Lebensdaten
1826 bis 1874
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Pisa
Beruf/Funktion
Forschungsreisender ; Ethnograph ; Sprachforscher ; Reiseschriftsteller
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118932160 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maltzahn, Heinrich Freiherr von
  • Maltzahn, Heinrich Karl Eckard Helmuth von
  • Maltzan, Heinrich Freiherr von
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Zitierweise

Maltzan, Heinrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118932160.html [24.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1793–1851), bayer. Major, führte Lola Montez in München ein, S d. Heinrich (1764–93) u. d. Wilhelmine v. Achard;
    M Julia Poulott-Thompson v. Waverley ( 1834); ledig.

  • Leben

    1846-50 studierte M. in München, Heidelberg und Erlangen Jura und orientalische Sprachen. Anschließend trat er in den sächsischen Staatsdienst ein, den er aber 1851 wieder verließ, als er nach dem Tod seines Vaters über sein Vermögen verfügen konnte. Im Anschluß an eine längere Europareise gelangte M. 1852 über Palästina und Syrien nach Algerien, wo er sich für einige Zeit niederließ, um sich weiter in der arab. Sprache unterrichten zu lassen und das Land kennenzulernen. 1857/58 bereiste er Abessinien. 1860 glückte es ihm, als Pilger verkleidet, Mekka zu betreten. In den folgenden Jahren interessierten M. neben volks- und sprachkundlichen Beobachtungen auch archäologische Überreste, vor allem der Phönizier. Mehrmals kehrte er nach Algerien, Tunesien und Marokko zurück; außerdem bereiste er 1867-69 Malta, Sardinien und Sizilien. 1870 unternahm er eine ausgedehnte Reise in wenig bekannte Gebiete Südarabiens. Seine Reiseerfahrungen beschrieb er in deutschen und ausländischen Tageszeitungen sowie in wissenschaftlichen Zeitschriften. Seine Bücher fanden einen weiten Leserkreis und trugen viel zur Verbreitung und Popularisierung islam. Kulturgutes bei. Als besonderes Verdienst wird ihm angerechnet, daß er die „Reise in Hadramaut“ aus dem Nachlaß von Adolf v. Wrede herausgab und daß er als erster genauere Nachrichten über das Mehri, eine semitische, südarab. Sprache, publizierte.

  • Werke

    Meine Reise nach Mekka, 2 Bde., 1865, u. d. T. Eine Wallfahrt n. Mekka, 1919, 1923, u. d. T. Meine Wallfahrt n. Mekka, 1982;
    - Reise auf d. Insel Sardinien, nebst e. Anhang üb. d. phönic. Inschriften Sardiniens, 1869 (ital. 1886);
    Reise in d. Regentschaften Tunis u. Tripoli, 1870;
    Sittenbilder aus Tunis u. Algerien, 1869. -
    Hrsg.: A. v. Wrede, Reise in Hadhramaut, Beled Beny 'Yssa u. Beled el Hadschar, 1870.

  • Literatur

    ADB 20;
    J. Fück, Die arab. Stud. in Europa bis in d. Anfang d. 20. Jh., 1955;
    Brümmer;
    F. Embacher, Lex. d. Reisen u. Entdeckungen, 1882.

  • Autor/in

    Uta Lindgren
  • Empfohlene Zitierweise

    Lindgren, Uta, "Maltzan, Heinrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 743 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118932160.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Maltzan: Heinrich Karl Eckard Helmuth von M., Reichsfreiherr zu Wartenberg und Penzlin, Reisender und Sprachforscher, geb. den 6. September 1826 zu Dresden, erhielt seine erste Bildung zu Wiesbaden, Heidelberg und Mannheim, studirte von 1846—50 Rechtswissenschaften in München, Heidelberg und Erlangen, daneben auch schon morgenländische Sprachen, trat dann in den sächsischen Staatsdienst, welchen er aber bald wieder verließ, als der 1851 erfolgte Tod seines Vaters ihn zum Herrn seines Vermögens gemacht hatte. Nachdem er von 1852 an den größten Theil von Europa, außerdem Palästina, Syrien, Algier und Marokko bereist hatte, ließ er sich für einige Zeit in Algier nieder, wo er durch einheimische Lehrer sich nicht nur in der arabischen Sprache unterrichten ließ, sondern durch den Umgang mit Orientalen aller Klassen sich derart in deren Sitten und Anschauungen hineinleben konnte, daß er Hinfort für einen der besten praktischen Kenner des Orients gelten konnte. Als solcher bewährte er sich auf einer 1857/58 ausgeführten Reise nach Abessinien, die ihn bis in die südliche Hauptstadt dieses Reiches führte. Noch glänzender aber zeigte sich, wie tief er in das innerste Wesen des Mohamedanerthums eingedrungen, als er 1860 über Alexandrien eine Wallfahrt nach Mekka antrat, welche ihn in Gesellschaft einiger egyptischer Tolba bis in die heilige Stadt und ihr Allerheiligstes führte. M. machte alle Zeremonien mit, welche einen Moslem zum Hadschi erheben, mußte aber, in Gefahr, entdeckt zu werden, kurz vor seiner Abreise aus Mekka fliehen, noch ehe er die Wallfahrt nach Medina antreten konnte. Seine ausführliche Schilderung dieser abenteuerlichen Fahrt|ergänzt in willkommener Weise die Beschreibung der vor M. nach Mekka gepilgerten Deutschen Seetzen und Burkhardt. Vorzüglich reich ist sie an lebhaften Schilderungen des Volkslebens und der Sitten auf dem Pilgerweg und in Mekka selbst. Ueberhaupt ist sie unter den zahlreichen Reiseschilderungen aus der Feder Maltzan's diejenige, welche seine hervorragende Gabe für Beobachtung und Darstellung des orientalischen Völkerlebens, sowie seine gründliche Bildung am besten kennen lehren. Es ist besonders zu bedauern, daß zahlreiche eingestreute Bemerkungen archäologischen, geschichtlich-geographischen und ethnographischen Inhaltes nicht zu selbständigen Studien ausgearbeitet wurden. Von seinen späteren Reisen in Tunis und Tripolis (1867), Sardinien (1868) und neuerdings Tunis und Tripolis (1869) hat M. nicht nur eingehende Schilderungen entworfen, sondern auch ein reiches Material an Inschriften mitgebracht, welche vor allem dem Studium des phönizischen Alterthums zum Nutzen gereichten. Ein anderes hervorragendes Verdienst erwarb sich M. durch die Herausgabe der hinterlassenen Beschreibung einer Reise durch Hâdramaut von der Hand des lange verkannten Adolf v. Wrede. Durch diese Arbeit auf das schon 1860 flüchtig besuchte Südarabien aufmerksam gemacht, ging M. 1870 über Massaua nach Aden und machte von da aus Ausflüge in die weniger bekannten Theile von Südarabien. Nach Europa zurückgekehrt, machte er am 22. Februar 1874 in Pisa langjährigen Nervenleiden durch einen Schuß ins Herz ein Ende. M. war, wie seine letzten Reisen und Veröffentlichungen bewiesen, auf dem Wege vom höheren Touristenthum sich zum zweckbewußten wissenschaftlichen Reisen zu erheben, zu welchem Anlage und Vorbildung ihn befähigten. Seit dem großen Burkhardt hatte wohl kein deutscher Reisender sich so wie M. in den Orient eingelebt. Seine Reisewerke sind trotz der oft losen und breiten Diction eine Fundgrube guter Beobachtungen, selbst die früheren zeigen im feuilletonistischen Gewand ein Streben nach Gründlichkeit und Wahrheit. Uebertreibung und Phrase sind auch den flüchtigeren Aufsätzen Maltzan's fremd. Von seinen zahlreichen selbständigen Werken (eine Fülle von Aufsätzen hat M. in der Zeitschr. d. D. Morgenl. Gesellschaft, in den Geogr. Mittheilungen, in der Allgemeinen Zeitung, dem Ausland u. a. veröffentlicht) nennen wir: „Drei Jahre im Nordwesten von Afrika“ (1863); Meine Wallfahrt nach Mekka“ (1865); „Reise auf der Insel Sardinien“ (1869); „Reise in den Regentschaften Tunis und Tripolis“ (1870); „Reisen in Arabien“ (1873). Außerdem ist M. als lyrischer Dichter mit „Pilgermuscheln“ (1863) und „Das Grab der Christin“ (1865) aufgetreten.

    • Literatur

      Geographische Mittheilungen 1875. Unsere Zeit 1874.

  • Autor/in

    Friedrich , Ratzel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ratzel, Friedrich, "Maltzan, Heinrich Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 153-154 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118932160.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA