Lebensdaten
1910 bis 1953
Geburtsort
Offenbach
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Fechterin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 128604832 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Falkner von Sonnenburg, Helene (verheiratete)
  • Mayer, Helene
  • Falkner von Sonnenburg, Helene (verheiratete)
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Zitierweise

Mayer, Helene, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128604832.html [21.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1876–1931, isr.), Dr. med., Arzt in O., S d. Martin Moritz (1841–1917), KR, Beigeordneter, Bgm. in Mainz, u. d. Rosalie Hamburg (1851–1921);
    M Ida (1883–1958, ev.), T d. Gelbgießers Friedrich Becker u. d. Bertha Hadamik;
    München 1952 Erwin Falkner v. Sonnenburg (1901–80), Dipl.-Ing. in München; kinderlos.

  • Leben

    M. war Deutschlands erste Fechterin von Weltklasse. Schon als 14 Jahre alte Schülerin gewann sie 1925 ihre erste Deutsche Meisterschaft im Florettfechten. Bis 1930 holte sie sechsmal den nationalen Titel, eine bis heute unerreichte Leistung. Als Kind hatte M. zunächst Ballett-Unterricht erhalten. 1920 begann sie im Offenbacher Fecht-Club die Kunst der Klingenführung zu erlernen. Ihr|Fechtmeister wurde der bekannte „Cavaliere“ Arturo Gazzera. Weltberühmt wurde die „blonde He“, wie sie wegen ihrer blonden Brezelfrisur genannt wurde, 1928 bei den Olympischen Spielen in Amsterdam, wo sie 16 von 18 Kämpfen gewann und damit die Goldmedaille errang. In den Jahren darauf dominierte sie das Damenflorett souverän, siegte bei den Europameisterschaften 1929 in Neapel und 1931 in Wien; später wurden diese nachträglich zu Weltmeisterschaften erklärt.

    Weniger erfolgreich war M. 1932 bei den Olympischen Spielen in Los Angeles, wo sie ihrer Favoritenrolle nicht gerecht wurde und nur Platz fünf belegte. Nach den Sommerspielen blieb sie in den Vereinigten Staaten und studierte am Scripps College im kalifornischen Claremont. Nach dem 1929 bestandenen Abitur war sie als Studentin für internationales Recht zunächst an der Frankfurter Universität immatrikuliert gewesen, dann im Winter 1930/31 an der Pariser Sorbonne. Ihr Berufsziel war der diplomatische Dienst. Die Rückkehr nach Deutschland wurde für die Halbjüdin in den folgenden Jahren wegen der Rassenpolitik des NS-Staates unmöglich. Auf Drängen der amerikan. Öffentlichkeit, in der ein Boykott der Olympischen Spiele in Berlin diskutiert wurde, und nach einer Intervention des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) wurde M. 1936 nach Deutschland „zurückgebeten“. Ihre Nominierung für das deutsche Olympia-Team als Paradebeispiel angeblicher Rassentoleranz war ein geschickter propagandistischer Schachzug der Hitler-Diktatur und hat die Entscheidung der USA, an den Spielen in Berlin teilzunehmen, nicht unwesentlich beeinflußt. Bei den olympischen Fechtwettbewerben holte M. die Silbermedaille. Ein Jahr später feierte sie in Paris ihren letzten großen Sieg mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft.

    M. reiste erneut nach USA, wo sie achtmal Landesmeisterin wurde. Ihren Lebensunterhalt verdiente sie sich zunächst als Dozentin am Mills College, später an der University of California in Berkeley. Erst 1952 kehrte M. wieder nach Deutschland zurück, wo sie heiratete und bis zu ihrem frühen Tode in Heidelberg lebte.

  • Literatur

    M. Blödorn, Sport u. Olymp. Spiele, 1984;
    V. Kluge, Olymp. Spiele v. 1886-1980, 1981;
    F. Mevert, Olymp. Spiele d. Neuzeit, 1983;
    K. D. Güse u. A. Schirmer, Faszination Fechten, 1986 (P);
    K. W. Jonas, H. M. – Zur Erinnerung an d. Olymp. Spiele in Berlin vor 50 J., 1986.

  • Autor/in

    Andreas Schirmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schirmer, Andreas, "Mayer, Helene" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 541-542 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128604832.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA