Lebensdaten
1830 bis 1895
Geburtsort
Ansbach
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118672193 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dollmann, Georg Carl Heinrich von
  • Dollmann, Georg von
  • Dollmann, Georg Carl Heinrich von
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Zitierweise

Dollmann, Georg von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118672193.html [17.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (1783–1852), Reg.kanzlist in Ansbach, S des Lakaien Joh. Conrad;
    M Maria Marg. (1788-1859), T des Gg. Frdr. Ebert aus dem Elsaß, Kunst- u. Schönfärber in Ansbach, u. der Seilermeisterstochter Cath. Marg. von Berg aus Crailsheim;
    B Karl Frdr. v. D. (seit 1859, 1811-67), Prof., Jurist (s. ADB V);
    Tutzing 1867 Eugenie (1842–94), T des Hippolyt v. Klenze, bayerischer Oberst (S des Architekten Leo v. Klenze, 1864); kinderlos; Großneffe Frdr. (1882 bis 1944), Generaloberst.

  • Leben

    D. begann seine Studien 1846 sowohl an der Polytechnischen Schule wie an der Kunstakademie zu München. 1854 gelangte er in die Bauabteilung der Eisenbahn. Zugleich war er als künstlerischer Gehilfe bei Leo von Klenze tätig. Mit einer kolorierten Fassadenzeichnung für Maximilian II. (1861, München, Historisches Stadtmuseum) führte er sich am bayerischen Hofe ein. Nach Klenzes Tod oblag ihm die Fertigstellung der Stourdza-Kapelle in Baden-Baden. Sein erstes selbständiges Werk ist die neugotische Pfarrkirche des Münchener Stadtteils Giesing (1865/68). D.s Haupttätigkeit entwickelte sich unter der Ägide Ludwigs II., dessen erste Aufträge er 1868 erhielt. Dem folgte 1872 seine Bestallung zum königlichen Hofbaurat und 1875 die Übernahme des gesamten königlichen Bauwesens. D. trat besonders mit dem Schloßbau Linderhof (1874/79) hervor. Gleichzeitig bemühte er sich um das Unicum einer Architekturkopie von Versailles. 1868-78 entstand reiches Planmaterial; diese „Versailler Entwürfe“ waren ursprünglich für Linderhof vorgesehen und wurden, erst 1873 für Herrenchiemsee bestimmt, Grundlage von dessen Ausführung bis 1886. Der meist mit D. in Verbindung gebrachte Bau des Schlosses Neuschwanstein wird neuerdings als Werk Eduard von Riedels erkannt; D. leitete die plangerechte Ausführung (Pläne und Modelle im König–Ludwig II.-Museum zu Herrenchiemsee). Der mehrfach ausgezeichnete Künstler fiel 1882 in Ungnade und ging 1884 in den Ruhestand. – Im Sinne des spätromantischen Historizismus spielt D. souverän mit den Stilformen abendländischer Vergangenheit und exotischer Bereiche. Wichtig ist seine Erscheinung als ausführendes Organ eines königlichen Sonderlings, dessen detaillierteste Wünsche es zu verwirklichen galt. Bedeutungsvoll überschattet der Name des Bauherrn den des Künstlers. Als Architekt Ludwigs II. steht D. am Ende einer fürstlich gesteuerten Kunstwelt, die nicht nur äußerlich, sondern auch in ihren Impulsen romantisch-absolutistische Züge trägt.

  • Werke

    Weitere W Bahnhof Gemünden, 1854-68; Sinntalbahn;
    Mitarb. an Klenzes Befreiungshalle b. Kelheim;
    Assyr. Saal d. Glyptothek München, 1864; im Umkreis d. Linderhofer Schloßkomplexes: Plan e. maurisch-byznntin. Schloßanlage, 1869/70, u. e. Arab. Pavillons, 1874, Marokkan. Haus, 1878/79 (später nach Oberammergau übertragen).

  • Literatur

    ADB 48;
    F. Pecht, Gesch. d. Münchener Kunst im 19. Jh., 1888, S. 298 ff.;
    Nekr. in: Allg. Ztg. v. 2.4.1895 (Abendbl. Nr. 92);
    L. v. Kobell, Kg. Ludwig II. v. Bayern u. d. Kunst, 21906, S. 52, 114, 290, 295;
    G. J. Wolf, Kg. Ludwig II u. s. Welt, 1922, S. 117 f. u. ö.;
    H. G. Evers, Tod,|Macht u. Raum, 1939, S. 242 ff.;
    W. Richter, Ludwig II., 1939, S. 289 ff.;
    H. Kreisel, Die Schlösser Ludwigs II. v. Bayern, 1954;
    ThB.

  • Autor/in

    Herbert Brunner
  • Empfohlene Zitierweise

    Brunner, Herbert, "Dollmann, Georg von" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 63 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118672193.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dollmann: Georg von D., Hof-Oberbaudirector, geboren am 21. October 1830 zu Ansbach, am 31. März 1895 in München, Sohn eines subalternen Beamten, studirte am Gymnasium seiner Vaterstadt, kam 1846 nach München in das Haus seines älteren Bruders, des als Criminalisten, Hofrath und Universitätsprofessor berühmten Karl Friedrich v. D. (geboren am 10. October 1811 zu Ansbach, am 9. Januar 1867 zu München); besuchte die Polytechnische Schule und die Akademie der bildenden Künste; trat 1854 in den Eisenbahndienst und war als Bezirksingenieur längere Zeit mit Ausführung von Staatsbahngebäuden, z. B. bei der Sinnthalbahn und beim Umbau des Bahnhofs Gemünden thätig. Leo v. Klenze erkannte in dem jungen Mann dessen reiche Begabung und nahm ihn in sein Bureau. Nach Klenze's Ableben (27. Januar 1864) erhielt D. die Vollendung der Befreiungshalle, den Ausbau der russisch-griechischen Capelle zu Baden-Baden für den Fürsten|Sturdza und für König Ludwig I. den Ausbau des assyrischen Saales im Hofe der kgl. Glyptothek. Im Auftrage König Max II. entwarf D. ein prächtiges, zur Verschönerung Münchens geplantes, leider nicht realisirtes Project für einen großartigen, mit Arkaden und Risaliten besetzten Bau (die sorgfältig colorirte Federzeichnung in der sogen. Maillinger-Sammlung der Stadt München). Sodann begann D. die Herstellung von verschiedenen Staatsgebäuden und Villen nach eigenen Entwürfen und den Bau der neuen Stadtpfarrkirche in Giesing, welcher von 1866 bis 1883 währte und durch den Baumeister Hans Gräßel glücklich vollendet wurde. Also wohl vorbereitet trat D. 1868 als Architekt in den Dienst König Ludwig II. und wurde rasch zum Hofrath, Hofbau-Intendanzrath und Hofbaudirector befördert. Wirklich erstaunlich ist die Vielseitigkeit, womit D. den Wünschen des gewaltigen Bauherrn zu genügen wußte, wie der schöpferische Künstler zugleich im strengen Spitzbogenstile an der Giesinger Kirche und im hochromantischen Schlosse Neuschwanstein, in der zierlichen Renaissance des Linderhofes und mit den Nachahmungen von Versailles im Prunkbau auf Herrenchiemsee in originellster Weise sich bethätigte. Ebenso bewundernswerth bleibt es, wie D. adäquate Kräfte zu gewinnen und seinen Ideen dienstbar zu machen verstand, darunter in erster Reihe der geniale, in allen Stilarten sattelgerechte phantasievolle Julius Hofmann (welcher nach Dollmann's Abgang 1884 als königl. Oberhofbaurath an dessen Stelle rückte, aber schon am 5. August 1896 aus dem Leben schied). Daß eine so aufreibende, von der königlichen Gnade huldreich überglänzte, mitunter auch durch bittere Erfahrungen gewürzte Thätigkeit den vollen Kräfteaufwand eines Mannes erheischte, ist leicht verständlich, ebenso aber auch, daß selbst stahlfeste Nerven in Vibration gebracht werden können. Als D. 1884 in den Ruhestand trat, genoß er nur kurze Zeit die schwerverdiente Muße, Leiden aller Art arbeiteten an der Zerstörung dieses anscheinend eisernen Organismus. Dazu gehörte auch der Schlag, daß seine edle Gattin Eugenie Félicité Sophie, eine Enkelin des berühmten Leo v. Klenze, eine durch ihre charitativen Bestrebungen hochverdiente Dame, zu Ende des Jahres 1894 aus dem Leben schied. Seitdem war der Künstler ein völlig gebrochener Mann.

    • Literatur

      Vgl. Maillinger, Bilder-Chronik 1876. III, 113 (Nr. 1969). — Fr. Pecht, Geschichte d. Münchener Kunst. 1888, S. 298 ff. —
      Nekrolog im Abendblatt Nr. 92 d. Allgem. Zeitung v. 2. April 1895. — Luise von Kobell, König Ludwig II. u. die Kunst. 1898.

  • Autor/in

    Hyac. Holland.
  • Empfohlene Zitierweise

    Holland, Hyacinth, "Dollmann, Georg von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 48 (1904), S. 19-20 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118672193.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA