• Genealogie

    V Karl Moritz aus Laubegast, Ziegelmeister in St.;
    M Friederike Karoline Joh. Schiemann;
    Hannover 1901 Friederike Jacob (1880–1948) aus H.;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    L. wuchs im Armenhaus auf, erlernte das Malerhandwerk, ging auf Wanderschaft und schloß sich als Malergeselle der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung an. In Hannover wurde er 1900 Arbeitersekretär, 1903-05 war er dort als Redakteur am Parteiorgan der SPD „Volkswille“ tätig. 1900-18 übte er das Amt des sozialdemokratischen Parteisekretärs für die Provinz Hannover aus. Als SPD-Vertreter 1908 zum ersten Mal erfolgreich für das Preuß. Abgeordnetenhaus kandidierten, gehörte L. zu den sieben Sozialdemokraten, die einen Sitz gewannen. Er behielt ihn bis 1918, gehörte 1919-21 der Preuß. Landesversammlung und 1921-33 dem Preuß. Landtag an. Er war Präsident der Preuß. Landesversammlung und zunächst auch des Preuß. Landtags.

    In den Auseinandersetzungen, die im 1. Weltkrieg zur Spaltung der SPD führten, stand L. auf dem rechten Flügel seiner Partei. Er war der einzige Sozialdemokrat, der unmittelbar im Zuge der Revolution an die Spitze der Verwaltung einer Großstadt gelangte: Im Nov. 1918 wurde er zum Oberbürgermeister von Hannover gewählt. In dieser Position, die er bis 1925 innehatte, war er heftigen Angriffen seiner politischen Gegner ausgesetzt, die ihm unter anderem vorwarfen, daß er den Großteil seiner Zeit in Berlin verbringe und seine Aufgaben im Rathaus darüber vernachlässige. In der Tat war L. an allgemeinen politischen Fragen stärker interessiert als an kommunalpolitischen. Obwohl überzeugter Anhänger des parlamentarischen Regierungssystems, schaltete er sich sofort in die Rätebewegung ein. Radikalen Strömungen in ihren Reihen trat er mit Entschiedenheit entgegen. L. präsidierte dem Mitte Dez. 1918 in Berlin tagenden allgemeinen Rätekongreß und setzte sich für dessen Beschluß ein, die Nationalversammlungswahlen zum frühestmöglichen Termin abzuhalten. Er wurde einer der Vorsitzenden des Zentralrates, der kurze Zeit als oberstes Gremium der Rätebewegung fungierte. In dieser Eigenschaft gehörte L. zur deutschen Delegation bei den Versailler Friedensverhandlungen. Das Schwergewicht seines politischen Wirkens lag in seiner Tätigkeit im preuß. Landesparlament. Die Herrschaft des Nationalsozialismus hat der politischen Laufbahn dieses energischen und selbstbewußten Mannes ein abruptes Ende gesetzt.

  • Werke

    Die preuß. Landtagswahlen, Ein Führer durch d. Dreiklassenwahlrecht, 1913.

  • Literatur

    Handbücher d. Preuß. Landtags;
    F. Osterroth, Biogr. Lex. d. Sozialismus, 1960, S. 187;
    E. Demmig, Das System Leinert, 1925.

  • Portraits

    Phot. in: Hdb. d. Preuß. Landtags 1921.

  • Autor

    Susanne Miller
  • Empfohlene Zitierweise

    Miller, Susanne, "Leinert, Robert" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 142 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116882735.html#ndbcontent

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