Lebensdaten
um 1370 oder 1375 bis 1440
Sterbeort
Meran
Beruf/Funktion
Bischof von Chur
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138773394 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Naz, Johannes IV.
  • Naso, Johannes IV.
  • Johannes IV. Naso
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Zitierweise

Naz, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138773394.html [19.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus angesehener, im Königsdienst aufgestiegener Prager Bürgerfam.;
    V Heinrich, nobilis vir, Bürger zu P.;
    M N. N.;
    Ov Nikolaus, Kanoniker bei St. Stephan, Konstanz.

  • Leben

    Nach Erlangung des Magistergrades an der Prager Artistenfakultät schrieb sich N. 1391 an der dortigen Juristenuniversität ein. Das seit 1394 in Italien fortgesetzte Studium schloß er in Padua mit dem Lizentiat (1397) und Doktorat (1399) im kanonischen Recht und in Bologna mit der Promotion zum Dr. iur. civ. (1402) ab. Bereits 1399 war N. in die Dienste Kg. Wenzels getreten, der seinen Sekretär und Rat immer wieder mit bedeutenden Aufgaben betraute (Mitwirkung bei der Lösung des sog. Prager Universitätsstreits 1408/09, Gesandter auf dem Konzil von Pisa 1409 und am Hof Papst Johannes' XXIII. in Rom zur Verhinderung des Prozesses gegen Jan Hus). N.s hohes Ansehen bei Papst (seit 1410/12 Auditor der Rota Romana) und böhm. König verschafften ihm eine einflußreiche Stellung auf dem Konstanzer Konzil (1414–18), u. a. als Präsident der deutschen Konzils-Nation (seit Dez. 1415). An den Prozessen gegen Hus und Hieronymus von Prag wirkte er als Zeuge und durch die Abfassung von Traktaten und Gutachten mit, die die Angeklagten und ihre Anhänger der Verbreitung von Irrlehren bezichtigten. Mit der Ernennung zum Bischof von Chur (11.7.1418) auf Bitten Kg. Siegmunds krönte Papst Martin V. N.s langjähriges Wirken für Papsttum und Kirche (als Domkanoniker in Prag, Dekan von St. Moritz in Kremsier, Generalvikar und Offizial im Bistum Olmütz). Unter Kg. Siegmund verstärkte N. seinen Einsatz für Königtum und Reich. Durch sein Verhandlungsgeschick trug er entscheidend zum Erfolg von Siegmunds Romzug und Kaiserkrönung 1431-33 bei. Als dessen Stellvertreter auf dem Konzil von Basel (seit Febr. 1433) und zeitweiliges Mitglied der Deputatio pro communibus (bis Mai 1434) hatte N. großen Anteil daran, die mehrfach angedrohte Absetzung Papst Eugens IV. durch das Konzil zu verhindern. Zum Lohn für N.s treue Dienste privilegierte Siegmund das Hochstift Chur 1434 durch insgesamt zehn Urkunden, die auch N.s Konflikte mit der Stadt Chur und dem Herzog von Österreich regelten. N.s Bischofsherrschaft war durch den Abbau der Schulden seiner Vorgänger, Prozesse um Hoheitsrechte mit dem lokalen Adel und durch den Kampf gegen die Freiheitsbestrebungen der Churer Bürger (Aufstände 1422 u. 1435/36) geprägt. N.s mangelnder Sinn für das Erreichbare war letztlich mit für seine Niederlage in der Auseinandersetzung mit den Bürgern verantwortlich. Als die Vertreter des Churer Rats und der Gotteshaustäler im Okt. 1439 drei Personen zu Verwesern des Hochstifts wählten, hielt N. sich bereits im selbst gewählten Exil im Vinschgau auf, wo er wenig später starb.

  • Werke

    Sermo seu principium factum circa inicium studii Padue more solito, 1400 (Prag, Bibl. d. Metropolitankap. I 35, ungedr.);
    Antwort auf Johannes Cardinalis' Traktat üb. d. päpstl. u. kaiserl. Gewalt gegenüber d. Konzilien, 1414/15 (Biblioteca Apostolica Vaticana. Vat. lat. 4039, ungedr.;
    Auszug ed.: H. Finke, Forsch, u. Qu. z. Gesch. d. Konstanzer Konzils, 1889, S. 281-83);
    Gutachten üb. d. Ausschreitungen d. Anhänger v. Jan Hus, verlesen in d. Sitzung d. dt. Nation d. Konzils v. Konstanz am 7.4.1415, in: Acta Concilii Constanciensis IV, hg. v.|H. Finke u. a., 1928, Nr. 484, S. 511-13;
    Avisamentum fiendum processus contra Jo. Hus (ed.: F. M. Bartoš, Z posledního zápasu o M. Jana [Aus d. letzten Ringen um Hus], in: Jihočeský sborník historický [Südböhm. hist. Jb.] 17, 1948, S. 58 f.).

  • Quellen

    Qu RTA Ältere R., Bde. VI, VIII-XII, 1883-1906 (Register); A. Gloria (Hg.), Monumenti della Univ. di Padova (1318–1405), 1888, I, Nr. 223, 665, II, Nr. 1950, 1964, 2040, 2089; Concilium Basiliense I-V, VII, hg. v. J. Haller u. a., 1896-1910 (Register); Acta Concilii Constantiensis II, IV, hg. v. H. Finke, 1923, 1928 (Register); Rep. Germanicum, IV/2, 1957, Sp. 2177–79, IV/4, 1979, Add. 161.

  • Literatur

    A. Luschin v. Ebengreuth, Qu. z. Gesch. dt. Rechtshörer in Italien, 1891, S. 25 f.;
    Joh. Gg. Mayer, Gesch. d. Bistums Chur I, 1907, S. 430-46;
    M. Boháček, Řeč Jana Náze, doktora obojích práv, na učení padovském [Eine Rede d. J. N., Doktors beider Rechte an d. Univ. Padua], in: Studie o rukopisech 9, 1970, S. 207-12;
    F. M. Bartoš, Das Reformprogramm d. Mag. Johannes Cardinalis v. Bergreichenstein, d. Gesandten d. Karls-Univ. in Prag, f. d. Konzil zu Konstanz, in: FS H. Heimpel II, 1972, S. 668-71;
    Helvetia Sacra I/1, 1972, S. 489;
    L. Deplazes, Reichsdienste u. Kaiserprivilegien d. Churer Bischöfe v. Ludwig d. Bayern bis Sigmund, 1973, S. 114-67, 180-87, 215-37, 292-302, 314-30;
    R. Zelený u. J. Kadlec, Ucitelé Právnické Fakulty a Právnické Univerzity Prazžské v době předhusitské (1349-1419) [Die Lehrer d. Rechts-Fakultät an d. Prager Juristen-Univ. in vorhussit. Zeit], in: Acta Universitatis Carolinae, Historia Universitatis Carolinae Pragensis 18, 1978, S. 97-99;
    P. Spunar, Repertorium auctorum bohemorum pruvectum idearum post universitatem Pragensem conditam illustrans I, 1985;
    U. Jecklin, Die Stadt u. ihr Verhältnis zu Bischof u. Reich, in: Churer Stadtgesch. I, 1993, S. 328-32;
    Biogr. Lex. Böhmen;
    BBKL (unter Naso).

  • Autor/in

    Hubertus Seibert
  • Empfohlene Zitierweise

    Seibert, Hubertus, "Naz, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 8 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138773394.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA