Lebensdaten
1853 bis 1925
Geburtsort
Verden/Aller
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
Industrieller ; Vorstandsmitglied der "Continental-Caoutchouc-& Gutta-Percha-Compagnie"
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 136863078 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seligmann, Siegmund

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Zitierweise

Seligmann, Siegmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136863078.html [18.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Samuel ( vor 1883), Kleinhändler in V.;
    M Johanna Löwenstein ( n. 1883), Kleinhändlerin;
    3 Schw;
    Solingen 1883 Johanna Coppel (1861–1949), aus Solingen, T d. Gustav Coppel (1830–1914), Stahlwaren- u. Röhrenfabr., gründete e. Röhrenfabrik in Solingen, Mäzen, Ehrenbürger d. Stadt Solingen, u. d. Fanny Katzenstein (1836–1922);
    1 S Edgar (1884–1939, seit etwa 1914 ev.), Dr. iur., bis 1929 Dir. d. Continental Gummiwerke AG in H., 1921–29 Vorstands-, 1929–33 Aufsichtsratsmitgl. ebd., emigrierte 1938 in d. Schweiz (s. Wenzel; BHdE I); Schwager Carl Gustav Coppel (1857–1941 Freitod), Kaufm., Teilh. d. Fa. Alexander Coppel, Alexander Coppel (1865–1942), beide aus Solingen, Dr. iur., Untern., Röhrenfabr., Teilh. d. Fa. Alexander Coppel, Stahlrohrwerke in Solingen u. Hilden, Aufsichtsratsmitgl. d. Continental-Caoutchouc- & Gutta-Percha-Comp. in H. (s. Wenzel; Rhdb.);
    E Claudio Seleguan (* 1915), kaufm. Dir. in Argentinien, Ingeborg (* 1918, ⚭ Hans Frhr. v. Godin, * 1918, RA in München), Auslandskorr. in München, Ellen-Carola Suter (* 1931), Übers.

  • Leben

    Nach dem frühen Tod des Vaters, dessen Lederwarenhandel von der Mutter weitergeführt wurde, wuchs S. in Verden auf, wo er am Domgymnasium die mittlere Reife erwarb. In Harburg b. Hamburg absolvierte er eine kaufmännische Lehre in einem Einzelhandelsgeschäft, an deren Ende er die ihm angebotene Teilhaberschaft ausschlug und in das hann. Bankhaus Magnus wechselte. Dieses war ein Hauptkreditgeber für die 1871 gegründete „Continental-Caoutchouc- & Gutta-Percha-Compagnie“, die Verluste schrieb. Aufgrund einer von S. 1876 durchgeführten Prüfung der Geschäftsunterlagen stellte die Bank weiteres Kapital zur Verfügung und veranlaßte zugleich S.s Eintritt in die Aktiengesellschaft, wo er im selben Jahr Prokura erhielt und 1879 zum kaufmännischen Direktor ernannt wurde. Mit dem Chemiker Adolf Prinzhorn (1834–1913) als technischem Direktor bildete S. bis zu dessen Ausscheiden 1905 den zweiköpfigen Vorstand, der seit 1907 nach und nach erweitert wurde. 1892 nahm die Continental als erstes dt. Unternehmen die Produktion von Fahrrad- und 1898 von Automobilluftreifen auf und hatte teilweise auch eine Vorreiterrolle auf den Weltmärkten inne, z. B. bei der weltweit ersten Herstellung von Profilreifen 1904. Über das Reifengeschäft entwickelten S. und|Prinzhorn die Continental zum mit Abstand größten Unternehmen der dt. Gummibranche, das zudem neben „Dunlop“ und „Michelin“ zu den weltweit tätigen Unternehmen der Reifenindustrie zählte. 1913 erwirtschafteten etwa 11 600 Mitarbeiter rund 120 Mio. Mark Jahresumsatz. 1903–06 ließ S. sich eine repräsentative Jugendstilvilla durch Hermann Schaedtler (1857–1931) erbauen, die 1931 von seiner Witwe der Stadt Hannover geschenkt wurde. Die Villa diente zwischenzeitlich als Standort der Hochschule für Musik und Theater und beherbergt seit 2008 das der Hochschule angegliederte Europäische Zentrum für Jüdische Musik, welches von der 2006 gegründeten „Siegmund Seligmann-Stiftung“ getragen wird.

    S. galt als kaisertreu und liberal, engagierte sich jedoch nicht parteipolitisch. Auch in seinem letzten Lebensjahrzehnt, als die Continental infolge der durch den 1. Weltkrieg verlorenen Märkte und die problematische Kautschukversorgung unter wirtschaftlichen Druck geriet, blieb S. Vorstandsmitglied. Zunehmend traten auch neue Führungskräfte in die Verantwortung, unter ihnen S.s Sohn Edgar. Aufgrund ihres jüd. Glaubens mußten Witwe und Sohn während des Nationalsozialismus in die Schweiz emigrieren. In den 1935 und 1941 erschienenen Auflagen der unternehmenseigenen Werbeschrift „Gummi und Continental, Geschichte eines Rohstoffes und eines Werkes“ wurden S. und seine Bedeutung für die Continental nicht erwähnt.

  • Auszeichnungen

    KR (1905); GKR (1914); Dr. iur. E. h. (TH Hannover 1921); Ehrenbürger d. Stadt Hannover (1923); Vors. d. Centralver. d. dt. Kautschukindustrie; S.Allee Hannover (1962); S. S.-Stiftung (2006).

  • Literatur

    W. Treue, Gummi in Dtld., Die dt. Kautschukversorgung u. Gummi-Ind. im Rahmen weltwirtschaftl. Entwicklungen, 1955, bes. S. 36–42 u. 63–68 (P);
    H. Th. Schmidt, in: Leben u. Schicksal, Zur Einweihung d. Synagoge in Hannover, 1963, S. 102–10 (P);
    ders., Continental, Ein Jh. Fortschritt u. Leistung 1871–1971, 1971;
    H. Ch. Gf. v. Seherr-Thoss, Die dt. Automobilind., 21979, S. 25 u. ö.;
    W. R. Röhrbein, Jüd. Persönlichkeiten in Hannovers Gesch., 1998, S. 113–16 (P);
    P. Erker, Vom nat. z. globalen Wettbewerb, Die dt. u. d. amerik. Reifenind. im 19. u. 20. Jh., 2005;
    Hann. Biogr. Lex. (P).

  • Portraits

    P Ölgem. v. M. Liebermann, 1910 (Villa Seligmann, Hannover), Abb. in: Leben u. Schicksal (s. L), S. 104.

  • Autor/in

    Alexander Engel
  • Empfohlene Zitierweise

    Engel, Alexander, "Seligmann, Siegmund" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 222-223 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136863078.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA