Lebensdaten
1901 bis 1977
Geburtsort
Crailsheim (Württemberg)
Sterbeort
Chur (Schweiz)
Beruf/Funktion
Biochemiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 133051684 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lindner, Fritz
  • Lindner, F.

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Zitierweise

Lindner, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133051684.html [20.08.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Fritz, Fabrikant, S d. Ludwig u. d. Wilhelmine Goppelt;
    M Lina, T d. Christian Vögele u. d. Friederike Bauer;
    Wiesbaden 1932 Ella (* 1902), T d. Konrektors Fritz Blumenstein;
    2 T.

  • Leben

    Nach Ablegung der Reifeprüfung in Schwäb. Hall studierte L. Chemie an den Technischen Hochschulen Stuttgart und München, wo er 1926 bei H. Fischer mit einer Arbeit über natürliche Porphyrine promovierte. Anschließend trat er in das Pharmazeutisch-Wissenschaftliche Laboratorium der Farbwerke Hoechst ein. – Die Isolierung von Hormonen aus tierischen Organismen wurde L.s Hauptarbeitsgebiet. Zunächst entwickelte er ein Trennverfahren für die beiden Hypophysenhormone Oxytocin und Vasopressin, die daraufhin beide als Arzneimittel Verwendung fanden. Diese Arbeiten leiteten über zum Problem der Insulingewinnung, mit dem L. sich während dreier Jahrzehnte immer wieder auseinandersetzte. Insulin wurde 1926 allgemein aus Pankreasdrüsen von Rindern und Schweinen extrahiert, allerdings relativ unrein und in geringer Ausbeute. L. baute ein flächendeckendes Transportsystem auf, das die Versorgung des Werkes mit gefrorenem Pankreas sicherstellte; entscheidend waren jedoch die von ihm in grundlegenden Untersuchungen entwickelten Verbesserungen des Gewinnungsverfahrens, die die Herstellung hochreinen Insulins in großem Maßstab erlaubten und zugleich wesentlich bessere Ausbeuten lieferten. 1936 stellte Hoechst als erste Insulinfabrik der Welt seine gesamte Produktion auf kristallines Insulin um. Darüber hinaus leistete L. auch Beiträge zur Entwicklung von Depot-Insulin und bemühte sich, allerdings erfolglos, orale Darreichungsformen des Insulins zu finden. – In weiteren Arbeiten untersuchte L. die Pankreasfermente, die Histamine, blutgerinnungshemmende Substanzen, Blutersatzmittel und Antibiotika. Eine Anzahl wichtiger Medikamente resultierte aus diesen Untersuchungen. Am Aufbau der biochemisch-pharmazeutischen Forschung bei Hoechst hatte L. großen Anteil. 1950 übernahm L. die Leitung des Biochemischen und Mikrobiologischen Labors, wurde drei Jahre später Prokurist und Abteilungsleiter, 1960 Leiter der Pharmaforschung und 1962 Leiter der gesamten Sparte Pharma der Hoechst AG. 1963-66 gehörte L. dem Firmenvorstand an.|

  • Auszeichnungen

    Dr. med. h. c. (Münster 1963, Frankfurt 1964); Honorarprof. (Mainz 1964), Ehrenbürger d. Univ. Wien (1965).

  • Literatur

    Angew. Chemie, Beil. Nachrr. Chemie u. Technik 72, 1960, S. 184;
    Der Plastverarbeiter 17, 1966, S. 767;
    Chemikerztg. 90, 1966, S. 715 (P);
    Die pharmazeut. Industrie 28, 1966, S. 752 (P);
    Dt. Apothekerztg. 106, 1966, S. 1533 (P);
    Hoechst heute, Jg. 1967, H. 2, S. 26 (P).

  • Autor/in

    Claus Priesner
  • Empfohlene Zitierweise

    Priesner, Claus, "Lindner, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 611 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133051684.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA