigt, abgezogen und für die evangelische Reformation gewonnen wurde. Nach einem kurzen Aufenthalt in Fulda und einer 1521—22 unternommenen Reise nach Italien erhielt er eine Anstellung als Diaconus in Mühlberg bei Gotha, wo er sich verheirathete und sein erstes theologisches Werk, eine Erklärung der Apostelgeschichte, schrieb. Um die Zeit des Bauernaufruhrs verließ er seine Stelle wieder und zog nach Erfurt, 1524, wo er vom Rath als Pfarrer zu St. Thomä angestellt wurde. Hier entfaltete er eine rege Thätigkeit als Prediger und Schriftsteller, im Einklange mit dem Freunde Luther's Johann Lange, aber auch im heftigen Kampf mit dem Erfurter Franciscaner Konrad Kling und andern Anhängern der alten Kirche. Als die Opposition sich steigerte, sah er sich schließlich genöthigt, Erfurt zu verlassen und nach Gotha zu gehen, wo sein Freund Friedrich Mykonius sich seiner annahm. Er gab hier Unterricht, schrieb seine "Oeconomia christiana, d. i. von christlicher Haushaltung", die der Herzogin Sibylle von Sachsen dedicirt, von Luther mit einer Vorrede versehen und in der Folge mehrfach neu herausgegeben wurde (zuletzt Nürnberg 1855). Kurfürst Johann von Sachsen zog ihn 1527 auf Empfehlung der Wittenberger Reformatoren zum Geschäft der Kirchenvisitation in Thüringen (neben Melanchthon, Mykonius, v. Planitz) bei, und ernannte ihn 1529 zum Pfarrer und Superintendenten in Eisenach. Er ordnete hier mit Besonnenheit und Milde das Kirchen- und Schulwesen und wirkte 18 Jahre lang in Frieden und Segen. Besonders war er bemüht, die in Thüringen weit verbreiteten anabaptistischen Regungen auszurotten und schrieb zu diesem Zweck seine von Luther beifällig aufgenommene und bevorwortete Schrift: "Der Wiedertäufer Lehre und Geheimniß aus der h. Schrift widerlegt", 1530, förderte das Schulwesen der Stadt und des Bezirks, gab eine verkürzte Redaction des Lutherischen Katechismus heraus, die sich in Thüringen theilweise bis ins 18. Jahrhundert im kirchlichen Gebrauch erhielt, schrieb Commentare zu biblischen Büchern, aber auch (anonym) eine satirische Schrift gegen seinen früheren Freund und Lehrer Crotus, der 1531 zur päpstlichen Kirche zurückgetreten war. Auch an auswärtigen Reformationshandlungen nahm er Theil: so 1529 am Marburger Gespräch, 1536 an der sog. Wittenberger Concordia, 1537 am Convent zu Schmalkalden (wo er jedoch nicht bis zum Ende blieb, weshalb die Artikel von Mykonius in seinem Namen unterschrieben sind), 1540 an den Religionsgesprächen zu Hagenau und Worms. Gegen Philipps Doppelehe schrieb er einen sehr entschieden ablehnenden Tractat, der aber auf kurfürstlichen Befehl nicht gedruckt werden durfte. Als nach dem Tode Herzogs Georg von Sachsen dessen Bruder Heinrich 1539 die Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen in Angriff nahm, erhielt M. den Auftrag, das seit den Zeiten des Bauernkrieges in großer Verwirrung befindliche Kirchen- und Schulwesen in der Stadt Mühlhausen zu ordnen, was ihm denn auch in den Jahren 1542—44 gelang. Im J. 1546 verlor M. durch den Tod des Fr. Mykonius seinen treuesten Freund, erhielt aber auch ebendamit eine große Erweiterung seines Wirkungskreises, indem der Kurfürst Johann Friedrich neben der Eisenacher Inspection auch die Gothaer an M. übertrug und diesem Gotha zum Wohnsitz anwies. Hier arbeitete er zwölf Jahre lang mit gleichem Eifer und Erfolg, aber unter viel schwierigeren Verhältnissen als bisher, als gleich nach Mykonius' und Luther's Tod zuerst der schmalkaldische Krieg, die Mühlberger Schlacht und die Besetzung Gothas durch kaiserliche Truppen auch für ihn und seine Gothaer Gemeinde schwere Bedrängnisse herbeiführten, und als dann bald darauf mit dem Augsburger und Leipziger Interim die Lehrstreitigkeiten im Schooße der lutherischen Kirche begannen.|Von Mühlhausen, wohin er sich 1547 mit seiner Familie geflüchtet hatte, war er bald wieder nach Gotha zurückgekehrt und hier, trotz seiner wiederholten Erklärungen gegen das Interim, äußerlich unangefochten geblieben. Dagegen bekam er einen animosen Streit über den Taufexorcismus mit einem Diakonus Merula in Gotha 1552 und mußte 1552 über den Osiandrischen Streit nicht blos wiederholte Gutachten abgeben (das erste mit Schnepf und Strigel, das andere für sich allein), sondern auch 1553 zur Beilegung dieses Streites eine mühevolle aber vergebliche Reise nach Königsberg unternehmen. Schwerere Kämpfe noch, in denen nicht blos der Ruf seiner eigenen Rechtgläubigkeit gefährdet, sondern auch sein äußeres Lebensglück untergraben wurde, begannen für M. seit 1554, nachdem er den alten, eigensinnigen und unduldsamen Gnesiolutheraner Nikolaus von Amsdorf zum Collegen erhalten hatte. Zwar suchte M. den Frieden mit ihm zu erhalten, hielt mit ihm zusammen in Bekämpfung des Interims und des Osiandrismus, trat die Superintendentur über den Eisenacher Landestheil an ihn ab und wirkte mit bei einer thüringischen Kirchenvisitation. Amsdorf aber betrachtete M. mit Argwohn wegen seines Zusammenhangs mit den Wittenbergern und verlangte von ihm insbesondere eine ausdrückliche Verdammung der Lehre Georg Major's (s. d.) von der Nothwendigkeit guter Werke zur Seligkeit. M. lehnte dies ab, da er Majors Schriften gar nicht gelesen, seiner Lehre niemals zugestimmt habe, legte seine Stelle als Visitator nieder und übergab den übrigen Visitatoren zu seiner Rechtfertigung eine Reihe von 110 Sätzen, denen Amsdorf sofort eine noch längere Reihe von Gegenthesen gegenüberstellte. M. wurde beim Hofe verdächtigt und erhielt von Herzog Johann Friedrich dem Mittleren, der sich damals ganz und gar von den Gnesiolutheranern leiten ließ, eine Verwarnung. Um der ihm drohenden Verhaftung zu entgehen, entwich M. 1555 nach Halle, wurde vom Herzog seines Predigtamtes enthoben und auf den 5. Aug. 1556 zu einem Colloquium nach Eisenach vorgeladen. Nach längeren ziemlich erregten Verhandlungen erklärte sich M. zur Unterschrift der von Victorin Strigel ihm vorgelegten 7 Propositionen bereit, verweigerte jedoch den ihm von Amsdorf abverlangten Widerruf, da er niemals anders gelehrt habe. Aufs Neue für seine persönliche Sicherheit besorgt, legte er sein Amt in Gotha freiwillig nieder und ging nach Langensalza, von da nach Leipzig, wo er auch auf Melanchthon's Empfehlung als Prediger an der Thomaskirche angestellt wurde (1557). Nachdem er mit seinen Gegnern, besonders mit Flacius und Amsdorf, noch einige heftige Streitschriften gewechselt, wurde er nach einem kurzen erbaulichen Krankenlager durch einen sanften Tod allem Streit und Leid entrückt den 11. August 1558. Melanchthon ehrte sein Andenken durch einen Trostbrief an seine Hinterbliebenen und durch eine werthvolle biographische Skizze, die er einer aus seinem Nachlaß herausgegebenen Predigtsammlung vorausschickte. Er hinterließ, wie es scheint, aus zwei Ehen mehrere Söhne, von denen einer, Eusebius, Lehrer der Philosophie in Wittenberg wurde und mit Melanchthon's Enkeltochter Anna Sabinus sich verheirathete. Die zahlreichen Schriften des M., von denen die wichtigsten oben erwähnt wurden, sowie die Quellen für seine Lebensgeschichte sind vollständig verzeichnet in der ausführlichen Monographie von G. L. Schmidt, Justus Menius, der Reformator Thüringens, Gotha 1867, 2 Bde., womit zu vergleichen der Artikel von O. Schmidt in der theol. Real-Enc. 2. A. Bd. IX, S. 545 ff. und die übrige Litteratur zur Geschichte der Reformation und des protestantischen Lehrbegriffs.

  • Autor

    Wagenmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wagenmann, Julius August, "Menius, Justus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 354-356 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118783297.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA