Lebensdaten
1860 bis 1929
Geburtsort
Klettwitz (Niederlausitz)
Sterbeort
Grube Ilse (Niederlausitz)
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Bergwerksdirektor
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 1017602700 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schumann, Georg Gottlob
  • Schumann, Gottlob
  • Schumann, Georg Gottlob

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Zitierweise

Schumann, Gottlob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1017602700.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., aus K., Landwirt;
    Stief-V N. N. Noack, Landwirt;
    M N. N.; Stief-Geschw;
    Petershain (Oberlausitz) 1888 Helene (* 1869), T d. Gotthelf Altrichter (1824–93), aus Biehlen, Kantor in Petershain, u. d. Wilhelmine Pöthko (1828–1905), aus Bluno (Kr. Hoyerswerda);
    2 S u. a. Herbert (1890–1930), Dr. iur., Geh. Reg.rat, 1 T.

  • Leben

    Nach einer Ausbildung als kaufmännischer Angestellter bei der Dt. Reichspost arbeitete S. einige Zeit bei der Postverwaltung und nahm 1880 seine Tätigkeit beim 1871 in Bückgen bei Senftenberg gegründeten Braunkohlenwerk Ilse auf. Dieses wurde 1888 in die „Ilse Bergbau-Actiengesellschaft“ umgewandelt, S. erhielt im selben Jahr Prokura, 1894 wurde er stellv. Direktor, 1897 Vorstandsmitglied, von 1906 bis zu seinem Tod war er Generaldirektor. Seine unternehmerischen Entscheidungen prägten bis zuletzt die Unternehmensgeschichte der Ilse Bergbau-AG. Mit dem 1906 in Brieske bei Senftenberg auf dem 2. Lausitzer Flöz in Tagebautechnologie erfolgten Aufschluß der Braunkohlengrube „Marga“ – benannt nach seiner im Kindesalter verstorbenen Tochter – betrat S. technologisches Neuland und legte den Grundstein für den Aufstieg der Ilse AG zum größten Unternehmen der Lausitzer Braunkohlenindustrie. Er führte früh moderne Marketingmethoden ein (u. a. Sichtwerbung auf Berliner Omnibussen), um neue Marktchancen für die sich weiter verbreiternde Produktpalette der AG (Briketts, Stückkohle, Ziegel, Glas, Strom, Trink- u. Brauchwasser etc.) zu eröffnen. Während des 1. Weltkriegs trieb S. mit Nachdruck und Konsequenz die Modernisierung seines Unternehmens voran, v. a. die Entwicklung zum vollmechanisierten Großtagebau mit Großraum- und Abraumförderbrückenförderung, ein Prozeß, der mit der vollen Inbetriebnahme des Ilse-Tages-Baues „Ilse-Ost“ in der 2. Hälfte der 1920er Jahre eine wichtige Zäsur markierte. Dem gingen umfangreicher Kohlenfeldbesitz und -arrondierung, vielfältige Unternehmensbeteiligungen und eine bis dahin beispiellose Rationalisierungswelle in der Kohlengewinnung, -förderung und -veredelung voraus. Das Unternehmen ging dank S. gestärkt aus dem latent schwelenden Syndikatsstreit hervor; er führte es, u. a. durch eine straffe, schlanke Unternehmenshierarchie und -verwaltung, erfolgreich durch die wirtschaftlich schwierige Kriegs- und Nachkriegszeit. S. gelang es auch 1929, die feindliche Übernahme durch die Gruppe der böhm. Braunkohlenindustriellen Ignaz und Julius Petschek, die in den frühen 1930er Jahren fast 2/3 der Lausitzer Braunkohlenindustrie kontrollierte, zu steuern und so die weitgehende Selbständigkeit der Ilse AG innerhalb der Petschek-Holding bis zu deren „Arisierung“ (zunächst Hermann-Göring-Werke, dann Flick-Konzern) zu bewahren. S. verantwortete Mitte der 1920er Jahre die erste Ortsdevastierung (Dorf Rauno) im Lausitzer Kohlenrevier (in der Folgezeit bis heute über 120 Orts- und Teilortsabbrüche). Er etablierte im Sozialbereich das „System Ilse“, u. a. mit Werkssiedlungen (1907–15 Gartenstadt „Marga“ d. Architekten Georg Heinsius v. Mayenburg in Brieske), Pensionskasse, Gratifikationssystem, Werkssparkasse – ein System, das eine große Stammbelegschaft an das Unternehmen band, aber auch disziplinierend wirkte.

    S., der das Gesicht eines der größten und bedeutendsten dt. Braunkohlenkonzerne entscheidend prägte, verkörpert exemplarisch den Aufsteigertypus eines modernen Industriemanagers in der Zeit der dt. Hochindustrialisierung und ist ein frühes Beispiel für die Transformation der dt. Industrie von der patriarchalischen Unternehmensführung zum modernen Unternehmensmanagement.

  • Auszeichnungen

    preuß. HR (1910); Dr.-Ing. E. h. (TH Berlin); stellv. Vors. d. Dt. Braunkohlen-Ind.-Ver. (1908–20); Vors. d. Niederlausitzer Bergbauver., d. Niederlausitzer Braunkohlensyndikats u. d. Niederlausitzer Wasserwerksges.; Mitgl. in div. Aufsichtsräten; Gottlob-Schumann-Preis d. FH Lausitz (Cottbus u. Senftenberg) f. d. beste Jahrgangs-Dipl.arb.

  • Literatur

    R. Richter, Fünfzig J. ILSE Bergbau-Actienges., 1888–1938, 1938;
    50 J. Mitteldt. Braunkohlenbergbau, FS z. 50-j. Bestehen d. dt. Braunkohlen-Ind.-Ver. e. V. Halle/Saale, 1935 (P);
    M. Baxmann, Der Streik d. Niederlausitzer Bergarbeiter im Okt. 1927, in: Gesch. u. Gegenwart d. Bezirkes Cottbus, H. 21, 1987;
    ders., Die Modernisierung d. Niederlausitzer Braunkohlenbergbaus u. ihre Folgen, in: K.-P. Meinicke u. W. Ebersbach, Bergbau u. Umweltgesch. in Mitteldtld., Sammelbd. z. Kolloquium d. Martin-Luther-Univ. Halle-Wittenberg am 7. März 1996, 1996;
    ders., Zur Gesch. d. Bergbehörden im Lausitzer Braunkohlerevier als Berghoheitsträger u. Bergpolizei, Von d. Mitte d. 19. Jh. bis z. Ende d. Zwischenkriegszeit 1939, in: Zur Gesch. d. Braunkohlebergbaus in Dtld. u. Tschechien, 3. Montanhist. Kolloquium, hg. v. Magistrat d. Stadt Borken. 1999;
    ders., Konzern- u. Syndikatsbildung, Zentralisation v. Produktion u. Kapital im Ostelb. Braunkohlenbergbau Ende d. 19., Anfang d. 20. Jh., in: Wirtsch. u. Staat in d. Industrialisierung Sachsens 1750-1930, hg. v. U. Heß, P. Listewnik u. M. Schäfer, Bd. 3, 2003, S. 199-222;
    ders., Technisierung d. Lausitzer Braunkohlenbergbaus u. Landschaftsveränderungen seit d. Mitte d. 19. Jh., in: 4. Montanhist. Kolloquium, hg. v. Magistrat d. Stadt Borken u. a., 2001, S. 33-61;
    ders., Die Braunkohlenind. als dominanter Wertschöpfungsfaktor f. d. Lausitz, in: 5. Montanhist. Kolloquium, hg. v. Magistrat d. Stadt Borken u. a., 2003, S. 87-98;
    S. Gramlich, Brieske, Die Kolonie Marga, in: Brandenburg. Denkmalpflege 3,1, 1994, S. 85-95;
    W. Joswig, Marga, Die erste dt. Gartenstadt, 21999; |

  • Quellen

    Qu Brandenburg. Landeshauptarchiv (Pr. Br. Rep. 74 Ilse Bergbau AG).

  • Autor/in

    Matthias Baxmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Baxmann, Matthias, "Schumann, Gottlob" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 750-751 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1017602700.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA