Lebensdaten
um 1420 bis 1493 oder 1494
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Baumeister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 132394855 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Joerg, Albrecht
  • Georg, Aberlin
  • Georg, Albrecht
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Zitierweise

Joerg, Aberlin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd132394855.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus e. Fam. d. württ. Ehrbarkeit. - V Hänslin (d. Ä.) (um 1390- zw. 1447-51), Baumeister d. Grafen v. Württemberg, begann d. Bau d. Leonhardskirche in St. u. errichtete d. Umfassungswände d. dortigen Stiftskirche, nahm 1419 an d. Baumeisterkonferenz üb. d. Nachfolge Ulrichs von Ensingen in d. Leitung d. Baus d. Münsters in Straßburg teil, dort als „des von Wirtenberg Meister“ erwähnt, hervorgegangen aus d. Schule Ulrichs von Ensingen, bildete er in St. u. Esslingen d. Bindeglied zw. d. Baumeisterfam. d. Ensinger u. Böblinger (Hans von Böblingen war vermutl. s. Schüler);
    M N. N., T d. Stuttgarter Vogts Albrecht Tegen (Degen) aus Esslingen u. d. Adelheid Remser;
    B Hänslin (d. J.) (um 1420- um 1490), vermutl. Baumeister, erwähnt 1456 in Calw;
    - vermutl. Adelheid v. Magstatt aus Markgröningen;
    K (mehrere S), 1468 begleiteten „Oberlin Jergen Soene“ den Gf. Heinrich v. Württemberg nach Italien, namentl. bekannt nur Hans ( 1484);
    E (T d. Hans) Katharina ( um 1494 Sebastian Welling, 1532, Bgm. v. Stuttgart).

  • Leben

    Ausgebildet an der Bauhütte der Stuttgarter Stiftskirche, übernahm J. um 1450 die Stellung des Vaters als Baumeister der Grafen von Württemberg. 1455 wird er zum ersten Mal von Gf. Ulrich V. als „unser buwmeister“ erwähnt. Dem weiteren Ausbau der vom Vater weitgehend fertiggebauten Stiftskirche blieb er sein Leben lang treu. Zwischen 1460 und 1470 arbeitete er am Chor der Alexanderkirche in Marbach/Neckar (das Langhaus stammt nicht von ihm), 1460-70 vergrößerte er den Langhausbau der vom Vater begonnenen Leonhardskirche in Stuttgart, war etwa um die gleiche Zeit in Cannstatt (Stadtkirche) und in Markgröningen (Chor der Stadtkirche, wohl von seinem Bruder unterstützt) tätig und begann 1471 mit dem Chorbau der Hospitalkirche in Stuttgart, deren Langhaus nach 1480 von anderen schleppend vollendet wurde. Nach dem Tode Gf. Ulrichs (1480) scheinen J.s Arbeiten für den württ. Hof so gut wie abgeschlossen gewesen zu sein. Gf. Eberhard im Bart beschäftigte eigene Werkleute aus Urach, und so führte J. seine Tätigkeit in den Reichsstädten fort. Bis 1483 war er mit dem Chorbau der Kapellenkirche in Rottweil, 1487-90 mit der Chorwölbung der Kilianskirche in Heilbronn beschäftigt. Von 1491 bis zu seinem Tode arbeitete er zusammen mit Hans von Urach an der schwierigen Einwölbung des großartigen Parlerchores der Heiligkreuzkirche in Schwäb. Gmünd.

    Als Meisterzeichen verwendete J. das sog. „Sparrenwappen“ der Familie, das allerdings bereits sein Vater und wohl auch sein Bruder als Meisterzeichen verwendeten. Solange dies Zeichen J. allein zugeschrieben wurde, war die Abgrenzung seiner Bauten von denen des Vaters und denen, die vermutlich sein Bruder baute, sehr schwer möglich; entsprechend umfangreich war das Verzeichnis der J. zugeschriebenen Werke. Er ist aber sicher nicht, wie immer behauptet worden ist, der Meister der Staffelhalle (Hallenkirche mit stark überhöhtem Mittelschiff), da die Staffelhalle der Stuttgarter Stiftskirche in der Grundanlage noch auf seinen Vater zurückgeht. Die ihm bisher zugeschriebenen Staffelhallen von Marbach, Balingen und Weilderstadt sind mit Sicherheit von anderen Meistern geschaffen worden. J.s eigene Langhausbauten (Hospital- und Leonhardskirche in Stuttgart, Stadtkirche in Cannstatt) sind echte Hallen mit gleicher Schiffhöhe. J. war also kein schöpferischer Kopf mit neuen Ideen, aber er zeichnet sich in den ihm mit Sicherheit zuzuschreibenden Bauten durch äußerst saubere handwerkliche Arbeit und vorzügliche Genauigkeit im Steinmetzdetail, besonders im Maßwerk, aus.

  • Werke

    Weitere W, sichere Zuschreibungen: Choranlagen d. Kirchen zu Wildberg b. Calw (datiert 1467), Aidlingen b. Böblingen u. Dettingen b. Nürtingen (ungefähr gleichzeitig);
    Kirche zu Ennetach (die bisherige Datierung, 1491, ist zweifelhaft, d. J.zahl bezieht sich nicht auf e. Baunachr., sondern auf e. Brand);
    - nicht gesichert: Taufkapelle d. Stadtkirche zu Markgröningen;
    Chor d. Kirche zu Münchingen b. Markgröningen (geht wohl fast ganz auf Bernhard Sporer zurück);
    Turmchor d. Stadtkirche zu Balingen.

  • Literatur

    A. Klemm, Württ. Baumeister u. Bildhauer bis um d. J. 1750, in: Württ. Vj.hh., 1882;
    W. Friz, Die Stiftskirche zu Stuttgart, 1929;
    H. Koepf, Die Alexanderkirche zu Marbach, 1951;
    ders., Die Stuttgarter Parlerpläne, in: Festschr. f. Jul. Baum, 1952;
    ders., Die Stuttgarter Baumeisterfam. J., in: Lb. Schwaben VI, 1956 (L);
    ders., Die Baukunst d. Spätgotik in Schwaben, 1958;
    ders., Die Heilbronner Kilianskirche u. ihre Meister, 1961;
    ders., Schwäb. Kunstgesch. II, Baukunst d. Gotik, 1961;
    A. Diehl u. G. Wais, Die Stuttgarter Stiftskirche, 1952;
    G. Wais, Die St. Leonhardskirche u. d. Hospitalkirche zu Stuttgart, 1956.

  • Portraits

    Das kleine Baumeisterfigürchen v. sog. „Fürstenstand“ d. Stuttgarter Hospitalkirche, das meist als Bildnis J.s angesprochen wird, ist e. typ. Schöpfung d. Uracher Meister u. stellt sicher nicht J. dar. Hingegen ist d. Baumeisterplastik an e. Gewölbeansatz d. Anna- (fälschl. „Urbans“-) kapelle in d. Stuttgarter Stiftskirche in unmittelbarer Nähe e. v. 2 Engeln gehaltenen „Sparrenwappens“ sicherlich entweder e. Bildnis Hänslin J.s (d. Ä.) od. J.s.

  • Autor/in

    Hans Koepf
  • Empfohlene Zitierweise

    Koepf, Hans, "Joerg, Aberlin" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 460 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd132394855.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA