Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Adelsgeschlecht
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 119431203 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Multsan, von
  • Mulsan, von
  • Maltzahn, von
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Zitierweise

Maltzan, von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119431203.html [17.10.2018].

CC0

  • Leben

    Das Adelsgeschlecht war bis 1945 überwiegend in Mecklenburg und Vorpommern, aber auch in Schlesien und der Mark Brandenburg, vorübergehend auch in Böhmen, Ostpreußen und Polen, ansässig. 1194 erstmals urkundlich erwähnt, zählte es um 1500 zu den einflußreichsten Familien des Gebietes nordöstl. der Elbe. Um 1900 umfaßte der Familienbesitz rund 45 000 ha. In den Freiherrnstand erhoben wurde die Familie 1530 (Linie Penzlin; als Frhr. zu Wartenberg u. Penzlin; diese im folgenden jeweils mit *) bzw. 1765 (Linie Kummerow) und 1875 (Linie Sarow). Der schles. Zweig der Linie Penzlin wurde 1694 in den Grafenstand des Kgr. Böhmen erhoben Die Familie bekleidete seit der 2. Hälfte des 14. Jh. das erblich verliehene Amt des Erblandmarschalls von Altvorpommern (ehem. Land Stettin) und des Erblandmarschalls zu Wenden, der schles. Zweig bekleidete seit 1776 das Amt des Ober-Erbkämmerers des Hzgt. Schlesien und hatte seit 1854 das erbliche Präsentationsrecht für einen Vertreter im preuß. Herrenhaus. Die Schreibweise des Namens hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt (Moltzahn, Multsan, Mulsan u. a.); seit 1821 schreiben sich die Linien Kummerow und Sarow einheitlich mit, die Linie Penzlin ohne „h“ in der zweiten Silbe.

    Zu dem Geschlecht gehören u. a. Hermann ( 1322), Bischof von Schwerin (s. ADB 20), Behrend ( 1525), meckl. Staatsmann, der „Böse Bernd“ (s. ADB 20), Joachim* (1492-1556), kaiserl. Generalfeldhauptmann, Oberster Feldmarschall, Oberster Rat Hzg. Albrechts von Mecklenburg (s. ADB 20), und Dietrich ( 1563), Diplomat und Gelehrter. Dietrich war maßgeblich beteiligt an der Durchführung der Reformation in Mecklenburg; er stand in Korrespondenz mit Luther und Melanchthon, war beteiligt an Reformen des Universitätswesens (Rostock) und beriet Hzg. Albrecht von Preußen bei der Gründung der Univ. Königsberg. Johann Bernhard* (1526-69) war kaiserl. Rat und Landeshauptmann der Fürstentümer Oppeln und Ratibor, Joachim* (1559-1625) kaiserl. Truchseß und Rat, Bernhard Ludolf* (1591-1639) von Wallenstein eingesetzter Generalkommissar für Mecklenburg, meckl. und pomm. Landrat, Albrecht Joachim (1611–76) Hofmeister des schwed. Kanzlers Oxenstjerna, Erblandmarschall, schwed. Landrat, Prälat des Domstifts Cammin, Gesandter Karls XI. an den oberdeutschen Fürstenhöfen, Adolf Friedrich* (1622-97) Führer der meckl. ständischen Opposition gegen die Herzöge, Gesandter in Paris und Landrat. Johann Georg* (1638-1715) war kaiserl. Generalfeldwachtmeister, Geh. Rat, Landeshauptmann von Namslau, Hans Heinrich* (1640-1706) kursächs. Oberst, Kriegsrat und Kammerherr, Hans Bernd (1646–75) Attaché beim schwed. Gesandten Johann Oxenstjerna, schwed. Oberstleutnant und Generaladjutant; er ist bei Fehrbellin gefallen. Joachim Wilhelm* Gf. (1661–1718), war kaiserl. Kommissar und Geh. Rat, Carl Gustav (1663–1713) dän. General. Christine Elisabeth (1682–1747, v. Winterfeldt, Mutter des Generaladjutanten Friedrichs d. Gr.) war Oberhofmeisterin der Mgfn. Sophie Dorothea von Brandenburg-Schwedt (Schwester Friedrichs d. Gr.), Barbara Eleonore (1691–1774), verw. v. M.* und verw. Gfn. Soltikoff, war Oberhofmeisterin der Großfürstin, späteren Zarin Elisabeth; sie heiratete 1728 in 3. Ehe den russ. Feldmarschall Gf. Münnich und folgte diesem in die Verbannung nach Sibirien, bis er nach 20 Jahren von Zar Peter III. rehabilitiert wurde. Axel Albrecht (1693–1781), hervorragender Bauherr (so des Herrenhauses Kummerow, eines der schönsten Barockschlösser Pommerns), schwor als erster seines Geschlechts dem preuß. König den Treueid; er war Landrat und Erblandmarschall. Joachim Andreas* Gf. (1707–86) war preuß. Etats- und Kabinettsminister, Gesandter in Polen, Ober-Erbkämmerer des Hzgt. Schlesien, Johann Lothar* (1719-56) dän. Gesandter in St. Petersburg, Bogislav Helmuth (1724–1800) meckl. Hofmarschall. Hans Dietrich (1725–57) trat als erster seines Geschlechts in den Dienst der preuß. Krone und war bereits mit 24 Jahren Gesandter in Dresden. Er verschaffte sich dort Informationen und Dokumente über die Bündnisverhandlungen Frankreichs und Österreichs sowie die russ. Stellung dazu, ferner den Briefwechsel zwischen dem sächs. (Brühl) und russ. (Bestuchow) Außenminister und die Berichte des sächs. Gesandten aus Wien. Die Kenntnis der Unterlagen führte zum Präventivschlag Preußens gegen Sachsen, um das Funktionieren des Bündnisses Österreich/Frankreich zu verhindern (Ausbruch des Siebenj. Krieges). Helmuth Burchard Gf. v. Plessen (1729–97) war preuß. Geh. Rat und Gesandter, Joachim Carl* Gf. (1733–1817) preuß. Gesandter in London, Etats- und Kriegsminister, Karl Gustav (1735–1818) Kammerdirektor in Schwerin, Oberschenk und Oberhauptmann. Hans Albrecht (1754–1825) war Oldenburg. Regierungspräsident; nach der Niederlage gegen Napoleon übertrug ihm der ins russ. Exil gehende Herzog die Regierung des ihm verbleibenden Fürstentums Lübeck-Eutin. Elisabeth Ernestine Helmine (1760–1854) war Oberhofmeisterin der Prinzessin Friedrich von Preußen. Helmuth Dietrich (1761–1826) war preuß. Generalmajor (s. Priesdorff III, S. 413), Burchard Friedrich (1773–1837) Oberhofmarschall Kg. Friedrich Wilhelms III. und Intendant der kgl. Schlösser. Helmuth Gf. v. Plessen (1792–1860) war Legationsrat in Wien und Turin, Helmuth Bogislav (1793–1833) Gesandter am Wiener Hof (s. NND XI, S. 412), Mortimer* Gf. (1793–1843) preuß. Geschäftsträger in Darmstadt, Hamburg, Gesandter in Den Haag und Wien, Minister für auswärtige Angelegenheiten, Otto Friedrich Rudolf (1794–1868) Mitglied des preuß. Herrenhauses, Carl (1797–1868) preuß. Oberlandstallmeister und Vortragender Oberregierungsrat; das Schicksal|seiner Ehe mit Caroline v. Bilfinger wurde für Th. Fontane zur Vorlage seines Romans „Unwiederbringlich“. Robert (1807–82), preuß. Geh. Justizrat, war Landgerichtspräsident und Abgeordneter der Liberalen in der Frankfurter Nationalversammlung 1848. Julius* (1812-86) hat sich in den meckl. Verfassungskämpfen hervorgetan und war publizistisch aktiv; zu seinen Schriften gehören „Feudale Repliken“ (1878) und die Lebensbilder „Einige gute meckl. Männer“ (1882) (s. ADB 52). Wendelin* (1815-89), Literarhistoriker, besorgte eine historisch-kritische Ausgabe der Werke G. E. Lessings in 12 Bdn. Gustav (1817–71) war Hofmarschall des Hzg. Wilhelm von Mecklenburg, Bernhard* (1820-1905) Präsident des Oberlandesgerichts in Rostock, August* Gf. (1823–78) seit 1854 erbliches Mitglied des preuß. Herrenhauses, Ober-Erbkämmerer des Hzgt. Schlesien, 1871 als Deutschkonservativer Mitglied des Reichstags.

    Heinrich* (1826-74) war Forschungsreisender, Ethnograph und Sprachforscher (s. 1), Maximilian (1835–95) preuß. Oberst und Kommandeur des Kurmärk. Dragoner-Rgts. Nr. 14, Hans Ludwig (1837–99) wurde 1888 Mitglied des Reichstags, Friedrich* (1838-1914), preuß. Generalmajor, Kommandeur des Kürassier-Rgts. Nr. 6 in Brandenburg und der Kavallerie-Brigade in Münster, meckl.-strelitz. Oberkammerherr und Oberhofmarschall. Helmuth (1840–1923) gehörte als Mitglied der Deutsch-Konservativen Partei 1871-88 dem Reichstag an. 1890-93 war er Staatssekretär des Reichsschatzamtes, 1900-11 Oberpräsident von Pommern; 1909 wurde er Erblandmarschall von Altvorpommern, 1916 Kanzler des Johanniterordens. Er förderte die Erforschung der pomm. Geschichte und die Gründung (1912) der Historischen Kommission für Pommern. Die Univ. Greifswald verlieh ihm 1901 die juristische und 1921 die theologische Ehrendoktorwürde (s. W, L). Hermann Friedrich* (1843-91), Forschungsreisender, wurde 1882 Leiter des Ersten Deutschen Kolonialvereins (s. ADB 52). Friedrich (1848–1907), preuß. General d. Kavallerie, war Generaladjutant des Ghzg. Friedrich Franz IV. von Mecklenburg-Schwerin, Axel (1849–1928) Generalmajor, Kommandeur des Brandenburg. Dragoner-Rgts. Nr. 2 in Schwedt und Kommandeur der 8. Kavallerie-Brigade in Halle (s. Wi. 1928). Als Kapitän zur See war Curt (1849–1930) Kommandeur des Landungskorps, das 1883 Deutsch-Südwestafrika in Besitz nahm; unter Beförderung zum Konteradmiral wurde er Direktor der Kieler Marineakademie, 1903 Vizeadmiral; er verfaßte mehrere Werke über die neueste Entwicklung des Seekrieges (s. W). Oskar (1850–1943), Generalleutnant, war Kommandeur des 5. Garde-Rgts. zu Fuß in Spandau und Kommandeur der 37. Infanterie-Brigade in Oldenburg, Wilhelm* (1854-1933) wurde 1893 Mitglied des Reichstags (s. Rhdb.). Adolf* (1860-1935) war 1888-99 Regierungs- und Kriegskommissar der Südafrikan. Republik, 1914-18 Kriegsberichterstatter; er gab die Handbücher des Grundbesitzes heraus. Weitere Militärs waren Karl (1862–1922), Generalmajor und Kommandeur des 2. Schles. Dragoner-Rgts. Nr. 8 in Öls, Hellmuth (1862–1933), Generalmajor und Kommandeur des Rhein. Infanterie-Rgts. Nr. 68 in Koblenz, Kommandeur der Brigade „Maltzahn“, Kommandeur der 56. Infanterie-Division, Adolf* (1862-1930), Oberst und Kommandeur des Neumärk. Grenadier-Rgts. zu Pferde in Bromberg, Hans-Mortimer (1863–1916), Oberst und Kommandeur des 2. Brandenburg. Dragoner-Rgts. Nr. 12 in Gnesen. Ludolf* (1864-1942) wurde 1898 Mitglied des Reichstags, Hans Leopold (1867–1940), Generalleutnant, war Kommandeur des 2. Ulanen-Rgts. in Berlin und Kommandeur der 9. Kavallerie-Brigade. Axel (1868–1931), preuß. Geh. Oberregierungsrat und Vortragender Rat im Preuß. Landwirtschaftsministerium, leitete die Ernährungswirtschaft im 1. Weltkrieg. Elisabeth (1868–1945, Wengel), Schriftstellerin, die unter ihrem Mädchennamen Romane, Erzählungen und Gedichte historischen Inhalts veröffentlichte (s. L).

    In neuester Zeit waren Botschafter Ago* (1877-1927, s. 2) und Vollrath* (1899-1967), der 1938 aus rassischen Gründen aus dem diplomatischen Dienst entlassen wurde; nach dem 2. Weltkrieg wieder eingesetzt, war er seit 1953 Leiter der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes und 1955-58 Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Paris. Hellmuth (1900–66), Dr. phil., war Kustos am Goethe-Nationalmuseum in Weimar, seit 1947 Archivar und Kustos des Freien Deutschen Hochstifts und Goethemuseums in Frankfurt, seit 1955 Leiter des Düsseldorfer Goethemuseums (Kippenbergische Sammlungen), Mitherausgeber der dtv-Goetheausg. (s. W). Jürgen (1904–68), Oberforstmeister, war bis 1945 Universitätsforstmeister in Eldena/Greifswald. Maria* Gfn. (* 1909), Tierärztin, verbarg während des Nationalsozialismus jüdische Bürger in ihrer Berliner Wohnung (s. W, L). Wolf-Hasso (* 1922) ist Botschaftsrat, Kraft-Eberhard (* 1925) Professor für Zoologie in Halifax (Canada), Paul Hermann (* 1945) Vortragender Legationsrat.

  • Werke

    zu Wendelin: Dt. Bücherschatz d. 16., 17. u. 18. bis um d. Mitte d. 19. Jh., 1875;
    - Hrsg.: Th. W. Danzel, G. E. Lessing, s. Leben u. s. Werke, 21880 f.;
    F. v. Schiller, Briefwechsel mit s. Schwester u. s. Schwager, 1875;
    - zu Curt: Der Seekrieg zw. Rußland u. Japan 1904–05, 3 Bde., 1914;
    Wie England s. Kriege führt, e. Betrachtung üb. Seekriegsrecht, Wirtsch.krieg u. mil. Leistung, 1916;
    zu Hellmuth: Karl Ludwig v. Knebel, Goethes Freund, 1929;
    Carl August v. Weimer, o. J.;
    - zu Maria: Schlage d. Trommel u. fürchte dich nicht, 1986 (Erinnerungen).

  • Literatur

    ADB 20 u. 52;
    Urkk.slg. z. Gesch. d. Geschl. v. M., hrsg. v. G. C. F. Lisch, I-V, 1842-53;
    Berthold Schmidt, Stamm- u. Ahnentafeln d. Geschl. v. Maltzan u. v. Maltzahn, 1900;
    ders., Gesch. d. Geschl. v. Maltzan u. v. Maltzahn I-IV, 1907-26 (L);
    ders., Die Fam. v. M., in: Preuß. Kreuzztg., Beil. zu Nr. 165 v. 9.4.1922, Sonntagsbl. Nr. 15;
    Die Maltza(h)n 1194-1945, Der Lebensweg e. ost-dt. Adelsfam., hrsg. v. M.schen Fam.ver., 1979;
    Meckl. Jbb.;
    Balt. Stud. NF. - Zu Helmuth ( 1923): Helmuth Frhr. v. Maltzahn (S)
    , in: Pomm. Lb. II, 1936, S. 266-80;
    H. Branig, Die Oberpräsidenten d. Prov. Pommern, in: Balt. Stud. NF 46, 1959, S. 93-107;
    Ch. Frhr. v. Maltzahn, Bismarcks Entlassung im Spiegel d. … H. Frhr, v. M.-Gültz, in: Btrr. z. pomm. u. meckl. Gesch., hrsg. v. Roderich Schmidt, 1981, S. 163-72;
    - zu Elisabeth:
    A. Heine, Lisa Wengers Romane, in: Die Lit. 26, 1924;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936-70;
    - zu Maria:
    L. Gross, The last jews in Berlin, 1982, dt. u. d. T.: Versteckt, 1983.

  • Autor/in

    Christoph Freiherr von Maltzahn
  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Maltzahn, Christoph Freiherr von, "Maltzan, von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 740-743 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119431203.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA