Lebensdaten
1886 bis 1940
Geburtsort
Wien
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Neurologe ; Psychiater ; Psychoanalytiker
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 140504818 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schilder, Paul Ferdinand
  • Schilder, Paul
  • Schilder, Paul Ferdinand

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Zitierweise

Schilder, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd140504818.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand (1850–95), Seidenzeugfabrikant aus Lemberg (Galizien);
    M Berta Fürth ( 1862);
    1) Maria Moser, 2) 1936 Lauretta Bender (1897–1987, 1] Henry B. Parkes, 1973, Prof. d. Gesch. an d. New York Univ.), aus Butte (Montana, USA), Neurologin, Psychiaterin, gab nach S.s Tod zahlr. seiner Schrr. heraus, schriftl. Nachlaß in d. Brooklyn College Archives and Special Collections (s. W, L);2 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    S. studierte seit 1904 Medizin an der Univ. Wien, wo er im Dez. 1909 promoviert wurde. Bereits während des Studiums arbeitete er bei dem Physiologen Sigmund Exner (1846–1926), dem Pathologen Anton Weichselbaum (1845–1920) und dem Neurologen Heinrich Obersteiner (1847–1922) und publizierte vier neuropathologische und zwei neurophysiologische Arbeiten. Anschließend studierte er Philosophie in Wien, war 1910-12 Assistent an der psychiatrischen Klinik in Halle/Saale bei Gabriel Anton (1858–1933) und setzte dann sein philosophisches Studium fort. 1912-14 Assistent an der psychiatrischen Klinik in Leipzig bei Paul Flechsig (1847–1929), beschrieb er erstmals die Encephalitis diffusa axialis („Schilder-Syndrom“). Während des 1. Weltkriegs war S. in verschiedenen Krankenhäusern eingesetzt, 1917 erfolgte „in absentia“ seine Promotion zum Dr. phil. an der Univ. Wien mit der Dissertation|„Selbstbewußtsein und Persönlichkeitsbewußtsein“. 1919 wurde er Assistent an der psychiatrischen Klinik in Wien unter Julius Wagner-Jauregg (1857–1914) und trat der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung bei, 1920 habilitierte er sich für Psychiatrie und Neurologie mit der schon 1918 veröffentlichten Arbeit „Wahn und Erkenntnis“. 1920 setzte er die Vorlesung Sigmund Freuds über Psychoanalyse fort. 1925 zum ao. Professor ernannt, aber 1928 an der Wiener Klinik nicht mehr weiter bestellt, verbrachte S. ein Gastsemester an der Johns Hopkins Univ. in Baltimore. 1929 wurde er Leiter der auf seinen Vorschlag gegründeten Abteilung für Grenzfälle und Psychosen am Wiener Psychoanalytischen Ambulatorium, verließ aber noch im selben Jahr Österreich und wurde 1930 klinischer Direktor der psychiatrischen Abteilung am Bellevue Hospital in New York sowie Research-Professor für Psychiatrie am Medical Center der New York University; 1933 brach er die Beziehungen zu Wien ab. S. war zunächst Mitglied der New Yorker Psychoanalytischen Vereinigung und 1935 einer der Gründer und erster Präsident der New Yorker „Society for Psychotherapy and Psychopathology“. Seine zweite Frau und enge Mitarbeiterin, die Kinderpsychiaterin Lauretta Bender, gab nach seinem Tod zahlreiche seiner Schriften heraus.

    Die Bedeutung S.s liegt v. a. in der eigenständigen Synthese verschiedenster Fachgebiete. So sah er zwischen der organisch-biologischen Psychiatrie und der Psychoanalyse keinen Widerspruch und vertrat eigene Ansichten über das Unbewußte, die Bedeutung der Sexualität und den Todestrieb. S. befaßte sich mit Neuroanatomie und Neurophysiologie ebenso wie mit Psychologie, Psychopathologie oder Psychotherapie. Das Körperschema, das Bewußtsein des eigenen Körpers bzw. die psychische Repräsentanz der eigenen Körperlichkeit ist eine zentrale Thematik seines Gesamtwerkes. Er wandte sich in den USA auch der Kinderpsychiatrie sowie soziologischen Fragestellungen zu und war ein Pionier der Gruppenpsychotherapie. S. betonte die Pluralität und Wechselwirkung psychodynamischer, somatischer und soziokultureller Faktoren als kausale Elemente, ohne jedoch den biologischen Standpunkt zu verlassen. Als einer der ersten trug er wesentlich zur Durchdringung der klinischen Psychiatrie und der Hirnpathologie mit psychoanalytischer Erkenntnis und Denkweise bei.

  • Werke

    Zur Kenntnis d. sog. diffusen Sklerose, in: Zs. f. Neural. 10, 1912, S. 1-60;
    Selbstbewußtsein u. Persönlichkeitsbewußtsein, 1914;
    Über d. Wesen d. Hypnose, 1922;
    Das Körperschema, Ein Btr. z. Lehre v. Bewußtsein d. eigenen Körpers, 1923;
    Seele u. Leben, 1923;
    Med. Psychol. f. Ärzte u. Psychologen, 1924;
    Entwürf e. Psychiatrie aufpsychoanalyt. Grundlage, 1925;
    Lehrb. d. Hypnose, 1926 (mit O. Kauders);
    Die Lagereflexe d. Menschen, 1927 (mit H. Hoff);
    Gedanken z. Naturphilos., 1928;
    Studien z. Psychol. u. Symptomatol. d. progressiven Paralyse, 1930;
    Brain and Personality, 1931;
    The Image and Appearance of the Human Body, 1935;
    Psychotherapy, 1938, 21951 hg. v. Lauretta Bender;
    Goals and Desires of Man, A Psychological Survey of Life, 1942;
    Mind: Perception and Thought in their Constructive Aspects, 1942;
    Vita and Bibliogr. of P. S., in: Journal Criminal Psychopathology 2, 1940, S. 221-34;
    Contributions to developmental neuropsychiatry, hg. v. Lauretta Bender, 1964;
    On neuroses, hg. v. Lauretta Bender, 1979;
    zu Lauretta Bender:
    A visual motor Gestalt test and its clinical use, 1938, 231984.

  • Literatur

    S. Parker, The Character of Modern Psychiatry, A synthetic presentation of the work of P. S., in: Journal of Nervous and Mental Disease 63, 1926, S. 313-42;
    E. Stengel, in: Internat. Zs. f. Psychoanalyse 26, 1941, S. 377-79;
    F. J. Curran, P. S., His Contribution to Psychopathology, in: British Journal of Medicine and Psychology 19, 1942, S. 151-54;
    H. Hartmann, The Psychiatric Work of P. S., in: Psychoanalytical Review 31, 1944, S. 287-98;
    D. M. Rioch, in: W. Haymaker, The Founders of Neurology, 1953, S. 211-14 (P);
    M. R. Kaufman, S.s Application of Psychoanalytic Psychiatry, in: Archive for Gen. Psychiatry 7, 1962, S. 311-20;
    A. Adler, The Work of P. S., in: Bull. of the New York Ac. of Medicine 41, 1965, S. 841-53;
    I. Ziferstein, P. F. S., Psychoanalysis and Psychiatry, in: F. Alexander u. a. (Hg.), Psychoanalytic Pioneers, 1965, S. 457-68;
    D. Langer, P. F. S., Leben u. Werk, Diss. Mainz 1979;
    D. A. Shaskan u. W. L. Roller, P. S. – Mind Explorer, 1985 (P);
    E Mühlleitner, Biograph. Lex. d. Psychoanalyse, 1992, S. 286-88;
    A. Kreuter, Dt.sprachige Neurologen u. Psychiater, 1996, S. 1263-9 (W);
    F. Wittels, in: Psychoanalytical Quarterly 10, 1941, S. 131-4;
    Enc. Jud. 1971;
    ÖBL;
    zu Lauretta Bender:
    Revue de psychol. appliquée 4, 1954, S. 210;
    Enc. Jud. 1971;
    BLÄ.

  • Autor/in

    Helmut Gröger
  • Empfohlene Zitierweise

    Gröger, Helmut, "Schilder, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 756-757 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd140504818.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA