Lebensdaten
1687 bis 1759
Geburtsort
Bologna
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Architekturmaler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 135964687 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fanti, Ercole Antonio Gaetano
  • Fanti, Giovanni Gaetano
  • Fanti, Ercole Gaetano
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Zitierweise

Fanti, Gaetano, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd135964687.html [13.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    Katharina ( 1747), T d. Architekturmalers Marcantonio Chiarini (1652–1730), d. 1709-26 in W. u. a. f. Prinz Eugen tätig war (s. ThB);
    S Vinzenz Anton Jos. (1719–76), Maler, Mitarbeiter s. V u. Nachf. als Vorstand d. Liechtenstein. Gem.gal. (s. ADB VI; ThB).

  • Leben

    Die frühesten Arbeiten, welche erwähnt werden, sind die Dekorationen des Porchettafestes in Bologna, welche F. 1712-14 malte. Vermutlich über Vermittlung seines Schwiegervaters und Lehrers Chiarini wurde F. 1715 von Prinz Eugen nach Wien berufen. Als Architekturmaler führte er die Umrahmungen vieler Barockfresken aus. Mit Chiarini arbeitete er 1716 im Unteren Belvedere in Wien an der Seite Martin Altomontes. Im gleichen Jahr führte er in Stift Melk Architekturmalereien für Fresken J. M. Rottmayrs aus, eine Arbeit, die lange Zeit in Anspruch genommen haben dürfte. 1720 finden wir ihn wieder im Oberen Belvedere in Wien, wo er mit Carlo Carlone arbeitete und einen Gartensaal schmückte. Zwei Jahre später war er mit Bartolomeo Altomonte in Schloß Mirabell in Salzburg beschäftigt. Nach 1723 fallen die Arbeiten im Questenburg-Kaunitz-Palais in Wien, wo er mit Chiarini im Bibliothekssaal Scheinarchitektur mit Putten malte. Diese Arbeitsgemeinschaft bestand noch bei der Ausschmückung der Sala Terrena im Trautsonpalais, wo die beiden Künstler ein ornamental-architektonisches Deckenbild schufen. 1725-36 finden wir F. an der Seite der großen Freskanten, mit Rottmayr in der Wiener Karlskirche (selbständige Arbeiten in den 4 Gewölbebogen), 1729-30 mit dem gleichen Künstler in der Stiftskirche in Klosterneuburg, 1731/32 mit Paul Troger in Melk (Marmorsaal und Bibliothek). 1733-36 kam er mit B. Altomonte und D. Gran nach Brünn, um dort im Landhaus zu malen. 1744-45 kehrte er nach Stift Melk zurück und schmückte dort mit P. Troger weitere Räume (ehemalige Koloman-Kapelle). In seinen letzten Lebensjahren stand er der Liechtensteinschen Gemäldegalerie in Wien vor. – F. gehört mit Chiarini, M. Franceschini und dem Theatralingenieur Antonio Beduzzi zu jenen Künstlern aus Bologna, die in der Entwicklung der österreichischen Barockmalerei eine nicht unbedeutende, aber vielleicht retardierende Rolle spielten. F. kennt das Werk Andrea Pozzos „Perspectiva pictorum“ (2 Bände, Rom 1693/98), greift aber selbst wohl auf Gaulli (Bacciccio) zurück, für dessen Schüler Martin Altomonte er ja|in Wien arbeitete. Die Scheinarchitektur F.s hat eine dienende Funktion gegenüber der figuralen Malerei, von der sie sich reinlich trennt. Als Ausdruckselement war diese Malerei nicht gedacht, sie bildete eine Stufe der Entwicklung, welche bald durch jene Freskanten (wie P. Troger) überwunden wurde, die eines italienischen Architekturmalers nicht mehr bedurften und in ihren himmlischen Visionen ohne Scheinarchitektur auskamen.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. v. Bologna, Florenz, Wien (1752 Honorarius d. Wiener Ak. d. Bildenden Künste).

  • Werke

    Weitere W u. a. Kopie d. Himmelfahrtsbildes v. Rubens f. d. Hochaltar v. Feldsberg/Mähren (heute in Liechtensteinschem Besitz).

  • Literatur

    ADB VI;
    L. Crespi, Vite dei pittori Bolognesi, Rom 1769, S. 225;
    J. Schlager, Materialien z. österr. Kunstgesch., in: Archiv f. Kde. österr. Gesch.qu., 1850, H. 4, S. 718;
    K. Drexler, Das Stift Klosterneuburg, 1891, S. 41;
    A. Ilg, Fischer v. Erlach, 1895, passim u. bes. S. 781 f.;
    F. Pirckmayr, Notizen z. Bau- u. Kunstgesch. Salzburgs, 1903;
    Mbl. d. Wiener Altertumsver. 23, 1906, S. 19 f.;
    A. Prokop, Die Mgfsch. Mähren, 1908, S. 10, 23, 285;
    Österr. Kunsttopogr. III, 1909, XIII, 1914, S. 180 ff.;
    H. Hammer, Deckenmalerei in Tirol, in: Stud. z. dt. Kunstgesch., H. 159, 1912, S. 294;
    M. Dvořák, Zur Entwicklungsgesech. d. barocken Deckenmalerei in Wien, = Österr. Kunstbücher 1/2, 1920. passim;
    K. Blauensteiner, Die Malerei u. Bildnerei in Wien … v. 1690–1780, in: K. Ginhart, Die Bildende Kunst in Österreich, Barock und Rokoko, 1939, S. 104, passim;
    A. Grisebach, Die Kunst d. dt. Stämme u. Landschaften, 1946;
    H. Tintelnot, Die barocke Freskomalerei in Dtld., 1951, S. 83, 98, 193, 302;
    G. Dehio, Die Kunstdenkmäler Österreichs, Salzburg, Tirol und Vorarlberg, 1943, S. 50, Niederösterreich, 31953, S. 153, 213 ff.;
    J. R. Füßli, Künstlerlex. I, Zürich 1779, II, 1806;
    ThB.

  • Portraits

    Selbst-P (Florenz, Uffizien).

  • Autor/in

    Joseph Zykan
  • Empfohlene Zitierweise

    Zykan, Joseph, "Fanti, Gaetano" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 23-24 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135964687.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Fanti: Ercole Gaetano F., geb. zu Bologna 1687, gest. zu Wien am 27. September 1759, nimmt unter den Architekturmalern des Barockstiles einen hervorragenden Platz ein; er gehört jener Gattung von Künstlern an, welche, wie die Mitglieder der Künstlerfamilien Galli-Bibienna und Quaglio, die Architektur nicht erlernten, um sie praktisch auszuüben, sondern nur um sie in ihren größtentheils decorativen Zwecken gewidmeten Gemälden stilgerecht zur Darstellung zu bringen. Nachdem sich F. bei Chiarini in der Malkunst und bei Trogoli in der Architektur ausgebildet hatte, malte er einige Zeit hindurch Theaterdecorationen und zählte bald zu den bedeutendsten Architekturmalern Italiens. Sein zunehmender Ruf verschaffte ihm die Professorstelle für Perspective an der Clementinischen Akademie zu Bologna. Doch wirkte er dort nur sehr kurze Zeit, da ihn der kunstsinnige Eugen von Savoyen 1714 nach Wien berief. Prinz Eugen baute um jene Zeit seinen Palast in Wien und das Sommerlustschloß Belvedere; Fanti's Aufgabe war es nun, dem Leiter dieser Bauten, dem Architekten Johann Lucas v. Hillebrand, mit welchem er in Italien schon Freundschaft geschlossen, beizustehen und später die Innendecoration dieser Baulichkeiten auszuführen. Von seiner Hand ist das architektonische Beiwerk zu Carlo Carlone's Fresken in der Vorhalle des Belvedere, auch malte er die Architektur zu den unter Chiarini's Leitung entstandenen Fresken im heutigen Copirsaale. Durch diese Leistungen, wie auch durch sein Frescogemälde im Bibliotheksaale des Stiftes Melk, lenkte er die Aufmerksamkeit des Hofes auf sich und er erhielt endlich den Auftrag, Daniel Gran bei der Ausschmückung der Kuppel im Saale der Hofbibliothek behilflich zu sein. Bei dieser Arbeit konnte er seine Kunstfertigkeit vollkommen zur Geltung bringen, noch mehr aber entfaltete er sein eminentes Talent für die Perspectivmalerei in dem architektonischen Frescogemälde der Karlskirche in Wien. Diese Arbeit, die F. in den J. 1727—29 ausführte und für welche er ein Honorar von 2300 Gulden bezog, erbringt uns einen imponirenden Beweis von des Meisters großartiger Bedeutung auf seinem Gebiete. Nach Prinz Eugens Tod wurde F. Inspector (Director) der fürstlich Liechtenstein'schen Gemäldegalerie zu Wien, in welcher Eigenschaft er bis an sein Lebensende thätig blieb. F. war Mitglied der Wiener und der toscanischen Akademie der Künste und am 14. Juni 1750 ernannte ihn die Clementinische Akademie zu Bologna „per essere egli molte eccellente nella architectura, e in altro“ zu ihrem Ehrenmitgliede.

    • Literatur

      Archiv der Akademie zu Bologna. K. k. Hofkammerarchiv. Todtenprotokoll der Stadt Wien vom J. 1759.

  • Autor/in

    K, á, bdebo.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kábdebo, Heinrich, "Fanti, Gaetano" in: Allgemeine Deutsche Biographie 6 (1877), S. 567 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd135964687.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA