Lebensdaten
1881 – 1974
Geburtsort
Köln
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Erziehungswissenschaftler ; Pädagoge ; Philosoph
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119408171 | OGND | VIAF: 100898688
Namensvarianten
  • Schneider, Friedrich Karl Wilhelm
  • Schneider, Friedrich
  • Schneider, Friedrich Karl Wilhelm
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Zitierweise

Schneider, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119408171.html [17.05.2022].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Lokomotivführer;
    M N. N.;
    1907 Käthe Schwaab;
    2 S u. a. Christian (1911–96), Dr. phil., Erziehungswiss., Hon.prof. an d. Univ. Marburg (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1987).

  • Biographische Darstellung

    Nach dem Besuch der Volksschule in Köln und Kempen/Niederrhein absolvierte S. das dortige Lehrerseminar und trat 1901 in den Schuldienst ein. Seit 1906 wirkte er als Seminarlehrer u. a. in Wittlich und Brühl sowie seit 1921 als Seminarprorektor in Münstermaifeld und Euskirchen. Gleichzeitig bereitete sich S. durch Selbststudium auf das Abitur vor, das er 1913 als Externer ablegte. Das anschließende Studium der Fächer Deutsch, Geschichte und Philosophie in Bonn und Münster beendete er 1918 mit der Promotion bei Berthold Litzmann und dem Staatsexamen. Nach seiner Habilitation an der Univ. Köln wurde S. 1923 zum Privatdozenten für Pädagogik ernannt. 1926 wechselte er an die neu gegründete Pädagogische Akademie in Bonn, wo er zunächst als Dozent, seit 1928 als Professor für Pädagogik und Psychologie tätig war. Aus dieser Zeit datiert der Beginn seiner intensiven Bemühungen um die Förderung des wissenschaftlichen Austauschs mit ausländischen Kollegen. Dazu dienten Studien- und Vortragsreisen ebenso wie die Übernahme einer Gastprofessur 1928 am Peabody-College in Nashville (Tennessee). Diese Kontakte führten 1931 zur Gründung der dreisprachigen „Internationalen Zeitschrift für Erziehungswissenschaft“, für die S. gemeinsam mit Paul Monroe (1869–1947) aus New York als Herausgeber fungierte. Von den Nationalsozialisten als politisch unzuverlässig eingeschätzt, wurde S. 1934 als Herausgeber der Zeitschrift durch Alfred Baeumler (1887–1968) abgelöst (erneut Hg. 1946–49) und als Hochschullehrer zwangspensioniert. 1940 erhielt er Lehrverbot, die Annahme eines Rufs auf den päd. Lehrstuhl der Univ. Fribourg (Schweiz) 1943 wurde ihm untersagt.|Zwar war es S. gestattet, weiterhin zu publizieren und öffentlich aufzutreten, an seine international ausgerichtete Wissenschaftstätigkeit konnte er aber erst nach Kriegsende wieder anknüpfen. 1946 zum Honorarprofessor für Pädagogik an der Theol. Fakultät Salzburg ernannt, gründete er im selben Jahr das dortige Institut für Vergleichende Erziehungswissenschaft, dessen Leitung er bis 1953 innehatte. Nach Gastprofessuren in Innsbruck (1947) und München (1948) wurde er 1949 mit 68 Jahren auf das Ordinariat für Pädagogik an die Univ. München berufen; seine Vorlesungstätigkeit beendete er 1961.

    Wenngleich S. die Diskussion in unterschiedlichen pädagogischen Bereichen maßgeblich mitbestimmte – neben seinen Arbeiten zur schulischen und außerschulischen Bildung und Erziehung v. a. durch seine Beiträge zur pädagogischen Psychologie -, so ist sein Name neben dem Franz Hilkers (1881–1969) in erster Linie mit der Etablierung der Vergleichenden Erziehungswissenschaft als akademischer Spezialdisziplin verbunden. S.s Ansatz basiert einerseits auf einem deskriptiven Vorgehen mit dem Ziel der Bestandsaufnahme und Tatsachenerkenntnis, andererseits auf einer hermeneutischen Operation zur Aufhellung der Ursachen und Wirkungen komparatistisch erfaßter Sachverhalte. Dabei gilt sein Hauptinteresse den theoretischen Voraussetzungen einer vergleichenden Betrachtungsweise. S.s Denken kreist um eine „Theorie der Triebkräfte der Pädagogik“ bzw. um die „gestaltenden Faktoren der Pädagogik der Völker“. Insgesamt begreift S. die Vergleichende Erziehungswissenschaft als pragmatische Disziplin und betont – orientiert an der Friedensidee – ihre Anwendung „auf die Praxis des Lebens“.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    Mitgl. d. Ak. gemeinnütz. Wiss. zu Erfurt (1928), d. dt. UNESCO-Komm. u. d. Kuratoriums d. UNESCO-Inst. f. Päd., Hamburg (beides 1951);
    Ehrenmitgl. d. European Soc. of Comparative Education (London 1961);
    Rr. d. päpstl. Sylvester-Ordens (1951);
    Bayer. Verdienstorden (1966).

  • Werke

    u. a. Das Studium d. Individualität, 1922, ⁵1929;
    Schulprakt. Psychol., 1922, ⁵1929;
    Kath. Fam.erziehung, 1934, ⁷1961 (ungar., poln. u. span. Überss.);
    Die Selbsterziehung, 1936 (ital. Übers.);
    Deine Kinder u. Du, 1937, ⁷1961 (span., franz., poln. u. ital. Überss.);
    Geltung u. Einfluß d. dt. Päd. im Ausland, 1943;
    Triebkräfte d. Päd. d. Völker, 1947 (ital. u. span. Überss.);
    Einf. in d. Erziehungswiss. 1949, ²1953 (ital. Übers.);
    Europ. Erziehung, 1959 (span. Übers.);
    Vgl. Erziehungswiss., 1961 (japan. Übers.);
    Ausgew. päd. Abhh., bes. v. Th. Rutt, 1963 (Biogr. S. 97-104, 112; W
    S. 107-12);
    Ein halbes Jh. erlebter u. mitgestalteter Vergleichender Erziehungswiss., 1970 (Autobiogr.); Hg.:
    Zs. f. christl. Erziehungswiss. u. Schulpol., 1920-23;
    Neue Btrr. z. Erziehungswiss., 1926 ff.;
    Handbücherei d. Erziehungswiss., 1921 ff.;
    Die Volksschulmethodik in Einzeldarst., 1925 ff.;
    Bildungskräfte im Katholizismus d. Welt seit d. Ende d. Krieges, 1936;
    Die Jugendverwahrlosung u. ihre Bekämpfung, 1951;
    lugendkriminalität, 1952;
    Tiefenpsychol. u. Erziehung, 1954;
    Mithg.:
    Lex. d. Päd. d. Gegenwart, 1952-55;
    Internat. Review of Education, 1955-62.

  • Literatur

    Weltweite Erziehung, FS F. S., hg. v. W. Brezinka, 1961 (W, P);
    W. Moeckel, Das pol., phil. u. hist. System d. Europa-Erziehung b. F. S. u. d. Widerspiegelung seiner Auffassungen im westdt. Schulwesen, Diss. Potsdam 1967;
    L. Froese, in: Bildung u. Erziehung 24, 1971, S. 498-503;
    H. Stübig, ebd. 50, 1997, S. 467-80;
    G. Zimmermann, F. S. u. d. Selbsterziehung, in: ders., Heimleiter, Autobiogrr. Skizzen e. Päd., 1997;
    W. Brezinka, F. S. (1881-1974) als Mitbegr. u. Kritiker d. Vergleichenden Erziehungswiss., in: Päd. Rdsch. 57, 2003, S. 3-15;
    Lex. d. Päd.;
    LThK³;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Preuß. Pädagogen (L).

  • Porträts

    Foto v. K. Schramm, Abb. in: Weltweite Erziehung (s. L), Frontispiz.

  • Autor/in

    Heinz Stübig
  • Zitierweise

    Stübig, Heinz, "Schneider, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 291-292 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119408171.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA