Lebensdaten
erwähnt 1487, gestorben 1496 oder 1500
Geburtsort
Landshut
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Maler ; Dichter ; Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118694081 | OGND | VIAF: 88048526
Namensvarianten
  • Fürtrer, Ulrich
  • Füter, Ulrich
  • Füterer, Ulrich
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Zitierweise

Füetrer, Ulrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694081.html [23.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., verlor b. d. in Landshut 1410 geplanten Bürgeraufstand „etlich tausent Gulden“;
    N. N.; mehrere K.

  • Leben

    F. besuchte die Landshuter Lateinschule und wurde sodann vermutlich von Dietrich Ziegler im Malerhandwerk unterwiesen. Er übersiedelte frühzeitig nach München, kommt dort zuerst 1460, dann mehrmals bis 1494 als „Vierer“ der vereinigten Zünfte der „Maler, Seidenater und Glaser“ vor und wird in den Münchener Steuerbüchern zuerst 1462, zuletzt 1496 erwähnt; 1494 bezahlte ihn die Stadtkammer „von seiner müe wegen zum Spiel corporis Christi gehapt“; 1496 wurde F.s Frau aus München verwiesen. In den 60er Jahren trat F. in Beziehungen zum bayerischen Hof, schloß sich dem literarisch konservativen Kreise Püterichs von Reichertshausen, J. Hartliebs und H. Hesellohers an und entfaltete eine umfangreiche literarische Tätigkeit. – Als Maler erscheint F. zuerst neben Gabr. Mälesskircher für das Kloster Tegernsee tätig. Erhalten ist ein Tafelbild „Kreuzigung Christi“ von 1457 (München, Alte Pinakothek). Wandgemälde betraf eine Zahlung 1465 an „Maister Ulrich“ „pro picturis capellae S. Andreae et capellae annexae item stubarum et item Solariorum“. Die nachweisbare malerische Haupttätigkeit in München bestand in Arbeiten für das alte Rathaus, und zwar Ausschmückung des Inneren sowie der Fassade (Zahlungen 1470-78). Zugeschrieben wird F. neuerdings auch ein Bildnis des Erzherzogs Sigmund von Tirol (um 1460, München, Alte Pinakothek). – Sein Schriftwerk schuf F. in erster Linie für Herzog Albrecht IV. und die literarisch und historisch interessierten Kreise des Wittelsbacher Hofes, die Anteil nahmen sowohl am mittelalterlichen höfischen Wesen und den alten Rittergedichten als an der neuen Geistesströmung des Humanismus. Das erste Werk, das F. „aus ettlichen püechern“ verfaßte, war ein Prosaroman „Dye gesta oder getat von herren Lantzilet vom Lack“ (später zu „Lantzilet“ in Tirurelstrophen umgeschrieben, circa 39 000 Verse). Der Geschichte des Lanzilot vom See folgte das „Buch der Abenteuer“, circa 41 500 Verse in Titurelstrophen (Strophen 10-29 enthalten in einem Akrostichon die Widmung an den Herzog). Das zum größten Teil zwischen 1473 und 1478 entstandene Werk stellt einen Zyklus von Abenteuerromanen dar, in dessen vom „Jüngeren Titurel“ gebildeten Rahmen die Hauptdichtungen der Tafelrunde hineingearbeitet sind: Konrads von Würzburg Trojanerkrieg, Wolframs Parzifal, die Krone, Lohengrin, Wigalois, Merlin, Seifried von Ardemont, Meleranz, Iwein, Persibein, Poytislier, Flordimar, Lanzelot. F. zeigt sich|dabei als Verehrer und Nachahmer Wolframs und Vertreter der neubelebten Ideen des mittelalterlichen Rittertums, wie sie gegen Ende des 15. Jahrhunderts wieder in Erscheinung traten und in der Gestalt Maximilians I. ihren Abschluß fanden. Zwischen 1478 und 1481 schrieb F. eine „Baierische Chronik“, die 60 vor Christus beginnt und bis 1479 reicht. F.s gesamtes Schriftwerk blieb in den Handschriften liegen und wurde erst in neuerer Zeit zum Teil im Druck veröffentlicht.

  • Werke

    W Ausgg.: F. F. Hofstätter, Altdt. Gedichte a. d. Zeiten d. Tafelrunde, 2 Bde., 1811;
    Prosaroman v. Lanzelot, hrsg. v. A. Peter, 1885;
    Merlin u. Seifrid de Ardemont, hrsg. v. F. Panzer, 1902;
    Bair. Chronik, hrsg. v. R. Spiller, 1909;
    Poytislier aus d. Buch d. Abenteuer, hrsg. v. F. Weber, 1960.

  • Literatur

    ADB VIII;
    P. Hamburger, Unterss. üb. F.s Dichtungen v. d. Gral u. d. Tafelrunde I, Diss. Straßburg 1882;
    R. Spiller, in: Zs. f. dt. Altertum 27, 1883, S. 262 ff.;
    K. F. Probst, Die Qu. d. Poitislier u. Flordimar in U. F.s Buch d. Abenteuer, Diss. Heidelberg. Jb. 1921/22, S. 53;
    A. Carlson, U. F. u. s. Iban, Diss. München 1927;
    F. Hofmann, Der Meleranz v. d. Pleier in d. Bearbeitung U. F.s, Diss. Wien 1933 (ungedr.);
    Zbl. f. Bibl.wesen 51, 1934, S. 257;
    J. Boyd, U. F.s Parzival, Oxford 1936;
    A. Mört, U. F.s Wigelois, Diss. Wien 1938 (ungedr.);
    E. Springer, Der Parciuale U. F.s u. d. Krone Heinrichs v. d. Türlin, Diss. Wien 1938 (ungedr.);
    H. Zoder, Die Arbeitsweise U. F.s als Ergebnis d. vgl. Betrachtung s. Wigoleis u. d. Vorlage, Diss. Wien 1939 (ungedr.);
    F. Dworschak, in: Tiroler Heimat 11, 1947, S. 93 ff.;
    E. Buchner, Das dt. Bildnis d. Spätgotik, 1953, S. 107 i.;
    Goedeke I, S. 334 f.;
    ThB;
    Ehrismann;
    R. Newald, in: Vf.-Lex. d. MA I, Sp. 781-83 (mit Hss.-Verz., L).

  • Autor/in

    Hans Rupprich
  • Empfohlene Zitierweise

    Rupprich, Hans, "Füetrer, Ulrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 685-686 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694081.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Füterer: Ulrich F., Dichter und Maler des 15. Jahrhunderts. Er lebte in München und Landshut und verfaßte um 1487 (diese Jahreszahl trägt die Münchener Hs. cod. germ. 1) für Herzog Albrecht IV. von Baiern (1475—1508) ein cyklisches Werk, welches die Hauptdichtungen der Tafelrunde ihrem Inhalte nach zusammenfaßt. Er nannte es „Buch der Abenteuer“ und dichtete es in der Strophenform des jüngeren Titurel. Als Einleitung zu den Artusromanen behandelte er zunächst den trojanischen Krieg und den Argonautenzug als die ältesten Abenteuerzüge in mittelalterlichem Sinne. Daran schließt sich die Sage von Merlin; es folgt die Parzivalsage in vier Abtheilungen: Gaudin und Gamuret, d. h. die Geschichte von Parzival's Großvater und Vater; dann Tschionatulander und Sigune, d. h. der Inhalt der Titureldichtung; hierauf Parzival, und endlich Lohengrin und die Schwanensage. Als siebentes Stück folgt: Flores und Wigalois; als achtes: Siegfried von Ardemont; als neuntes: Meleranz von Frankreich; als zehntes: Iwein; als elftes: Persibein; als zwölftes: Poitislier, und als dreizehntes: Lanzelot. Die Quellen sind theils deutsche, theils französische gewesen, theils in poetischer, theils in prosaischer Form; so ist der Lanzelot nicht nach der deutschen Dichtung Ulrichs v. Zazikhoven, sondern nach dem französischen Prosaroman bearbeitet, den Ulrich selbst auch in Prosa übersetzt hat (München, cod. germ. 573; Donaueschingen, Barack S. 141). Ebenfalls auf französischen Prosaromanen beruhen Merlin, Poitislier und Persibein. — Außer dieser Dichtung hat U. ebenfalls wol für den Herzog Albrecht um 1480 (diese Jahreszahl tragen die Münchener Handschriften 43, 225, 227) eine bis 1479 reichende prosaische Chronik „Beschreibung vom Herkommen des Hauses Baiern“ verfaßt, von welcher bis jetzt nur einige Bruchstücke gedruckt sind. — Die Handschriften seiner Werke befinden sich in München, Wien und Donaueschingen. Auszüge aus dem Buch der Abenteuer gab Hofstätter in seinen altdeutschen Gedichten aus den Zeiten der Tafelrunde, 2 Thle., Wien 1811; Bruchstücke der bair. Chronik gab Würthmann im Oberbair. Archiv 5 (1844), 48 ff. heraus. Ueber F. als Maler vgl. F. Kugler, Handbuch der Geschichte der Malerei, 2, 83. Ueber F. als Historiker s. Kluckhohn in den Forschungen zur deutsch. Gesch. VII. 210 ff.

  • Autor/in

    K. Bartsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bartsch, Karl, "Füetrer, Ulrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 271 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694081.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA