Lebensdaten
um 1100 bis 1176
Beruf/Funktion
Herzog von Lothringen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 12394631X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Matthias
  • Matthias von Lothringen
  • Matthäus I. von Lothringen
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Zitierweise

Matthäus I., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12394631X.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Simon I. v. L. ( 1139), S d. Hzg. Dietrich II. v. L. ( vor 1110);
    M Adelheid ( n. 1158), T d. Gf. Heinrich III. v. Löwen ( 1095);
    Ov Gf. Florenz II. v. Holland ( 1122), Gf. Dietrich v. Flandern ( 1168), Heinrich ( 1165), Bischof v. Toul; Schwager Gf. Reinald III. v. Burgund ( 1148);
    vor 25.3.1139 Bertha (Judith) (1123–95), T d. Hzg. Friedrich II. v. Schwaben ( 1147, s. NDB V), Schw Kaiser Friedrichs I. ( 1190, s. NDB V);
    K u. a. Hzg. Simon II. v. L. ( 1206), Friedrich, Herr v. Bitsch ( 1204), Gf. Matthäus v. Toul ( 1208), Dietrich ( 1181), Propst zu St.-Dié, 1173-79 (abgesetzt), Elekt zu Metz, Alix ( um 1200, 1165 [ 1183] Hzg. Hugo III. v. Burgund, 1192), Judith ( um 1170 Gf. Etienne II. v. Auxonne, 1173);
    N Beatrix v. Burgund ( 1184, s. NDB I, 1156 Kaiser Friedrich I., 1190, s. NDB V);
    E Hzg. Friedrich II. v. L. ( 1213), Matthäus ( 1217), Bischof v. Toul;
    Ur-E Hzg. Matthäus II. v. L. ( 1251, s. NDB 16).

  • Leben

    M. setzte nach dem Tode seines exkommuniziert gestorbenen Vaters dessen Politik fort, die auf die Beherrschung bedeutender strategischer Punkte abzielte und ihn besonders zu der an einer Kreuzung zweier wichtiger Verkehrswege gelegenen, reichbegüterten Abtei Remiremont sowie dem Bistum Toul in Gegensatz brachte. Auf deren Klagen hin wurde auch er im ersten Jahrzehnt seiner Herrschaft mehrmals mit dem Kirchenbann und sein Herzogtum mit dem Interdikt belegt Obwohl er mit einer Nichte Kg. Konrads III. vermählt war, spielte er während dessen Regierung in der Reichspolitik bis 1142 nur eine geringe, danach überhaupt keine Rolle; auch hierfür waren seine territorialen Interessen, die mit der staufischen Hausmachtpolitik im Elsaß konkurrierten, möglicherweise ausschlaggebend.

    Eine entscheidende Veränderung trat nach dem Übergang der Herrschaft im Reich auf seinen Schwager Kaiser Friedrich I. (1152) ein, der sich in zweiter Ehe 1156 mit einer Nichte M.s verband. Nunmehr ist der Herzog oft im Westen bei Hofe anzutreffen. Lediglich an den Italienzügen des Staufers beteiligte er sich nicht. Angesichts des Fehlens einschlägiger Quellen scheint es, als habe er auch in der Frage der Kirchenspaltung eine klare Stellungnahme vermieden, seine kaisertreue Gesinnung wird jedoch dadurch belegt, daß er Ende 1165, als der Konflikt Barbarossas mit Papst Alexander III. auf einem Höhepunkt stand und die Reichsfürsten keineswegs einhellig die kaiserliche Partei vertraten, in Aachen zugegen war, als der Herrscher Karl d. Gr. heiligsprechen ließ. Barbarossas Aufforderung an den Herzog zur Teilnahme an den Verhandlungen mit Ludwig VII. von Frankreich zur Überwindung des Schismas (Mai 1162), seine Rolle als Bürge für die Einhaltung der zu Vaucouleurs getroffenen Vereinbarungen Friedrichs mit Ludwig (Februar 1171) und die Wahl seines Sohnes Dietrich als kaiserlichen Kandidaten zum Bischof von Metz sind weitere Anzeichen für M.s enge Beziehungen zum Kaiser, die ihm und seinem Herzogtum freilich machtpolitisch keine wesentlichen Vorteile einbrachten.

    Hingegen trug sein nicht zuletzt durch die Verschwägerung mit dem staufischen Haus erworbenes eigenes Ansehen zweifellos ebenso wie die 1139 erfolgte endgültige Aufteilung von Niederlothringen entscheidend dazu bei, daß er in den Diplomen Friedrichs I. nicht mehr wie meist in den Urkunden Konrads III. einfach „Herzog“, sondern überwiegend „Herzog von Lothringen“ genannt wurde. Während diese Titulatur in Urkunden Barbarossas anfangs bisweilen auch noch den Herzögen von Löwen (später Brabant) gewährt wurde, setzte sich die ausschließliche Bezeichnung des Oberlothringers als „dux Lotharingiae“ später immer mehr durch, so daß M.s Erben und Nachfolger sie allein für sich in Anspruch nehmen konnten. Versäumt scheint der Herzog es freilich zu haben, vor seinem Tod Anordnungen zur Regelung der Nachfolge in einer seine beiden ältesten Söhne Simon und Friedrich gleichermaßen zufriedenstellenden Weise zu treffen, denn zwischen ihnen kam es zu jahrelangen Spannungen und Auseinandersetzungen wegen des Erbes, an denen auch ihre Mutter nicht unbeteiligt blieb.

  • Literatur

    regum et imperatorum Germaniae X/1-3, bearb. v. H. Appelt, 1975-85;
    E. Duvernoy, Le duc de Lorraine Mathieu Ier (1139-1176), 1904; s. a. L zu Matthäus II.

  • Autor/in

    Ronald Neumann
  • Empfohlene Zitierweise

    Neumann, Ronald, "Matthäus I." in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 392-393 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12394631X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA