Lebensdaten
erwähnt 1349, gestorben vor 1373
Beruf/Funktion
Straßburger Chronist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118669567 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Closener, Friedrich
  • Closener, Fritsche
  • Closener, Friedrich
  • mehr

Zitierweise

Closener, Fritsche, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118669567.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Sifrid, aus Straßburger Patrizierfamilie;
    M Margareta Spirer.

  • Leben

    C. war seit 1349 Custos am Marienaltar des Straßburger Münsters, später dort Vicarius beim großen Chor, seit 1358 Praebendarius der dortigen Katharinenkapelle in sehr angesehener Stellung. - Sein wichtigstes Werk ist seine deutsch geschriebene Chronik, durch die Verknüpfung von Welt- und Reichsgeschichte mit elsässischer sowie bischöflicher und Straßburger Stadtgeschichte. Für die Papst- und Kaiserlisten benutzte er die Chronik des Martin von Troppau und die oberdeutsche Bearbeitung der sächsischen Weltchronik, für die sonstigen Teile seiner Chronik die schriftlichen Sammlungen des 1304 verstorbenen Straßburgers Ellenhardt, dessen Bellum Waltherianum (Streit des Straßburger Bischofs Walther von Geroldseck mit der Stadt 1261-62) C. auf Veranlassung des geschichtsliebenden Straßburger mehrfachen Stettmeisters Johannes Twinger sehr lebendig übersetzt hat. Die Chronik enthält ferner zum Teil sehr ausführliche, kulturgeschichtlich wichtige Angaben aus C.s eigenem Erleben zur elsässischen und Straßburger Stadtgeschichte, zum Beispiel über die Geißlerfahrten, Judenverfolgungen, Pestzeiten, Stadtunruhen und so weiter vor und seit 1349, in welche Zeit wohl der Beginn seiner Aufzeichnungen zu setzen ist, aber alles in buntem Gemisch, ohne zeitliche und sachliche Ordnung. Die Mitteilungen zur Reichsgeschichte (in kaisertreuem Sinne) schließen mit dem Tode Ludwigs des Bayern, die sonstigen gehen weiter, zum Teil bis 1362, in welchem Jahre auch seine Übersetzung des Bellum Waltherianum beendet ist.

  • Werke

    Vocabularium seu nomenclator (dt.-lat. Wb., nicht erhalten);
    Directorium chori (zusammenfassende Beschreibung d. Ordnung d. Gottesdienstes im Münster u. beim Straßburger Domkapitel, 1364 v. Bischof u. Domkapitel gebilligt, nicht erhalten);
    … kronika aller der bebeste u. aller der romeschen keisere, die sit Cristus gebürte sint gewesen …, hrsg. v. C. Hegel, in: Die Chroniken d. dt. Städte VIII, 1870, S. 15-151.

  • Literatur

    ADB IV;
    C. Hegel, Einl. z. seiner Ausg. (L);
    A. Schulte, C. u. Königshofen, 1883, = Straßburger Stud. I;
    Lorenz I;
    F. Jostes, F. C. u. Jak. Twingers Vocabularium, in: ZGORh 49, 1895: Sitzmann I.

  • Autor/in

    Harry Gerber
  • Empfohlene Zitierweise

    Gerber, Harry, "Closener, Fritsche" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 294 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118669567.html#ndbcontent

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  • Leben

    Closeuer: Fritsche (Friedrich) C., Chronist von Straßburg in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Geburts- und Todesjahr sind unbekannt: er soll nach einer Nachricht noch 1384 gelebt haben; sein Vater Sigfrid, Bürger von Straßburg, wird 1366 als Verstorbener erwähnt. C. gibt am Schluß der Chronik an, daß er sie im Jahre 1362 vollendete, und zwar an demselben Tage, 8. Juli, an welchem die Stadt durch ein Erdbeben erschreckt wurde. Er nennt sich „einen Priester zu Straßburg“ und war Präbendar bei der St. Katharinencapelle des Münsters. Seine Chronik nimmt eine bedeutende Stelle in der deutschen Geschichtschreibung ein, schon dadurch, daß sie zu den frühesten gehört, welche in deutscher Sprache geschrieben sind, sodann als erster Versuch, die Geschichte einer einzelnen Stadt an die Universalgeschichte anzuknüpfen, welcher seinem Nachfolger Königshofen und durch diesen wieder vielen anderen zum Vorbild gedient hat. Zwar die Papst- und Kaisergeschichte und auch die der Straßburger Bischöfe ist zum größten Theil nur Auszug oder wörtliche Uebersetzung aus bekannten älteren Quellen, aber was C. weiter von selbsterlebten Dingen in Straßburg und Elsaß, von Kriegszügen, Judenverfolgungen, Geißlerfahrten, Bürgerzwisten und Wahlstreitigkeiten im Domcapitel erzählt oder von geistlichen Orden und Stiftungen in Straßburg, von Stadtbauten, Naturereignissen, Witterung und Preisen berichtet, gewährt nach vielen Seiten hin ein ebenso anziehendes als belehrendes Bild von den Sitten und Zuständen des bürgerlichen Lebens, dessen Reiz nicht wenig erhöht wird durch die kunstlose Einfalt des Ausdrucks und das verständige Urtheil des Autors, der sich nicht so sehr als Geistlicher, wie als Bürger seiner Stadt und als Deutscher fühlt. Das von seinem Nachfolger, dem Chronisten Königshofen, viel benutzte, später vergessene und für verloren ausgegebene Werk Closener's wurde von dem elsässer Historiker Strobel wieder aufgefunden in der Originalhandschrift auf der Pariser Bibliothek und von ihm und Schott herausgegeben in der Bibliothek des litterarischen Vereins in Stuttgart Bd. I, 1843; eine neue berichtigte, mit Quellennachweisungen und Erläuterungen versehene Ausgabe ist in den Chroniken der deutschen Städte Bd. VIII, 1870 erschienen. Außer der Chronik hat C. unter dem Titel „Directorium chori“ eine Beschreibung der Ordnung des Gottesdienstes am Münster im J. 1364 und ein lateinisch deutsches Vocabularium verfaßt; beides ist verloren gegangen.

    • Literatur

      A. W. Strobel, De Frid. Closneri presb. Arg. chronico germanico, 1829. L. Schneegans, Notice sur Closener et Königshoven, 1842. Chroniken der d. Städte. Straßburg. Bd. I. Einleitung.

  • Autor/in

    , C. Hegel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hegel, Carl, "Closener, Fritsche" in: Allgemeine Deutsche Biographie 4 (1876), S. 341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118669567.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA