Lebensdaten
1881 bis 1968
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Davis (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Rechtshistoriker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 11872794X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Levy, Ernst
  • Levy, Ernestus

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Zitierweise

Levy, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872794X.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert, Kaufm. in B.;
    M Betty Landsberger;
    Berlin 1909 Betty Wolff;
    1 S. 1 T.

  • Leben

    L. studierte nach dem Besuch des Berliner Friedrichgymnasiums in Freiburg und Berlin 6 Semester Rechtswissenschaften. Von seinen Lehrern haben ihn vor allem Emil Seckel, der ihn für das röm. Recht gewann, Martin Wolff und Konrad Hellwig beeinflußt. 1906 promovierte er in Berlin mit einem Teil seines ein Jahr später erschienenen Werkes „Sponsio, fideipromissio und fideiussio“, einer profunden Studie über das röm. Bürgschaftsrecht. Nach dem Assessorexamen wurde L. 1909 Amtsrichter in Oranienburg. Kurz vor Kriegsausbruch habilitierte er sich bei Seckel in Berlin mit der Schrift „Privatstrafe und Schadensersatz im klassischen röm. Recht“ (1915) und dem 1. Band einer großen Darstellung der „Konkurrenzen der Aktionen und Personen im klassischen röm. Recht“ (1918). Nach der Teilnahme am 1. Weltkrieg als Artillerie-Unteroffizier folgte er 1919 einem Ruf auf eine Professur an der Univ. Frankfurt. 1922 wurde er Nachfolger von Otto Lenel in Freiburg i. Br. Von 1928 bis zu seiner Amtsenthebung durch das NS-Regime 1935 lehrte L.|in Heidelberg. 1936 emigrierte er in die USA und erhielt an der University of Washington in Seattle eine Professur für europ. Geschichte und röm. Recht. Nach seiner Emeritierung siedelte er sich in Basel an und kehrte 2 Jahre vor seinem Tod in die USA zurück.

    L.s frühe Arbeiten sind ganz von der in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh. vorherrschenden Methode und Zielsetzung der Romanistik geprägt. Sie gelten bei stark begrifflich-dogmatischer Fragestellung der Erforschung des klassischen röm. Privatrechts, das man aus den justinianischen Quellen zu rekonstruieren suchte. Mit seinen Schriften zum röm. Eherecht und zum Strafrecht greift L. erstmals über die Quellen des klassischen röm. Rechts hinaus und bezieht sozialgeschichtliche Daten in seine Untersuchungen ein. Auf gänzlich neuen Bahnen bewegt sich sein auf dem Internationalen Historikerkongreß in Oslo 1928 gehaltener programmatischer Vortrag über „Westen und Osten in der nachklassischen Entwicklung des röm. Rechts“. L. wurde zum Pionier der Erforschung des weström. Vulgarrechts und erschloß der röm. Rechtsgeschichte ein neues, bislang unbeachtet gebliebenes Gebiet. Das Quellenmaterial hierzu enthält der von L. herausgegebene Ergänzungsband zum Heidelberger Index des Codex Theodosianus. Der in den 40er Jahren beginnenden Erforschung der Textgeschichte der von Kaiser Justinian in die Digesten aufgenommenen Juristenschriften gab L. mit seiner Palingenesie der Paulussentenzen ein methodisches Beispiel. Die systematische Darstellung des Schuld- und Sachenrechts des westlichen Bas-Empire gilt als epochale Leistung. Daß Definition und Tragweite des Begriffs „Vulgarrecht“ bis heute umstritten sind, hat auf den bleibenden sachlichen Ertrag von L.s Forschungen keinen Einfluß. L.s Ergebnisse sind auch die Grundlage für alle Untersuchungen der zuerst von ihm erkannten umfangreichen Rezeption des römischen Vulgarrechts in den Gesetzgebungen der german. Nachfolgestaaten, ein Vorgang, den L. zu Recht für ebenso bedeutend erklärt wie die fast ein Jahrtausend später erfolgte Rezeption des justinianischen Rechts in Zentraleuropa.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Heidelberg), Dr. iur. h. c. (Athen); Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Heidelberg, Göttingen, München u. d. Ac. dei Lincei.

  • Werke

    Weitere W Die Konkurrenz d. Aktionen u. Personen im klass. röm. Recht, 2 Bde., 1922;
    Nachträge z. Konkurrenz d. Aktionen u. Personen, 1962;
    der Hergang d. röm. Ehescheidung, 1925;
    Pauli Sententiae, A Palingenesia of the opening titles as a specimen of research in the West Roman Vulgar Law, 1945;
    West Roman Vulgar Law. The Law of Property, 1951;
    Weström. Vulgarrecht. Das Obligationenrecht, 1956;
    Ges. Schrr., 2 Bde., 1963 (P). - Hrsg.: Erg.index zu Ius u. Leges, 1930.

  • Literatur

    W. Kunkel, in: ZSRG 86, 1969, S. XIII-XXXII (P);
    ders., in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1969, S. 206-12 (P).

  • Autor/in

    Dietrich V. Simon
  • Empfohlene Zitierweise

    Simon, Dietrich V., "Levy, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 403 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11872794X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA