Lebensdaten
erwähnt 1079, gestorben 1102
Sterbeort
Vatterode
Beruf/Funktion
Erzbischof von Magdeburg ; Graf von Sponheim
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137525710 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hartwig von Sponheim
  • Hartwig
  • Hartwig von Sponheim
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Zitierweise

Hartwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137525710.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hause Sponheim;
    V Gf. Siegfried ( 1065), Stamm-V d. Fam.zweigs in Kärnten;
    M Richardis Gfn. v. Lavanttal ( n. 1064);
    B Engelbert I. Gf. v. Lavanttal ( 1096), Hermann Burggf. v. Magdeburg ( 1118);
    N Hzg. Heinrich IV. v. Kärnten ( 1123), Bischof Hartwig v. Regensburg ( 1126, s. NDB VIII), Engelbert (II.), Mgf. v. Istrien ( 1141);
    Groß-N EB Hartwig I. v. Bremen ( 1168, s. NDB VIII).

  • Leben

    Wohl wegen der geographischen Situation ihrer bis nach Istrien und Friaul reichenden Besitztitel waren die Sponheimer in Kärnten eifrige Anhänger der Kurie und aus innerer Überzeugung Förderer der klösterlichen Reformbewegung. H., zunächst Archicapellan des gleichfalls gut päpstlich gesinnten EB Siegfried von Mainz, ferner Kämmerer des dortigen Domkapitels und Propst des Stifts Sankt Marien zu Erfurt, verdankt seinen Aufstieg zum Erzbischof von Magdeburg der Empfehlung Papst Gregors VII., aufgrund deren er vom Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden am 7.8.1079 eingesetzt wurde. Er trat alsbald mit an die Spitze der sächsischen Opposition gegen Heinrich IV. und unterstützte den Gegenkönig. Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen mit Heinrich IV. und bei den Versuchen zur Beilegung des Konfliktes war H. meistens an führender Stelle beteiligt. Deshalb ließ Heinrich IV. 1085 auch den streitbaren Kirchenfürsten durch die Mainzer Synode absetzen. Bald darauf erschien der Kaiser in Magdeburg und bestellte für den in den dänischen Herrschaftsbereich jenseits der Elbe geflohenen H. den Hersfelder Abt Hartwig als Nachfolger. Doch mußte Heinrich IV. bereits nach 2 Monaten wieder weichen. Im weiteren Verlauf des Kampfes stand H. auf Seiten des neuen Gegenkönigs Hermann von Salm. Erst als Bischof Burchard von Halberstadt starb und Markgraf Ekbert II. von Meißen eine schwankende Politik einschlug, ging H. 1088 zur kaiserlichen Partei über. Er scheint dann eine ausgleichende Politik gegenüber dem neuen gregorianisch gesinnten Papst Urban II. versucht zu haben. Obwohl von der kaiserlichen Partei offenbar zum Teil mit Mißtrauen betrachtet, genoß H. zunächst das volle Vertrauen Heinrichs IV. Am 14.8.1089 durfte er sogar in Köln die 2. Ehe des Kaisers mit Adelheid (Eupraxia) einsegnen, sicher ein besonderer Beweis der kaiserlichen Huld. In den folgenden Jahren befand sich H. dann offenbar nicht mehr am Hofe. Nur 1099 tritt er noch einmal in der Umgebung des Herrschers hervor. Um so eifriger scheint er die klösterliche Reformbewegung unterstützt zu haben. Bereits bei der Einrichtung des mit Hirsauer Mönchen besetzten Familienklosters Sankt Paul im Lavanttal zwischen 1083 und 1091 wirkte H. als zweiter Stifter und Wohltäter mit. Ebenso treffen wir ihn bei der Stiftung von Pegau durch Wiprecht von Groitzsch 1096, wo gorzische Mönche aus Münsterschwarzach angesetzt wurden. In gleicher Weise hat er wohl in Sankt Peter in Merseburg, in Bursfelde, Lippoldsberg und Ilsenburg an den klösterlichen Reformen mitgewirkt. Besonders wichtig war es, daß er in dem erzbischöflichen Eigenkloster Berge bei Magdeburg 1098 aus Hirsau kommende Mönche einsetzte. Nicht von Erfolg begleitet scheint H. beim Versuch der Erwerburg der Schweinfurter Besitzungen der Gräfin Beatrix und ihrer Verwandten für sein Erzstift gewesen zu sein, obwohl er gegen den Willen seines Domkapitels einen Teil des Magdeburger Kirchenschatzes zur Erzielung des Kaufpreises einsetzte. Die vom 5.2.1100 vorliegende Erwerbsurkunde für Schweinfurt scheint jedenfalls nur für kurze Zeit Wirksamkeit besessen zu haben, da die Verkäufer offenbar von der darin enthaltenen Rückkaufsklausel Gebrauch machten.

  • Literatur

    ADB X;
    G. A. v. Mülverstedt, Über H., EB v. M., u. d. Schenkung v. Schweinfurt an d. Erzstift Magdeburg im J. 1100, in: Neue Mitt. a. d. Gebiet hist.-antiquar. Forschungen 10, 1, 1863;
    O. v. Heinemann, Auch einige Erll. zu d. Schenkungsurk. üb. Schweinfurt, ebd. 10, 2, 1864;
    F. Stein, Der Verkauf v. Schweinfurt an d. Erzstift Magdeburg im J. 1100, ebd. 13, 1874;
    G. Bode, Über d. Herkunft EB H.s usw., in: Gesch.bl. f. Stadt u. Land Magdeburg 3, 1868/69, S. 190 ff.;
    Jbb. d. Dt. Gesch., Heinrich IV. u. Heinrich V., bes. Bd. 5, S. 439;
    H. Witte, Über d. älteren Grafen v. Spanheim u. verwandte Geschlechter, in: ZGORh NF 11, 1896, S. 161-229;
    A. v. Jaksch, Eine Geneal. d. Kärntner Spanheimer u. d. ursprüngl. Traditionskodex v. St. Paul, in: MIÖG 6. Erg.Bd., 1901, S. 179-208;
    J. Schäfer, Die Personal- u. Amtsdaten d. Magdeburger Erzbischöfe, Diss. Greifswald 1908;
    G. Müller-Alpermann, Stand u. Herkunft d. Bischöfe d. Magdeburger Kirchenprov., Diss. Greifswald 1930;
    G. Lüpke, Die Stellung d. Magdeburger Erzbischöfe während d. Investiturstreits, Diss. Halle 1937;
    H. Jakobs, Die Hirsauer, 1961.

  • Autor/in

    Berent Schwineköper
  • Empfohlene Zitierweise

    , "Hartwig" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 12 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137525710.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hartwig, Erzbischof von Magdeburg, vorher Canonicus in Mainz und Propst in Goslar, Sohn des Grafen Siegfried von Spanheim, folgte in der erzbischöflichen Würde ein Jahr nach dem Tode seines am 7. August 1078 in der Schlacht bei Melrichstadt gefallenen Vorgängers Wernher. Durch Heinrichs IV. Gegner, König Rudolf, auf den erzbischöflichen Stuhl erhoben, war er in Niedersachsen nächst dem Bischofe Burchard von Halberstadt einer der eifrigsten Anhänger Gregors VII. und Widersacher Heinrichs. In der Schlacht bei Flarchheim (27. Januar 1080) kämpften Magdeburger auf Seiten König Rudolfs, und als Jahrs darauf (Februar 1081), nachdem Rudolf in der Schlacht an der Unstrut gefallen war, im Kaufunger Wald an der Weser die im Aufstande gegen König Heinrich begriffenen geistlichen und weltlichen Fürsten zusammenkamen, befand sich unter diesen auch Erzbischof H. Vier Jahre später (20. Januar 1085) begegnen wir ihm im thüringischen Dorfe Berkach, wo Abgesandte beider Parteien, Gregors und Heinrichs, erschienen waren, um das päpstliche und kaiserliche Schisma beizulegen. Nachdem diese Versammlung resultatlos verlaufen war, veranlaßte Heinrich die Legaten des Gegenpapstes Clemens III. eine Synode nach Mainz auszuschreiben, dem aber Gregors Legat, Otto, dadurch zuvorkam, daß er seine Anhänger im April 1085 nach Quedlinburg beschied. Auch hier war H. und zwar mit seinen Suffraganen erschienen. Als die Synode zu Mainz im Mai zusammengetreten war, wurden hier die fünfzehn Quedlinburger Bischöfe verdammt, und im Juli rückte Heinrich selbst mit einem Heeere nach Sachsen und schlug vor Magdeburg sein Lager auf. Als H. in Folge dessen sein Erzstift verlassen und sich nach Dänemark begeben hatte, setzte Heinrich an seine Stelle den Abt Hartwig von Hersfeld, der aber, sowie der Kaiser sich von Magdeburg entfernt hatte und der alte Erzbischof zurückgekehrt war, aus dem Sachsenlande vertrieben wurde. Jetzt stand H. wieder im Vordergrunde der Opposition gegen den König. Im folgenden Jahre (1086) sehen wir ihn mit den Gegnern Heinrichs gegen die kaiserlichen Schaaren nach Franken ziehen, wo die Magdeburger an der Schlacht bei Bleichfeld unweit Würzburg wesentlichen Antheil nahmen. Nachdem aber eine Hauptstütze der sächsischen Partei, Markgraf Ekbert, seinen Frieden mit Heinrich gemacht und ein Hauptgegner Heinrichs, Bischof Burchard von Halberstadt, gestorben war, söhnte sich auch H. mit dem Kaiser aus. Im August 1088 finden wir ihn urkundlich in der Gesellschaft des Kaisers, und mit seiner Zustimmung wird auch Markgraf Ekbert, der von Neuem die Waffen gegen den Kaiser erhoben hatte, auf dem Tage zu Quedlinburg geächtet, ja Papst Urban II. warnt sogar den Erzbischof, die Partei König Heinrichs zu ergreifen, während dieser ihm seinen Dank für die ihm bis jetzt bewiesene Anhänglichkeit ausspricht und von ihm auch fernere Unterstützung seiner Sache hofft. Von einer weiteren Theilnahme Hartwigs an den allgemeinen politischen Ereignissen Deutschlands wird nichts berichtet; die Nachrichten aus der späteren Zeit beziehen sich nur auf Vornahme geistlicher Handlungen. In das J. 1100 (5. Februar) fällt eine bedeutende Schenkung an das Erzstift, die früher der Markgräfin Beatrix gehörigen Güter zu Schweinfurt, Rheinfeld, Königshofen und Gleichen wurden von einem edlen Mann, vielleicht deren Sohn, unter gewissen Gegenleistungen dem Erzstift übergeben, doch scheint dieser Besitz nicht lange beim Erzstift geblieben zu sein. H. starb am 17. Juni 1102.

    • Literatur

      Die Quellen und Hülfsmittel zur Geschichte Erzbischof Hartwigs s. bei v. Mülverstedt, Regesta Archiepiscopatus Magdeburgensis, I. S. 311 ff. — Bode, Ueber die Herkunft Erzbisch. Hartwigs in den Magdeburger Geschichtsblättern, 1868, S. 190 ff.

  • Autor/in

    Janicke.
  • Empfohlene Zitierweise

    Janicke, Karl, "Hartwig" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 719-720 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137525710.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA