Lebensdaten
um 1500 bis 1574
Beruf/Funktion
Bildschnitzer ; Medailleur
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 121620468 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gebell, Matthes
  • Göbbel, Matthes
  • Göbl, Matthes
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Zitierweise

Gebel, Matthes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121620468.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    1) Margarethe ( 1556), T d. Jorg Behaim (B d. Malers Hans Beheim d. J., 1537, in N.), 2) Nürnberg 4.5.1557 Ursula Burkhart;
    K (2 S Maler); Verwandtschaft mit anderen Behaim u. Beheim (s. NDB I u. II) nicht feststellbar.

  • Leben

    G. erwarb 1523 das Nürnberger Bürgerrecht als Bildschnitzer. 1534 kauften er und seine Frau das Erbrecht an einem Hause im Oberen Wöhrd, das dem Plattner Hans Beheim gehörte. 1536 wird G. anläßlich einer Streitsache kurz erwähnt. Daß er das Meisterrecht besaß, ist unwahrscheinlich; er arbeitete wohl als Angehöriger der freien Künste. - G. hat von allen Nürnberger Medailleuren der Zeit die meisten Arbeiten geschaffen. Einzelne archivalische Belege, die von heute noch identifizierbaren Medaillen sprechen, ausgeprägte Stilmerkmale und schließlich seine Signatur MG, die allerdings nur auf Medaillen der Jahre 1542 und 1543 erscheint, machen es möglich, diesem überaus fruchtbaren Medailleur gegen 350 Medaillen zuzuweisen. Sie umfassen den Zeitraum von 1526 bis 1555. – Die meisten Werke entstanden in Nürnberg selbst, wenn G. auch die großen Reichstage und andere Gelegenheiten, welche Aufträge brachten, aufsuchte. So war er 1529 und 1530 auf den Reichstagen in Speyer beziehungsweise Augsburg; ebenso ist sein Aufenthalt am pfalzgräflichen Hof in Neuburg und an den Residenzen der fränkischen Hohenzollern in Schwabach und Ansbach und der Wittelsbacher in München zu belegen.

    G. scheint bis etwa 1527 in einem gemeinsamen Werkstättenbetrieb Nürnberger Medailleure gearbeitet zu haben. Dafür spricht die derzeit als frühestes bekanntes Werk geltende Medaille auf den Nürnberger Kriegsherrn Christoph Kress von 1526, von welcher die Wappenrückseite von ihm stammt. Abgesehen von einer geringen Zahl fürstlicher Personen hat G. in der Folgezeit fast ausschließlich Bildnismedaillen von Nürnberger Bürgern geschaffen, von Angehörigen des Patriziats vor allem, Großkaufleuten von europäischer Bedeutung und Geldgebern der europäischen Höfe mit einem ausgeprägten Selbstbewußtsein, dem letzten Endes die im 15. Jahrhundert in Italien entstandene und für Deutschland neue Kunst der Bildnismedaille ihre Verbreitung verdankte. Auch Nürnberger Künstler und Kunsthandwerker hat G. in größerer Zahl im Medaillenbild verewigt, allen voran Albrecht Dürer. Nach 1555 sind von ihm keine Medaillen mehr nachzuweisen. Man hält es für möglich, daß die Arbeitskraft des Künstlers, zumal seine Sehkraft, im Hinblick auf seine|Produktivität und bei der subtilen Art seiner durchwegs in Stechstein, einem bei Kelheim beziehungsweise Solnhofen aus dem Jura gebrochenen feinkörnigen Material, geschnittenen Modelle vorzeitig erschöpft gewesen ist. Das Steinmodell ist, stilistisch betrachtet, für den Feinguß in Edelmetall, hauptsächlich Silber, berechnet. In Stechstein entwickelte sich der Goldschmiedestil der Medaille: Äußerste Finesse in der Behandlung des Porträts mit reichem Kostümdetail, minuziöse Schriften und reiche Wappenrückseiten. Bei diesen hat G. die deutsche Heraldik mit Renaissancetrophäen, gotischen und antiken Stilelementen verschmolzen. Eine selbständige Erfindung von ihm ist der Panzer im Wappenbild. Seine Formgebung neigt zunächst zu einem perfektionierten Manierismus, der erst in den späteren Arbeiten von einer stärkeren Verinnerlichung, besonders im Porträt, abgelöst wird.

  • Literatur

    K. Domanig, Zur Flötnerfrage, in: Numismat. Zs. Wien 41, 1908, S. 167 ff.;
    C. F. Gebert, Der Nürnberger Meister H. F., in: Frankfurter Münzztg. 160, 1914, S. 235;
    G. Habich, Die dt. Schaumünzen d. XVI. Jh. I, 2, 1929, bes. S. 140 ff. (W-Verz.);
    M. Bernhart, Kunst u. Künstler d. Nürnberger Schaumünze d. 16. Jh., in: Mitt. d. Bayer. Numismat. Ges. 54, 1936, S. 1 ff., bes. S. 16 ff.;
    A. Suhle, Die dt. Renaissancemedaille, Ein Kulturbild a. d. ersten H. d. 16. Jh., 1950, bes. S. 52 ff.;
    P. Grotemeyer, „Da ich het die gestalt“. Dt. Bildnismedaillen d. 16. Jh., 1957;
    ThB (ältere L). - Eigene Archivstudien.

  • Autor/in

    Ludwig Veit
  • Empfohlene Zitierweise

    Veit, Ludwig, "Gebel, Matthes" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 112 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121620468.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA