Lebensdaten
erwähnt 1082 oder 1084 , gestorben 1100
Beruf/Funktion
Bischof von Straßburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138461104 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Otto
  • Otto von Staufen
  • Otto von Straßburg
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Zitierweise

Otto von Hohenstaufen, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138461104.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Staufer;
    V Friedrich v. Büren, Gf. im Riesgau (s. Lex. MA);
    M Hildegard ( 1094) v. Schlettstadt, T d. Gf. Gerhard v. Egisheim u. Mömpelgard;
    B Friedrich I., Hzg. v. Schwaben (um 1050–1105, s. NDB V), Ludwig ( vor 1104), Pfalzgf. in Schwaben, Konrad (erw. 1089, 1094), Walter (erw. 1089, 1094/95), Schw Adelheid (erw. 1094).

  • Leben

    Zur Stärkung der salischen Position im Elsaß investierte Heinrich IV. auf Betreiben seines stauf. Schwiegersohnes, Hzg. Friedrichs I. von Schwaben, dessen Bruder und Straßburger Domherrn O. im März 1084 in Rom zum Bischof von Straßburg; Clemens III. erteilte ihm die Weihe. Bis auf die territorialpolitisch bedingten Kämpfe mit dem päpstl. Parteigänger Gf. Hugo VI. v. Dagsburg-Egisheim 1085/86-1089 nahm O. im Streit zwischen Kaisertum und Reformpapsttum eine eher neutrale Haltung ein, die eine Verständigung mit dem z. T. reformerisch eingestellten Domkapitel ermöglichte. Die O. angelastete Ermordung Gf. Hugos VI. v. Dagsburg am 5.9.1089 war für O. und seine Brüder vermutlich Anlaß für eine Bußwallfahrt zur südfranz. Pilgerstätte Conques 1090/91. Zwischen 1091 und 1094/95 ließ O. die von seiner Mutter Hildegard um 1087/90 gestiftete Kirche und – möglicherweise geplante – Familiengrablege in Schlettstadt zu einem der hl. Fides geweihten, mit stauf. Erbgut ausgestatteten Priorat ausbauen, das 1094 dem Kloster Conques übertragen und von der bischöfl. Gewalt befreit wurde. Im März 1096 hob Papst Urban II. in Tours die gegen O. wegen des Mordverdachts ausgesprochene Exkommunikation auf; als Sühne für seine Verfehlungen nahm er 1097-99 am 1. Kreuzzug teil. O. veranlaßte die Ummauerung der Neustadt von Straßburg und erreichte auf der röm. Synode im Jan. 1097 die Kanonisation der Kaiserin Adelheid.

  • Literatur

    ADB 24;
    Regg. d. Bischöfe v. Straßburg, I/2, bearb. v. P. Wentzcke, 1908, Nr. 335-67;
    E. Scherer, Die Straßburger Bischöfe im Investiturstreit, 1923, S. 75-127;
    G. Rösch, Kanzlei u. Urkk.wesen d. Bischöfe v. Straßburg, in: MIÖG 85, 1977, S. 288-90;
    H. H. Kaminsky, Das unbek. Original e. Straßburger Bischofsurk. aus d. J. 1096, in: AfD 26, 1980, S. 126-34;
    E. Hlawitschka, Zu d. Grundlagen d. stauf. Stellung im Elsaß, Die Herkunft Hildegards v. Schlettstadt, in: Sudetendt. Ak. d. Wiss. u. Künste, Geisteswiss. Kl., SB 1991, H. 9;
    Ph. Dollinger, Straßburg in sal. Zeit, in: Die Salier u. d. Reich, hg. v. St. Weinfurter, III, 21992, S. 157-59;
    T. Seiler, Die frühstauf. Territorialpol. im Elsaß, 1995, S. 56-58, 62-83, 97-108, 111-20;
    F. Legl, Stud. z. Gesch. d. Grafen v. Dagsburg-Egisheim, 1998;
    H. Seibert, in: Series episcoporum, hg. v. O. Engels u. St. Weinfurter, V/4: Episcopatus Argentinensis (in Vorbereitung);
    LThK;
    Lex. MA;
    NDBA.

  • Autor/in

    Hubertus Seibert
  • Empfohlene Zitierweise

    Seibert, Hubertus, "Otto von Hohenstaufen" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 695 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138461104.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Otto, Bischof von Straßburg 1084—1100, stammt aus dem Geschlecht der Staufer. Er ist der Sohn Friedrichs von Büren und der heil. Hildegard. Spätestens im J. 1084 kam er zur bischöflichen Würde. Wie sein Bruder Friedrich, der erste staufische Herzog von Schwaben und Elsaß, stand er auf|der Seite Kaiser Heinrichs IV. im Kampfe gegen den Papst. Er hatte denselben gegen eine starke päpstliche Partei am Oberrhein zu führen, an deren Spitze im Elsaß Graf Hugo von Egisheim stand und deren geistige Führer die Mönche von Hirschau waren. Mit seinem Bruder mag er dabei wohl oft gleiche Ziele und gleiche Wege verfolgt haben. Bei den großen Fragen der Reichspolitik scheint er weniger betheiligt gewesen zu sein, wenigstens tritt uns sein Name nur selten entgegen. An den Verhandlungen der Mainzer Synode im Mai 1085, die eine Einheit der deutschen Kirche herstellen wollte, indem sie den Papst und alle gregorianischen Bischöfe entsetzte und den Gegenkönig Hermann bannte, nahm er wenigstens durch Gesandte Theil, ebenso am Reichstag und an der Synode zu Mainz in der Fastenzeit des folgenden Jahres. Er ist alsdann 1091 zu Verona im Gefolge des Kaisers nachzuweisen. Seinen Hauptgegner, den Grafen Hugo, hatte kurz vorher, im September 1089 der Tod hinweggerafft. Wie weit O. dafür verantwortlich ist, kann mit Sicherheit nicht festgestellt werden, die Ueberlieferung meldet nur, der Graf sei im Schlafgemach und an der Seite des Bischofs von dessen Leuten erschlagen worden. Ein Ende aber fanden die Parteikämpfe in Schwaben und Ruhe gewann das Elsaß erst 1098 durch die Unterwerfung Bertholds von Zähringen. Der gewaltigen Strömung der Geister, die das Zeitalter der Kreuzzüge einleitete und das Papstthum auf den Gipfel seiner Machtstellung führe, konnte sich auch O. nicht entziehen. Als die Reise Papst Urbans II. durch Italien und Frankreich überall das Feuer religiöser Begeisterung zu hellster Flamme entfachte und den ersten Kreuzzug ins Leben rief, erschien O. auf der Fastensynode 1096 zu Tours vor dem Papste, um seine Gnade zu gewinnen und wieder in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Nachdem ihm dies gelungen, schloß er sich der Schaar der Lothringer an, die sich unter Gottfried von Bouillon sammelte, und zog mit ihm ins heilige Land. Gleich nach der Eroberung Jerusalems scheint er heimgekehrt zu sein, bereits zu Ende des Jahres 1099 ist er urkundlich wieder nachzuweisen und am 3. August 1100 erfolgte bereits sein Tod. Für die Geschichte des Straßburger Bisthums ist noch erwähnenswerth, daß Bischof O. mit seiner Mutter und seinen Brüdern 1094—95 die Kirche St. Fides zu Schlettstadt gründete. In einer Urkunde Kaiser Heinrichs V. von 1119 wird bemerkt, daß er der Stadt Straßburg das Servitut des Bannweins ein wenig erleichtert habe. Seine angebliche gesetzgeberische Thätigkeit, der das zweite Straßburger Stadtrecht zu verdanken sei, besteht lediglich in der Phantasie späterer Historiker, die betreffende Codification ist um ein volles Jahrhundert jünger.

    Bernoldi Chronicon in M. G. SS. V, 385 ff. — Annales Argentin. in Böhmer, Fontes rer. germ. III, 66 ff. — Grandidier, Histoire d'Alsace II, nr. 497—521 und Oeuvres inéd. II, 135 ff. — Stälin, Wirtemb. Geschichte, II, 228 ff.

  • Autor/in

    W. Wiegand.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wiegand, Wilhelm, "Otto von Hohenstaufen" in: Allgemeine Deutsche Biographie 24 (1887), S. 727-728 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138461104.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA