Lebensdaten
1598 bis 1642
Sterbeort
Schweidnitz
Beruf/Funktion
Herzog von Sachsen-Lauenburg ; kaiserlicher und kursächsischer Feldherr ; kursächsischer Feldmarschall
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 122811364 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg
  • Franz Albrecht
  • Franz Albrecht von Sachsen-Lauenburg
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Zitierweise

Franz Albrecht, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122811364.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Franz II. v. S.-L. (1547–1619), S d. Hzg. Franz I. v. S.-L. (1510–81) u. d. Sibylle Prn. v. Sachsen;
    M Maria (1566–1626), T d. Hzg. Julius v. Braunschweig-Lüneburg ( 1589) u. d. Hedwig Prn. v. Brandenburg;
    Halb-B Hzg. Aug. v. S.-L. (1577–1656), folgt 1619, Hzg. Julius Heinrich (1586–1665, kath.), folgt 1656;
    Güstrow 22.2.1640 Christine Margarete (1615–66, 2] Hzg. Chrstn. Louis I. v. Meckl.-Schwerin, 1692, s. NDB III), T d. Hzg. Joh. Albrecht II. v. Meckl.-Güstrow (1590–1636); kinderlos.

  • Leben

    F. spielt, obgleich keine maßgebende Persönlichkeit, im militärischen und politischen Geschehen des 30jährigen Krieges zeitweise eine beachtliche Rolle; dreimal steht er im Blickfeld der Reichsgeschichte: 1632 beim Tode Gustav Adolfs, 1633-34 im Zusammenhang mit Wallensteins Katastrophe und 1641-42 als kaiserlicher Kommandeur in Schlesien bis zu seiner militärischen Vernichtung durch Torstenson. – Seine Laufbahn begann F. 1618 im böhmischen Aufstand in Thurns Leibkompagnie, geriet anscheinend als Hauptmann bei Sinzendorf (1620) in Bucquois Gefangenschaft und trat zum Kaiser über, bei dem sein älterer Bruder Julius Heinrich als Kämmerer und Oberst eine Vertrauensstellung einnahm. Als dessen Oberstleutnant führte er 1621-25 ein Kürassier-Regiment, wurde 1625/26 selbst Oberst-Inhaber von 2 Reiter- und 1 Infanterie-Regiment unter Wallenstein, der ihn ganz für sich einnahm und ihm 1628-29 den Schutz der pommerischen Küste übertrug. Im Mantuafeldzug 1630 zeigte er Mut und Unternehmungslust, zog sich aber im August 1630 in Turin eine Blutkrankheit („hitziges Fieber“) zu, von deren Folgen er sich nie wieder ganz erholen sollte. Am 17.8.1631 ernannte ihn Ferdinand II. zum Generalwachtmeister, aber der im Dezember 1631 wiedereingesetzte Wallenstein zog ihm trotz aller seiner Bemühungen Ilow und Aldringen vor, worauf F. am 23.12.1631 seine Entlassung aus kaiserlichen Diensten nahm. Damit begann ein neuer Lebensabschnitt. War er bisher nur Offizier gewesen, so erwachte jetzt mehr und mehr daneben der politische Ehrgeiz des protestantischen Reichsfürsten, der gern als Friedensstifter eine Rolle spielen wollte. Er erwog sofort, ob er in sächsische oder schwedische Dienste treten sollte, hoffte aber immer noch, von Wallenstein geholt zu werden, und ging im August sogar für fast 2 Wochen in dessen Nürnberger Lager. Nachdem aber Wallenstein am 22.9. ohne ihn nach Norden abgezogen war, da erst eilte er zu Gustav Adolf, der ihm am|21.10. in Nördlingen eine Audienz gewährte, ihm aber, längst von Thurn und Oxenstierna vor diesem Überläufer gewarnt, keine Bestallung gab, sondern ihn nur als Gast-Begleiter seines Heeres zuließ. Als solcher nahm er an den Kämpfen bei Lützen teil und registrierte mit auffallender Kälte in sein Tagebuch: „NB. Den 16 Seindt J. M. der Konig in Sweden Mier ihm Arm erschossen worden ihn der selben schlagt.“ Er ging sofort nach Dresden und wurde am 4.12. zum kursächsischen Feldmarschall ernannt, während gleichzeitig Arnim, ihm übergeordnet, Generalleutnant wurde. Alsbald begab er sich zur Armee nach Schlesien. Während er sich hier und da in leichte Kämpfe einließ, begann er gleichzeitig, sichtlich mit Einverständnis des sächsischen Kurfürsten, bei Gallas vorzufühlen, ob Wallenstein zu einem Frieden mit den 2 protestantischen Kurfürsten geneigt sei. Politisch belanglos und ergebnislos war sein im April unternommener Versuch, mit Frankreich in Verbindung zu kommen, dagegen arbeitete er seit Juni energischer auf eine Verständigung Kursachsens mit Wallenstein hin, mit dem er wiederholt zusammentraf und unter dessen Willenskraft er jetzt von neuem geriet. Als er sich in blindem Übereifer für Wallensteins antikaiserliche Bündnispolitik im Februar dazu hergab, seinen Boten zu Bernhard von Weimar zu machen, ereilte ihn das Schicksal: er wurde am 28.2.1634 von einer kaiserlichen Patrouille abgefangen und bis Dezember 1635 in Wiener Neustadt in strenger Haft gehalten. Nach seiner Entlassung soll ihn Kursachsen zum Generalleutnant ernannt haben, er ist aber als solcher nicht nachweisbar. Vielmehr lebte er mindestens seit März 1636 vorwiegend in seiner Heimat, mit den verschiedensten privaten Angelegenheiten beschäftigt, bis ihn Arnim 1639 in seine neuen antischwedischen Pläne hineinzog, denen er sich um so williger hingab, als ihn die Schweden völlig unberechtigt des Mordes an Gustav Adolf beschuldigten. Er nahm die Verbindung mit Kursachsen wieder auf, ging mit dessen Einverständnis als Bevollmächtigter Arnims im November 1640 zum Kaiser auf den Regensburger Reichstag, wo er sich – kurz unterbrochen durch einen privaten Januar-Abstecher nach Venedig – bis Februar 1641 aufhielt und Ferdinand III. zu dem Entschluß veranlaßte, in Schlesien eine neue Armee unter Arnims Kommando zur Vertreibung der Schweden aufzustellen (12.2.1641). Da Arnim am 28.4. plötzlich starb, wurde ihm selbst unter Ernennung zum kaiserlichen Feldmarschall (5.7.) die Führung dieser kaiserlich-sächsischen Armee anvertraut, die gewissermaßen das im Prager Frieden von 1635 vorgesehene „Reichskriegsheer“ darstellte. Als solcher eroberte er vom August 1641 bis Februar 1642 nach der Lausitz fast ganz Schlesien. Es wurde ihm zum Verhängnis, daß er erst am 20.2. sein Heer auf die Winterquartiere verteilte. Denn in dieser Ruhe schob sieh seit April Torstenson mit einer frisch ausgebildeten Armee von Brandenburg nach Schlesien vor, nahm eine Festung nach der anderen und stand am 30.5. bereits in Striegau, während F. seit Wochen untätig bei Breslau auf Unterstützung Piccolominis wartete. Als er sich jetzt endlich mit einem starken Kavalleriekorps in Marsch setzte, um wenigstens Schweidnitz noch zu retten, geriet er in dem Terrain vor der Stadt zwischen Wisterade und Merzdorf in die Zange der bereits angelangten ganzen Armee Torstensons und wurde völlig geschlagen, ehe er überhaupt zur Aufstellung einer Schlachtordnung kam. Verwundet fiel er selbst in die Hände der Schweden und starb 10 Tage später in der Gefangenschaft.

    Nimmt man F.s Tagebuch – in seiner Anlage nur ein Itinerar – zur Hand, ist man betroffen über die Enge seines Geistes und die Einfalt seiner Selbstbezogenheit. Man traut einem Manne dieser Art weder in der geistigen noch politischen Welt einen eignen höheren Standpunkt zu, und sein Leben bestätigt diesen Eindruck. Recht eigentlich zuhause ist er nur im Militärwesen. Er verstand sich auf Werbung und Ausrüstung eines Regiments, stellte auch als Frontoffizier seinen Mann, aber eigne taktische oder gar strategische Fähigkeiten sind nicht zu erkennen. Seine Militärfreudigkeit war teils Gewinnsucht, teils naive Erlebnislust, die auch sein Privatleben beherrschten. Sogar für die chronique scandaleuse der Zeit hat er seinen Beitrag geliefert. Geselligkeit liebte er über alles, zumal beim Weine ließ er sich nur allzuleicht zu unklugen Bravaden hinreißen, die dann seinem Ansehen sehr geschadet haben, weil sie auf einen Mangel an gefestigten Überzeugungen schließen ließen. Soweit er (nach 1630) politisch tätig war, fühlte er sich als Sachwalter des protestantischen Reichsfürstenstandes zur Herstellung der Vorkriegsverhältnisse, und erst Wallenstein, dann Arnim erschienen ihm als die Männer, die Kraft und Klugheit besaßen, dieses Ziel zu erreichen. Beide hat er bewundert und über ihren Tod hinaus geliebt, während ihm Gustav Adolf gleichgültig geblieben ist. Wallenstein erkannte seine Brauchbarkeit als Werkzeug, wie auch der Kurfürst von Sachsen, aber eigne Ideen traute er ihm nicht zu.|Arbeitsam und zielstrebig ist F. allezeit gewesen, aber, um etwas zu leisten, brauchte er Anregungen und Anweisungen überlegener Persönlichkeiten, denen er sich dann mit dienerischem Eifer widmete. Der konfessionelle Indifferentismus, der seine Frühzeit zu beherrschen scheint, wandelt sich später in eine ernsthafte, wenn auch nicht gerade tiefe Religiosität. 1640 richtet er eine Betstunde ein und 1641 las er die ganze Bibel durch. Es ist bisher keine Quelle bekannt, aus der hervorgeht, daß F., wie wiederholt behauptet wurde, zur katholischen Konfession übergetreten sei. Bei all seinen Schwächen ist er im Grunde doch ein gutgesinnter Mensch gewesen.

  • Literatur

    ADB VII;
    A. Gaedeke, Wallensteins Verhh. mit Schweden u. Sachsen, 1885;
    E. Hildebrand, Wallenstein u. s. Verbindungen mit d. Schweden, 1885;
    G. Irmer, Die Verhh. Schwedens u. s. Verbündeten mit Wallenstein u. d. Kaiser v. 1631–34, 1888-91;
    B. Ph. v. Chemnitz, Kgl. Schwed. in Teutschland geführten Kriegs I, Stettin 1653 (f. 1632), IV, Stockholm 1856 (f. 1642);
    F. Ch. Khevenhüller, Kontertet Kupfferstich II, 1721 (P);
    J. O. Opel, Der Nd.sächs.-Dän. Krieg, 1872-94;
    G. Irmer, Hans Gg. v. Arnim, 1894;
    R. Wagner, Hzg. Christian (Louis) I., 1906;
    H. Hallwich, 5 Bücher Gesch. Wallensteins, 1910;
    J. Krebs, Aus d. Leben d. … Gf. Melchior v. Hatzfeld, 1910-26 (wichtig f. 1622-30);
    M. Reinkober, Hzg. F. v. Sachsen-Lauenburg vor d. kaiserl. Ger., Diss. Greifswald 1918;
    J. Pekař Wallenstein 1630–34, 1937. – Qu. ungedr.: Kriegstagebuch F.s f. 1625-32, 1638-42 (Wolfenbüttel, Nd.sächs. Staatsarchiv);
    Korr. mit Kf. Maximilian v. Bayern 1626 (unwichtig) (München, Hauptstaatsarchiv, 30j. Krieg, Tom. 78);
    Intercipierte Privatbriefe (vgl. Opel I, S. 581) (München, Staatsbibl., Coll. Camerar. 66); F.s Kanzlei, d. h. die an ihn gerichteten Schreiben u. s. Konzepte, ist verschollen
    ;
    zahlr. Schreiben v. ihm, nur z. T. verwendet, liegen vor allem in Dresden, Berlin, Schwerin, Kopenhagen u. Wien.

  • Autor/in

    Arno Duch
  • Empfohlene Zitierweise

    Duch, Arno, "Franz Albrecht" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 366-368 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122811364.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Franz Albrecht, Herzog von Sachsen-Lauenburg, Sohn des Herzogs Franz II. von Lauenburg aus der kinderreichen Ehe mit seiner zweiten Gemahlin Maria, einer Tochter des Herzogs Julius von Braunschweig, ist am 31. October 1598 geboren. In seiner Jugend soll sich derselbe in Schweden aufgehalten haben, jedoch ist darüber sowie überhaupt über die beiden ersten Jahrzehnte seines Lebens wenig sicheres bekannt. Wahrscheinlich hat er sich indessen am böhmischen Kriege und zwar auf Seiten des Pfalzgrafen betheiligt. In späterer Zeit hielt sich F. A. am Hofe des Herzogs Friedrich Ulrich in Wolfenbüttel auf und trat hier mit der Gemahlin desselben in ein näheres Verhältniß, welches für beide Ehegatten verhängnißvoll werden sollte. Als sich nämlich F. A. darauf dem ligistischen Heere anschloß, welches unter dem Grafen Tilly den Herzog Christian von Braunschweig aus dem niedersächsischen Kreise werfen sollte, kam es zwischen dem Herzoge von Lauenburg und dem von Braunschweig nicht weit von dem Dorfe Geismar bei Göttingen (1623) zu einem Scharmützel, in welchem die Briefschaften des ersteren dem letzteren in die Hände fielen. Unter diesen befanden sich auch Schreiben der jungen Herzogin von Braunschweig an F. A. Die Folge hiervon war, daß die Herzogin das Land verließ und daß trotz aller Versuche der verwandten und befreundeten Höfe, eine Wiedervereinigung herbeizuführen, die Ehe thatsächlich getrennt blieb. — Im folgenden Jahre (1624) erregte F A. durch ein Duell mit dem Herzog Friedrich von Altenburg, welcher sich 1623 Christian dem Jüngeren angeschlossen hatte, Aufsehen. Um diese Zeit scheint der Herzog den ligistischen Dienst quittirt zu haben. Denn als Wallenstein 1625 den niedersächsischen Kreis überzog, führte auch F. A. unter seinem Oberbefehl ein Regiment Cavallerie und nahm in Gemeinschaft mit dem Croatenoberst Pechmann die Stadt Halle a. S. ein. Schon damals wurde er übrigens von Wallenstein zu Verhandlungen besonders mit dem Kurfürsten von Sachsen verwendet. So ging er kurz vor der Schlacht bei Dessau nach Dresden, um von dem Kurfürsten den Paß über die Brücke zu Wittenberg auszuwirken. Denn Wallenstein gedachte den Grafen von Mansfeld hier bei Dessau von beiden Seiten anzugreifen. Noch in demselben Jahre (1626) ist der Herzog nach Ungarn marschiert, nachdem er während des Sommers neue Werbungen in Schwaben veranstaltet hatte und bei Beginn des österreichischen Bauernaufstandes nach Böhmen geschickt worden war. Auch er bezog darauf in Schlesien Winterquartiere. Zwei Jahre später (1628) verhandelte er nebst Arnim im Auftrage des Herzogs Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin mit Wallensteins Commissaren über die Räumung seines Landes und erscheint auch im folgenden Jahre noch in regerem Verkehr mit dem genannten Herzog von Mecklenburg. Sein Regiment wurde übrigens im Anfang des Jahres 1628 aus Pommern in das Anhaltische verlegt. Noch im J. 1629 hat er jedoch auch unter dem Grafen Gallas Dienste in Italien gethan und besonders den Feldzug gegen Mantua mitgemacht. Wann er von hier nach Oesterreich zurückgekehrt ist, steht nicht fest. Erst kurze Zeit vor der Schlacht von Lützen scheint er seinen Uebertritt zur protestantischen Partei vollzogen zu haben: er begab sich von Wien direct in das schwedische Lager. Darauf nahm er mit seinem Regiment (?) Cavallerie und einigem Fußvolk an der Schlacht von Lützen Theil und befand sich in der Todesstunde Gustav Adolphs in der unmittelbaren Nähe des Königs. Aus diesem Grunde wol hat man F. A. sogar beschuldigt Gustav Adolph erschossen zu haben, ohne daß man jedoch diese Anklage jemals ernsthaft zu begründen versucht hat. Doch ist dieselbe dem Herzog selbst zu Ohren gekommen, so daß er sich in einem Schreiben an den pfälzischen Agenten Rusdorf (Januar 1634) an den Verbreitern derselben, „diesen Galgenschwengeln“, zu rächen drohte. Unmittelbar nach der Schlacht von Lützen finden wir F. A. in Dresden. Bald trat er als Feldmarschall in sächsische Dienste. Als solcher hat er schon im Januar des Jahres 1633 mit Gallas Friedensverhandlungen anzuknüpfen versucht und, während er bei dem sächsischen Heere in Schlesien verweilte, in Gemeinschaft mit Arnim eine vierzehntägige Waffenruhe durchgesetzt, welche schließlich noch um einige Tage verlängert wurde (Juni 1633). Dieselbe sollte einen allgemeinen Frieden im Reich anbahnen, erreichte aber ihren Zweck nicht, weil Wallenstein die Einräumung der Fürstenthümer Vreslau, Großglogau und Schweidnitz gefordert zu haben scheint. Auch an den Verhandlungen, welche zu einem zweiten Waffenstillstande (vom 12./22. August an) zwischen den in Schlesien kämpfenden Parteien führten, hat sich F. A. in erster Linie betheiligt. Möglicherweise scheiterte dieser Friedensversuch an der Forderung Wallensteins, daß sich die sächsischen Truppen unmittelbar nach dem Abschluß zur Vertreibung der Schweden mit den seinigen vereinigen sollten. Allein auch später setzte der Herzog im Auftrage Kursachsens und Brandenburgs seine Friedensmahnungen bei Wallenstein fort (Nov. 1633), welche von diesem auch dem Kaiser mitgetheilt wurden.|Ferdinand II. scheint noch am Schluß dieses Jahres mit diesen Bemühungen vollständig einverstanden gewesen zu sein.

    Anfang Februar 1634 finden wir dann den Herzog F. A. in Pilsen. Hier ist er von der Stimmung des Kaisers und der herrschenden Kreise in Wien gegen Wallenstein in Kenntniß gesetzt worden und hat sich darauf in Wallensteins Auftrag nach Regensburg zu Herzog Bernhard von Weimar begeben, um diesen von dem wahrscheinlichen Abfall des Herzogs von Friedland zu benachrichtigen. Ferner hat er nicht nur für einen Waffenstillstand, sondern sogar für eine Vereinigung des Restes der wallensteinischen Truppen mit den Sachsen und Schweden bis zu Wallensteins Katastrophe gewirkt. Als er jedoch bei seiner Rückkehr vom Herzog von Weimar von Weiden aus Eger zog, wurde er in der Nähe von Tirschenreut (16./26. Februar 1634) aufgegriffen und mit den Leichnamen der Ermordeten von Eger nach Pilsen geführt. Ferdinand II. ließ ihn darauf in Neustadt gefangen setzen, und auch sein Bruder, der kaiserliche Oberst Julius Heinrich, wurde als der Mitwissenschaft verdächtig eingezogen. F. A. ist nebst seinem Bruder Monate lang in Oesterreich festgehalten worden (bis zum August 1635), ohne daß die Untersuchung besonders belastende Vergehen zu Tage förderte. Ob der Herzog sofort nach seiner Befreiung wieder in den österreichischen Heeresdienst eingetreten ist, muß dahingestellt bleiben. Doch scheint er sich in den Jahren 1637—40 öfter in Lauenburg und Mecklenburg aufgehalten zu haben. Im J. 1637 erhob er eine Geldforderung an den Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin, welcher sich dieser dadurch entledigte, daß er ihm den Erwerb der lauenburgischen Herrschaft Stintenburg ermöglichte. Während dieser Zeit mischte er sich auch in die Streitigkeiten des Herzogs Adolf Friedrich mit der Wittwe seines verstorbenen Bruders über die Vormundschaft und trat vollständig auf die Seite der verwittweten Herzogin, welche gleichfalls seine Schuldnerin war. Ja er fragte sogar bei dem kaiserlichen Vicekanzler, dem Grafen Kurtz, an, ob es sich nicht bei dem Kaiser verantworten lasse, „daß er sich gedachter Herzogsperson, wie er dazu wohl gelangen könne, bis zu Ihrer Kaiserl. Maj. weiterer Verordnung versichere.“ Er beschuldigte Adolf Friedrich eines besonderen geheimen Einverständnisses mit dem General Baner. Allein F. A. mußte sich sogar eine Einschränkung seiner Befugnisse als kaiserlicher General gefallen lassen, und der Herzog Adolf Friedrich erhielt durch Vermittelung des Grafen Kurtz eine kaiserliche Sauvegarde. Darauf hielt F. A. um die Tochter des verstorbenen Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg-Güstrow an, Christina Margaretha, mit welcher er sich auch am 16. (12.?) Februar 1640 vermählte. In demselben Jahre belehnte ihn Ferdinand III. mit der Herrschaft Pinneberg, ohne daß er sich freilich in den Besitz derselben setzen konnte: sie wurde ihm von Dänemark vorenthalten. Im J. 1641 nach dem Tode des auf einige Monate in österreichische Bestallung getretenen Generallieutenants Arnim übernahm der Herzog F. A. als Generalfeldmarschall den Oberbefehl über die kaiserliche Armee in der Oberlausitz, wohin er im Juli dieses Jahres abging. Er verstärkte die kaiserlichen Truppen bald durch die Errichtung mehrerer Regimenter und befreite auf kurze Zeit (Januar 1642) fast ganz Schlesien von den Schweden. Als jedoch Torstensohn anrückte, ging er unter den schwersten Besorgnissen und Anklagen, daß man ihm keinen Succurs schicke, seinem Schicksale entgegen. In einem Gefechte mit den Schweden ist er darauf bei Schweidnitz verwundet worden, in schwedische Gefangenschaft gerathen und bald nachher am 30. Mai/10. Juni 1642 gestorben. Mit den Worten „Gott sei Lob, daß er mich an dem bösen Feinde gerochen“, schließt Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg-Schwerin die hierauf bezügliche Bemerkung seines Tagebuches.|Kobbe, Gesch. und Landesbeschreibung des Herz. Lauenburg, Bd. II, 414—418. Heine, Ueber das Leben d. Herz. F. A. zu S.-L. (Nordalb. Studien I, 41 ff.), v. Lützow, Beitrag z. Charakteristik d. Herz. Ad. Friedrich v. Mecklenb.-Schwerin (Jahrb. f. mecklenb. Gesch. 1847, S. 59 ff.). Fr. Förster, Albrecht's v. Wallenstein Briefe. G. Droysen, Die Schlacht bei Lützen (Forsch. V). Hallwich, Zur Gesch. Wallensteins im J. 1633 (Arch. f. Sächs. Gesch. N. F. Bd. III). Opel, Der nieders.-dänische Krieg. Bd. I. II. Zeitungen, Archivalien.

  • Autor/in

    Opel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Opel, Julius, "Franz Albrecht" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 293-296 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122811364.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA