Lebensdaten
1496 bis nach 1551
Geburtsort
Eppendorf bei Freiberg (Sachsen)
Sterbeort
Straßburg
Beruf/Funktion
humanistischer Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 116516607 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Eppendorff, Heinrich von
  • Eppendorf, Heinrich
  • Eppendorff, Heinrich von
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Zitierweise

Eppendorf, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116516607.html [19.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Dorfrichter mit Erbschulzengut u. Braugerechtsame zu E.

  • Leben

    Der sehr gewandte E. studierte nach Lateinschulbesuch in Freiberg in Leipzig und erhielt zur Fortsetzung der Studien ein Stipendium von Herzog Georg von Sachsen. Für diesen brachte er 1520 eine Silberstufe als Geschenk an Erasmus von Rotterdam nach Löwen; auf der Reise dorthin lernte er Johann Huttich, U. von Hutten und andere kennen. Von Löwen ging E. nach Freiburg (Breisgau), wo er 1522 die Universität wegen seiner Schulden verlassen mußte. Stets in Fühlung mit Erasmus, nahm er als Vertrauter mit ihm und mit Beatus Rhenanus September 1522 an einem Gelehrtentreffen beim Kanonikus Johann von Botzheim in Konstanz teil. Als Hutten Ende November 1522 in Basel auftauchte, entsandte ihn Erasmus als Unterhändler. Der stets|geldbedürftige E. vertiefte dabei den Zwiespalt zwischen beiden; er versuchte mit Huttens Manuskript der gegen Erasmus gerichteten „Expostulatio“ von diesem Geld zu erpressen und brachte die heftige Streitschrift ohne Wissen Huttens in Straßburg zum Druck (Juni 1523 und öfters). Erasmus antwortete mit seiner E. belastenden „Spongia“ (Basel, September 1523). Nach dem Abbruch der Beziehungen zwischen E. und Erasmus kam es 1528 erneut zu offenem Konflikt. Erasmus zeichnete dabei mit seinem Colloquium vom „Ritter ohne Roß“ treffend den Charakter des dreisten, aufschneiderischen E., der ihn seinerseits mit der „Justa querela“ (Hagenau 1531) empfindlicher traf, daneben Huttens Andenken feierte und Straßburg pries. Erasmus wie Hutten täuschte er mit seinem angeblichen Adel. 1530 weilte E. auf dem Reichstag in Augsburg. – Seine umfangreiche Übertragungstätigkeit verdient in stilistischer und gehaltlicher Hinsicht stärkere Beachtung: E., der damit auch auf Hans Sachs einwirkte, hatte wesentlichen Anteil daran, die antike Prosa in Deutschland populär gemacht und mit seiner kräftigen, sprichwortreichen, latinisierende Satzbildungen verschmähenden Sprache in das Denken des deutschen Volkes eingefügt zu haben.

  • Werke

    Weitere W u. a. (sämtl. in Straßburg, meist b. H. Schott); Übersetzer; Plutarch… Kurtzweise u. höffliche sprüch, o.O. 1534, 1551;
    Plutarchi v. Cheronea guter Sitten ein und zwantzig Bücher, 1534;
    Röm. Historien Bekürtzung…, 1536 (Auszüge aus Florus bis Egnatius);
    Türck. Kayser Ankunfft, Kryeg u. Handlung gegen u. wider d. Christen…, 1540;
    Plinius 5 Bücher Historia naturalis…, 1543;
    Übers. u. Hrsg. d. lat. Chronik v. A. Krantz u. d. T.: Denmärk., Schwed. u. Norwäg. Chron. …, 1545/46 (mit Beschlußrede, Übers. auch einzeln ersch.).

  • Literatur

    ADB VI;
    Christophori Saxi de Henrico Eppendorpio commentarius, Leipzig 1745;
    T. W. Röhrich, Gesch. d. Ref. im Elsaß I, 1830, S. 404;
    H. Schreiber, Gesch. d. Univ. Freiburg II, 1857, S. 99 f.;
    Hutteni Opera, ed. E. Böcking, II, 1859, S. 164, 178, 350, 404 f., 429-34, 447;
    Brief d. E. an N. Hausmann, hrsg. v. O. Clemen, in: NA f. sächs. Gesch. u. Altertumskde. 23, 1902, S. 142;
    P. S. Allen, Opus Epistolarum Des. Erasmi… V, 1924, Nr. 1122, 1356;
    W. Kaegi, Hutten u. Erasmus, in: HV 22, 1924/25, S. 469-79, 509;
    D. F. Strauß u. O. Clemen, Ulrich v. Hutten, 1927, S. 433 ff. u. ö.;
    W. Stammler, Von d. Mystik z. Barock, 21950, S. 194, 216, 407;
    Ersch-Gruber I, 36, S. 80-82;
    Schottenloher 5501.

  • Portraits

    2 Schaumünzen mit Brustbild v. Ch. Weiditz, 1524 u. 1530, Abb. b. G. Habich, Die dt. Schaumünzen d. 16. Jh., I, 1929, S. 55, 61.

  • Autor/in

    Heinrich Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Heinrich, "Eppendorf, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 548 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116516607.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Eppendorff: Heinrich v. E., ein Litterat des 16. Jahrhunderts, geb. zu Eppendorf bei Freiburg in Meißen, durch Herzog Georg von Sachsen behufs höherer wissenschaftlicher Ausbildung 1520 zu Erasmus geschickt, Freund Hutten's, bei dessen Entzweiung mit Erasmus vielgenannt und dann selbst in Händel mit Erasmus verwickelt, der ihn beim Herzog und sonst wie verschwärzt und 1530 in einer besonderen Schrift angreift: E. antwortet mit seiner „Justa querela“ (Haganoae 1531), worin er den Gegner empfindlich trifft, Hutten's Andenken feiert und die Stadt Straßburg preist. Für Straßburger Buchhändler liefert er 1534—1551 verschiedene, im ganzen recht gute Uebersetzungen: außer Plutarch (Apophth. Mor.) und Plinius hauptsächlich historische Schriften, die dänische und schwedische Chronik des Albert Krantz, verschiedenes über die Türken u. a. Aus lateinischen und italienischen Compendien stellt er eine populäre römische Geschichte von Romulus bis auf Karl V. zusammen (die Consuln heißen ohne weiteres Bürgermeister, die Tribunen Zunftmeister, die Gallier Franzosen): den Kern bildet die italienische Zeitgeschichte nach Galeazzo Capella, den er aber kritisirt und des Neides gegen der Deutschen Ehr' und Tapferkeit beschuldigt. Er ermahnt: „Deutschland, hab' deiner Mannheit acht, daß dich verführ' nit fremder Pracht.“

    • Literatur

      Chr. Saxi de Henrico Eppendorpio commentarius (Lips. 1745). Heß, Erasmus 2, 300—309. Strauß, Hutten 2, 272. Degen, Litt. d. Uebers. Griech. 2, 309. 314. 329. Nachtr. 279. Röm. 1, 131. 138. 259.

  • Autor/in

    Scherer.
  • Empfohlene Zitierweise

    Scherer, Wilhelm, "Eppendorf, Heinrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 158 unter Eppendorff, Heinrich von [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116516607.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA