Lebensdaten
wohl zwischen 1125 und 1130 bis 1191
Sterbeort
Herdern bei Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Bischof von Lüttich
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136456383 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rudolf von Zähringen
  • Rudolf
  • Rudolf von Zähringen
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Zitierweise

Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136456383.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Zähringer;
    V Konrad (um 1100–52), Hzg. v. Zähringen (s. NDB XII), S d. Berthold II. (um 1050/55-1111), (Gegen-)Hzg. v. Schwaben 1092-98 (s. NDB II), u. d. Agnes (n. 1062-1111);
    M Clementia (um 1109–58), T d. Gottfried (um 1067/68-1139), Gf. v. Namur;
    Ur-Gvm Rudolf v. Rheinfelden (* um 1020/30-80), röm.-dt. (Gegen-)Kg. 1077-80, Hzg. v. Schwaben 1057-77/79 (s. NDB 22);
    Om Heinrich d. Blinde (um 1113–96), Gf. v. Namur u. Luxemburg;
    Geschw Berthold IV. ( 1186), Hzg. v. Zähringen (s. NDB II), Adalbert I. ( 1193/1214), Hzg. v. Teck, Hugo ( 1186/1214), Hzg. v. Ullenburg, Clementia ( 1173/77, 1] 1147/50 1162 Heinrich d. Löwe, 1129/30-95, Hzg. v. Sachsen u. Bayern, s. NDB VIII, 2] Humbert III., 1189, Gf. v. Savoyen-Maurienne).

  • Leben

    Für die geistl. Laufbahn vorgesehen, besuchte R. die Kathedralschule in Mainz und wurde nach dem gewaltsamen Tod Ebf. Arnolds 1160 von den Bürgern der Stadt zu dessen Nachfolger erhoben. Ks. Friedrich I. erkannte jedoch diese Wahl nicht an, da er wegen der traditionell schlechten Beziehungen zu den Zähringern deren Macht durch den Pontifikat R.s in dem bedeutsamen Bistum nicht verstärkt sehen wollte. 1161 wurde R. auf der Synode von Lodi durch den ksl. Gegenpapst Victor IV. abgesetzt; daraufhin sandte ihn sein Bruder Hzg. Berthold IV. mit der Bitte um Unterstützung seines Anliegens bei Papst Alexander III. zu Kg. Ludwig VII. von Frankreich.

    Im Zuge der Entspannung zwischen Staufern und Zähringern um die Mitte der 60er Jahre gelang R. unter Vermittlung seines Onkels Gf. Heinrich v. Namur im Herbst 1167 als Entschädigung für die erlittene Kränkung die Erhebung zum Bischof von Lüttich durch Friedrich Barbarossa. 1168 nahm er, inzwischen zu den Gegnern Papst Alexanders III. zählend, im Dienst des Kaisers an einer großen Gesandtschaft zu Kg. Ludwig VII. von Frankreich und Kg. Heinrich II. von England teil.

    Den territorialpolitischen Zielen Hzg. Bertholds IV. im Raum zwischen Mosel und Lüttich kam die neue zähring. Position sehr gelegen; 1171 konnte er den Übergang Trierer Kirchenlehen aus dem Besitz seines Onkels Heinrich v. Namur auf sich und dessen Sohn vertraglich regeln. Als sich die Stellung der Zähringer in Niederlothringen in den 80er Jahren verschlechterte, da Friedrich I. dort die territorialen Interessen Gf. Balduins V. v. Hennegau unterstützte, verfolgte R. weiter das Interesse seiner Familie am Bistum Lüttich, indem er seinem Großneffen Konrad v. Urach 1184 ein Kanonikat an der dortigen Kathedrale St. Lambert verschaffte (das damit verbundene Ziel der Nachfolge Konrads im Bistum wurde später jedoch nicht erreicht). 1187 sicherte er durch eine Anniversarstiftung für seine Familie in der Lütticher Kirche St. Jakob die zähring. Memoria.

    In seinem Bistum war R. bestrebt, die Güter des Hochstifts zu schützen, was ihm, z. T. mit militärischem Einsatz (Feldzug gegen d. Gf. v. Looz 1179), gelang. Als Kirchenmann sah er sich in massiver Weise dem Vorwurf der Simonie ausgesetzt. Vielleicht gehört in diesen Zusammenhang sein Brief an Hildegard von Bingen, die er um Gebetshilfe wegen seiner Sündenlast bat. 1188 nahm R. unter dem Eindruck der Lütticher Predigt Kardinal Heinrichs von Albano das Kreuz und zog am 11.5.1189 im Gefolge Friedrichs I. in das Hl. Land, wo er sich an der Belagerung Akkons beteiligte. Auf dem Rückweg im Sommer 1191 starb er auf seinem Hofgut in Herdern bei Freiburg und fand seine letzte Ruhe im zähring. Hauskloster St. Peter. Von R. stammt wahrscheinlich die in Freiburg verwahrte Reliquie des Lütticher Heiligen Lambert, der zum Patron der Stadt wurde. Auch das sog. Krönungsrelief in dem von Hzg. Berthold V. veranlaßten Bau des Freiburger Münsters scheint als Memorialbild auf die Initiative R.s zurückzugehen.

  • Literatur

    J.-L. Kupper, Raoul de Zähringen, évêque de Liège 1167-1191, 1974;
    ders., R., Bf. v. Lüttich (1167–1191), Ein Zähringer im Maasraum, in: Die Zähringer in d. Kirche d. 11. u. 12. Jh., 1987;
    A. Reinle, Zur Deutung d. roman. Krünungsreliefs im Münster zu Freiburg im Breisgau, in: Die Zähringer, Schweizer Vortrr. u. neue Forschungen, hg. v. Karl Schmid, 1990, S. 309-39;
    U. Parlow, Die Zähringer, Kommentierte Qu.dok. zu e. südwestdt. Hzg.geschl. d. hohen MA, 1999.

  • Autor/in

    Thomas Zotz
  • Empfohlene Zitierweise

    Zotz, Thomas, "Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 176-177 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136456383.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Rudolf von Zähringen, Bischof von Lüttich, war der dritte Sohn Herzog Konrad's ( 1152) von Zähringen und Clementia's ( 1158), der ältesten Tochter des Grafen Gottfried von Namur. Seine Geburt fällt wohl in die Jahre zwischen 1125 und 1130. Von seiner Jugend ist nichts bekannt. Seine erste urkundliche Erwähnung gehört ins Jahr 1152. Nach der Ermordung des Mainzer Erzbischofs Arnold von Seelenhofen durch die aufständischen Bürger (24. Juni 1160) trat R. in's politische Leben ein. Wohl in der Hoffnung, daß ein Mitglied des hochangesehenen Geschlechtes sie am ehesten vor den Folgen ihres Frevels schützen könnte, zwangen die Mainzer die Geistlichkeit, R. zu wählen, waren auch damit einverstanden, daß er den Kirchenschatz zu Gelde machte, da er ganz mittellos war. Aber er vermochte weder den Kaiser noch den Papst für sich zu gewinnen. Jener trug Bedenken, die Macht der Zähringer so wesentlich zu vermehren, wobei zu beachten ist, daß Herzog Heinrich der Löwe von Sachsen und Baiern Rudolf's Schwester Clementia zur ersten Frau hatte. Papst Victor erklärte die Wahl auf der Synode zu Lodi (20. Juni 1161) für nichtig. Es nützte gar nichts, daß R. kirchenpolitisch zur Gegenpartei überging und durch seinen Bruder Herzog Berthold IV. auf König Ludwig VII. und durch diesen wieder auf Papst Alexander III. einzuwirken suchte. R. theilte auch längere Zeit die Verbannung Alexander's ohne daß darüber Näheres bekannt wäre. Als sich allmählich die Beziehungen zwischen Staufern und Zähringern besserten, kam auch R. wieder für einen Bischofsstuhl in Betracht. Am 9./10. August 1167 starb Bischof Alexander von Lüttich. Rudolf's Mutterbruder, Graf Heinrich von Namur und Lützelburg, sowie Graf Balduin IV. von Hennegau, Gemahl einer Schwester seiner Mutter, setzten die Wahl ihres Verwandten durch und es erfolgte weder von kaiserlicher noch von päpstlicher Seite Widerspruch. Der genaue Zeitpunkt, der Wahl ist nicht überliefert, dürfte aber vor den 1. December fallen. In weltlichen Angelegenheiten spielte R. keine stark hervortretende Rolle. 1168 nahm er an einer kaiserlichen Gesandtschaft nach England Theil. Sehr bald wurden seine Beziehungen zu Friedrich I. bestimmt durch die Namurer Erbschaft. Es war anzunehmen, daß der schon erwähnte Graf Heinrich kinderlos sterben würde, und den Ansprüchen der Zähringer standen die der Hennegauer gegenüber. Sobald der Kaiser seine Gunst dem hennegauischen Grafen Balduin V., seit 1180 Schwiegervater des Königs Philipp II. August von August, zuwandte, weil er in ihm den geeignetsten Vertreter des deutschen Reichsinteresses an der Westmark sah, trieb er damit den Lütticher in das gegnerische Lager. R. gehörte daher zu den Anhängern des Kölner Erzbischofs Philipp, als dieser sich dem Kaiser widersetzte, näherte sich aber bald darauf Friedrich wieder und wohnte in dessen Gefolge der bedeutsamen Besprechung mit Philipp August zwischen Ipsch und Mouzon (December 1187) bei. Der Schlüssel zu der schwankenden Haltung Rudolf's in den Angelegenheiten des Reichs liegt wohl in seiner Persönlichkeit und in seinem rein äußerlichen Verhältniß zum kirchlichen Amt. Er besaß einen scharfen Verstand und war in weltlichen Dingen recht erfahren, aber sein großer Fehler war der Starrsinn, der ihn fremden Rath verachten und immer versuchen ließ, den eigenen Kopf durchzusetzen. Da er in seinen politischen Unternehmungen kein Glück hatte, sah er seine bischöfliche Würde als bloße Gelegenheit zur Bereicherung an und gab sich schnöder Habsucht hin. In vornehmer Blasirtheit duldete er es, daß ein Fleischer Udelin geistliche Pfründen auf dem Markte zu Lüttich an den|Meistbietenden verkaufte. Die Simonie war jedoch nicht das einzige Laster, das die Lütticher Diöcese befleckte. Zahlreiche Welt- und Klostergeistliche lebten in offenkundigem Konkubinat. Die Mißbräuche waren so himmelschreiend, daß ein kühner Volksprediger, Lambert le Bègue, auf den die Beginen zurückzuführen sind, mit seinem scharfen Verdammungsurtheil großen Beifall fand. Der Klage der geschädigten Geistlichen nachgebend ließ ihn R. verhaften, aber Lambert erreichte es, vor den Papst gestellt zu werden und erhielt von diesem die Erlaubniß, weiter zu predigen. Für den Bischof war es sicher sehr bequem, daß der unerschrockene Sittenverbesserer 1187 (?) starb. Aus der sonstigen Wirksamkeit Rudolf's in Lüttich ist wenig überliefert. Daß er an der Erhebung der Gebeine der heiligen Trudo und Eucherius (1169) und an der des heiligen Domitian (1173) den seiner Würde entsprechenden Antheil nahm, bedeutet nicht viel. Sein nicht datirter Erlaß gegen Kirchenraub und Brandstiftung (Martène et Durand, Thesaurus 1, 492) wäre mit anderen ähnlichen zu vergleichen, um richtig eingeschätzt zu werden. In einer Fehde gegen den Grafen von Looz (1180) wurden von den bischöflichen Kriegern sechzehn Kirchen eingeäschert! Rudolf's Brief an die Aebtissin Hildegard von Bingen, die ihm in seinen inneren Nöthen helfen sollte, brachte ihm eine ganz allgemein gehaltene Antwort. Da bot ihm, wie so vielen, der bevorstehende Kreuzzug willkommene Gelegenheit, sein Gewissen zu beruhigen. Der Cardinal Heinrich von Albano, in dem sich die ideale Kreuzzugsbegeisterung verkörperte, kam im März 1188 selbst nach Lüttich, predigte gewaltig gegen die Simonie und bewog zahlreiche Pfründner, dem zu Unrecht erworbenen Gute zu entsagen. R. hätte bei seinem schroffen Wesen den Cardinal kaum gewähren lassen, wenn ihn nicht Graf Balduin V. von Hennegau begütigt hätte. Der Bischof gab infolgedessen seine Einwilligung zu dem, was er doch nicht hindern konnte, und nahm auf dem berühmten „Hoftage Christi“, am 27. März 1188, zu Mainz das Kreuz. In der Begleitung des Kaisers wird er während des Zuges noch einige Male genannt, gelangte auch anscheinend in das Lager vor Akkon, aber von seinen Thaten weiß man nichts. Auf der Heimreise begriffen, rastete er in dem ihm gehörigen Dorfe Herdern im Breisgau und starb hier, aber nicht an Gift, wie später behauptet wurde, am 5. August 1191. Beigesetzt wurde er in der Familiengruft zu St. Peter auf dem Schwarzwalde. R. war weder eine hervorragende, noch eine anziehende Persönlichkeit: man erkennt an ihm so recht deutlich den Widerspruch, der in der geistlich-weltlichen Stellung eines reichsfürstlichen Bischofs aus großem Hause lag. Bedeutendes hat er nicht geleistet, nur durch seine Verfolgung Lambert's dazu beigetragen, das Aufkommen einer Reformbewegung in der Lütticher Gegend zu hindern oder wenigstens zu verlangsamen.

    • Literatur

      Die wichtigsten Quellen sind Gislebert von Mons; Vita b. Odiliae in den Analect. Boll. 13 (1894), 197 ff.; Gilg von Orval; die Lütticher Annalen des Lambertus Parvus; die Abtschronik von Saint-Trond; Alberich von Troisfontaines. Regesten hat E. Schoolmeesters im Bulletin de la Soc. d'art et d'hist. de Liège 1 (1881) veröffentlicht. Sie blieben August Guntermann in seiner Freiburger Dissertation: Rudolf von Zähringen, Bischof von Lüttich, Bühl 1899, unbekannt. Nachweise über Lambert le Bègue s. in der Realencyclop. f. prot. Theol. Bd. 11 (1902) von Herm. Haupt. Vgl. auch U. Chevalier, Bio-Bibliographie 2, 4039.

  • Autor/in

    A. Cartellieri.
  • Empfohlene Zitierweise

    Cartellieri, Alexander, "Rudolf" in: Allgemeine Deutsche Biographie 53 (1907), S. 584-585 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136456383.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA