Lebensdaten
1870 bis 1939
Geburtsort
Groß-Schwarzlosen (Kreis Stendal)
Sterbeort
Suckow (Mecklenburg)
Beruf/Funktion
Agrarpolitiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 129416207 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schiele, Martin
  • Schiele, Georg Wilhelm
  • Schiele-Schollene, Martin
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Zitierweise

Schiele, Martin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129416207.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V N. N.;
    M N. N.: Vt Georg Wilhelm (1868–1932), aus Naumburg, Dr., Arzt, Volkswirt, dt.nat. Pol., Hg. d. „Naumburger Briefe“ (s. Wegbereiter u. Vorkämpfer f. d. neue Dtld., hg. v. W. Frhr. v. Müffling, 1933, S. 21).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Stendal wurde S. Landwirt und übernahm als Pächter das altmärk. Rittergut Schollene, auf dem er sich auch als Fabrikant betätigte. Seit 1897 für die Dt.-Konservative Partei im Kreis Jerichow II kommunalpolitisch aktiv, gelang ihm 1914 der Einzug in den Reichstag. 1918 gehörte er zu den Mitbegründern der Dt.nationalen Volkspartei (DNVP), für die er als Vertreter seines Magdeburger Wahlkreises zunächst in der Weimarer Nationalversammlung, dann bis 1930 im Reichstag wirkte. Im Jan. 1925 avancierte S. zum Reichsinnenminister im 1. Kabinett Luther (bis Okt. 1925), das Ministerium für Ernährung und Landwirtschaft führte er unter Reichskanzler Marx von Jan. 1927 bis Juni 1928 und nochmals unter Brüning von März 1930 bis Mai 1932.

    S. war ein erklärter Gegner des neuen parlamentarischen Systems, zählte aber innerhalb der DNVP und des Reichslandbundes (RLB) zu den pragmatischen, ganz an den berufsständischen Interessen der Landwirtschaft orientierten Gouvernementalisten. Den von dogmatischen Kräften erzwungenen Austritt der DNVP-Minister aus dem Kabinett Luther (1925) aus Protest gegen Stresemanns Locarno-Politik empfand er als schwere Niederlage. Eine mächtige Stellung wuchs ihm im Juli 1928 zu, als der bäuerliche und großagrarische Flügel des RLB in einer Führungskrise einen Kompromißkandidaten benötigten und S. zum geschäftsführenden Präsidenten wählten.

    Das von S. entwickelte „Notprogramm“ für die dt. Landwirtschaft suchte mittels hoher Schutzzölle, binnenwirtschaftlicher Interventionen und Umschuldungsmaßnahmen die verheerenden Auswirkungen der globalen Agrarkrise auf die dt. Landwirtschaft aufzufangen, vermochte die politische Radikalisierung der Landbevölkerung jedoch nicht zu stoppen. Dies galt auch für den von S. herbeigeführten Zusammenschluß des RLB mit politisch anders gerichteten Agrarorganisationen – v. a. den kath. Christl. Bauernvereinen unter Andreas Hermes – zur Reichsbauernfront (Grüne Front) 1929.

    Gegen die Fundamentalopposition des DNVP-Vorsitzenden Alfred Hugenberg setzte der als Wunschkandidat des Reichspräsidenten in die Regierung Brüning aufgenommene S. auf die Werbewirkung seiner Arbeit als überparteilicher Fachminister und gab am 31.3.1930 sein Reichstagsmandat auf. Wenige Wochen später sahen sich die gemäßigten Kräfte in der DNVP gezwungen, die von Hugenberg dominierte Fraktion zu verlassen. Da sich die von S. angestrebte staatskonservative Sammlung in einer Hindenburg-Front nicht realisieren ließ, blieben er und seine Anhänger auf die wenige Jahre zuvor als Vertretung klein- und mittelbäuerlicher Interessen gegründete Christl.-Nationale Bauern- und Landvolkpartei verwiesen. Nachdem diese bei den Reichstagswahlen im Sept. 1930 deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war, sah sich S. angesichts wachsender Kritik an seiner Politik veranlaßt, als Präsident des Reichslandbundes zurückzutreten. Mit dem Sturz der Regierung Brüning verlor er 1932 auch sein Ministeramt, um sich daraufhin vollkommen aus der Politik zurückzuziehen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. agr. h. c. (Bonn-Poppelsdorf, 1928).

  • Werke

    DNVP u. Landwirtsch., 1924;
    Die Agrarpol. d. DNVP in d. Jahren 1925/1928, 1928;
    Der Schutz d. dt. Landwirtsch., 1930;
    Umstellung d. dt. Getreidebaus, 1930;
    Agrarpol. ist Sache d. Nation, Der dt. Heimatdienst, 1932.

  • Literatur

    D. Gessner, Agrarverbände in d. Weimarer Rep., Wirtschaftl. u. soz. Voraussetzungen agrarkonservativer Pol. vor 1933, 1976;
    S. Merkenich, Grüne Front gegen Weimar, Reichs-Landbund u. agrar. Lobbyismus 1918-1933, 1998 (P);
    M. Müller, Die Christl.-Nat. Bauern- u. Landvolkpartei 1928-1933, 2001;
    Wenzel;
    Rhdb. (P);
    Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
    Mitgll.verz. d. KWG, 1991.

  • Autor/in

    Manfred Kittel
  • Empfohlene Zitierweise

    Kittel, Manfred, "Schiele, Martin" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 741 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129416207.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA