Lebensdaten
1790 bis 1866
Geburtsort
Trier
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118598058 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ramboux, Johann Anton
  • Ramboux, Johann A.
  • Ramboux, Johannes Anton
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Zitierweise

Ramboux, Johann Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598058.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jean Baptiste ( 1798), aus Conflans (Savoyen), Krämer in T.;
    M Anna Odilia Welcken ( 1810), aus T., führte nach d. Tod ihres Mannes Laden u. Gastwirtsch. in T. weiter;
    Schw Maria Anna (1780–1858. Johann Hugo Wyttenbach, 1767–1848, Hist., s. ADB 34); – ledig.

  • Leben

    R. bekam neben dem Unterricht am Gymnasium bereits mit 13 Jahren Zeichenunterricht bei Karl Ruben (1772–1843). 1807-08 lernte er bei Jean-Louis Gilson (Frère Abraham d'Orval) (1741–1809) in Florenville (Luxemburg) und 1809-12 bei Jacques Louis David (1748–1825) in Paris. 1815 war R. an der Münchner Akademie und reiste im folgenden Jahr mit gleichgesinnten jungen Künstlern über die Schweiz nach Italien, wo er bis 1822 blieb. In Rom gewann er engen Kontakt zu zahlreichen dt. Künstlern und Gelehrten. Sie beeinflußten seinen weiteren Lebensweg als Künstler wie als Kunstwissenschaftler und Kopist alter Meister. Besonders nah stand er den Nazarenern, ohne dem Lukasbund direkt anzugehören. Er schuf religiöse Bilder, porträtierte Freunde und Bekannte, zeichnete und aquarellierte auf gemeinsamen Wanderungen durch Italien Landschafts- und Architekturansichten.

    Seit 1822 wieder in Trier, schuf er einige Gemälde, v. a. Porträts, sowie die Fresken im Haus des Weingutsbesitzers Matthias Joseph Hayn (1826–28, 1928 zerstört), außerdem Landschafts- und Architekturansichten in Zeichnungen, Aquarellen und Lithographien aus Trier und Umgebung.

    1832-42 reiste R. wiederum durch Italien, um auf Anraten von Kunsthistorikern wie Karl Friedrich v. Rumohr (1785–1843) Mosaiken, Wand- und Tafelbilder aus der Zeit zwischen 1200 und 1600 zu kopieren. Seine über 300 Aquarelle und mehr als 2000 Zeichnungen bildeten eine wichtige Grundlage für die Kunstwissenschaft vor der Verwendung der Photographie. 1843 wurde R. zum Konservator der Wallrafschen Sammlung in Köln (heute Wallraf-Richartz-Mus.) berufen, wo er bis zu seinem Tod wirkte. Daneben engagierte er sich in der Denkmalpflege, v. a. für die Erhaltung und Restaurierung mittelalterlicher Wandmalereien in Köln und Umgebung, und fertigte Entwürfe hauptsächlich für die Ausgestaltung von Kirchen.

    R.s vielversprechende künstlerische Begabung, die im Atelier des großen Klassizisten David geschult wurde und sich im Kreis der Nazarener in einfühlsamen Porträts und Naturansichten von unmittelbarer Frische äußerte, wich im Laufe seines Lebens einer Erlahmung der schöpferischen Kräfte. Dagegen erwarb er sich als Kopist, Sammler, Konservator und Denkmalpfleger Verdienste um die Erforschung und Bewahrung der alten Kunst.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger d. Stadt Trier (1858); Ramboux-Preis, Kunstpreis d. Stadt Trier z. Förderung d. freien bildenden Kunst (1961).

  • Werke

    Adam u. Eva nach d. Vertreibung aus d. Paradies, 1818. Die Brüder Eberhard, 1822. beide Öl/Lwd. (Köln, Wallraf-Richartz-Mus.);
    Rebekka u. Elieser am Brunnen, Öl/Holz, 1819 (Berlin, Staatl. Mus.);
    Entwürfe zu d. Fresken in Haus Hayn (Köln, Wallraf-Richartz-Mus.);
    „Malerische Ansichten d. merkwürdigsten Alterthümer u. vorzügl. Naturanlagen im Moselthale bey Trier“, Lithogrr., erschienen 1824-27;
    Kopien altital. Kunst in Zeichnungen u. Aquarellen (v. a. Düsseldorf, Städt. Kunstslgg., Kupf.kab. u. Frankfurt/M., Städelsches Kunstinst, z. T. als Lithogrr. erschienen; Zeichnungen
    v. Weiterbau d. Kölner Doms, 1844-46 (Köln, Stadtmus.).

  • Literatur

    ADB 27;
    J. A. R., Maler u. Konservator 1790-1866, Gedächtnisausst. im Wallraf-Richartz-Mus. zu Köln, 1966;
    E. Zahn, J. A. R. in Trier, 1980 (P);
    G. Gross, Btrr. z. Kenntnis v. Leben u. Schaffen d. Trierer Malers J. A. R., in: Trierer Zs. 53, 1990, S. 335-54;
    H. Kier u. G., Zehnder (Hg.), Lust u. Verlust, II, Corpus-Bd. zu Kölner Gem.slgg. 1800-1860, 1998, S. 537-39 (Bibliogr., P);
    Preuß. Facetten, Rheinromantik u. Antike, Zeugnisse d. Wirkens Friedrich Wilhelms IV. an Mittelrhein u. Mosel, hg. v. Landesamt f. Denkmalpflege Rheinland-Pfalz, 2001;
    ThB;
    Dict. of Art;
    Trierer Biogr. Lex.

  • Portraits

    Zeichnung v. K. Ph. Fohr, 1818, Lithogr., beide abgeb. b. Zahn, s. L.

  • Autor/in

    Alina Dobrzecki-Langer
  • Empfohlene Zitierweise

    Dobrzecki-Langer, Alina, "Ramboux, Johann Anton" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 129-130 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598058.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ramboux: Johann Anton R., Maler und Zeichner, geboren 1790 zu Trier, am 2. October 1866 zu Köln. Den ersten künstlerischen Unterricht ertheilte ihm der Zeichnenlehrer Hawich in seiner Geburtsstadt. 1807 kam er nach Paris, um in David's-Schule zu treten, schlug jedoch, als er 1815 nach Deutschland zurückkehrte, einen dem Wesen der französischen Schule ganz entgegengesetzten Weg ein. Ein Jahr lang besuchte er die königliche Akademie zu München, dann begab er sich nach Rom, wo er eine Reihe von Jahren verblieb und sich dem von Cornelius und Overbeck geleiteten Künstlerkreise anschloß. Während seines zehnjährigen Aufenthalts begann er die Sammlung von Aquarellcopien nach altitalienischen Bildern. Nach einer kurzen Rückkehr in seine Vaterstadt fühlte er sich von Neuem nach Italien gezogen, wo er dann einen zweiten und noch längeren Zeitraum, nämlich bis 1842, verlebte und jene Sammlung von Aquarellen eifrigst fortsetzte, so daß sie die Zahl von 300 Blättern überstieg. Dieselbe wurde von Preußens kunstsinnigem Könige und dem rheinischen ritterbürtigen Adel für die Summe von 8000 Thalern erworben und der Kunstakademie in Düsseldorf überwiesen. Sie beginnt mit Nachbildungen musivischer Bildwerke aus dem 4. bis 14. Jahrhundert in Rom, Ravenna, Siena und anderwärts, dann folgen Werke sowohl in Fresco als Tempera und Oel aus dem 14., 15. und 16. Jahrhundert, wobei besondere Rücksicht auf die Charakteristik der verschiedenen Schulen genommen ist. Das Urtheil der bewährtesten Kenner stimmt darin überein, daß diese Zeichnungen ebenso genial und frei wie treu im Geiste der Urbilder ausgeführt sind, so daß sie in ihrem Zusammenhange eine vollständige Uebersicht der Entwicklung der italienischen Kunst gewähren und für kunsthistorische Forschung gleichwie für künstlerische Studien von hoher Bedeutsamkeit sind. Von seinen Gemälden, die im Allgemeinen nicht zahlreich entstanden, sind zu nennen: „Adam und Eva", 1818 vollendet, im J. 1861 vom Verein zur Erwerbung von Kunstwerken angekauft und dem Kölner Museum geschenkt, „Die Predigt im Coliseum", „Der Heiland, im Schisse während des Sturmes schlafend", „Der Hungertod des Ugolino und seiner Söhne“, „Scene aus dem Decameron des Boccaccio“, eine Gesellschaft junger Männer und Damen, welche sich vor der Pest in Florenz auf ein benachbartes Landhaus geflüchtet haben, wovon der Carton 1832 bei der Kunstausstellung in München zu sehen war und jetzt dem städtischen Museum in Köln angehört. 1832 sandte er zur Berliner Ausstellung einen zweiten großen Carton, in Petrarca und Laura den Triumph der Liebe darstellend, mit einer Einfassung von kleinen Vorstellungen aus dem Gedichte I trionfi. Das Städel'sche Kunstinstitut zu Frankfurt a. M. besitzt eine Folge von zehn Darstellungen aus Dante's Divina Commedia in colorirten Zeichnungen von ihm. Unter den selbständig ausgeführten Gemälden Ramboux's gehören zu den gelungensten einige Bildnisse, die man, als Geschenk des Geh. Regierungsraths D. Oppenheim, jetzt im Kölner Museum sieht: 1. die mit Holbein'scher Meisterschaft behandelten vereinigten Bildnisse der Bildhauer Gebrüder Eberhard; 2. das Bildniß des Professors und Decans Simon Schmid, der mit Senefelder den Ruhm der Erfindung der Lithographie theilt, und 3. das Bildniß Aloys Senefelder's. Nach de Noel's Zurücktreten erging 1844 an R. der Antrag, dessen Nachfolger als Conservator des städtischen Museums in Köln zu werden. Er folgte dieser Berufung und hat sein Amt mit Pflichttreue und Gewissenhaftigkeit verwaltet. Recht verdienstlich war namentlich die Sorgfalt, womit er die Restauration des großen altrömischen Mosaikbodens geleitet hat. Sein unausgesetzter Fleiß förderte auch in Köln ein reiches künstlerisches Schaffen zu Tage. Er fertigte Zeichnungen nach mittelalterlichen Wandgemälden im hiesigen Domchore und in der ehemaligen Abteikirche zu Brauweiler, sowie nach verschiedenen neuausgegrabenen Mosaiken aus der Römerzeit. Er betheiligte sich an der in den wichtigeren bildlichen Theilen von D. Levy-Elkan ausgeführten, vom Kölner Dombauverein 1848 an Papst Pius IX. gesandten Adresse, die Cartons zu den Wandteppichen im Domchore rühren von R. her, auch ist die Ausschmückung der Kapelle am Weißen Hause sein Werk. Außerdem hat er sich zahlreichen andern und ähnlichen Arbeiten unterzogen. In Italien hatte er eine große Anzahl von Durchzeichnungen einzelner Theile aus Gemälden alter Zeit gesammelt, die er in Köln herausgegeben hat. Es sind sehr einfach behandelte Lithographien. Eine Folge von 300 Blättern führt den Titel: „Umrisse zur Veranschaulichung alt-christlicher Kunst in Italien vom Jahre 1200—1600, Köln 1854—58“. Eine andere Folge: „Beiträge zur Kunstgeschichte des Mittelalters. Köln 1860“, besteht aus 125 Blättern, wovon 22 auf Deutschland, 8 auf Frankreich, alle übrigen aus Italien kommen. Feiner gab er hier ein Heft lithographirter Umrisse und Skizzen heraus, zu denen er die Entwürfe auf seiner im J. 1854 unternommenen Pilgerreise nach Jerusalem nach der Natur gezeichnet hatte, und 1865 folgte eine Sammlung von 30 Marienbildern nach Gemälden altitalienischer Meister des 14. bis 16. Jahrhunderts, der er den Titel gab: „Trostspiegel in den Widerwärtigkeiten des Lebens“. Eine Serie von Crucifixen blieb mit 30 Blättern unvollendet. In seiner jüngeren Lebenszeit hat R. einiges selbst lithographirt: Die Verklärung Christi nach Raphael's Bild in München von gleicher Größe. Zwei Hefte, Alterthümer und Naturansichten im Moselthale bei Trier, mit Text von H. Wyttenbach, 1825—26. Nach seiner Zeichnung stach F. Ruscheweyh in Kupfer: Das Abendmahl des Herrn, Wandgemälde im Refectorium von Sta. Croce zu Florenz, angeblich von Giotto. 3 Blätter. R. war nicht nur Künstler, sondern zugleich ein eifriger Sammler von Kunstfachen, Antiquitäten und Büchern, wobei ihm der Gegenstand die Hauptsache war; aus schöne Erhaltung sah er nur wenig. Diese Sachen sind nach seinem Tode öffentlich versteigert worden. Dem in zwei Bänden erschienenen Katalog ist sein von Professor Georg Osterwald mit der Feder auf Stein gezeichnetes, vollkommen gelungenes Bildniß beigegeben. Zur Hinterlassenschaft gehörten 391 Gemälde altitalienischer Meister, welche seit dem Jahre 1862 in besonderen Räumen des Museumsgebäudes ausgestellt waren; der Besitzer hatte einen selbstangefertigten Katalog darüber in Druck erscheinen lassen. Viele diese Bilder, aber keineswegs die besseren, sind für das Museum angekauft worden. Ramboux's fruchtbares und ausgezeichnetes künstlerisches Wirken gehört jener Richtung an, welche man die romantische zu nennen pflegt, und die sich mit vorwaltender Neigung den Ideen und Formen des Mittelalters zuwendet. Die Verherrlichung Gottes und der Schmuck der Kirche, das war das hohe Ziel, welches er, unbekümmert um die Anerkennung und den Beifall der Welt, in treuer Beharrlichkeit, in Einfachheit und Bescheidenheit verfolgte. Er war eine Persönlichkeit, wie man sich die liebenswürdigsten Meister der alten Zeit vorstellen würde.

    • Literatur

      Merlo, Nachr. von Köln. Künstlern. — Zeitungs-Nekrologe.

  • Autor/in

    J. J. Merlo.
  • Empfohlene Zitierweise

    Merlo, J. J., "Ramboux, Johann Anton" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 208-210 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118598058.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA