Lebensdaten
1737 bis 1825
Geburtsort
Schloß Herdringen bei Neheim (Westfalen)
Sterbeort
Hildesheim
Beruf/Funktion
Bischof von Hildesheim und Paderborn
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11754017X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Franz Egon Freiherr von Fürstenberg
  • Fürstenberg, Franz Egon Freiherr von
  • Fürstenberg zu Herdringen, Franz Egon Freiherr von
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Zitierweise

Franz Egon, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11754017X.html [19.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Franz ( 1810), münster. Staatsmann (s. NDB V unter Fürstenberg).

  • Leben

    F. wurde nach Studien in Köln und Reisen ins Ausland Dompropst in Hildesheim und Domkapitular in Münster und Halberstadt. Das Domkapitel von Hildesheim wählte ihn unter Rücksichtnahme auf Hannover und Preußen am 7.3., das von Paderborn am 12.6.1786 zum Koadjutor des Bischofs Friedrich Wilhelm von Westphalen mit dem Rechte der Nachfolge. Nach Präkonisierung durch den Papst am 24.7.1786 wurde er am 27.1.1788 in Hildesheim zum Bischof geweiht und mit dem Tode Friedrich Wilhelms am 7.1.1789 Bischof beider Hochstifte. – F. förderte in Paderborn die durch seinen Vorgänger eingerichtete Normalschule und gründete eine solche in Hildesheim. Gymnasium und Universität in Paderborn hatten in ihm ihren besonderen Förderer. Dem durch Wilhelm Anton Ficker in Paderborn eingerichteten Landeshospital wandte er reiche Mittel zu. In der Französischen Revolution nahm er bereitwillig Emigranten, insbesondere Welt- und Ordensgeistliche, in seinen Ländern auf. In der äußeren Politik mußte F., da auf die Wehrkraft in seinen Ländern wenig Wert gelegt worden war, Schutz bei Preußen suchen und damit seit 1795 in Gegensatz zum Reich treten. Die Säkularisation 1802/03 setzte der Selbständigkeit seiner Länder ein Ende. Seitdem konnte sich der Bischof der geistlichen Leitung seiner Bistümer in den Wirren der Zeit ganz widmen, während ihm in der Leitung der Nordischen Missionen, die ihm seit 1789 ebenfalls anvertraut waren, zur Zeit der „Fremdherrschaft“ durch Preußen Schwierigkeiten gemacht wurden. Die Unterdrückung der Universität Paderborn 1818 hat er durch seine Proteste nicht verhindert, die Erhaltung des Bistums Paderborn, dessen Aufhebung geplant war, durch Vorstellungen in Berlin aber durchgesetzt. Er erlebte noch die Neuumschreibung seiner Bistümer durch die Bullen „De salute animarum“ 1821 und „Impensa Romanorum Pontificum“ 1824, hat aber die Verwaltung der neu erworbenen Gebiete nicht mehr übernommen.

  • Literatur

    ADB VII;
    J. Bessen, Gesch. d. Bistums Paderborn II, 1820, S. 379-91;
    K. Mertens, Die Bildnisse d. Fürsten u. Bischöfe v. Paderborn, 1892, S. 35 f. (P);
    W. Crone, Die innere Pol. F. E. v. F.s, 1914;
    F. Seifert, Die äußere Pol. F. E. v. F.s, 1914;
    A. Bertram, Gesch. d. Bistums Hildesheim III, 1925, S. 188-215 (L, P).

  • Portraits

    2 Zeichnungen v. J. G. Huck, 1797 u. 1807, letztere lithographiert (Paderborn, Altertumsver.);
    Singer.

  • Autor/in

    Klemens Honselmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Honselmann, Klemens, "Franz Egon" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 365 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11754017X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Franz Egon Freiherr von Fürstenberg zu Herdringen, Fürstbischof von Hildesheim und Paderborn, geb. den 10. Mai 1737 zu Husten bei Arnsberg im damals kurkölnischen Westfalen, den 11. Aug. 1825 zu Hildesheim. Sein Vater, Reichshofrath und kurkölnischer Geheimerath Christian Franz Theodor v. F., hatte aus drei Ehen 13 Kinder; der kölnische Geheimerath Lothar Clemens (s. d.), der einzige Sohn, welcher den Stamm fortgesetzt hat, war aus der zweiten, der berühmte münsterische Generalvicar Franz Friedrich Wilhelm (s. d.), unser um 8 Jahre jüngerer F. E. und der zwischen beiden stehende Ferdinand waren aus dritter Ehe. Nach Sitte der Familie, eines alten rheinisch-westfälischen, seit 1660 reichsfreiherrlichen Adelsgeschlechtes, das durch viele geistliche Mitglieder ausgezeichnet und reich geworden war, wurden alle drei jüngeren Söhne dem geistlichen Stande bestimmt; F. E. studirte bei den Jesuiten in Köln, machte dann Reisen, namentlich in Italien, und erhielt früh Dompräbenden zu Paderborn, Halberstadt und Hildesheim, in welchem letzteren Capitel er mit der Zeit Dompropst wurde. Nachdem bei der münsterischen Coadjutorwahl von 1780 sein Bruder Franz dem österreichischen Einflusse unterlegen war, erschien es als Erfolg des preußischen Fürstenbundes, daß er selbst, da der Fürstbischof von Hildesheim und Paderborn, Friedrich Wilhelm Frhr. von Westfalen, wegen Kränklichkeit, eines mit dem Rechte der Nachfolge zu bestellenden Coadjutors bedurfte, in beiden Stiftern (in Paderborn 7. März in Hildesheim 12. Juni 1786) hierzu gewählt ward. Am 7. Jan. 1788 erhielt er die Bischofsweihe, am 6. Jan. 1789 succedirte er, und bekam in demselben Jahre auch den päpstlichen Auftrag, für die im protestantischen Norddeutschland und Scandinavien zerstreuten katholischen Gemeinden als Bischof zu fungiren (sg. apostolischer Vicariat des Nordens). Die ersten 13 Jahre seines bischöflichen Regimentes war er zugleich Landesherr der beiden damaligen geistlichen Fürstenthümer Paderborn und Hildesheim, letzteres mit überwiegend protestantischer Bevölkerung und handhabte, wenn auch nicht ohne die bei den geistlichen Fürsten übliche Rücksicht auf Vermehrung seines Privatvermögens, seine Landeshoheit, die er nicht überschätzte — seine Soldaten hatten den Spruch „Domine da pacem in diebus nostris“ an ihren Helmen —, doch in überaus milder, patriarchalischer Art. Ein guter Reiter liebte er es, in nichts weniger als bischöflichem Kleide, von einem einzelnen Diener begleitet, sich frei im Lande zu|bewegen, sprach mit den Leuten zutraulich plattdeutsch, und erwarb sich in der That das anhänglichste Vertrauen. Ein vielseitig gebildeter, wenn auch seinem Bruder Franz nicht gleichkommender, doch mannigfach von diesem bestimmter Mann, sorgte er nach Kräften für das Schulwesen und nahm an Prüfungen und Visitationen gern persönlichen Antheil. Ein herzlicher Verehrer Friedrichs des Gr. zeigte er sich seinen protestantischen Unterthanen nicht minder gütig, als den katholischen. Kehrte er solchergestalt als Landesherr seine bischöfliche Stellung wenig heraus, so erfüllte er doch mit vollkommener Gewissenhaftigkeit auch seine kirchlichen Amtspflichten, ließ sich darin fast niemals vertreten, und versäumte in der schwierigen Zeit, welche mit der Säcularisation seiner Lande durch den Reichsdeputationshauptschluß von 1803 (preußische Besitznahme schon im August 1802) für ihn begann, ohne besonders hervorzutreten, nichts, das den kirchlichen Interessen dienen konnte. Die preußische Regierung ließ ihm hierin, von Klosteraufhebungen abgesehen, freie Hand, und zahlte ihm für den Wegfall seiner landesherrlichen Einkünfte jährlich 50000 Thaler; dagegen die königl. westfälische nicht blos diese Rente (17. Jan. 1808) auf die Hälfte heruntersetzte, sondern auch in die kirchliche Verwaltung vielfältig eingriff. F. E. ging dem gegenüber davon aus, daß für seine Gemeinde zu sorgen seine oberste Pflicht sei, vermied daher principielle Conflicte, und ersetzte die entzogenen Geldmittel, so lange die westfälische Zeit währte, aus seinem Privatvermögen. So führte er die kirchlichen Zustände seiner Diöcese ohne wesentlichen Schaden durch die Schwierigkeiten der Zeitlage hindurch, und hat dann auch die Restauration seiner Kirchen durch die Bullen De Salute von 1821 und Impensa von 1824 noch erlebt. An der Ausführung derselben Theil zu nehmen, lehnte er indeß hohen Alters wegen ab. Seine seit 1815 wieder erhöhten bedeutenden Einkünfte verwendete er zu nicht geringem Theile für eine auch jetzt wieder allen Confessionen gleichmäßig zugewendete Wohlthätigkeit. So hat er, als er, der letzte der deutschen Fürstbischöfe, ins Grab ging, ein wenn nicht bedeutendes, doch wohlthuendes und würdiges Andenken hinterlassen.

    • Literatur

      Kneschke, Allgem. d. Adelslexikon Bd. III. (1861). Gams, Gesch. der Kirche Christi im 19. Jahrh. (1854 f.) Bd. I. S. 575 f., Bd. III. S. 456 f. Esser, Franz von Fürstenberg (1842), S. 3 f. Bessen, Gesch. des Bisthums Paderborn (1820), Bd. II. S. 379 f. Spangenberg, N. vaterländ. Archiv Bd. VIII. S. 334. Mejer, Zur Gesch. der römisch-deutschen Frage Bd. I. S. 396 f., 414. 441 f. Bd. II. Abth. 2 S. 13. 17. 38. 282.

  • Autor/in

    Mejer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mejer, "Franz Egon" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 306-307 unter Fürstenberg [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11754017X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA