Lebensdaten
1643 bis 1708
Sterbeort
Braunschweig
Beruf/Funktion
Maler ; Radierer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116482990 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Harmes, Johann Oswald
  • Hermes, Johann Oswald
  • Horms, Johann Oswald
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Harms, Johann Oswald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116482990.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Henning;
    M N. N.;
    1) vor 1675 N. N., 2) Dresden 1679 N. N., 3) Braunschweig 8.9.1691 Marg. Elisabeth (1667–1743), T d. Ratsapothekers Joachim Papken in B.;
    1 S, 2 T aus 3), u. a. Anton Frdr. (1695–1745), Maler u. Kunstschriftsteller (s. L).

  • Leben

    H. erhielt in Hamburg Unterricht bei einem Maler namens Ellerbrock (nicht identisch mit Hinr. Ellerbrock, 1651). Der holländisch-niederdeutsche Charakter der Hamburger Lokalmalerei gewann auf die Tafelbilder H. anfänglich gewissen Einfluß. Etwa 1665-72 war er in Italien, besuchte 1669 Venedig und schloß sich in Rom dem Kreis um den Maler Salvator Rosa an. 1673 war er wahrscheinlich in Wien. Neben seiner Tätigkeit als Ruinenmaler und Graphiker widmete er sich in der Folgezeit mehr der dekorativen Großmalerei. Durch Herzog Moritz von Sachsen-Zeitz wurde er 1675 an den Kurfürsten Johann Georg II. nach Dresden empfohlen, wo er beim Residenzumbau die Sgraffiti der Fassade erneuerte und mehrere Innenräume ausmalte. Seit seiner Bestallung zum „Hoff und Ober Theatralischen Mahler“ 1677 standen Aufgaben für Theater und Feste im Vordergrund. Ende 1681 verließ er Dresden und arbeitete im Schloß Eisenberg (Thüringen) an Plafond- und Wandgemälden für verschiedene Räume (Entwürfe 1680, 1682, 1686) und an Decken- und Altarbildern der Schloßkirche (Vertrag 1684). Bedeutender sind seine Ausstattungen der Kirche und Gemächer in Schloß Augustusburg zu Weißenfels (Entwürfe 1682 und 1685). Von den Arbeiten für Sankt Wenzel in Naumburg (1683) ist das Altarbild erhalten. Neben der Restaurierung des Deckengemäldes im Opernhaus Bayreuth entwarf er 1684 Theaterdekorationen für Hannover, wo er 1687-89 auch als Berater am Opernhausneubau tätig war. Er trat 1686 in die Dienste des Hofes von Braunschweig-Wolfenbüttel, aus denen er 1698 ausschied. 1689-92 arbeitete er an Fresken im Lustschloß und bis 1701 an Fassadenmalereien der Orangerie in Salzdahlum. Bei Neubau des Braunschweiger Opernhauses wurde er 1689/90 für die Bühneneinrichtung hinzugezogen und führte am|Giebel al fresco das Brustbild Herzog Anton Ulrichs aus. In dieser Zeit wurde er zum „Maschinen Meister, Kammerdiener und Maler“ ernannt. Ohne seinen Wohnsitz in Braunschweig aufzugeben, lieferte er für die Theater in Wolfenbüttel und Braunschweig sowie 1695-1701 für die Hamburger Oper eine Fülle von Bühnenbildentwürfen. Zwischen 1698 und 1707 malte er mehrere Fresken im Kunsthaus und im Schloß zu Kassel, ferner Deckengemälde in den Schlössern Wabern (Entwürfe 1703) und Brüggen (Entwürfe 1705). Als Schüler ist der Maler Johann Friedrich Wentzel (1670–1729) gesichert.

    H. war der bedeutendste Vertreter der dekorativen Monumentalmalerei des Barocks in Mittel- und Norddeutschland. Da von seinem Gesamtwerk nur geringe Reste erhalten sind, müssen Qualität und Umfang seines Schaffens aus Entwürfen erschlossen werden. Danach beherrschte H., ausgehend von Anregungen oberitalienischer und römischer Quadraturmalerei, alle Möglichkeiten des mehr ornamental als figürlich ausgerichteten Illusionsfreskos. Bedeutsam sind seine frühen Bemühungen um das Wandfresko in Deutschland als architektonischen oder landschaftlichen Schauprospekt mit asymmetrischen Einblicken. Durch seine Sondermotivik und die Betonung des Landschaftlichen kam er zu deutscher Eigenleistung. Auch im Bühnenbild überwand er die Einflüsse italienischer Szenographen (Burnacini, Torelli) und fand eigene, typisch deutsche Lösungen. Mit malerischer Detailfreude entfernte er sich in unkonventionellen Formund Raumphantasien vom starren System der strengen Zentralperspektive. In Diagonalachsen und chinesischen Stadtbildern nahm er Bühnenbild-Tendenzen des 18. Jahrhunderts vorweg.

  • Werke

    Weitere W Größter Nachlaß an Zeichnungen u. Entwürfen im Hzg.-Anton-Ulrich-Mus., Braunschweig, weitere in d. Albertina, Wien, d. Sächs. Landesbibl., Dresden, im Kupf.kab., Berlin. Verz. d. Arbb. f. Feste u. Theater b. H. Richter, s. L. Weitere Radierungen: Alcvne Inventione de Rvini et Architectvra de Segnato et fato con Aqua forte da Gio: O. H., 1673 (Titel u. 8 Bll.). Tafelbilder: (zum größten T. verschollen) Ruinenlandschaft, 1673;
    Winterlandschaft, 1674 (beide Kunsthalle Hamburg);
    zwei Gegenstücke v. 1672 u. eine Geburt Christi im Kunsthandel Mainz 1916. Erhaltene Fresken in den Schlössern Eisenberg, Weißenfels und Brüggen.

  • Literatur

    ADB X (auch f. S);
    A. F. Harms (S), Tables historiques et chronologiques des plus fameux peintres anciens et modernes, Braunschweig 1742;
    Briefe d. Malers A. F. Harms zu Braunschweig, hrsg. v. Torkel Baden, Leipzig 1797;
    H. Tintelnot, Barocktheater u. barocke Kunst, 1939;
    ders, J. O. H., Ein dt. Maler d. Barock, in: Zs. d. Dt. Ver. f. Kunstwiss. 8, 1941, S. 245 ff.;
    ders., Die barocke Freskomalerei in Dtld., 1951;
    L. Baron Döry, Deckenfresken v. J. O. H. in Schloß Brüggen an d. Leine, in: Braunschweig. Jb. 39, 1958, S. 122 ff.;
    H. Richter, J. O. H., Ein dt. Theaterdekorateur d. Barock, 1963 (W);
    F. Thöne, Wolfenbüttel, Geist u. Glanz e. alten Residenz, 1963;
    G. K. Nagler, Die Monogrammisten IV, 1919;
    ThB (auch f. S);
    Enc. dello Spettacolo VI, Rom 1959.

  • Autor/in

    Johann Schlick
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlick, Johann, "Harms, Johann Oswald" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 684 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116482990.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Harms: Johann Oswald H., Maler, geb. zu Hamburg 1642, gest. zu Braunschweig 1708, war ein Schüler von Ellerbrock in Hamburg. Später ging er nach Rom, wo er unter Salvator Rosa sich der Landschaftsmalerei widmete; nach seiner Rückkehr nach Deutschland hielt er sich abwechselnd in Dresden, Braunschweig, Hamburg und Kassel auf und malte Landschaften, Perspective, Ruinen, welche geschätzt werden. In Braunschweig malte er auch in Verbindung mit dem Inspector Tobias Querfurth für das vom Herzoge Anton Ulrich neuerbaute Comödienhaus treffliche Decorationen und in dem Hauptgiebel des Gebäudes al fresco das Brustbild des Herzogs in allegorischer Umrahmung. Leider wurde das schadhaft gewordene Bild im J. 1799 durch Unverstand vernichtet. In seiner im Schauspielhause befindlichen Wohnung feierte H. als des Herzogs „Maschinenmeister, Cammerdiener und Maler“ am 8. September 1691 seine Hochzeit. In den J. 1696—1701 war H., ohne seinen Wohnsitz in Braunschweig aufzugeben, als Decorationsmaler bei der Hamburger Bühne angestellt. Auch als Radirer hat er sich bekannt gemacht, namentlich gab er 1673 sieben Radirungen, römische Ruinen enthaltend, heraus: „Aclune invenzione di Rovine et Arcbitetture dissegnate e fatte con aqua forte da G. O. H. mit schönen Landschaftsgründen und Figuren in Salvator Rosa's Geschmack. Ein anderes Blatt von ihm ist: „Théatre que le magistrat de Dresde fit élever devant la maison de Ville au sujet de l'hommage rendu à l'Electeur en 1681.“

    Sein Sohn, August Friedrich H., war ebenfalls Maler. Von ihm befindet sich im Dome zu Braunschweig ein Altargemälde aus dem J. 1728, eine Himmelfahrt Christi, Geschenk des Herzogs August Wilhelm von Braunschweig an die Kirche. Er malte ebenfalls, wie sein Vater, Landschaften und Architekturen, steht aber demselben hierin weit nach. Ausgezeichnet und im hohen Grade naturgetreu dagegen sind seine todtes Wild darstellende Bilder, von welchen sich in den Gemäldesammlungen zu Kopenhagen und Braunschweig einige vorzügliche Exemplare finden. Der jüngere H. zog nach dem Tode des Vaters 1709 nach Kassel, woselbst er auch 1745 gestorben ist und einen großen Vorrath von Gemälden hinterlassen haben soll. In den J. 1737—43 malte auch er Decorationen für das Theater in Braunschweig. Bekannter als seine Gemälde sind seine „Tables historiques et chronologiques des plus fameux peintres anciens et modernes“, Braunschw. 1742, Fol., ein verdienstvolles Werk, dem jedoch italienisches Material zum Grunde liegt. Seine im J. 1744 geschriebenen Briefe, die Malerei betreffend, sind zum Theil in den Briefen über die Kunst von C. L. Hagedorn, 1797 (Briefe des Malers Harms zu Braunschweig, S. 170 ff.) abgedruckt.

  • Autor/in

    F. Spehr.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spehr, F., "Harms, Johann Oswald" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 611 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116482990.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA