Lebensdaten
1443 bis 1500
Geburtsort
Lienz
Sterbeort
Lienz
Beruf/Funktion
Graf von Görz
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122741722 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leonhard
  • Görz, Leonhard von
  • Leonhard, von Görz

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Zitierweise

Leonhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122741722.html [13.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Nach d. Tode Alberts II. v. Görz (1304, s. NDB I) verfiel d. Machtstellung der Grafen v. G. infolge d. zahlr. Erbteilungen mehr u. mehr. Die Grafschaft wurde allmählich zu e. Pufferstaat zw. Österreich, Venedig u. Cilli, insbes. nach d. frühen Tod Heinrichs II. (1323), Reichsvikars v. Treviso, der 1307 Görz zur Stadt erhoben hatte. Die Grafen verlegten ihre Residenz jetzt nach Schloß Bruck in Lienz, d. Mittelpunkt d. „vorderen Grafschaft“. Die „innere Grafschaft“ wurde zunehmend v. Venedig bedroht, insbes. nach d. Eroberung d. Patriarchats Aquileja (1420). Meinhard VII. hatte 1365 noch die Anerkennung als Reichsfürst v. Karl IV. erreichen können. Sein B Albert IV. ( 1374) vermachte d. Gfsch. Mitterburg in Istrien u. d. Wind. Mark mit Möttling 1364 d. Habsburgern. Beim Aussterben d. Tiroler Linie d. Grafen v. Görz im Mannesstamm (1363) gelang es den Grafen nicht, d. Übergang Tirols an d. Habsburger zu verhindern. Von diesen im Norden u. Osten umklammert, wandten sie sich den Grafen v. Cilli zu u. mußten Teile ihres Besitzes v. Venedig als Lehen nehmen. - V Heinrich IV. (1376/80-1454), S d. Meinhard VII. ( 1385, s. oben) u. d. Utehild v. Matsch;
    M Katharine ( n. 1471), T d. ungar. Palatins Nikolaus Gara;
    B Johann ( 1462), seit 1454 reg. Graf;
    - 1478 Paola (1463–96), T d. Ludovico Gonzaga (1414–78), Mgf. v. Mantua, u. d. Barbara v. Brandenburg; kinderlos.

  • Leben

    L.s Vater vereinigte 1430 den Restbesitz der Familie und schloß 1437 einen Erbvertrag mit Cilli. Kaiser Friedrich III., der den Grafen durch seinen Sekretär Enea Silvio Piccolomini verunglimpfen ließ, trachtete nach dem Besitz der Görzer. Der unerwartete Kindersegen des alten Grafen vereitelte zunächst diese Pläne. Johann, der älteste Bruder L.s, versuchte 1456 vergeblich, nach dem Aussterben der Cillier die ihm vertraglich verbriefte Grafschaft Ortenburg an sich zu bringen. Als der Kaiser den Grazer Vertrag (1457) nicht einhielt, erklärte Johann ihm den Krieg, mußte jedoch im Frieden von Pusarnitz (1460) alles Land östlich der Lienzer Klause abtreten. Die Görzer verbündeten sich nun mit Albrecht VI., dem Bruder Friedrichs III., gegen diesen (1461). L., der mittlerweile von seinem Bruder an der Regierung beteiligt worden war, forderte nunmehr diesen auf, den Kaiser anzugreifen, und beteiligte sich selbst an der Belagerung der Wiener Burg (1462). Friedrich III. vereitelte eine eheliche Verbindung L.s mit den Sforza von Mailand, mußte es aber hinnehmen, daß die Görzer 1462 Lienz durch einen Aufstand zurückgewannen. Vor Beginn eines Revanchekrieges gegen den Kaiser starb Johann jedoch überraschend 1462.

    Die gesamte Regierungszeit L.s ist geprägt von den Bemühungen, die 1460 verlorenen Kärntner Besitzungen zurückzugewinnen. Er schloß sich in wechselnden Koalitionen den Gegnern des Kaisers an: Albrecht VI., Sigismund von Tirol und Matthias Corvinus von Ungarn. Zur Absicherung seiner ital. Besitzungen suchte er Rückhalt bei der antivenezian. Liga Oberitaliens und heiratete 1478 Paola, die Tochter Ludovicos III. von Mantua. Seine Schwiegermutter, Barbara von Hohenzollern, setzte ihre vielfältigen Kontakte für eine Stärkung der görzischen Interessen ein. Auf mehreren Reichstagen suchte L. Rückhalt gegen die seit 1469 seine Besitzungen bedrohenden Türken und den Kaiser. Da er keine Erben hinterließ, setzte bald hinter den Kulissen ein Intrigenspiel von seiten Österreichs und Venedigs ein, um sich jeweils die strategisch wichtigen Gebiete zu sichern. L. versuchte konsequent, die venezian. Befestigung von Gradisca rückgängig zu machen, nutzte jedoch nicht die Chance des Tiroler Sieges über die Venezianer 1487 zu einem Gegenschlag. Bis zum Tode Friedrichs III. (1493) wies er jede Verhandlung über eine Nachfolge ab, bevor die Habsburger ihm nicht die verlorenen Kärntner Besitzungen rückerstattet hätten. Erst Maximilian I. erreichte 1497 einen Tauschvertrag, in dem L. die gefährdeten Schlösser Cormons, Belgrado, Codroipo, Castelnuovo, Flambro und Latisana an die Habsburger gab und dafür Wippach und die ehemaligen Kärntner Besitzungen erhielt. Kurz vor seinem Tode unterzeichnete er den Erbvertrag, durch den alle Görzer Besitzungen an das Haus Habsburg übergehen sollten.

  • Literatur

    R. Coronini v. Cronberg, Tentamen genealogico-chronologicum promovendae seriei comitum et rerum Goritiae, 1759;
    A. v. Teuffenbach, Kurzer Abriß d. Gesch. d. gefürsteten Gfsch. Görz u. Gradisca bis zu deren Vereinigung mit d. Hause Habsburg im J. 1500, 1900;
    M. Wutte, Die Erwerbung d. Görzer Besitzungen durch d. Haus Habsburg, in: MIÖG 38, 1920, S. 282-311;
    ders., Zur Vereinigung Osttirols mit Kärnten, in: Carinthia I, 129, 1939, S. 239-61;
    E. Klebel, Die Grafen v. Görz als Landesherren in Oberkärnten, ebd., 125, 1935, S. 59-82 u. 218-46;
    J. Rainer, Der Frieden v. Pusarnitz 1460, ebd., 150, 1960, S. 175-81;
    S. Weiß, Die Anfänge d. Pfarrkirche St. Leonhard in Möllbrücke, ebd., 167, 1977, S. 35-53;
    F. Cusin, Documenti per la storia del Confine orientale d'Italia, in: Archeografo Triestino, Serie III, Bd. 21, 1936, S. 1-131;
    ders., Le Aspirazioni Austriache sulla contea di Gorizia e una pratica ignota del Consiglio dei X, in: Memorie Storiche Forogiuliesi 33/34, 1937/38, S. 81-112;
    H. Kramer, Die Grundlinien d. Außenpol. Hzg. Sigmunds v. Tirol, in: Tiroler Heimat 11, 1947, S. 67-80, 12, 1948, S. 79-92;
    H. Wiesflecker, Die pol. Entwicklung d. Gfsch. Görz u. ihr Erbfall an Österreich, in: MIÖG 58, 1948, S. 329-84;
    J. Weingartner, Die letzten Grafen v. Görz, in: Lienzer Buch (= Schlern-Schrr., 98), 1952, S. 111-35;
    F. Babinger, Le estreme vicende di Paola di Gonzaga, ultima Contessa di Gorizia, in: Studi Goriziani 20, 1956, S. 7-19;
    M. Pizzinini, Die Grafen v. Görz in ihren Beziehungen zu d. Mächten im nordöstl. Italien v. 1264 b. 1358, Diss. Innsbruck 1968 (ungedr.);
    ders., Zur Rekonstruktion d. „Görzer Grabes“ in d. Lienzer Stadtpfarrkirche, in: Festschr. Johanna Gritsh (= Schlern-Schrr. 264), 1973, S. 223-37;
    Ch. Thomas, Kampf um d. Weidenburg. Habsburg, Cilli u. Görz 1440–45, in: Mitt. d. österr. Staatsarchivs 24, 1972, S. 1-86;
    Monumenta Historica Ducatus Carinthiae, Geschichtl. Denkmäler d. Hzgt. Kärnten XI: Die Kärntner Gesch.-qu. 1414-1500, hrsg. v. H. Wiessner, 1972;
    W. Baum, Die Kirchen v. Freising u. Brixen, d. Grafen v. Görz u. d. Entstehung d. dt. Sprachinseln in Friaul u. Slowenien, in: Der Schlern 54, 1980, S. 428-40;
    ders., Cusanus als Anwalt d. Brixner Kirche in Kärnten u. Krain, ebd. 55, 1981, S. 385-99;
    ders., Nikolaus v. Kues u. d. Grafen v. Görz, Neue Dokumente z. cill. Erbfolgestreit u. Cusanuskonflikt, ebd. 58, 1984;
    C. Chambers u. J. Marineau, Splendours of the Gonzaga, 1981.

  • Portraits

    Porträtstatue aus d. Kirche St. Sigmund im Pustertal (Innsbruck, Tiroler Landesmus. Ferdinandeum);
    2 Stifterbilder v. Simon v. Taisten auf d. Fresken d. Schutzmantelmadonna u. d. Todes Mariens, etwa 1495 (Lienz, Burgkapelle v. Schloß Bruck, mit Paola Gonzaga v. Mantua);
    Stifterbild v. dems. auf d. Mitteltafel e. Elisabethaltars im Oberchor, um 1490 (ebd., mit Paola Gonzaga v. Mantua);
    Gem. auf d. Innenflügeln d. „Görzer Altars“ mit Paola Gonzaga v. Mantua, um 1500 (ebd.).

  • Autor/in

    Wilhelm Baum
  • Empfohlene Zitierweise

    Baum, Wilhelm, "Leonhard" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 248 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122741722.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA