Lebensdaten
1894 bis 1961
Sterbeort
Bad Homburg vor der Höhe
Beruf/Funktion
Oberbürgermeister von Frankfurt am Main
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 122051076 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Krebs, Friedrich
  • Krebs, Friedrich Karl

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Zitierweise

Krebs, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122051076.html [22.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (* 1865), Eisenbahn-Obersekr., aus Kleinbauernfam. in Niederstaufenbach (Westpfalz);
    M Katharina Sauer (* 1866), aus Schiffer- u. Fischerfam. am Mittelrhein;
    1926 Barbara Helene Koch (1889–1977); kinderlos.

  • Leben

    K. wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Er besuchte die Oberrealschule in Straßburg (Elsaß), an der er 1912 die Reifeprüfung bestand. In Straßburg begann er das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften und setzte es nach Kriegsteilnahme (1914–18) in Frankfurt fort. Im Dezember 1919 bestand er das Referendar-Examen. Mit einer Dissertation über das Thema „Friedensvertrag und Reichsverfassung“ wurde er in Gießen von Hans Gmelin 1922 zum Dr. iur. promoviert. Nach dem Assessor-Examen (1923) war er am Amts- und Landgericht in Frankfurt tätig. Durch seine Dissertation dafür qualifiziert, wurde er 1926 als Referent in die Deutsche Staatsvertretung am gemischten deutschengl. Schiedsgericht in Berlin berufen. 1929 kehrte er zum Landgericht Frankfurt zurück und wurde bald Landgerichtsrat. Seitdem trat er auch politisch hervor. Bereits 1922 hatte er sich der völkischen Bewegung angeschlossen und war 1924 Ortsgruppenleiter der Frankfurter Nationalsozialisten gewesen; Mitglied der NSDAP wurde er Ende 1929. Sein Hauptinteresse galt dem von ihm damals in Frankfurt gegründeten Kampfbund für deutsche Kultur. Daneben war er Rechtsberater des Gauleiters, leitete die Rechtsschutzstelle und warb als Gauobmann des NSD-Juristenbundes unter seinen Standesgenossen. 1932 wurde K. Mitglied des preußisch Landtages und Reichsratsbevollmächtigter. Nach den Kommunalwahlen im März 1933 übernahm er zunächst kommissarisch das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters, das ihm die Stadtverordneten-Versammlung im Juli des gleichen Jahres auch förmlich übertrug. Kurz darauf übernahm er auch das Amt des Kreisleiters der NSDAP und versah es mit wachsendem Unmut bis zum Herbst 1937. Mit großer Energie mühte K. sich um die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Stadt. Mit geradezu fanatischer Sparsamkeit gelang ihm im Laufe der Jahre die Sanierung des städtischen Etats und die fast völlige Tilgung der Schulden. Ohne kommunalpolitisches Programm ins Amt gelangt, arbeitete sich K. rasch ein. So fanatisch er sich bis 1933 für die Ziele der NSDAP eingesetzt hatte, trat er danach für ihre Verwirklichung ein, mußte jedoch bald erkennen, daß er damit gegen sein Rechtsbewußtsein verstieß. Von dem Gedanken absoluter Pflichterfüllung geprägt, versuchte er im stillen zu lindern und verstrickte sich damit immer mehr in den Widerspruch zwischen Ideal und Realität. So lud er Schuld auf sich und hielt trotz wachsender Skrupel durch.

    Er achtete stets darauf, Gesetz und Recht einzuhalten. Bezeichnend war, daß er die hauptamtlichen Stadträte (Beigeordneten), die bei seiner Amtsübernahme im Dienst waren, in ihren Ämtern beließ, obwohl sie nicht Mitglieder der Partei waren. Dem Gauleiter gegenüber vertrat er unbeirrbar die Interessen der Stadt, so lehnte er zum Beispiel den Bau eines Parteiforums strikt ab. 1934 wurde er in den preußisch Staatsrat berufen und zugleich Mitglied des Provinzialrates für Hessen-Nassau. 1935 wurde er Mitglied des Reichskultursenats und Präsidialrat der Reichsmusikkammer. Mit Geschick förderte er den Ausbau des Flugverkehrs auf dem neu eingerichteten Flughafen Rhein-Main. Viel Zeit verwandte er auf die Steigerung des Fremdenverkehrs.

    Er förderte den Ausbau der städtischen Universität wie auch die Errichtung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Biophysik. Wissenschaftliche Stiftungen schützte er vor Eingriffen der NSDAP, zum Beispiel das Freie Deutsche Hochstift, das Goethes Geburtshaus betreut. Im stillen sorgte er für die Linderung von Notfällen, die sich aus der Politik seiner Partei ergaben. Gerade im kulturellen Bereich vertrat er eine Linie, die oft erheblich von den Ansichten der NSDAP abwich. Als Leiter des Reichstierschutzbundes (seit 1937) bewies er dies ebenso wie als Vorsitzender der Deutsch-Bulgar. Gesellschaft und des Gesamt-Taunusklubs. Im 2. Weltkrieg bewährte sich K.s straffe und sparsame Verwaltung.|Nach den schweren Luftangriffen, die im März 1944 besonders den Stadtkern trafen, bemühte er sich persönlich um Hilfe für die Opfer. Als die Front an die Stadt heranrückte, harrte er aus, widersetzte sich der Zerstörung des städtischen Kraftwerkes, konnte jedoch die Sprengung der Mainbrücken nicht verhindern. Er wollte die Stadt den siegreichen Amerikanern übergeben, wurde jedoch von ihnen festgenommen und erst nach mehr als 2 Jahren Haft im Zuge der Entnazifizierung freigelassen. Bei der Wahl zur Stadtverordneten-Versammlung 1952 kandidierte er auf der Liste der Deutschen Partei, mußte jedoch das ihm zugefallene Mandat nach dem energischen Widerspruch der SPD-Fraktion niederlegen. Der Ehrengerichtshof der Rechtsanwaltskammer Frankfurt gab K. im November 1953 seine Zustimmung zur Ausübung des Anwaltsberufes.

  • Werke

    Haushaltsrede 1935;
    dsgl. 1936;
    dsgl. 1937;
    dsgl. 1938;
    dsgl. 1939;
    dsgl. 1943 (Masch. Schr.).

  • Autor/in

    Franz Lerner
  • Empfohlene Zitierweise

    Lerner, Franz, "Krebs, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 727 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122051076.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA