Lebensdaten
1757 bis 1838
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Porträt- und Miniaturmaler
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 116823593 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Grassi, Joseph
  • Grassi, Giuseppe
  • Grassi, I.
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Zitierweise

Grassi, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116823593.html [17.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Anton (s. 1); ledig.

  • Leben

    Über G.s Jugend ist wenig bekannt. Am 5.12.1768 wurde er in die Wiener Kunstakademie aufgenommen, zunächst als Schüler; 1791 wird er jedoch als Mitglied der Akademie erwähnt. Diese frühe Anerkennung verdankte er seinem Ruf als ausgezeichneter Porträtmaler und Miniaturist; als solcher war er vor allem beim Wiener Adel sehr geschätzt. Besonders beliebt und rühmenswert waren seine Frauenbildnisse; er verstand es, Eleganz, Anmut und Grazie, den Teint in seiner zarten Frische, den Blick voll Ausdruck und Lebendigkeit in brillanter Malweise mit subtilem Farbempfinden wiederzugeben. Nach dem Vorbild der englischen Porträtmalerei, die damals in Wien allgemein nachgeahmt wurde, liebte er es, seine Personen im Freien mit landschaftlichem Hintergrund darzustellen. Dabei bevorzugte er zwei Bildtypen, die bei ihm häufig wiederkehren, entweder das Brustbild, meist im 3/4 Profil mit verschränkten Armen, oder das Ganzporträt als bewegte Figur in freier Landschaft.

    Zu G.s Wiener Freundeskreis gehörte auch eine Gruppe junger polnischer Nationalisten, die „Indissoluble“, die Unzertrennlichen, wie sie sich nannten, deren sämtliche Mitglieder er dargestellt hat. Diese Freunde werden ihn zu einem Aufenthalt in Polen angeregt haben, wohin er 1790 ging. Zunächst war er Lehrer der Theresa Jablonowska in Warschau und nicht, wie öfters behauptet, am königlichen Hof. Hier in Polen entfaltete er eine überaus produktive und glanzvolle Tätigkeit. Es entstanden seine schönsten Frauenporträts: elegant, geistreich, oftmals mit pathetischer Idealisierung, zum Teil in mythologischem Kostüm (zum Beispiel Tekla Jablonowska, Izabella Sobolewska geborene Grabowska als Sybille, beide Nationalmuseum Warschau, Izabella Oginska, Nationalmuseum Krakau). Zu G.s bekanntesten Bildnissen gehören die der beiden polnischen Feldherren und Nationalhelden Tadeusz Kościuszko und Josef Poniatowski (beide mehrmals dargestellt). Durch die Ereignisse der beiden Weltkriege sind sehr viele Bilder aus dieser polnischen Zeit verloren gegangen. Für die polnische Porträtmalerei blieb seine idealisierende Kunst noch lange Zeit vorbildlich und tonangebend. Während des polnischen Aufstandes 1794 verließ G. Warschau für kurze Zeit und zog sich nach Karlsbad zurück, 1795 jedoch verließ er das Land für immer. Zunächst ging er noch einige Jahre nach Wien, zwischen 1797 und 1799 übersiedelte er nach Dresden, wo er seit 1800 als Professor an der Akademie tätig war. 1802 erhielt er den Auftrag, Königin Luise von Preußen wie auch ihren Gemahl, König Friedrich Wilhelm III., zu porträtieren. Das Bildnis der Königin (Berlin, Schloß Charlottenburg) gehört mit zu den besten Bildern, die wir von der anmutigen Frau kennen. Diese Qualität konnte G. leider nicht halten. Langsam verfiel seine Kunst in Dresden einem nüchternen, akademischen Klassizismus, er bevorzugte Szenenbilder mythologischen Inhalts, die nicht sein bestes Können zeigen. 1804 nahm er einen einjährigen Urlaub an den Hof in Gotha, wo er für Herzog August eine Schlafzimmerdekoration nach einem|vom Fürsten verfaßten Märchen „Panedonia“ ausführte. Zwei von den 6 Gemälden sind noch im Museum zu Gotha erhalten, ebenso auf Schloß Friedenstein Porträts des Herzogs und seiner 2. Gemahlin Karoline Amalie.

    Für die Forschung wäre es noch eine lohnende Aufgabe, G.s Tätigkeit in Rom nachzuspüren, wo er sich erstmals 1808-10 aufhielt (1810 Mitglied der Akademie von San Luca), das zweitemal 1816-21 (als „Direktor der Studien sächsischer Künstler in Italien“). In Rom aber waren inzwischen die Nazarener in Mode gekommen; als Künstler fand er dort nicht mehr die richtige Anerkennung. So kehrte er 1821 endgültig nach Dresden zurück. Bei seinem Tode war er fast vergessen. – G. gehört zu den bedeutenden deutschen Porträtisten nicht nur seiner Zeit.

  • Literatur

    ADB IX;
    E. Leisching, Die Bildnisminiatur in Österreich 1750-1850, 1907, S. 183;
    L. Fournier-Sarlovèze, Les peintres de Stanislas Auguste II, Paris 1907, S. 79 ff.;
    J. Ruszczycówna, Portrely Polskie Józefa Grassiego, in: Biuletyn Historii Sztuki 16, Warschau 1954, S. 262-69;
    Wurzbach V;
    ThB (bisher d. zusammenfassendste Darst.). - Zur Geneal.: H. Schöny, Die Brüder G., in: Wiener-Gesch.bll., 1963, H. 4.

  • Portraits

    Selbstbildnisse, u. a. Ölgem. (Gotha, Landesmus.);
    dass., 1816 (Florenz, Uffizien);
    Kreidezeichnung (1945 verbrannt), danach Stich v. J. C. B. Gottschick;
    Abb. v. allen in: H. Geller, Die Bildnisse d. dt. Künstler in Rom 1800–30, 1952 (dort auch weitere Nachweise).

  • Autor/in

    Elisabeth Meixner
  • Empfohlene Zitierweise

    Meixner, Elisabeth, "Grassi, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 4 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116823593.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Grassi: Joseph G., Historien- und Porträtmaler, Bruder des Vorigen, geboren zu Wien am 22. April 1757, zu Dresden am 7. Januar 1838, studirte an der Akademie und ging, wie man erzählt, ärgerlich über die Niederlage, welche ihm sein Studiengenosse Füger bei der Concurrenz um das Reisestipendium bereitet hatte, nach Warschau, wo er zwar lohnende Beschäftigung als Porträtmaler fand, aber auch Vermögensverluste zu tragen und während der Revolution 1793 mancherlei Fährlichkeiten zu bestehen hatte, bis es ihm endlich durch Vermittelung Kosciuszko's gelang, dem Schauplatz des Kriegs zu entkommen. Er folgte hierauf einer Einladung der herzoglich kurländischen Familie nach Sagan und dann nach Dresden, wo er 1799 eine Professur an der Akademie erhielt. Von 1816 bis 1821 weilte er, in der Eigenschaft eines Studiendirectors der königl. sächsischen Pensionäre in Rom. Verschiedene Auszeichnungen wurden ihm zu Theil. Der König von Sachsen verlieh ihm das Ritterkreuz des Verdienstordens und Herzog August von Sachsen-Gotha, dessen phantastischen Poesien er die Stoffe zu verschiedenen seiner Bilder entnommen hatte, ernannte ihn zum geheimen Legationsrath; auch war er Mitglied verschiedener Akademien und ebenso fehlt sein Bildniß in den Uffizien zu Florenz, in der Gallerie der Porträts berühmter Maler, nicht. Was seine künstlerischen Leistungen anlangt, so fußen dieselben noch in der akademischen eklektischen Kunstweise der Zopfzeit, von der vortheilhaftesten Seite zeigt er sich in seinen weiblichen Bildnissen. Einen großen Theil seiner Arbeiten hat der Künstler in dankbarem Andenken an die|in der Nähe des Herzogs August verlebten Tage der Gemäldesammlung zu Gotha vermacht.

    • Korrektur

      S. 593. Z. 2 v. o.: Neues über Grassi bietet Distel im Dresdener Anzeiger Nr. 220 (8. Aug.) von 1893, S. 17, Sp. 3. G.'s Porträt, über welches Distel in der Zeitschr. f. bildende Kunst IV, 95 berichtet hat, besitzt jetzt das Herzogl. Museum in Gotha.

  • Autor/in

    Clauß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Clauß, Carl, "Grassi, Joseph" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 592-593 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116823593.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA