Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Musiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 139242449 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rosenblum (bis 1882)
  • Rosé
  • rose
  • mehr

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Zitierweise

Rosé, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139242449.html [20.10.2018].

CC0

  • Leben

    Der Familie R. entstammen in nur zwei Generationen eine Reihe hervorragender Musiker: Arnold Josef (eigtl. Rosenblum, * 24.10.1863 Jassy, Rumänien, 25.8.1946 London, seit etwa 1902 ev.) zeigte ebenso wie sein Bruder Eduard (eigtl. Rosenblum, * 29.3.1859 Jassy, 24.1.1943 Theresienstadt) schon früh eine außerordentliche musikalische Begabung, die seine Eltern, den Kaufmann Hermann Rosenblum und seine Frau, die Pianistin Marie Hajes, zur Übersiedlung nach Wien veranlaßte. Nach seinem Studium bei Karl Heißler am Konservatorium wurde Arnold bereits 18jährig zweiter Konzertmeister und Solist des Wiener Hofopernorchesters und stand in dieser Funktion zeitweilig in engem Kontakt zu Gustav Mahler, dessen Schwester Justine (15.12.1868-22.8.1938) er 1902 heiratete. Zwischen 1888 und 1896 war Arnold wiederholt Konzertmeister des Bayreuther Festival-Orchesters. 1882 nahm er den Namen „Rose“ an und gründete mit Eduard, Julius Egghard sowie Anton Loh das gleichnamige Quartett, das in wechselnden Besetzungen bis 1946 bestand und – besonders in der Besetzung mit P. Fischer, A. Ruzitska und F. Buxbaum – Weltruhm genoß. Das Ensemble profilierte sich durch viele Ur- und Erstaufführungen von Werken Brahms', Pfitzners, Schönbergs u. a. Nach dem „Anschluß“ Österreichs wurde R. 1938 ohne Pensionierungsanspruch entlassen und konnte nur dank eines von Carl Flesch (1873–1944) initiierten Spendenfonds 1939 nach England fliehen, wo er u. a. mit Buxbaum die Konzertauftritte mit dem Rosé-Quartett fortsetzte.

    Arnolds Bruder Eduard war als Cellist 1882/83 Mitglied des Rosé-Quartetts. Nach seiner Heirat mit Emma Mahler (19.10.1875-15.5.1933), einer Schwester Gustavs und Justines, spielte er zwei Jahre im Boston Symphony Orchestra, kehrte 1900 nach Europa zurück und war bis 1926 Solocellist des Hoftheaters und der Hofkapelle Weimar. Eduard und Emma hatten zwei Kinder: Ernest (1889/90-1988), Schauspieler, und Wolfgang (1907–77), Pianist und Schüler Artur Schnabels. Während diese emigrieren konnten, wurde Eduard in das Ghetto nach Theresienstadt verschleppt, wo er starb.

    Arnolds hochbegabte Tochter Alma (* 3.11.1906 Wien, 5.4.1944 KZ Auschwitz, ev., 1933 kath.), Patenkind von Alma Mahler-Werfel, gab unter der Leitung ihres Vaters 1926 ihr Konzertdebut in Wien. Seit 1930 unternahm sie mehrere Konzertreisen, zunächst mit ihrem Mann, dem tschech. Geiger Váša Příhoda (1900-60, Wien 1930, Trennung 1935, 1936), später mit dem 1933 von ihr gegründeten Damenorchester „Wiener Walzermädel“. Zusammen mit ihrem Vater gelang ihr im März 1939 die Ausreise nach London, doch ging sie im November auf ein Konzertangebot hin in die Niederlande. Nach der dt. Okkupation konnte sie auch eine im Mai 1942 geschlossene Schein-Ehe mit Constant August van Leeuwen-Boomkamp nicht schützen; nach kurzer Internierung in Frankreich wurde Alma 1943 nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie zur Dirigentin des Frauenorchesters bestimmt, das u. a. beim Appell der Gefangenen und für die Lageraufseher zu spielen hatte. Alma führte das Ensemble mit strikter Disziplin, errang für die Frauen im „Musikblock“ aber auch kleine Privilegien und vermittelte ihnen einen überlebensnotwendigen Rest von Menschenwürde. Sie starb unter nicht ganz geklärten Umständen vermutlich an Botulismus.

    Almas Bruder Alfred (11.12.1902-7.5.1975, ev., 1933 kath.) wirkte nach dem Musikstudium in Wien als Dirigent am Burgtheater und der Staatsoper. Über die Niederlande flüchtete er gemeinsam mit seiner Frau Maria Carolina Schmutzer (1909–99) nach Cincinnati, wo er 1948-73 eine Professur für Musikgeschichte und Klavier in London (Ontario, Kanada) innehatte.

  • Nachlaß

    Nachlaß: umfangreiche Korr. Arnolds (u. a. mit Mahler) in d. Gustav-Mahler – Alfred-Rosé Collection der Univ. of Western Ontario;
    – ⚭– Ed.: Meister d. Bogens, Váša Příhoda, Alma u. Arnold R., Podium POL-10071, 1999.

  • Literatur

    W. Wendel, Arnold R. – Alma R. – Váša Příhoda, in: Das Orchester 47, 1999, H. 4, S. 2-8 (P);
    zu Arnold:
    Das R.-Quartett, 50 J. Kammermusik in Wien, Sämtl. Programme …, mit Vorwort v. J. Korngold, Wien [1934] (P);
    C. Ottner, A. R ist nicht nur e. Wiener Meistergeiger …, in: dies. (Hg.), Kammermusik zw. d. Weltkriegen, 1995, S. 64-77;
    H. Eggebrecht, Gr. Geiger, 2000, S. 376-79;
    zu Alma:
    F. Fenelon, Das Mädchenorchester in Auschwitz, 1981;
    G. Knapp, Das Frauenorchester in Auschwitz, 1996;
    A, Lasker-Wallfisch, Ihr sollt d. Wahrheit erben, Breslau – Auschwitz – Bergen-Belsen, 1997;
    R. Newman, A. R., Vienna to Auschwitz, 2000, dt. 2003 (P, Anhang: Stammtafel Fam. Mahler – R.);
    MGG mit Suppl.bd.;
    Riemann mit Erg.bd.;
    ÖBL;
    New Grove;
    New Grove.

  • Autor/in

    Marion Brück
  • Empfohlene Zitierweise

    Brück, Marion, "Rosé" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 42-43 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139242449.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA