Lebensdaten
um 1475 oder 1480 bis nach 1530
Beruf/Funktion
Bildhauer
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118571311 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leinberger, Hans
  • Hans, von Landshut
  • Lainberger, Hans

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Zitierweise

Leinberger, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571311.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    Der Fam.name könnte auf Herkunft aus niederbayer. Orten ähnlichen Namens weisen.

  • Leben

    L. wird erstmals 1510 als „maister Hanns pildschnitzer“ in Landshut erwähnt, wo er sich wohl schon einige Jahre zuvor niedergelassen hat. Er erhält zwischen 1516 und 1530 mehrmals Zahlungen vom Landshuter Hof Ludwigs X., die auf eine Tätigkeit für den Hof schließen lassen. Nach 1530 wird L. in den Landshuter Quellen nicht mehr erwähnt. Möglicherweise ist er mit jenem „Hannsen pildschnitzer von Lanndßhut“ identisch, der laut Stadtkammerrechnung 1535 in München das Bürgerrecht erwirbt.

    Im Mittelpunkt des für knapp drei Jahrzehnte zu überblickenden Schaffens von L. steht der am ursprünglichen Platz erhaltene Choraltar des Kastulusmünsters zu Moosburg (1514). Der wie eine riesige Monstranz wirkende Schrein ist mit bestechendem Sinn für Bildwirkung in den spätgotischen Chor hineinkomponiert. Seine Formen sind zwar noch spätgotisch, jedoch zeigen die drei monumentalen Schreinfiguren der Gottesmutter zwischen den Heiligen Kastulus und Heinrich und die unter Baldachinen stehenden Flankenfiguren der Heiligen Johannes der Täufer und Johannes Märtyrer von Rom einen neuen monumentalen, durch Klassizität von eigenem Wuchs bestimmten figuralen Stil. Die vier Reliefs des Martyriums des hl. Kastulus, deren Zugehörigkeit zum Schrein als Flügelreliefs man früher irrtümlich angenommen hat, gehörten offenkundig zu einem 1513/14 errichteten Reliquienschrein des hl. Kastulus an der Chorwand. In ihnen dokumentiert sich exemplarisch der malerische Reliefstil L.s mit den Nuancen der bildhaft-räumlichen Abstufung, der stofflichen Charakterisierung und der Feinheit der Oberflächenbehandlung mittels Punzen. Der Moosburger Altar und die Reliefs zeigen L. bereits auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Schaffens; diese Periode umfaßt ungefähr das zweite Jahrzehnt des 16. Jh. Hierher gehören auch im Hochrelief mit optischer Tiefenwirkung gearbeitete Figuren wie die frühe sitzende hl. Anna Selbdritt (um 1505) oder die thronende Muttergottes (um 1510) aus Neumarkt (beide München, Bayer. Nat.mus.), ferner die frühe kleine Steinmadonna in Berlin-Dahlem, das 1513 datierte Altarrelief der hl. Anna Selbdritt in Ingolstadt (Kloster Gnadenthal), der stilistisch den Moosburger Reliefs entsprechende hl. Achatius (Privatbesitz), das monogrammierte Relief der Taufe Christi (Berlin-Dahlem), das zum Altar der Moosburger Johanneskirche von 1515 ebenso gehörte wie das schwächere Relief der Predigt Johannes des Täufers im Diözesanmuseum Freising. Von einer monumentalen Kreuzigungsgruppe stammt das expressive Flachrelief der trauernden Maria aus Dingolfing (München, Bayer. Nat.mus.). Zu erwähnen sind hier auch die Grabsteine mit Beweinungsreliefs in Geisenhausen und Marklkofen.

    Auch eine Reihe von vollrund konzipierten Statuen, entsprechend den Moosburger Schreinfiguren, ist im 2. Jahrzehnt entstanden: die etwa gleichzeitig anzusetzende hl. Maria Magdalena (München, Bayer. Nat.-mus.), die ursprünglich frei hängende, durch einen Reifen mit Rosenkranzreliefs stabilisierte Figur der Gottesmutter in St. Martin zu Landshut, der durch seine plastische Intensität bestechende Christus in der Rast in St. Nicola in Landshut und die überlebensgroße Statue des hl. Georg als Drachentöter in der Münchner Frauenkirche. Zu den hervorragendsten Leistungen L.s gehört sein nach Zeichnungen Dürers gefertigtes Modell für die Bronzestatue des Gf. Albrecht von Habsburg aus dem Figurenzyklus für das Grabmal Kaiser Maximilians in der Innsbrucker Hofkirche. Die rundplastische Figur der Muttergottes in Berlin-Dahlem zeigt L.s eigene Experimente auf dem Gebiet des Bronzegusses. In diese Zeit gehört auch eine Reihe von kleinplastischen Arbeiten: die Passionsreliefs (Berlin und München, 1516), das Tödlein (Schloß Ambras b. Innsbruck), die kleine Muttergottesfigur (Altötting, Stiftskirche), die „Schöne Maria“ (Bayer. Nat.mus.) – Statuetten, aus der Rundung konzipiert.

    Diese Klassizität und barocke Bewegtheit verbindende Phase wird zu Anfang des 3. Jahrzehnts abgelöst durch manieristische Stiltendenzen, die sich in einer gewissen Verblockung sowie Verschleierung der Kontraste und deren optischer Auflösung durch eine merkwürdige Vibration der Oberfläche manifestieren. Fixpunkte dieser Spätphase sind das 1524 datierte und monogrammierte Rohrerepitaph mit der Marienkrönung in St. Martin in Landshut und der 1526/27 errichtete Altar für Polling, von dem die thronende Muttergottes (z. Zt. Leihgabe Bayer. Nat.mus.) und der Schmerzensmann im Weilheimer Museum erhalten sind. Die Stilprägung dieser Zeit zeigen die monumentale Hochrelieffigur des thronenden hl. Jakobus d. Ä. (Bayer. Nat.mus.), das Flachrelief der „Schönen Maria“ im Museum der Stadt Regensburg, die Polling vorangehende thronende Madonna in Heideck (Mittelfranken), schließlich das Walkheimerepitaph in Straubing und das Mornauerepitaph in Moosburg.

    Eine letzte Steigerung des ekstatisch-spirituellen Ausdrucks bringen die beiden späten Kruzifixe im Kastulusmünster zu Moosburg und vor allem der Chorbogenkruzifixus in Erding. Über diese ganz persönlich geprägte Manier hinaus ist eine weitere Stilentwicklung, besonders in der Monumentalskulptur, schwerlich vorstellbar. Wenn aber L. mit jenem Schnitzer Hans aus Landshut, der sich 1535 in München niederließ, identisch wäre, so bliebe seine späteste Produktion uns ebenso verborgen wie seine früheste. Die nur hypothetisch zu erschließende künstlerische Konstellation der Frühzeit führt zu einer Verbindung mit dem 1498 vollendeten Kefermarkter Altar, der Martin Kriechbaum von Passau zugeschrieben wird; der hl. Christophorus dort und der hl. Johannes Märtyrer von Rom wirken verwandt, und die schon einmal als Arbeit des 17. Jh. angesehene Madonna im Gesprenge scheint den Leinbergerstil in vielem vorwegzunehmen.

    Im Bereich der Donauschule des frühen 16. Jh. spielt L. eine primäre Rolle, sein Einfluß geht über Altbayern hinaus und reicht in das Inn-Salzachgebiet, nach Oberösterreich. Eine engere Zusammenarbeit bestand mit Albrecht Altdorfer in Regensburg. Zwelfelsohne gab es auch in der Frühzeit Kontakte mit Lucas Cranach d. Ä., der als der eigentliche Begründer der Donauschule gelten darf. Die diesem zuzuschreibende Steinfigur des hl. Johannes des Täufers vom Portal der Pfarrkirche Kronach (Fränk. Gal.) ist 1498 datiert und zeigt bereits wesentliche Elemente der Donauschule. Die Bedeutung L.s erschöpft sich nicht im Regionalen. In einer|Zeit, da Malerei und Graphik das Feld beherrschen, hält er die Position des Bildhauers in einem fast antikisch zu nennenden Sinne, ohne Vergleich mit den Zeitgenossen auf dem Gebiet der Skulptur, Veit Stoss ausgenommen. Sein monumentaler Stil, seine Statuarik gebändigter Bewegtheit erscheint als das plastische Pendant zu Grünewalds Isenheimer Altar.

  • Literatur

    G. Habich, H. L., d. Meister d. Moosburger Altars, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst 1, 1906, S. 113-35;
    A. Feulner, H. L.s Moosburger Altar, o. J.;
    H. Buchheit u. G. Lill, H. L., Hans Stethaimer, Ausst.kat. Landshut, 1932;
    G. Lill, H. L., Der Bildschnitzer v. Landshut, 1942;
    Th. Müller, Ein Problem dt. Kleinplastik d. 16. Jh., in: Zs. d. dt. Ver. f. Kunstwiss. 10, 1943, S. 259;
    ders., Zum Spätwerk H. L.s, in: Zs. f. Kunstgesch. 12, 1949, S. 71;
    ders., Die Bildwerke in Holz, Ton u. Stein v. d. Mitte d. XV. b. gegen Mitte d. XVI. Jh., Kat. d. Bayer. Nat.mus. 13, 2, 1959;
    Die Kunst d. Donauschule 1490-1540, Ausst.kat. Linz, 1965, S. 253-56;
    J. Taubert, Zur Oberflächenbehandlung d. Castulus-Reliefs v. H. L., in: Werden u. Wandlung, Stud. z. Kunst d. Donauschule, 1967, S. 218 ff.;
    V. Liedke, War H. L. e. gebürtiger Nürnberger? Marginalien z. Herkunft d. gr. Landshuter Bildschnitzers, in: Ars Bavarica 4, 1975, S. 1 ff. (Sonderdr. 1976);
    A. Schädler, Zur künstler. Entwicklung H. L.s, in: Münchner Jb. d. bildenden Kunst, 3. F., 28, 1977, S. 59-90;
    H. Thoma, H. L., s. Stadt, s. Zeit, s. Werk, 1979 (L);
    M. Baxandall, The Limewood Sculptors of Renaissance Germany, 1980, S. 202-16, 309-16;
    M. J. Liebmann, Die Dt. Plastik 1350-1550, 1982, S. 382-85.

  • Autor/in

    Alfred Schädler
  • Empfohlene Zitierweise

    Schädler, Alfred, "Leinberger, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 140-142 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571311.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA