• Genealogie

    V unbekannt (Angabe H.s, daß V gebürtiger Berliner war, durch Bürgerbuch nicht zu belegen);
    N. N.;
    S (?) Petrus Haftitius 1585 in Frankfurter Matrikel.

  • Leben

    H. besuchte seit 1538 die Klosterschule Zinna, dann bis 1545 die Stadtschule Pirna. 1547 finden wir ihn als Magister in der Frankfurter Matrikel. Seit 1550 Lehrer an den Schulen Sankt Nicolai und Sankt Marien in Berlin (1560 Rektor), erhielt er 1564 wegen seiner Verdienste als Schulmeister zu Sankt Nicolaus die Berliner Bürgerschaft. Er besaß später ein Haus in Berlin. Bei Bildung der Schule im Berliner Grauen Kloster 1574 fand er keine Anstellung; vielleicht schied er vorher aus dem Lehramt aus. 1577 wurde er als Rektor der Cöllner Stadtschule eingeführt, welche Stellung er bereits 1580 aufgegeben haben muß; er klagt 1578/79 über erfahrenen Undank, aber auch über eigene Fehler. Seitdem widmete er sich literarischer Tätigkeit. Sein Hauptwerk ist eine wohl erst nach 1593 begonnene märkische Chronik in deutscher Sprache, in der er ohne Quellenangabe andere Werke, insbesondere eine verlorene Chronik des Engelbert Wusterwitz über die Quitzowzeit und das Breviarium des Andreas Engel, ausschrieb, wodurch er sich den Vorwurf des Plagiats zuzog. Er trug jedoch dadurch zur Erhaltung eines heute verlorenen Werkes bei, auch enthalten eigene Zusätze wesentliche Ergänzungen. Überliefert sind zahlreiche Handschriften von ihm selbst in verschiedenen Fassungen und unter verschiedenen Titeln, desgleichen gleichzeitige und spätere Abschriften („Kurtze und warhafftige Beschreibung des Zustandes der Kurmark“, „Chronicon Marchicum“, „Microchronicon“ oder „Microchronologicum Marchicum“) meist ab 1388. Die verschiedenen Schlußjahre 1595-1600 deuten auf Zeit der Niederschrift. H. widmete die Handschriften fürstlichen und privaten Personen und Stadträten, von denen er entsprechende Honorierung erwartete. Riedel druckte in dem Codex Diplomaticus Brandenburgensis (1838–64), Abteilung IV das „Microchronicon“ nach dem Exemplar der Stadt Templin mit anderer Ergänzung (bis 1600). Eine kritische Ausgabe fehlt.

  • Werke

    Weitere W u. a. De vita et obitu Joachimi II. S. R. I. archicamerarii … ac d. Johannis fratris march. Br., Frankfurt/O. 1571;
    Liber de extremo iudicio, Wittenberg 1576;
    Ecloga in obitum Augusti el. Saxoniae, 1586;
    Tractat vom Adel u. dessen Ursprung, 1587 (Ms.).

  • Literatur

    ADB X (L);
    L. J. Schlicht, Horae subsecivae in schola Saldria, Berlin 1718, S. 103 ff., II, S. 140 ff.;
    M. Dieterich, Berlin. Closter- u. Schulhist., ebd. 1750, S. 4 ff.;
    J. C. W. Moehsen, Btr. z. Gesch. d. Wiss. in d. Mark, ebd. 1783, S. 11;
    G. Sello, in: Zs. f. Preuß. Gesch. u. Landeskde. 17, 1880, S. 280 ff.;
    F. Holtze, Die Berolinensien d. P. H., in: Schrr. d. Ver. f. d. Gesch. Berlins 31, 1894.

  • Autor/in

    Johannes Schultze
  • Empfohlene Zitierweise

    Schultze, Johannes, "Hafftiz, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 463 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119696584.html#ndbcontent

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  • Leben

    Hafftiz: Peter H., Schulmann und märkischer Chronist, geb. um 1525 in Jüterbock, gest. in Berlin um 1602. Nachdem er die Schulen zu Zinna und Pirna besucht hatte, widmete er sich 1545 dem Studium der Theologie in Frankfurt a. O., wo er auch 1546 die Magisterwürde erlangte. Seit 1549 in Berlin als Lehrer, zuerst an der Nicolai-, sodann an der Marienschule beschäftigt, führte er später das Rectorat über die beiden, während einiger Jahre vereinigten Anstalten und behielt nach ihrer abermaligen Trennung das der Nicolaischule. Als diese jedoch 1574 in ein Gymnasium (zum grauen Kloster) umgewandelt werden sollte, ward als dessen Rector Jacob Bergemann gewählt und H. blieb ohne Amt. Während seiner unfreiwilligen Muße verfaßte er das Trostbuch: „De iudicio extremo“ (Wittebergae 1575, 8°., deutsch, Leipzig 1577). Erst zu Ostern 1577 ward ihm wieder das Rectorat der Petrischule in Cölln a. S. übertragen, welches er etwa zehn Jahre lang verwaltete und dann in Ruhestand zurücktrat. — Am bekanntesten ist H. geworden durch seine in annalistischer Form verfaßte: „Kurtze und warhafftige Beschreibung des Zustandes der Kurmark Brandenburg von 1388—1595“, die er — auch unter dem Titel Microchronologicum — seit 1595 in mehreren mannigfach veränderten und mit Fortsetzungen versehenen Abschriften Fürsten, städtischen Behörden und anderen Gönnern übersandte. Noch bis ins 18. Jahrhundert wurde das Werk handschriftlich vervielfältigt; gedruckt wurde zunächst nur die Episode über Hans Kohlhase in Chr. Schöttgen's diplomat. Nachlese der Historie von Obersachsen 1730, II. 528 ff. und später in den Berliner Nachrichten 1827, Nr. 79—81. Endlich nahm Riedel das ganze Microchr. (jedoch nur nach einem erst mit dem Jahre 1411 beginnenden Manuscript) in seinen Codex diplomat. Brandenb. IV. 1. S. 46—168 auf. Eigenes schriftstellerisches Verdienst kann der Verfasser für dieses Werk nicht beanspruchen; der schon früher gelegentlich gegen ihn erhobene Vorwurf (vgl. Möhsen, Beitr. zur Geschichte der Wissenschaften in der Mark Brandenb. 1783, S. 11), daß er nur ein Plagiat geliefert habe, ist neuerdings durch die kritischen Untersuchungen Heidemann's (s. unten) im Einzelnen erhärtet worden. So begreift es sich, daß H. nicht selbst den Druck seines Manuscriptes betrieben hat. Er compilirte das Microchr. unmittelbar|nachdem das Breviarium rerum Marchicarum des Andreas Angelus (s. d.) im J. 1593 erschienen war und legte dieses fast wörtlich seinen Angaben für die Jahre von 1426—1592 zu Grunde. Einzelne Auslassungen sollten theils nur seine Quelle, die er zu nennen unterließ, verbergen, theils wurden sie durch andere Motive veranlaßt. Die Zusätze aber für den genannten Zeitraum (etwa 100 an der Zahl) sowie die Fortsetzungen bis zum Abschluß seiner Manuscripte (das der Universitätsbibliothek in Breslau bringt noch eine Notiz vom 9. Octbr. 1601) enthalten vorzugsweise Nachrichten, welche dem Verfasser aus persönlicher Kunde zufließen konnten, z. B. die über Berliner Ereignisse oder die nicht durchaus zuverlässigen Mittheilungen über Kohlhase, der ja auch vielfach in und um Jüterbock, der Vaterstadt des H., sein Wesen getrieben hatte (vgl. Burkhardt, Der histor. Hans Kohlhase und Heinr. v. Kleist's Michael Kohlhaas, 1864). Für den ersten Theil seines Werkes, d. h. bis zum J. 1425, hat H. unmittelbar aus derjenigen Quelle geschöpft, welche auch dem entsprechenden Zeitraum des Breviariums zu Grunde liegt, nämlich aus der zeitgenössischen Chronik des Engelbert Wusterwitz. Dadurch, daß H. dieselbe ausgiebiger als Angelus nicht blos im Breviarium, sondern auch in seinen ausführlicheren „Annales Marchiae Brandenburgicae“, 1598, benutzte, hat er ein schätzbares Material zur Reconstruction jenes leider nur in diesen Fragmenten erhaltenen Werkes geliefert und seinem Microchr. einen von ihm selbst ungeahnten Werth verliehen.

    • Literatur

      Schlicht, Horae subsecivae I. (1718), 103—118, II. (1722), 140—144. — Küster, A. und N. Berlin I. 975. — K. Kletke, Quellenschriftsteller z. Gesch. d. Preuß. Staats, 1858, S. 32—34. Besonders aber J. Heidemann in den Forschungen z. deutschen Gesch. XVII. 521—578, XVIII, 392 ff. und dessen Ausgabe des E. Wusterwitz nach Angelus und Hafftiz, 1878.

  • Autor/in

    Schwarze.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwarze, "Hafftiz, Peter" in: Allgemeine Deutsche Biographie 10 (1879), S. 320-321 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119696584.html#adbcontent

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