Lebensdaten
erwähnt 1309, gestorben nach 1346
Geburtsort
wohl Monheim/Niederrhein
Beruf/Funktion
Landmeister des Deutschen Ordens von Livland
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137429436 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Munheim, Eberhard von
  • Eberhard von Munheim
  • Eberhard von Monheim
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Monheim, Eberhard von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137429436.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Ursprüngl. wohl Ministeriale d. Grafen v. Berg, hatten d. M. offenbar nur in Monheim Besitz.

  • Leben

    Ort und Zeit von M.s Eintritt in den Deutschen Orden sind nicht überliefert, in den Quellen begegnet er sofort im Rang eines Gebietigers, und zwar 1309/13 als Komtur von Windau in Kurland und 1327 als Komtur von Goldingen, der führenden livländ. Komturei südlich der Düna. 1328 wurde er als Leiter einer livländ. Delegation zum Generalkapitel nach Marienburg und Elbing geschickt, wo – bei Wahrung der Rechte seiner bisherigen Komturei am Fischfang im Kurischen Haff – der Übergang der Komturei Memel vom livländ. an den preuß. Ordenszweig beschlossen und M. selbst zum neuen Meister von Livland bestimmt wurde.

    Gleich im folgenden Jahr konnte er zwar nicht verhindern, daß die heidnischen Litauer als Verbündete der innerlivländ. Ordensgegner unter ihrem Großfürsten Gedimin einen verheerenden Feldzug in das südliche Estland unternahmen, doch begann er anschließend im Oktober 1329 die Stadt Riga zu belagern, die 1297 den Orden aus seiner damaligen Burg innerhalb der Stadtmauern vertrieben hatte. Am 20.3.1330 ergab sich die Stadt der Ordensmacht. Im sog. Sühnebrief verpflichtete sie sich, dem Meister zu huldigen, die Hälfte der Gerichtsgefälle abzutreten, einem Ordensvertreter Sitz und Stimme im Rat zu gewähren und dem Bündnis mit den Litauern zu entsagen. Auffälligstes Zeichen der Ordensmacht wurde die Burg, die der Meister nicht mehr an der alten Stelle am Rigebach, sondern an der Nordwestecke der Stadt an der Düna sogleich zu errichten begann. Durch die Milderung einiger Bestimmungen des Sühnebriefs gelang es M., die Stadt für seine Politik auch dauerhaft zu gewinnen; der Umstand, daß der bisherige Stadtherr, Erzbischof Friedrich v. Pernstein (1304–41), seit vielen Jahren an der Kurie weilte, um gegen den Orden zu prozessieren, kam M. dabei entgegen. Während Kaiser Ludwig IV. 1332 die neuen Herrschaftsverhältnisse in Riga anerkannte, unterstützte die Kurie die Ansprüche des Erzbischofs, der in diesen Jahren zusätzlich behauptete, Lehnsherr des Meisters zu sein, nachdem es bisher nur um einen kirchenrechtlichen Treueid gegangen war. Doch ließ sich M. dadurch wenig beeindrucken, so daß es auch über seine Amtszeit hinaus bei den 1330 erzielten Machtverhältnissen blieb.

    Mit dem Neubau der Burg Riga führte M. den viertürmigen regelmäßigen Kastellbau in Livland ein. Vom Grundriß her waren die preuß. Konventshäuser des frühen 14. Jh. Vorbild, doch wurde statt des Backsteins Haustein verwandt. Zur militärischen Sicherung des Landes veranlaßte der Meister eine Verstärkung des Burgennetzes vor allem im Süden durch die Burgbauten von Doblen, Mitau und Terweten, wo die Litauergefahr am größten war. Während M.s Amtszeit hat es nur noch kleinere kriegerische Auseinandersetzungen mit Litauen und Pleskau gegeben. In seine Zeit fallen die Anfänge der diplomatischen Bemühungen eines Erwerbs von Nordestland, der aber erst seinen Nachfolgern gelang. 1340 ließ sich M., nachdem er die Stellung des livländ. Ordenszweiges nach innen und außen hatte stärken können, aus Altersgründen von seinem Amt entbinden. Er kehrte vermutlich gleich in seine niederrhein. Heimat zurück und war noch bis 1346 Komtur von Mecheln, das zur Ballei Koblenz gehörte.

  • Literatur

    ADB 23 (unter Munheim);
    R. Baron v. Toll, Est- u. Livländ. Brieflade 3: Chronol., hrsg. v. Ph. Schwartz, 1879, S. 39-41;
    L. Arbusow, Die im Dt. Orden vertretenen Geschlechter, in: Mitauer Jb. f. Geneal., Heraldik u. Sphragistik, 1899, S. 77;
    ders., Grundriß d. Gesch. Liv-, Est- u. Kurlands, 41918;
    A. Tuulse, Die Burgen in Estland u. Lettland, 1942;
    Ritterbrüder im livländ. Zweig d. Dt. Ordens, hrsg. v. L. Fenske u. K. Militzer, 1993, Nr. 594.

  • Autor/in

    Bernhart Jähnig
  • Empfohlene Zitierweise

    Jähnig, Bernhart, "Monheim, Eberhard von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 35 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137429436.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Munheim: Eberhard von M. (Monheim), Ordensmeister in Livland 1328—1340. Er hatte sich bereits als Comthur in Curland rühmlich gegen die Lithauer hervorgethan, bevor er auf dem Generalcapitel zu Elbing zum Ordensmeister in Livland erwählt wurde. Als solcher beendete er zunächst den langen Krieg, der seit 30 Jahren zwischen dem Orden und Riga, vor allem wegen Dünamünde schwebte, das den für die Stadt so wichtigen Zugang zum Meere beherrschte und das der Orden an sich gebracht hatte. Als 1328 rigasche Bürger Dünamünde wieder verbrannten, und dann den Landesfeind, die heidnischen Lithauer zu Hülfe riefen, welche weit und breit das Ordensgebiet verheerten und mit großer Beute heimkehrten, da lagerte sich, wahrscheinlich im Herbst 1329, der Ordensmeister vor Riga. Alle Hülfsrufe, welche die Stadt in die Ferne ergehen ließ, waren vergebens, es kam kein Entsatz, das Ordensheer aber wich den ganzen Winter nicht von der Mauer. Da brach Hungersnoth in der Stadt aus. Wol erlaubte der Meister wiederholt den armen Leuten hinauszuziehen und sich Brod zu holen, bald aber stieg die Noth so hoch, daß die Stadt die Gnade des Meisters anflehte und sich ihm ergab, den 20. März|1330. Die Stadt mußte auf zahlreiche Vorrechte verzichten, doch suchte sie der Meister bald wieder zu versöhnen, indem er ihr eine Reihe der wichtigsten alten Privilegien noch in demselben Jahre 1330 von Neuem bestätigte. Um sich die Herrschaft über Riga zu sichern, legte am 13. Juni dieses Jahres auf einem von der Stadt abgetretenen Platz Meister Eberhard eigenhändig den Grundstein zu dem neuen Ordensschloß, und der Kaiser verlieh bald darauf dem Orden die volle Landeshoheit über die Stadt, deren Gebiet und Bewohner. — Nachdem Riga bezwungen, wandte sich der Meister gegen die Bundesgenossen der Stadt, die Lithauer. Tief drang er in den folgenden Jahren von Norden in Lithauen ein, bis in die Nähe von Wilna zog das livländische Ordensheer, während zugleich die Brüder aus Preußen nach Westen ins lithauische Schamaiten, die Landschaft, welche beide Ordensgebiete trennte, vorgingen. Es waren Jahre besonders glücklicher Kriege des Ordens gegen die Heiden, und der Meister hatte an denselben ebenso großen wie ehrenvollen Antheil. Um die Südgrenze des Landes zu sichern, befestigte er 1335 Doblen und 1339 in einem bitterkalten Winter Terweten. Auch gegen die Russen von Pleskau führte er glückliche Kriege. Nachdem er zwölf Jahre als einer der tüchtigsten Meister, die Livland gekannt, sein Amt geführt hatte, legte er dasselbe wegen vorgerückten Alters nieder und schloß sein Leben als Comthur von St. Cathrinen bei Cöln a/Rh.

    • Literatur

      Bunge, die Stadt Riga. 1878. — Joh. Renner, Livländische Historien, herausgeg. von Hausmann und Höhlbaum. 1876.

  • Autor/in

    Hausmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hausmann, Richard, "Monheim, Eberhard von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 12-13 unter Munheim [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137429436.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA