Lebensdaten
1864 - 1924
Geburtsort
Heidelberg-Neuenheim
Sterbeort
Todtmoos, Sanatorium Wehrawald (Schwarzwald)
Beruf/Funktion
Jurist ; Professor des Römischen Rechts in Berlin ; Romanist ; Rechtshistoriker ; Hochschullehrer
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118612530 | OGND | VIAF: 29623528
Namensvarianten
  • Seckel, Emil Paul Georg
  • Seckel, Emil
  • Seckel, Emil Paul Georg
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Zitierweise

Seckel, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612530.html [18.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Georg David (1826–89), aus Schwäb. Hall, Dr. phil., Apotheker seit 1873 in Stuttgart (Löwenapotheke), S d. David Karl (1788–1861), aus Schwäb. Hall, u. d. Sibille Magdalene Reit;
    M Pauline Erbe (1835–90), aus Sulz/Neckar;
    Berlin 1898 Paula (1879–1946), T d. Paul Hinschius (1835–98), Prof. f. Kirchenrecht an d. Univ. Berlin (s. NDB IX), u. d. Luise Strohmeyer (1845–1914);
    2 S Helmut (1900–60, ⚭ Margarete Felicia Blaschko, * 1902, jüd., Leiterin e. Kindergartens f. schwierige Kinder in Berlin, N d. Alfred Blaschko, 1858–1922, Dermatol., s. NDB II), emigrierte 1936 in d. USA, Arzt, Prof. f. Pädiatrie an d. Univ. of Chicago, Medical School, 1950 Gastprof. an d. Univ. Frankfurt/Main (s. BHdE II), Dietrich (s. 2), 1 T Irmgard (1899–1986, ⚭ Theodor John, Musiklehrer).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Vorschule in Heidelberg absolvierte S. 1873–82 das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart. 1882 begann er ein Jurastudium in Tübingen, 1883–85 verbrachte er drei Semester in Leipzig. 1885 kehrte S. nach Tübingen zurück, wo er seine Studien v. a. bei Gustav Hartmann (1842–1910) und Friedrich v. Thudichum (1831–1913) vertiefte. Gleichzeitig verfolgte er mediävistische und hilfswissenschaftliche Interessen. 1886 für die Bearbeitung der Preisaufgabe „Die Begründung der Stiftung, namentlich auch unter Lebenden, nach röm.-justinian. Recht, sowie nach der Lehre der Glossatoren und Postglossatoren bis in das 16. Jh.“ (nicht erhalten) ausgezeichnet, bestand S. 1887 die erste höhere Dienstprüfung und trat als Referendar beim Amtsgericht Stuttgart Stadt in den Vorbereitungsdienst ein, aus dem er im Mai 1889 ausschied. In den folgenden Jahren widmete er sich als Privatgelehrter Studien zum röm. und mittelalterlichen kanon. Recht. Auf Bibliotheksreisen (u. a. in die Schweiz u. nach Italien) konsultierte S. mehr als 200 Handschriften in etwa 60 Bibliotheken. 1895 reichte er zwei im „Neuen Archiv“ gedruckte Abhandlungen zur Synode von Tribur als Dissertation ein. Wenige Monate danach habilitierte sich S. in Berlin, 1898 wurde er hier zum ao., 1901 zum o. Professor für Röm. Recht berufen (1920/21 Rektor).

    Abgesehen von seinen „Beiträgen zur Geschichte beider Rechte“ (1898) erwarb sich S. auf dem Gebiet des Röm. Rechts sein dauerhaftestes Verdienst in dem von ihm völlig umgestalteten „Handlexikon zu den Quellen des röm. Rechts“ (⁹1907). Über seine weit gespannten Forschungen berichtete S. in etlichen Akademievorträgen und in der Berliner „Mittwochsgesellschaft“. In fruchtbarer Weise wirkte S. – im Kern ein Vertreter der historischen Rechtsschule – auch auf dem Felde des bürgerlichen Rechts: Er entwickelte den Begriff der „Gestaltungsrechte“ in einem Aufsatz, der „eine der glänzendsten Studien (darstellt), die unsere Zivilrechtsdogmatik aufzuweisen hat“ (Dölle). Seine „besondere Liebe“ (Kehr) galt den Monumenta Germaniae Historica. Nach dem Tod von Victor Krause 1896 übertrug ihm die Zentraldirektion die Edition der Kapitulariensammlung des Benedictus Levita, an der S. bis zu seinem Tod arbeitete. 1914 wurde er zum Zentraldirektor berufen und übernahm Karl Zeumers Aufgaben in der Leges-Abteilung, seit dem Tod Heinrich Brunners 1915 vereinte er die Leitung der Leges in seiner Hand. Im Urteil Kehrs war er „seit 1916 der eigentliche Leiter der Monumenta“. Seine Studien zu Benedictus Levita trugen ihm wegen ihrer Präzision höchste Anerkennung ein, während andere an dem Übermaß der Text- und Quellenkritik Anstoß nahmen (Kehr, v. a. Krusch). Heymann bezeichnete S. als einen „der größten Rechtsgeschichtsforscher unserer Tage, dessen Namen man getrost neben Baluze und Savigny nennen darf“. S.s Bibliothek mit über 7300 Bänden wurde nach seinem Tod von der Univ. Tōhoku (Sendai, Japan) erworben.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Berliner Mittwochsges. (1899);
    GJR (1909);
    o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1911);
    Dr. phil. h. c. (Königsberg 1924).

  • Werke

    u. a. Zu d. Acten d. Triburer Synode 895, in: NA 18, 1893, S. 365–409, 20, 1895, S. 289–353 (Diss.);
    Stud. zu Benedictus Levita I–VIII, ebd. 26–41, 1901–19 (seit 1998 auch im Internet);
    Btrr. z. Gesch. beider Rechte im MA, Bd. 1: Gesch. d. populären Lit. d. röm.-canon. Rechts, 1898;
    Die Gestaltungsrechte d. bürgerl. Rechts, in: Festgabe d. Jur. Ges. zu Berlin z. 50j. Dienstjubiläum v. Richard Koch, 1903, S. 205–53, Nachdr. 1954;
    Benedictus Levita decurtatus et excerptus, Eine Stud. zu d. Hss. d. falschen Kapitularien, in: FS f. Heinrich Brunner, 1914, S. 377–464 (seit 1998 auch im Internet);
    Bearb.:
    Heumanns Handlex. zu d. Quellen d. röm. Rechts, ⁹1907, Nachdrr. zuletzt 111971;
    Mithg.:
    ZSRGR 1916–24;
    Vorträge:
    W. Schubert, Die Vorträge E. S.s in d. Berliner Mittwochs-Ges., T. 1, in: ZSRGR 121, 2004, S. 501–25 (W-Verz.), T. 2, ebd. 122, 2005, S. 224–45, T. 3., ebd. 123, 2006, S. 349–74;
    W-Verz.:
    Berlin-Brandenburg. Ak. d. Wiss., Ak.bibl., Ausgew. Lit.nachweise aus d. Bestand d. Ak.bibl., E. S., Rechtshistoriker, bearb. v. M. Eggert, 2002 (im Internet).

  • Quellen

    Qu Univ.archiv Tübingen 189/181 (Promotionsakte), 40/208 Nr. 3 (Studentenakte), 521/29 (Prüfungsakten); Sig. Hb 1 (Beurteilung d. Preisarb.); Archiv d. MGH.

  • Literatur

    P. Abraham, E. S., Eine Bio-Bibliogr., 1924 (WVerz.;
    Verz. d. Nachrufe);
    E. Heymann, Gedächtnisrede auf E. S., in: SB d. Preuß. Ak. d. Wiss., 1924, S. CV–CXVIII;
    P. Kehr, in: NA 46, 1926, S. 158–80;
    E. Genzmer, in: ZSRGR 46, 1926, S. 216–63 (P), ebd. 47, 1927, S. 381 (Nachtr.: „Kat. d. ma. Rechtshss. d. Kgl. Bibliotheken zu Stuttgart“ [ungedr.]);
    B. Krusch, Neuere Forsch. über d. drei oberdt. Leges: Bajuvariorum, Alamannorum, Ribuariorum, in: Abhh. d. Göttinger Ak. d. Wiss. NF 20, 1, 1927, bes. S. 59;
    W. Schubert, Die Vortrr. v. Reinhold Johow in d. Berliner Mittwochs-Ges. (1881–1897), in: ZSRGG 110, 1993, bes. S. 460 f.;
    H. Fuhrmann, „Sind eben alles Menschen gewesen“, Gelehrtenleben im 19. u. 20. Jh., 1996, bes. S. 92 (P);
    HRG;
    G. Kleinheyer u. J. Schröder (Hg.), Dt. u. Europ. Juristen aus neun Jhh., ⁴1996.

  • Portraits

    Photo (Berlin-Brandenburg. Ak. d. Wiss.);
    ZSRGR 46, 1926, Frontispiz;
    Gedächtnisschr. f. E. S., hg. v. E. Genzmer u. a., Abhh. aus d. Berliner Jur. Fak. IV, 1927, Frontispiz.

  • Autor/in

    Gerhard Schmitz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitz, Gerhard, "Seckel, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 113-114 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118612530.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA